Backlink-Audit – so habt Ihr Eure Backlinkprofile im Griff

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Tertius von Claneo erklärt Euch im Gastbeitrag, wie Ihr mit Hilfe des SEO-Tools Ahrefs Euer Backlinkprofil im Blick habt

Backlinks sind gleichermaßen Kür und Notwendigkeit für gute SEO-Arbeit. In diesem Tutorial zeigt Euch Tertius Wahlich in wenigen Schritten, wie Ihr mithilfe von Ahrefs Euer Backlinkprofil an den wichtigsten Stellen analysieren könnt und was Euch diese Erkenntnisse bringen.

Die Wahl der richtigen Tools

SEO-Tools gibt es wie Sand am Meer. Die interessanten Unterschiede liegen daher sowohl im Pricing, als auch bei der Qualität der Daten. Geht es um Offpage-Maßnahmen und die Analyse des Backlinkprofils, hat sich ein Tool als besonders wertvoll herauskristallisiert: Ahrefs.

Ahrefs überzeugt nicht nur mit seiner Funktionsvielfalt, sondern auch mit einer großen Datenbank an Backlinks. Mit Metriken wie dem Domain Rating können zudem wertvolle Schlüsse auf die Qualität der eingehenden Links gezogen werden, doch dazu später mehr.

Obwohl Ahrefs auch als ein absolut solides All-in-One Tool gesehen werden kann und allein schon einen umfangreichen Einblick in das eigene Backlinkprofil ermöglicht, ziehen gute SEOs natürlich mehr als ein Tool zur Datenerhebung und -bewertung heran.

Wichtig: Jedes Tool hat am Ende nur begrenzte Aussagefähigkeiten. Welchen Kennwert der Tools Ihr zur Bewertung von Domains oder Links heranzieht, liegt letztendlich ganz bei Euch. Kein Tool kann eine 100 %-ige Genauigkeit garantieren. Deshalb macht es durchaus Sinn, die gleichen Daten von mehreren Tools zu erheben und diese miteinander zu vergleichen. So könnt Ihr eventuelle Lücken, die ein einzelnes Tool normalerweise hat, durch Stärken anderer Tools schließen.

Wir beschränken uns in diesem Review jedoch auf Ahrefs, da es besonders gut für einen Backlinkaudit geeignet ist.

Überblick verschaffen: Wo stehe ich überhaupt?

Bevor Ihr handelt, müsst Ihr folgende Fragen für Euch selbst beantworten: Wo stehe ich, was kann ich, was fehlt mir und wo will ich hin? Um einen guten Überblick über den Status quo zu erhalten, gebt Ihr zunächst Eure Domain in das Tool ein und startet die Auswertung – bis hierhin wenig komplex. Kniffliger wird es aber, wenn es darum geht, die richtigen Zahlen zu finden und daraus Erkenntnisse zu gewinnen.

Übersicht der wichtigsten Kennziffern von claneo.com

Was Ihr in dieser Abbildung seht, sind die wichtigsten Daten, mit denen Ihr Euer Backlinkprofil durch wenige Blicke einordnen könnt. Den Fokus könnt Ihr dabei auf die Hauptmetrik von Ahrefs, das Domain Rating (DR) und die Anzahl der verweisenden Domains legen.

Das Domain Rating bewertet die Qualität der Domains, die auf Eure Domain verweisen, und dient als Orientierung. Am Beispiel von claneo.com (Abb. 1) könnt Ihr erkennen, dass das Verhältnis von der Anzahl der verweisenden Domains zum Domain Rating sehr gut ist. Dies zeigt, dass die aktuell 151 verweisenden Domains hauptsächlich starke Domains sind, die auch Linkjuice zu claneo.com übergeben.

Wichtig: Das Domain Rating umfasst eine Bewertung auf einer Skala von 1 bis 100. Ein Domain Rating von 100 ist dabei das absolute Maximum und selbst google.com hat „nur“ ein DR von 98. Wie war das noch mit dem Teufel und dem Haufen? Jedenfalls haben es Domains jenseits eines DR von 90 naturgemäß einfach, die Anzahl und Qualität ihrer eingehenden Backlinks weiter zu steigern, da sie ihren Mehrwert für das WWW mehr als zweimal bewiesen haben und somit fast schon Selbstläufer sind. Dass das Maximum jedoch bei 100 liegt, hat zur Folge, dass alle anderen Seiten DR einbüßen müssen, wenn „die da oben“ immer stärker werden. Dabei müsst Ihr wissen, dass eine Steigerung des DR von 2 auf 10 deutlich „einfacher“ ist als von 10 auf 20. Je höher das Rating, desto schwieriger werden weitere Steigerungen.

Während das DR eher eine allgemeinere Bewertung darstellt, ist die Kennziffer „verweisende Domains“ schon etwas detaillierter. Diese zeigt Euch, wie viele einzigartige Domains auf Euch verlinken. Dabei wird pro Domain nur ein Link gezählt. Die Anzahl dieser verweisenden Domains müsst Ihr in ein Verhältnis mit den eingehenden Backlinks setzen. Dabei merkt Ihr schnell, dass die Anzahl der Backlinks deutlich höher ist, was daran liegt, dass Euch bestimmte Domains beispielsweise auf jeder ihrer Unterseiten oder gar im Footer (z.B. als Partner) verlinken. Auch hier gibt es nicht wirklich ein optimales Verhältnis als Ansatzpunkt, eher lohnt sich ein detaillierter Blick auf die verweisenden Domains.

Der Blick auf DR, Backlinks und die verweisenden Domains gibt Euch einen ersten Einblick darüber, wo Ihr steht. Natürlich gilt aber im SEO: mehr geht immer! Deshalb lohnt sich auch immer ein Blick darauf, wer Euch verlinkt hat und warum.

Verlinkte Inhalte und Qualität der verweisenden Domains

Ist es nicht beruhigend zu sehen, dass die eigene Seite schon einige Backlinks hat? Irgendwie schon, irgendwie aber auch nicht. Deutlich wichtiger als die reine Anzahl ist spätestens seit dem Penguin Update die Qualität der Links. Um diese zu analysieren, klickt Ihr einfach bei Ahrefs auf „verweisende Domains“.

Die Übersicht „verweisende Domains“ für claneo.com

Hier erhaltet Ihr alle wichtigen Informationen zu den eingehenden Links, basierend auf deren Domains. Ihr seht sofort, welche Domain wie oft und in welcher Art auf Euch verlinkt, wie viel Traffic diese Domain hat und wann die Links entstanden sind (Abb. 2).

Praktisch: Die Domains sind automatisch nach ihrer Qualität anhand des Domain Ratings geordnet. Über einen Klick auf die Anzahl der Links bei „Links auf das Ziel“ könnt Ihr sogar sofort sehen, in welchem Kontext die Links stehen und zur welcher URL sie auf Eurer Seite führen. Dies ist eine wunderbare Möglichkeit, um zu verstehen, welche Eurer Inhalte verlinkt werden. Auf dieser Basis könnt Ihr neue Content Strategien entwickeln und interessante Inhalte schaffen, die gute Chancen auf neue Links haben. Noch schneller geht es sogar über die Funktion „Beste nach Links“.

Broken Backlinks – keine Linkpower verschwenden

Eine der wichtigsten Einblicke, die Euch ein Backlinkaudit geben kann, sind Broken Backlinks. Über die gleichnamige Funktion zeigt Euch Ahrefs Links an, die zwar auf Eure Seite verweisen, aber zu einer 404-Seite führen. Solche Links geben Euch keinen Linkjuice weiter, weil Google recht schnell erkennt, dass dieser Link zu keinem wertvollen Inhalt führt.

Die Funktion „Broken Backlinks“ für claneo.com

Um den Linkjuice wiederherzustellen gibt es zwei Möglichkeiten. So könnt Ihr den Betreiber oder Autor der linkgebenden Seite kontaktieren und ihn darum bitten, den Link auf eine funktionierende URL Eurer Domain zu setzen, die den gleichen oder einen sehr ähnlichen Inhalt hat. Oder Ihr richtet eine dauerhafte Weiterleitung der 404-Seite zu einer vergleichbaren Seite, alternativ Eurer Homepage, ein. In unserem Beispiel in Abbildung 3 zeigt sich, dass die bei Kununu hinterlegte Karriereseite von claneo.com wohl nicht mehr erreichbar ist, was in dem Fall sogar durch claneo.com selbst repariert werden kann, in dem einfach der Link auf kununu.com aktualisiert wird. Diese Betrachtungen gehören zu den klassischen Methoden des Inhouse-Offpage-SEO.

Lust auf neue Links? Probiert das Ganze doch mal mit der Domain Eures Wettbewerbs, nehmt Kontakt zu den Linkgebern auf und versucht, diese Broken Backlinks auf vergleichbare Seiten auf Eurer Domain zu lotsen. Letztendlich hat auch der Linkgeber nichts davon, wenn seine Links ins Nichts führen. Win-Win!

TLDs und Ankertexte

Ein wichtiger Aspekt ist die Natürlichkeit Eures Backlinkprofils. Dabei geht es darum, mögliche Gefahren durch Spam-Verlinkungen, Black-Hat Attacken der Konkurrenz oder sonstige schädliche Einflüsse rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Dafür lohnt sich ein Blick auf die Herkunft dieser Links. Dafür könnt Ihr bei Ahrefs in der Übersicht „verweisende Domains“ oben nach TLDs sortieren oder auf der Übersicht-Seite nach unten scrollen, um so gezielt potenziell gefährliche Links untersuchen.

Wichtig: TLDs wie .xyz, .online, .club oder ähnliche sind in der Mehrheit der Fälle Spam und somit wertlos oder gar schädlich. Wenn Ihr eine Seite in Deutschland betreibt und auffällig viele Domains aus Russland oder Indien auf Euch verweisen, ist das immer ein erster Hinweis darauf, hier einmal genauer hinzuschauen. Stichwort: genauer hinschauen! Denn in bestimmten Fällen können auch solche Links durchaus sinnvoll sein, wenngleich sie rein geografisch Fragen aufwerfen. Hier lohnt sich immer eine Analyse und der genaue Blick auf den Kontext, in dem die Links gesetzt sind.

Gleiches gilt für die Ankertexte, zu denen Ihr über den gleichnamigen Kategoriepunkt bei Ahrefs gelangt.

Die Funktion „Ankertexte“ für claneo.com

Wünschenswert und natürlich sind in der Regel Ankertexte, die den Namen Eurer Brand oder URL Eurer Website enthalten oder deutlich machen, zu welchem Inhalt sie auf Eurer Seite führen. Solche Links sollten bestenfalls den Großteil der Ankertexte ausmachen. Auffälliger wird es, wenn in dieser Übersicht unnatürliche Keywordgruppen in falscher Grammatik oder chinesische Zeichen auftauchen. Hier lohnt sich ebenso ein detaillierter Blick wie bei dem Ankertext „<a>no text</a>“ in der oberen Abbildung, denn dieser steht für Bildverlinkungen. Solche Verlinkungen können einen ersten Verdacht auf Spam nahelegen, beispielsweise kursieren Millionen von .blogspot Domains, die wahllos Produkte und Seiten mit Bildern verlinken.

Spam und Disavow: Schlechte Links loswerden

Eines der Ziele eines Backlinkaudits ist es, potenziell toxische verweisende Domains zu erkennen und unschädlich zu machen. Dafür dienen alle Methoden, die Ihr bis hierhin gelesen habt, aber natürlich gibt es auch noch andere. Wenn Ihr nun Unregelmäßigkeiten festgestellt habt oder sogar schon von einem Google-Penalty betroffen seid, müsst Ihr diese Links bestenfalls loswerden. Eine zeitaufwendige, aber präzise Methode ist es, die Liste der verweisenden Domains aus Ahrefs als Tabelle zu exportieren. Achtet dabei darauf, dass Ihr nur dofollow-Domains exportiert, da nofollow- Links laut Google nicht auf eine Disavowliste gehören.

Nun geht es wirklich darum, Euch alle diese Domains im Detail anzuschauen und zu bewerten. Um in diesem Datensatz durchzublicken, könnt Ihr beispielsweise nach TLDs oder DR sortieren. Je geringer das DR und je „fremder“ die TLD, desto höher die Gefahr von Spam. Schaut Euch jede dieser Seiten genau an und entscheidet, ob sie toxische Inhalte aufweisen (Pornos, Casino, Waffen usw.) oder ob dort „echte“ Inhalte in Form von Artikeln usw. gegeben sind. Markiert Euch in Eurer Liste am besten alles, was toxisch zu sein scheint und schreibt diese später auf eine Disavowliste, die Ihr dann in der Google Search Console hochladet. So könnt Ihr Google zeigen, dass diese Links nicht in die Bewertung Eurer Domain einfließen sollen. Die Links bleiben zwar bestehen, aber Google ignoriert sie nun. So haltet Ihr Euer Backlinkprofil sauber!

Wichtig: Auf der Disavowliste sollten nur Domains oder URLs stehen, die zu 100 % toxisch sind. Wenn Ihr Zweifel habt, dann schreibt sie lieber nicht auf die Disavow. Denn wenn Ihr starke, wertvolle Domains auf die Liste packt, macht Ihr am Ende mehr kaputt, als Ihr retten könnt.

Fazit: „It depends“, wie immer!

Ahrefs liefert Euch als Tool alles, was Ihr für eine ausführliche Bewertung Eures Backlinkprofils (oder das Eurer Konkurrenz) benötigt. Übung macht auch hier den Meister. Lest Euch exakt alle Berechnungsgrundlagen der Kennziffern durch und trefft Eure eigenen Ableitungen. Wie überall im SEO hängt das eine immer mit dem anderen zusammen. Es gibt keine optimalen Verhältnisse zwischen TLDs, Backlinks und verweisenden Domains oder Ankertexten. Schaut daher immer genau aufs Detail und hinterfragt die Daten, dann werdet ihr Euer Backlinkprofil besser verstehen und auch erkennen, wo Ihr eingreifen müsst.

Über den Autor

Tertius Wahlich ist Jr. Content Marketing Manager bei Claneo, einer Search- und Content-Marketing-Agentur aus Berlin. Seine Stärken liegen im Content Marketing, Digital PR und Offpage-SEO.

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