Inhalt
- Das große Geschäft mit der Co-Working-Software
- Warum Pipedrive ein Unicorn ist
- Sind Fintechs Europas Geheimwaffe?
- E-Commerce-Profiteure
- Ein Krisengewinner fehlt doch noch
Das Jahr 2020 wurde weltweit von der Corona-Pandemie bestimmt. Einer der wenigen Gewinner: die Software-Industrie. Zoom und andere
Videocall-Tool-Anbieter machen Homeoffice erst möglich, digitale Zahlungsmöglichkeiten werden immer wichtiger und Teams müssen auch ohne Zusammensitzen im gleichen Büro über aktuelle Vorgänge auf dem Laufenden bleiben. Wir zeigen die fünf bemerkenswertesten Software-Storys des Jahres 2020 und zeigen, warum die Deals rund um
Slack,
Pipedrive,
Klarna & Co. richtungsweisend sind.
Schon 2011 schreibt Investoren-Legende Marc Andreessen sein Essay
„Why Software Is Eating the World“. Nicht ohne Grund werden seine Worte derzeit wieder viel zitiert. Andreessen prophezeit damals, dass Software-Unternehmen in den nächsten zehn Jahren ganze Industrien durcheinanderwirbeln werden. Neun Jahre später können wir festhalten: Der Mann hatte recht. Und nicht nur deshalb sind auch wir auf gewisse Weise ins Software-Game eingestiegen. Bei OMR Reviews findet Ihr Bewertungen für 300 Software-Tools. Passend dazu zeigen diese Deals und Entwicklungen, wie Software 2020 die Welt bestimmt hat.
Das große Geschäft mit der Co-Working-Software
Warum Pipedrive ein Unicorn ist
„Designed to keep you selling“
verkündet Pipedrive auf seiner Webseite. Das Tool aus Estland hilft Unternehmen dabei, ihre Sales-Prozesse Schritt für Schritt im Blick zu behalten. Im November 2020 steht
Pipedrive selbst im Mittelpunkt eines Sales-Deals: Das Private-Equity-Unternehmen Vista aus den USA übernimmt die Mehrheit an Pipedrive –
für einen kolportierten zehnstelligen Betrag. Der Wert des Unternehmens liege durch den Deal bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Damit ist Pipedrive Europas jüngstes Einhorn mit einem SaaS-Modell (Software as a Service).
Der Pipedrive-Deal steht symbolisch für den Boom solcher SaaS-Modelle. Selbst kleinere und mittelständische Unternehmen brauchen Services, die Cloud-Software heute bietet – Verwaltung von Sales-Kontakten,
Customer Relationship Management, alle Unternehmensdaten verfügbar halten etc. Die Abo-Modelle von SaaS-Anbietern bedeuten für Firmen wie
Pipedrive wiederkehrende Einnahmen mit hohen Margen (die Entwicklung der Software ist teuer, die Skalierung weniger). Anders als von einigen
Experten vorhergesagt, hat die Corona-Pandemie SaaS-Anbietern eher noch einen Push verschafft, weil weltweit noch mehr Firmen von klassischen Software-Lösungen auf die Cloud umsteigen mussten.
Sind Fintechs Europas Geheimwaffe?
Wenn es ein Symbol für europäische Startup-Erfolgsgeschichten braucht, fällt oft der Name einer schwedischen Firma: Spotify. Mittlerweile gibt es aber einen zweiten weltweit operierenden Player aus dem Norden. Seit einer Finanzierungsrunde
über 650 Millionen US-Dollar im September 2020 ist der Payment-Dienstleister
Klarna etwa 10,65 Milliarden US-Dollar wert. Warum das Unternehmen so viel Wert ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 90 Millionen registrierte Nutzende, davon elf Millionen in den USA. 200.000 Händler haben die Software integriert. Jeden Tag verarbeitet Klarna eine Millionen Transaktionen.

Klarna fällt – wie hier in Berlin – immer wieder mit bunten Kampagnen auf.
Auch hier hat Corona nochmal einen Push gegeben. Mehr Online-Transaktionen bedeuten mehr Klarna-Nutzung. Hinzu kommt, dass das Rechnungsmodell von
Klarna – gleich bestellen, später bezahlen – in den USA noch relativ neu ist und jetzt vom schwedischen Unternehmen besetzt werden soll. In Europa hat Klarna den Auf-Rechnung-Bestellen-Markt schon fest in der Hand mit großen Partnern wie H&M, Zalando & Co. Insgesamt sind Fintechs ein kleiner Hoffnungsschimmer für die europäische Startup-Szene geworden. Unternehmen wie
Revolut aus UK,
N26 aus Deutschland,
Wise aus UK (von zwei Esten gegründet) oder
Adyen aus den Niederlanden
sind Milliarden wert.
E-Commerce-Profiteure
Über eine nochmal deutlich höhere Bewertung sprechen wir bei
Stripe – einem weiteren Payment-Anbieter. Das US-Unternehmen wickelt Zahlungen für Händler aber auch Konzerne wie Spotify, Amazon, Google, Salesforce, Microsoft, Slack und Booking.com ab – natürlich in einem Abo-Modell für die Kunden (SaaS). Aktuell führe Stripe Gespräche mit Investoren über eine Finanzierungsrunde,
die den Wert des Unternehmens auf 70 bis 100 Milliarden US-Dollar treiben könnte. Damit würde
Stripe zum wertvollsten mit Risikokapital finanzierten Startup in den USA. Wer aktuell ein SaaS-Modell mit boomenden
E-Commerce-Services verbindet, hat offenbar auf die richtigen Pferde gesetzt.
Ein Krisengewinner fehlt doch noch
Nicht vergessen wollen wir die ganz großen Pandemie-Gewinner
wie das Videoconferencing-Tool Zoom. Der Aktienkurs des Unternehmens legte im vergangenen Jahr von 60 US-Dollar auf jetzt 349 US-Dollar pro Aktie zu. Zwischendurch lag der Kurs gar bei 559 US-Dollar. Damit ist Zoom aktuell 100 Milliarden US-Dollar wert. Aber auch das Co-Working-Tool wird noch mit
Microsoft Teams und
Slack, die auch intensiv an besserer Integration von Videocalls arbeiten, zu kämpfen haben.
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