Rechtssicher und wirtschaftlich: So wird dein ESG-Datenmanagement nachhaltig erfolgreich
Gülistan Dar5.2.2026
Anforderungen, Prozessintegration und Checkliste für eine zukunftsfähige Toolauswahl im Unternehmen
Inhalt
- Welche Regulatorik bedingt ein ESG-Datenmanagement?
- Was ist das ESG-Datenmanagement?
- Welche Zielsetzung wird mit einem ESG-Datenmanagement verfolgt?
- Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der Implementierung eines ESG-Datenmanagements?
- Wie führe ich ein erfolgreiches ESG-Datenmanagement in meinem Unternehmen ein?
- How-to-Toolauswahl: Welchen Anforderungen muss ein Tool für das ESG-Datenmanagement genügen?
- Checkliste zur Auswahl eines ESG-Management-Tools
- So gelingt dir die passende Anbieterauswahl für ESG-Management-Tools
- Passende ESG-Tools
Du willst ein ESG-Datenmanagement bei euch im Unternehmen neu einführen oder euer bestehendes optimieren? Deine Ziele: die Regularien rechtssicher umsetzen, zukunftsfähig handeln, aber gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll agieren? Dann ist die Auswahl des richtigen Softwaretools entscheidend. In diesem Beitrag erfährst du, welchen Anforderungen ein Tool für das ESG-Datenmanagement genügen muss, um deine Zielvorgaben zu erfüllen, inklusive Tipps für die Prozessintegration und Überwachung sowie einer Checkliste zur Toolauswahl.
Das Wichtigste in Kürze
- Zahlreiche Regelwerke wie CSRD, REACH, EU‑Taxonomie und EUDR erfordern belastbare ESG‑Daten.
- ESG‑Datenmanagement dient der Compliance, Entscheidungsfindung und Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung.
- Unternehmen kämpfen häufig mit Datenlücken, fehlender Expertise und hohem manuellem Aufwand.
- Softwaretools steigern Datenqualität und Effizienz durch Automatisierung, Validierung und Lieferantenkommunikation.
- Bei der Toolwahl zählen Standards, Zukunftsfähigkeit, Governance, Schnittstellen und Datenqualität mehr als der Preis.
Welche Regulatorik bedingt ein ESG-Datenmanagement?
Aus zahlreichen Gesetzgebungen, wie beispielsweise zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD), Chemikalienverordnung (REACH), EU-Taxonomie, EU-Lieferkettengesetz (CSDDD) oder Entwaldungsverordnung (EUDR), ergibt sich die Notwendigkeit, ESG-Daten, d. h. Kennzahlen und Informationen aus den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) zu liefern. Zudem werden Unternehmen dazu aufgefordert, ESG-Prinzipien, Strategien sowie Ziele zu definieren. Um diese in konkrete Maßnahmen umzuwandeln sowie Fortschritte und Verbesserungen sehen zu können, ist die sorgfältige Erfassung, Analyse und Validierung von Daten ausschlaggebend. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, für die nötige Transparenz zu sorgen und ihre Maßnahmen in allen drei Bereichen nachzuweisen.
Erhoben werden hierfür unter anderem die CO2-Emissionen eines Unternehmens, aber auch KPIs zu Ressourcenverbräuchen, Kreislaufwirtschaft, Arbeitsbedingungen, Lieferketten sowie ethischen Praktiken. Neben unternehmensbezogenen Informationen, sind aber ebenso die produktbezogenen Nachhaltigkeitsdaten, allen voran die Informationen zur Material Compliance von Produkten (u. a. besorgniserregende Stoffe), entscheidend. Gemäß Ökodesignverordnung wird es in den nächsten Jahren erforderlich, für bestimmte Produkte digitale Produktpässe zu erstellen, die dem Verbraucher oder Kunden relevante Informationen zum Produkt transparent kommunizieren.
Bildverwendungsnachweis: tec4U-Solutions
Damit die Daten ordnungsgemäß erhoben und objektiv beurteilt werden können, kommt das ESG-Datenmanagement zum Einsatz.
Was ist das ESG-Datenmanagement?
Bei dem ESG-Datenmanagement geht es somit um das Management von Daten aus den Bereichen Umwelt, Soziales & Governance, um ESG-Compliance zu erreichen.
Das ESG-Datenmanagement beschreibt – ähnlich wie ein klassisches Datenmanagement – das Erfassen, die Analyse sowie das Speichern von Daten – mit dem einzigen Unterschied, dass man sich nicht auf alle Unternehmensdaten fokussiert. Bei dieser spezialisierten Form des Datenmanagement liegt das Hauptaugenmerk auf den Daten, welche dabei unterstützen können, die Umweltleistung eines Unternehmens sowie dessen Positionierung im Kontext der Nachhaltigkeit zu beurteilen.
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Welche Zielsetzung wird mit einem ESG-Datenmanagement verfolgt?
Im Rahmen eines ESG-Datenmanagements gilt es nicht nur, diese Daten systematisch zu erfassen, sondern auch zu steuern sowie nutzbar zu machen. Hierbei werden zentrale Zielsetzungen verfolgt:
- Erfüllung regulatorischer Anforderungen: Viele Regelwerke aus dem Nachhaltigkeitskontext (u.a. CSRD, EU-Taxonomie, LKSG/CSDDD) beinhalten Reporting-Pflichten zu wesentlichen nachhaltigkeitsbezogenen KPIs. Im produktbezogenen Umfeld ist das systematische und regelmäßige Erfassen von Lieferantendeklarationen zu den verwendeten Materialien, Werkstoffen und Artikeln relevant. Dies dient dazu nachzuweisen, dass keine reglementierten oder verbotenen, sogenannte gefährlichen Substanzen, in den Produkten enthalten sind, die potenziell der Umwelt und Gesundheit schaden.
- Verbesserung der Datenqualität & Effizienz: Durch den Einsatz eines systematischen Datenmanagement soll die Vollständigkeit, Aktualität, Konsistenz und Prüfbarkeit der ESG-Kennzahlen sichergestellt werden.
- Steigerung von Glaubwürdigkeit und Reputation: Mithilfe von konsistenten, nachvollziehbaren sowie vergleichbaren ESG-Kennzahlen soll das Vertrauen bei Stakeholdern (z.B. Investoren, Aufsichtsbehörden, Kunden) gestärkt sowie die Unternehmensreputation verbessert werden.
- Unterstützung bei der Entscheidungsfindung: Auf Basis der bereitgestellten ESG-Kennzahlen sollen Managemententscheidungen (z. B. Investitionen, Risikosteuerung oder Lieferantenauswahl) fundiert getroffen werden können.
- Risikomanagement: Aus den erhaltenen Daten und Informationen sollen ESG-bezogene Risiken und Chancen abgeleitet werden, um diese wiederum für das interne Controlling und Risikomanagement zu nutzen.
- Controlling der Nachhaltigkeitsleistung: Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen sollen mithilfe eines ESG-Datenmanagements kontinuierlich gemessen, überwacht und gesteuert werden.
Insgesamt wird mit dem Implementieren eines ESG-Datenmanagements das Ziel verfolgt, eine belastbare Datenbasis zu schaffen, damit Nachhaltigkeit nicht nur berichtsfähig ist, sondern vielmehr messbar sowie steuerbar wird.
Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der Implementierung eines ESG-Datenmanagements?
Allerdings stehen viele der bereits genannten Zielsetzungen eines ESG-Datenmanagements in der Praxis zahlreichen Herausforderungen gegenüber:
- Unvollständige, inkonsistente oder manuell erhobene Daten sorgen für eine unzureichende Datenqualität.
- Das Nichtvorhandensein von Primärdaten, insbesondere in der Lieferkette (z. B. Scope 3-Emissionen im Rahmen des CO2-Fußabdrucks oder SVHC-Kandidatenstoffe) führen zu einer mangelnden Aussage.
- Fehlendes und/oder oftmals unzureichendes Fachwissen im Bereich ESG, wie z. B. die hohe Relevanz/Unerlässlichkeit der produktbezogenen Nachhaltigkeit (REACH-Verordnung, RoHS-Richtlinie, TSCA, Conflict Mineralien, PFAS etc.) im Rahmen zahlreicher Gesetzgebungen – wie der Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß CSRD.
- Ein oftmals noch sehr hoher manueller Aufwand bei der Datenerhebung und -validierung stellt Unternehmen vor große personelle Herausforderungen oder erhöht das Risiko von Datenlücken und -fehlern.
- Die fehlende Dokumentation von Annahmen sowie Berechnungsmethoden sorgt dafür, dass die bereitgestellten ESG-Daten kaum nachvollziehbar, geschweige denn, prüffähig sind.
- Die sich stetig wandelnde sowie sehr komplexe regulatorische Landschaft im ESG-Bereich macht es für Unternehmen nahezu unmöglich, kontinuierlich auf dem aktuellen Stand der Technik zu bleiben.
Insbesondere durch den Einsatz von Tools für das ESG-Datenmanagement und die Reduktion manueller Prozesse kann die Datenqualität erhöht, Effizienz gesteigert sowie das Erfüllen sämtlicher regulatorischer und Marktanforderungen gewährleistet werden.
Wie führe ich ein erfolgreiches ESG-Datenmanagement in meinem Unternehmen ein?
Um ein effektives ESG-Datenmanagement zu implementieren und die erforderlichen Daten nutzenbringend zu bearbeiten, ist ergänzend zu geeigneten Softwaretools die Integration des Themas in die bestehenden Prozesse bedeutend. Vor Einführung einer ESG-Software sind intern klare Prozesse, Verantwortlichkeiten sowie eine ergebnisorientierte Strategie zu entwickeln, damit aus den gewonnenen Daten ein tatsächlicher Benefit für dein Unternehmen generiert werden kann.
Klären von Zielsetzungen & regulatorischem Rahmen
Zunächst einmal gilt es, die Frage zu beantworten, wem die ESG-Daten zur Verfügung gestellt werden sollen und aus welchen Grund? Wie wir bereits gesehen haben, kann die Motivation aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen.
Zudem gibt es eine Vielzahl an ESG-Themen und somit auch ESG-Daten, die selbstverständlich nicht alle von einem Unternehmen berichtet werden sollen. Insbesondere der verpflichtende Berichtsstandard ESRS stellt Unternehmen, die einen CSRD-Bericht verfassen, vor große Herausforderungen. Mit einer Vielzahl an Themen und geforderten Datenpunkten aus den Bereichen Umwelt, Soziales & Governance sorgt er oftmals für Überforderung. Hier kann eine Wesentlichkeitsanalyse sowie die anfängliche Betrachtung bereits bestehender interner Prozesse helfen. Durch dezidierte Fragestellungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen können die für das Unternehmen tatsächlich relevanten Themen ermittelt werden. Auf diese Weise kann das anschließende ESG-Datenmanagement zielorientiert sowie strukturiert eingeführt werden.
Festlegung interner Verantwortlichkeiten
Bevor es an die Datenbeschaffung geht, gilt es zunächst einmal, ESG-Verantwortliche festzulegen sowie klare Rollen zu definieren. Denn in einem solchen Prozess sind verschiedene Parteien beteiligt, z. B. die Fachabteilungen als Datenlieferanten oder aber das Controlling als Datenverwerter.
Definieren aller relevanter ESG-Kennzahlen & Anforderungen
Durch die Vielzahl an möglichen ESG-Daten sowie zugrunde liegenden Definitionen und Berechnungsmethoden, ist es unerlässlich, auf Basis der Wesentlichkeitsanalyse die für dein eigenes Unternehmen relevanten Daten zu priorisieren.
Typische ESG-Daten in diesem Kontext sind:
- Umwelt: CO2-Emissionen (Scope 1-3), Energieverbräuche, Wasserverbräuche, Abfälle, Recycling-Quoten, Informationen zu besorgniserregenden Stoffen (SVHC)
- Soziales: Arbeitssicherheit, Fluktuationsrate, Diversität, Vergütung
- Governance: Compliance-Vorfälle, Lieferantenmanagement
Neben den ESG-Daten spielt das Anforderungsmanagement eine entscheidende Rolle. Denn im Laufe der Zeit sind nicht nur die Anforderungen an Unternehmen, sondern insbesondere an die vorgelagerte Wertschöpfungskette gestiegen. Um diese Informationen bestmöglich von seinen Lieferanten zu erhalten, empfiehlt es sich, diese in einem separaten Dokument, einer sogenannten Nachhaltigkeits-Spezifikation oder Compliance-Hausnorm, zusammentragen sowie sukzessive anzupassen und zu erweitern. In bereits bestehenden Vertragsdokumenten sollte auf dieses Anforderungsdokument verwiesen werden, um sämtliche Geschäftspartner an die eigenen Vorgaben (z. B. Marktvorgaben, Kundenvorgaben, interne Vorgaben) zu binden. Zudem dient dieses Dokument als klare Orientierung für die internen Fachabteilungen, wie Entwicklung, Einkauf oder Produktion.
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Screening bestehender Datenquellen und interner Prozesse
Viele Unternehmen benutzen bereits Tools und Systeme für die Datenerfassung in bestimmten Bereichen, z. B. ERP-Systeme oder HR-Systeme. Allerdings kommt immer noch sehr oft Excel zum Einsatz. Für manche Daten kann dies auch sehr hilfreich sein, allerdings stößt man sehr schnell an seine Grenzen, wenn man die Vielzahl an komplexen ESG-Kennzahlen abbilden möchte. Daher ist es wichtig, einen Status Quo darüber zu erhalten, wo und in welchem System bereits Daten vorliegen. Auf diese Weise können effizient Medienbrüche identifiziert sowie Doppelarbeit vermieden werden.
Prozesse & Tools zur Datenerhebung und Lieferkettenkommunikation
Nachdem klar ist, in welchen Systemen & Prozessen bereits notwendige ESG-Daten erhoben werden, gilt es, neue standardisierte Prozesse zu etablieren, um die Datenlücken zu füllen. Zudem soll durch eine Standardisierung gewährleistet sein, dass die Daten kontinuierlich angefragt werden und nachvollziehbar sind. Der gesamte Prozess der Datenbeschaffung sollte einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden sowie dokumentiert sein.
Hierbei kann ein Tool für das ESG-Management entscheidend sein. Denn aufgrund der Vielzahl an Daten, die es innerhalb der Lieferkette anzufragen gilt, wird nicht nur das Erheben, sondern vielmehr das Auswerten sowie Verwalten dieser Informationen zunehmend komplexer. Ein passendes Tool für das ESG-Datenmanagement kann hierbei Abhilfe leisten und den Arbeitsaufwand in einem hohen Maße reduzieren – bei Gewährleistung der erforderlichen Rechtssicherheit.
How-to-Toolauswahl: Welchen Anforderungen muss ein Tool für das ESG-Datenmanagement genügen?
Um das ESG-Datenmanagement erfolgreich umsetzen zu können, ist eines essenziell: Daten. Denn ESG-Compliance beginnt mit einem guten Datenmanagement. Diese müssen in der Lieferkette recherchiert und rechtskonform validiert werden. Ein probates Mittel, um die erforderliche Maßnahmen zu unterstützen, sind sogenannte ESG-Datenmanagement-Tools. Oftmals reichen gängige Systeme und Dienstleistungen zur Datenbeschaffung allerdings nicht aus, um eine hinreichend rechtssichere Umsetzung aller Anforderungen zu unterstützen. Daher stellt sich die Frage, welchen Anforderungen ein ESG-Datenmanagement-Tool genügen muss, um für das Unternehmen von Mehrwert zu sein?
Abbildung relevanter Standards
Je nach Regelwerk und Themengebiet sind unterschiedliche Standards sowie Konzepte anzuwenden – optional und/oder verpflichtend. Wichtig ist hierbei, dass ein Tool für das ESG-Datenmanagement alle relevanten Standards berücksichtigt. Welche dies sein können, erfährst du exemplarisch anhand folgender Themen:
CSRD
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung gemäß CSRD können verschiedene Standards angewandt werden – allen voran der ESRS-Berichtstandard oder der VSME-Standard, aber auch bereits etablierte Standards, wie z.B. GRI oder TCFD/ ISSB. Wichtig ist dabei, dass ihr euch bei der Auswahl der relevanten Nachhaltigkeitsthemen an dem sog. „Prinzip der doppelten Wesentlichkeit“ orientiert.
CO2
Bei der Berechnung des CO2-Fußabdrucks könnt ihr auf mehrere anerkannte internationale Standards zurückgegriffen, allen voran das Greenhouse Gas Protocol (GHG) als „De-facto-Standard“. Aber auch ISO-Normen sind zu berücksichtigen:
- ISO 14064 als prüfungsrelevanter, organisatorischer Standard
- ISO 14067 auf Produktebene
- ISO 14040/ 14044 für die Lebenszyklusanalyse sowie die Definition der Systemgrenzen (Cradle-to-Gate, Cradle-to-Cradle…)
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Material Compliance
Sämtliche Bemühungen hinsichtlich Produkt- und Materialkonformität haben sich zwingend an dem sog. „Stand der Technik“ zu orientieren. Ein fest formuliertes Muss ist die Umsetzung der DIN EN IEC 63000, die u. a. den Stand der Technik zur Umsetzung von Material Compliance Regelwerken wie die RoHS und andere stoffrelevante Vorgaben darstellt und dabei eindeutig Anforderungen formuliert, wie u. a.
- Beurteilung der Datenqualität
- Durchführung von regelmäßiger Lieferantenkommunikation inkl. Vertrauenswürdigkeitsbeurteilung der Lieferanten
- Artikelspezifische Anfragen & Risikobeurteilung von Artikeln, für welche keine Daten vorliegen
- rechtssichere und reproduktionssichere Dokumentation
Zukunftsfähigkeit
Da die Gesetzeslandschaft im Bereich Nachhaltigkeit stetig wächst, ist es essenziell, sich für ein zukunftsfähiges Tool zu entscheiden, das nicht nur regulatorische Updates automatisch integriert, sondern sukzessive um neue Gesetze und Anforderungen ergänzt wird. Ein Tool, welches modular aufgebaut und somit jederzeit um zusätzliche Regelwerke sowie KPIs erweitert werden kann, ist hier von großem Vorteil. Des Weiteren ist es wichtig darauf zu achten, dass der Anbieter Zukunftstechnologien wie KI nutzt, um gegebenenfalls fehlende Daten zu substituieren.
Einfache Bedienbarkeit und Transparenz
Die Kommunikationsplattform muss einfach zu bedienen und intuitiv zu verstehen sein, um mit minimalen Ressourceneinsatz ein vorgabenkonformes Ergebnis erzielen zu können. Eine Kommunikationsplattform darf keine intransparenten Lücken aufweisen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die Software die Datenqualität prüft und im Zweifelsfall den User informiert, dass es hier ein unklares Datenfeld gibt.
Automatisierung
Ziel ist es, durch den Einsatz von Tools, wie zum Beispiel die ESG-Softwarelösung DataCross, den manuellen Aufwand möglichst zu minimieren und die personellen Ressourcen zu schonen. Hierbei sind automatisierte Arbeitsschritte in einer Softwarelösung relevant. Im Rahmen des ESG-Datenmanagement kann dies in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden:
- Mehrstufiger, eskalationsfähiger Anfrageprozess im Rahmen der Lieferantenkommunikation
- Automatisierte Vertrauenswürdigkeitsbeurteilung der Lieferanten im Hinblick auf die Fähigkeit, Material Compliance Vorgaben korrekt umzusetzen und Anfragen entsprechend rechtssicher zu beantworten.
- Automatisierte Risikobewertung anhand vordefinierter Indizes (Bsp.: Im Rahmen des LKSG/CSDDD ist eine Risikobewertung zwingend erforderlich. Hierfür können bereits etablierte Standards/Indikatoren herangezogen werden)
- Schnittstellen zu externen System (Bsp.: automatisierter Upload der Sorgfaltserklärung in das EU-Informationensystem „TracesNT“ im Kontext der EUDR oder S2S-Übertragung von Artikeln mit SVHC-Kandidaten in die SCIP-Datenbank der ECHA).
Mehrstufiger Kommunikationsprozess und persönliche Lieferantenansprache
Entscheidend ist die Anzahl und Ausgestaltung der Kommunikationsschritte, um einen qualitativ hochwertigen Prozess zu gewährleisten. Die Qualität der eingehenden Lieferantenaussagen, ist in einer direkten Abhängigkeit zum Kommunikationsprozess zu sehen, welcher in der ESG-Software hinterlegt ist, aber vor allem auch von den Mitarbeitern unterhalten wird. Einige Software-Unternehmen bieten auch begleitende Datendienstleistungen an. Dabei entscheidend ist, gemäß welchem Prozess die Dienstleistung ausgeführt wird. So gibt es Anbieter, die im Rahmen ihres Datenservices lediglich einmal einen säumigen Lieferanten persönlich ansprechen, um diesen zur Datenübermittlung zu motivieren. Antwortet der Lieferant nicht, so ist der Kommunikationsprozess dennoch abgeschlossen und die Datendienstleistung gilt als erbracht. Daher sollte bei der Auswahl des Tool-Anbieters darauf geachtet werden, dass eine erweiterte Kommunikation zum Lieferanten stattfindet, welche nicht nur durch eine zwei- oder dreifache persönliche Ansprache geprägt ist, sondern auch die Entwicklung des Lieferanten in ESG-Themen als Gegenstand der Dienstleistung, zum Beispiel über kostenfreie Schulungen, beinhaltet.
Mitarbeiterqualifizierung und Lieferantenentwicklung
Die Qualifikation der ausführenden Mitarbeiter*innen ist immens wichtig für den Projekterfolg – insbesondere dann, wenn die Arbeiten über einen Dritten ausgeführt werden. Mitarbeiter*innen, sowohl die des Kunden, als auch die der Lieferanten, die die Kommunikationsplattform bedienen, müssen entsprechend geschult sein und kontinuierlich fortgebildet werden, um den Anforderungen gerecht werden. Ein besonderes Augenmerk ist hierbei darauf zu richten, dass diese Mitarbeiter*innen in die Rahmenbedingungen der DSGVO eingebunden sind. Idealerweise bietet der Plattformbetreiber Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen für alle Nutzer an –sowohl für die Kunden als auch für die Lieferanten – und das in mehreren Sprachen.
Checkliste zur Auswahl eines ESG-Management-Tools
1. Benutzerfreundlichkeit & Transparenz
- Mehrsprachigkeit
- Intuitive Benutzeroberfläche
- Klare Dokumentation & Reporting (Audit-Trail)
- Kostenfreie Nutzung für Lieferanten
- Lieferantensupport (Handbücher, Tutorials, Videoanleitungen, Webinars…)
- Optionale Übernahme der Lieferantenkommunikation und der Datenrecherche durch den Anbieter
2. Methodik & Standards
- Transparente Berechnungs- und Validierungslogiken
- Anpassbar an Branche & Unternehmensgröße (z. B. Integration von Business Units, nutzungsgerechtes Preismodell)
- Anwendung aller relevanten Standards für das spezifische Thema, zum Beispiel IEC 63000 im Kontext der Material Compliance
- Umfangreiches Regelwerkskataster, das die globale Regelwerkssituation abbildet (EU-REACH, EU-RoHS, Conflict Mineralien, US-TSCA, PFAS, California Proposition, EUDR, CSRD, Ökodesign-Verordnung, Vorgaben zur CO2-Emissionsberechnung…)
- Verschiedene Deklarationsmöglichkeiten (Teildeklaration, Volldeklaration, IPC…)
- Möglichkeit der Erstellung von Digitalen Produktpässen und Product Carbon Footprint-Zertifikaten
3. Automatisierung
- Schnittstellen zu internen/externen Systemen (z. B. ERP-Systeme, SCIP-DB, Traces NT, Datenbanken zu Emissionsfaktoren)
- Performantes Kommunikationsmodul für (teil-)automatisierte Lieferantenkommunikation (Fragebögen und Eskalationsmodelle)
- Automatisierte Validierungs- und Plausibilitätsprüfungen (z. B. Risikobewertung, Vertrauenswürdigkeitsbeurteilung gemäß IEC 63000)
4. Governance
- Rollen- und Rechtemanagement
- Nachvollziehbare Freigabe- und Prüfworkflows
- Revisionssicher und auditfähig
5. Zuverlässigkeit
- Transparente Lizenz- & Betriebskosten
- Schulungs- & Supportangebote für Nutzer und Lieferanten
- Regelmäßige regulatorische Updates (Regelwerksmonitoring durch den Anbieter)
- IT- und Sicherheitsanforderungen (DSGVO, ISO 27001 etc.) – siehe hierzu auch den Beitrag zur Non-Compliance in Sachen Datenschutz und Security
So gelingt dir die passende Anbieterauswahl für ESG-Management-Tools
Nachhaltigkeitsbezogene Regelwerke wachsen stetig in ihrer Zahl und formulieren weitreichende Vorgaben, welche sowohl unternehmens- als auch produktseitig umzusetzen sind. Diese Vorgaben sind maßgeblich einzuhalten, um die Vertriebsfähigkeit der eigenen Produkte zu erhalten, wie auch um weitreichende Haftungsrisiken zu minimieren. Die besondere Herausforderung für dich ist hierbei, die Spreu vom Weizen zu trennen, um zum einen die Konformität zu erlangen, aber auf der anderen Seite auch, um eine ressourcenschonende und wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung bei euch im Unternehmen zu implementieren.
Passende ESG-Tools
Was bedeutet dies nun für dich bei der Tool-Auswahl?
Beurteile bei der Auswahl des Anbieters und Dienstleisters nicht nur Preis, sondern vor allem auch die Datenqualität, Prüfungssicherheit sowie Zukunftsfähigkeit des Tools. Denn viele Tools scheitern nicht zwingend an den Funktionen, sondern vielmehr an den zugrunde liegenden Logiken, der Governance, Wirtschaftlichkeit sowie Skalierbarkeit. Durch ein effizientes ESG-Datenmanagement sowie das darauf aufbauende Reporting wird das Image eures Unternehmens sowie das Vertrauen in Investoren und Verbraucher gestärkt werden – abseits von regulatorischen Offenlegungspflichten. Für eine rechtssichere und zukunftsfähige Unternehmensführung!
Glossar
California Proposition 65
- kalifornisches Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, Kalifornier vor bestimmten Chemikalien in der Umwelt und/oder in Konsumgütern zu warnen
CSDDD = Corporate Sustainability Due Diligence Directive
- EU-Richtlinie zur Prüfung der Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Erweiterung des nationalen LKSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes
CSRD = Corporate Sustainability Reporting Directive
- EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
ESRS = European Sustainability Reporting Standard
- verpflichtender EU-Berichtsstandard für CSRD-berichtspflichtige Unternehmen
EUDR = EU Deforestation Regulation (EU-Entwaldungsverordnung)
- EU-Verordnung zur Sicherstellung entwaldungsfreier Lieferketten
EU-Taxonomie
- Klassifizierungssystem der EU für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten
Material Compliance = Einhaltung materialspezifischer Anforderungen an ein Produkt
Ökodesign-VO = ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation)
- EU-Verordnung zur umweltgerechten Gestaltung von Produkten
PFAS = Per- und Polyfluoralkylsubstanzen
- Gruppe industriell hergestellter Chemikalien (über 10.000), sog. "Ewigkeitschemikalien", die in vielen Alltagsprodukten (z.B. Antihaft-Pfannen) enthalten sind, sich aber in Umwelt und Körper anreichern können und somit gesundheitsschädlich sind
REACH-VO = Verordnung (EG) 1907/2006
- REACH = Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals
- Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.
RoHS = Restriction of Hazardous Substances
- EU-Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter schädlicher Chemikalien (wie Blei, Quecksilber, Cadmium, Chrom(VI) und bestimmte Flammschutzmittel/Weichmacher) in Elektro- und Elektronikgeräten
SCIP = Substances of Concern In articles as such or in complex objects (Products)
- Datenbank der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) in Produkten
TSCA = Toxic Substances Control Act
- US-amerikanisches Bundesgesetz zur Regulierung von Chemikalien