Was ist Headless Commerce und wieso ist der Ansatz in aller E-Commerce-Munde?

Wir klären Euch über Headless Commerce auf und zeigen Euch am Fielmann-Beispiel, wie es erfolgreich umgesetzt werden kann.

Nach Headless CMS und Conversational Commerce nehmen wir uns nun einer weiteren Innovation im E-Commerce-Universum an: Headless Commerce. Ganz neu ist der Ansatz dahinter nicht, jedoch für die E-Commerce-Branche stellt es eine verbesserte Option dar, Kund:innen die Journey im Onlineshop zu verschönern. Außerdem bringt Headless Commerce eine Menge Vorteile für Onlineshop-Betreiber:innen mit sich. So viel zum Anteasern.

Was die genaue Definition von Headless Commerce ist, wie Ihr es umsetzen könnt und was Composable Commerce damit zu tun hat, haben wir für Euch zusammengefasst. Zudem liefern wir Euch mit Fielmann ein prominentes Praxisbeispiel in Sachen Headless Commerce dazu.

 

Was ist Headless Commerce per Definition?

Während Shopsysteme und CMS normalerweise Front- und Backend als ein Paket liefern, geht Headless Commerce einen anderen Weg. Der Ansatz, der seit 2020 im E-Commerce die Runde macht, trennt Front- und Backend voneinander und sämtliche Komponenten, die im Zusammenschluss per Webshop-Plattform dafür sorgen, dass der Onlineshop funktioniert. Suchfunktion, Darstellung der Produkte, Datenbank und Check-out können auf diese Weise von verschiedenen Anbieter:innen kommen, sind nicht voneinander abhängig und werden mittels API-Schnittstellen über eine Frontendtechnologie connected. Vereinfacht gesagt: Arbeitet an der visuellen Oberfläche Eures Onlineshops, ohne darauf achten zu müssen, ob die Änderungen funktionell mit dem Backend kompatibel sind.

Headless Commerce Grafik

Dargestellt ist der wesentliche Unterschied zwischen traditionellen Shopsystemen und dem Headless-Commerce-Ansatz.

 

Welche Vorteile bietet ein Headless Shopsystem?

Die „neue“ Art architektonisch an den Aufbau Eures Webshops à la Headless Commerce heranzutreten, bietet Euch gleich mehrere Vorteile:

  • Ihr seid flexibel bei der Konstruktion Eurer Onlineshops.
  • Dadurch könnt Ihr das Frontend unabhängig vom Backend anpassen.
  • Mit systemübergreifendem Headless-Backend plus verschiedenen Frontend-Komponenten könnt Ihr omnichannel – Mobilgeräte, Smartwatches, Desktop oder Augmented Reality – passend die jeweilige Audience ansprechen.
  • Indem Ihr verschiedene Frontends aufsetzt, ohne Auswirkungen auf das Backend zu haben, ermöglicht Euch Headless Commerce zielgruppengerechte Ansprache.
  • Content lässt sich barrierefrei auf verschiedenen Kanälen ausspielen.
  • Es spart Zeit und Kosten, da keine kompletten Systeme programmiert werden müssen.
  • Mit der Verwendung von Headless-Commerce-Softwares und externen Tools per API steht Euch die Möglichkeit offen, rasant auf sich immer schneller verändernden Kundenansprüche einzugehen, ohne monatelang einen Onlineshop anzupassen.
  • Letztendlich führt das zu zufriedeneren Kund:innen und mehr Umsatz.

Worin unterscheiden sich Headless Commerce und Composable Commerce?

Eine Softwaregattung als Headless zu bezeichnen, definiert vorerst keinen konkreten Mehrwert. Beim Headless Commerce kommt es vor allem darauf an, dass Software und Systeme die nötigen Schnittstellen haben, um zusammen zu funktionieren. Ob da nun Headless davorsteht oder nicht, ist irrelevant. Ein weiterer Begriff, der im E-Commerce öfters fällt, ist Composable Commerce – zu Deutsch: zusammenstellbar.

Wer beim Lesen bis hierhin aufmerksam war, hat vielleicht eine Ahnung, dass Composable und Headless Commerce etwas gemeinsam haben könnten. Tatsächlich alles. Composable Commerce ist eine weniger verbreitete Bezeichnung für Headless Commerce, um die Customer-Experience-Architektur durch zahlreiche Komponenten zu optimieren, statt ein einziges Komplettsystem zu nutzen. Verbreitet hat sich seit 2020 jedoch überwiegend der Begriff „Headless Commerce“.

Weshalb ist Headless Commerce gerade so präsent?

Der Grund, warum Headless Commerce aktuell in aller Munde ist, entpuppt sich als denkbar logisch, bedenkt man, vor welchen Herausforderungen E-Commerceler stehen. Demnach werden beispielsweise die Erwartungen der Kund:innen immer vielfältiger und Zielgruppen möchten spezieller angesprochen werden. Gleichzeitig möchten Onlineshop-Betreiber:innen dem gerecht werden und schnell Änderungen vornehmen können.

Da in traditionellen Shopsystemen alles eins ist, sind diese oftmals nicht so schnell oder gar nicht umsetzbar. Also ist die logische Konsequenz ein Fortschritt in der E-Commerce-Evolution: Alle Komponenten, die einen Webshop ausmachen, aufzuteilen, über Schnittstellen zu verbinden und auf diese Weise Kund:innen und Kanäle zielgerechter anzusprechen und sich dadurch Flexibilität ins Unternehmen zu holen.

Worin liegt der Unterschied zwischen traditionellen E-Commerce-Plattformen und Headless-Commerce-Softwares?

Um das, was an verschiedenen Stellen in diesem Artikel bereits angeteasert wurde, nochmal auf den Punkt zu bringen: Headless-Commerce-Softwares ermöglichen durch die Zusammenarbeit über Schnittstellen absolute Flexibilität, während bisherige E-Commerce-Plattformen alles aus einer Hand liefern. Normalerweise ist letzteres ein Vorteil, fragt man User in anderen Software-Genres.

Doch dort, wo es darauf ankommt, Umsatz zu machen, die UX in immer kürzeren Intervallen zu ändern und Kund:innen zu gewinnen, die jeder für sich anders ticken, gilt es als höchstes Gut, anpassbar zu sein. Dementsprechend ist der Unterschied zwischen traditionellen E-Commerce-Platforms und Headless-Commerce-Softwares offensichtlich: Das eine ist starr und wirkt sich hinderlich bei der Customer Journey aus, während das andere alle Möglichkeiten offenhält.

Wie Makaira für Fielmann bereits Composable Commerce umsetzt

Die vermutlich spannendste Frage für Euch: Wie funktioniert Headless Commerce in der Realität? Dazu hatte Philipp Westermeyer vor kurzem erst den CEO von Fielmann Marc Fielmann zu Gast im OMR Podcast. Beide sprachen unter anderem über die Herausforderung, die bisherige kundenzentrierte Philosophie bei Fielmann auf eine Omnichannel-Experience zu übertragen, um das bekannte Brillen-Unternehmen in die digitale Zukunft zu führen. Marc Fielmann erklärt dazu, wie sie ihren Composable-Commerce-Ansatz mithilfe von Makaira umgesetzt haben.

Makaira Screenshot

Makaira: Eine der Vorreiter-Softwares in Sachen Headless-Commerce.

Makaira ist eine der führenden Software-Anbieter im Headless-Commerce-Bereich. Es ist eine von Shopsystemen unabhängige Storefront, die sich performant ausspielen kann und somit eine personalisierte Darstellung bietet. Ohne dabei Änderungen am Shopsystem im Backend vorzunehmen. Von dem Architektur-Ansatz profitieren neben Fielmann bereits u.a. die Rotkäppchen-Mumm-Gruppe, Sport Conrad und Stadler. Die Auswahl lässt erahnen, dass die Software-Lösung in den verschiedensten Branchen eingesetzt werden kann.

Für Makaira bestand für Fielmann die Aufgabe darin, verschiedene Shop-Fronten hochzuziehen. Beispielsweise einen für Kontaktlinsen und einen für Sonnenbrillen – abseits des Hauptshops. Zusammen mit Shopify Plus und SAP-Backends schaffte es Makaira in nur wenigen Wochen einen ersten Minimum-Viable-Product-Shop (MVP) zu kreieren. Ein Vorhaben, das mit traditioneller Architektur deutlich mehr Zeit in Anspruch hätte nehmen müssen. Und alles nur, weil die Infrastruktur im Hintergrund bereits seitens Fielmann vorhanden war.

Es galt lediglich, die Front an die Bedürfnisse und an den Zweck des neuen Shops anzupassen. Ein weiterer Vorteil des Headless Commerce resultiert aus der Lebenszeit des neuen Onlineshops von Fielmann: An jedem Tag, an dem dieser existiert, kann der Shop sofort angepasst werden – passend auf die Kundenwünsche ausgerichtet. Auf diese Weise hat es Makaira geschafft, den Startknopf für Fielmanns Reise in die digitale Zukunft zeitnah zu drücken und setzt diese im hohen Tempo fort.

Fielmann Screenshot

Fielmann ist zusammen mit Makaira bereits in die digitale Zukunft des E-Commerce gestartet.

Und hört Ihr Marc Fielmann im Podcast aufmerksam zu, werdet Ihr schnell merken, dass auch die Zusammenarbeit innerhalb der Projektteams zwischen Makaira und Fielmann erwähnenswert war. Also hört am besten in die OMR-Podcast-Folge #439 rein, wenn Euch Details über Composable Commerce, die Digitalisierung bei einem der größten Brillen-Anbieter dieses Landes und die Ambitionen des jungen Fielmann-CEOs interessieren.

Was sind bekannte Headless-Commerce-Softwares?

Entsprechend des Frische-Status von Begrifflichkeit und Umsetzungsmöglichkeiten ist die Zahl der Headless-Commerce-Tools noch überschaubar. Dennoch existieren neben Makaira schon weitere erfolgsversprechende Exemplare von zum Teil bekannter Namen:

SAP Commerce Cloud

In der Software-Landschaft nimmt SAP ein gewaltiges Territorium ein, bietet es doch seit Jahren eine Vielzahl von Tools an, um kleine, mittlere und große Unternehmen digital voranzubringen. Mit der Commerce Cloud schafft es SAP ebenfalls Omnichannel-Einkaufserlebnisse zu erschaffen, um die Prozesse im E-Commerce zu optimieren.

Salesforce Commerce Cloud

Eine Lösung, um Eure unterschiedlichen Kund:innen besser per Headless Commerce anzusprechen, bietet auch Salesforce an. Deren Commerce Cloud fokussiert sich auf die Vernetzung von Usern mit Käufer:innen. Dadurch soll sich die Omnichannel-Experience stark verbessern lassen.

Commercetools

Commercetools trägt seinen Mehrwert bereits im Namen: Es stellt eine Commerce-Plattform der nächsten Generation dar – also der Headless-Commerce-Generation. Microservices, APIs und eine cloudbasierte Headless-Architektur sind bei Commercetools Teil des Programms. Der deutsche Anbieter hat ebenfalls verstanden, dass alles schneller wird: Markttrends und Kundenanforderungen.

Frontastic

Das 2017 gegründete Unternehmen Frontastic konzentriert sich derweil auf Frontends für den mobilen Bereich. Allein in diesem sind zahlreiche Bedingungen zu meistern, weshalb es durchaus Sinn ergibt, sich als Anbieter nur um mobile Frontends zu kümmern. Dabei ist Frontastic Teil der Commercetools-Company.

Fazit zu Headless Commerce

Wenngleich die Umsetzung von Headless-Commerce-Shops noch in den Kinderschuhen steckt, sehen wir in Form von Tools und Brands bereits Pioniere voranschreiten. Ohne Frage ist der Headless-Ansatz auch im E-Commerce die Zukunft, da die Ansprüche der Kund:innen – insbesondere der Generation Z – sich immer schneller verändern und die Kanäle, sie zu erreichen, immer zahlreicher werden.

Per App, Smartwatch, Tablet, Smartphone, Desktop oder Social Media kaufen die Menschen mittlerweile ein, jedoch hat jede dieser User-Gruppe für sich andere Vorstellungen eines Onlineshops – mal abgesehen davon, dass durch die Omnichannel-Experience auch die Darstellungen variieren sollten. Um User zu überzeugen, müssen Unternehmen im E-Commerce heute die Richtung ändern, um in der noch „digitaleren“ Zukunft keine Kund:innen oder gar Umsätze zu verlieren. Mit einer Headless-Commerce-Architektur bekommt Ihr das notwendige Fundament dafür!

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