Social Intranet Datenschutz – das solltest du unbedingt beachten
Elisa Drescher30.1.2026
Sicher in die Digitalisierung: DSGVO-Anforderungen und die Wahl des richtigen Tools
Inhalt
- Was ist ein Social Intranet?
- Welche DSGVO-Bestimmungen sind besonders relevant?
- Warum ein gutes Berechtigungskonzept essenziell ist
- Technischer Datenschutz und Anbieterwahl
- Welche Richtlinien sollten für Mitarbeitende definiert werden?
- Welche Social-Intranet-Tools gibt es?
- Fazit und Ausblick
Das Wichtigste in Kürze
- Social Intranets sind datenschutzrechtlich sensibel, da sie als interne soziale Netzwerke umfangreiche personenbezogene Daten verarbeiten.
- Die Rechtsgrundlagen nach Art. 6 DSGVO (wie Einwilligung oder Berechtigtes Interesse) müssen für alle Datenverarbeitungen klar definiert werden.
- Ein striktes Berechtigungskonzept nach dem Need-to-know-Prinzip und lückenlose Dokumentationen sind essenziell für den Schutz der Daten.
- Datenschutzaspekte wie Hosting-Standort (idealerweise EU/Deutschland), Verschlüsselung und Zertifizierungen müssen bereits bei der Tool-Auswahl geprüft werden.
In meinem beruflichen Alltag beschäftige ich mich intensiv mit Datenschutzfragen in Unternehmen, insbesondere dort, wo moderne Technologien auf personenbezogene Daten treffen. Eine solche Schnittstelle ist das Social Intranet. Wer ein solches System im Unternehmen einführt, profitiert von besserer Kommunikation und effizienterem Wissensmanagement. Doch mit den Vorteilen gehen auch Fragen zum Datenschutz einher, die nicht unterschätzt werden dürfen.
Was ist ein Social Intranet?
Das Social Intranet ist mehr als ein klassisches Intranet. Es verbindet Funktionen wie Dateiablage, Unternehmensnews oder Organigramme mit sozialen Elementen wie Kommentarfunktionen, Likes, Chats und Gruppenräume machen es zu einer interaktiven Plattform. Unternehmen nutzen es zur internen Kommunikation, Zusammenarbeit, Wissensweitergabe und als digitale Heimat für Mitarbeiter*innen.
Mehr zur allgemeinen Intranet Bedeutung findet ihr im Social Intranet Guide von OMR Reviews.
Warum spielt Datenschutz hier eine besonders große Rolle?
Ein Social Intranet ist eine Art internes soziales Netzwerk und genau das macht es datenschutzrechtlich sensibel. Es werden regelmäßig personenbezogene Daten verarbeitet und zwar in einem Umfang, der deutlich über einfache Mitarbeiterlisten hinausgeht.
Jede Chatnachricht, jeder Kommentar, jede Nutzeraktivität kann potenziell Rückschlüsse auf das Verhalten, die Meinung oder die Leistung von Beschäftigten zulassen. Genau deshalb gelten hier besonders strenge Anforderungen. Nur weil ein Intranet intern ist, heißt das nicht, dass es ein datenschutzfreier Raum ist.
Welche Daten werden typischerweise im Social Intranet verarbeitet?
Die Bandbreite ist groß und es ist stark abhängig von den konkreten Inhalten und Funktionen des Tools. Typische Datenkategorien sind:
- Personaldaten: Name, Foto, Position, Abteilung, Kontaktdaten
- Kommunikationsdaten: Beiträge, Kommentare, Chats, Likes
- Leistungsdaten: Aktivitätslogs, Umfrageergebnisse, Aufgabenfortschritt
- Vertragsdokumente und HR-Informationen
- Daten aus Zeiterfassungssystemen oder Mitarbeiter-Apps
Lesetipp: Was genau der Unterschied zwischen Internet und Intranet ist, erklären wir dir in diesem Beitrag.
Welche DSGVO-Bestimmungen sind besonders relevant?
Die zentrale Norm ist Artikel 6 DSGVO, der die Rechtsgrundlagen der Verarbeitung vorgibt. In der Praxis kommen meist folgende Optionen infrage:
- Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO) – besonders bei optionalen, sozialen Features wie Profilbildern oder Statusmeldungen
- Berechtigtes Interesse (lit. f) – zulässig, wenn die Verarbeitung für den Betrieb des Intranets notwendig ist, aber die Rechte der Betroffenen nicht überwiegen
Zusätzlich müssen die Informationspflichten nach Art. 13/14 DSGVO erfüllt werden, ebenso wie die Wahrung der Betroffenenrechte (z. B. Auskunft, Löschung, Widerspruch). Grundlegende Prinzipien wie Datenminimierung, Speicherbegrenzung und Zweckbindung nach Art. 5 DSGVO sind ebenso zwingend zu beachten.
Welche Dokumentationen und Prozesse sind verpflichtend?
Die DSGVO verlangt eine lückenlose Dokumentation. Unternehmen müssen unter anderem folgende Unterlagen und Prozesse vorhalten:
- Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, hier zu meinem Beitrag "Was ist ein Datenverarbeitungsverzeichnis und warum ist es wichtig?"
- Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Toolanbieter (Art. 28 DSGVO)
- Interne Datenschutzrichtlinien und regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende
Ein Social Intranet kann nur so sicher sein wie die Prozesse, mit denen es begleitet wird.
Warum ein gutes Berechtigungskonzept essenziell ist
Ein häufig unterschätzter, aber kritischer Erfolgsfaktor ist das Berechtigungskonzept. Es entscheidet darüber, wer was sehen, bearbeiten oder administrieren darf und ist damit ein zentrales Steuerungsinstrument zum Schutz personenbezogener Daten, auch für Social Intranets.
Die wichtigsten Prinzipien:
- Need-to-know-Prinzip: Zugriff nur, wenn für die Tätigkeit erforderlich
- Rollenkonzept: Rechtevergabe über zentrale Rollenverwaltung
- Transparenz und Kontrolle: Protokollierung und regelmäßige Auditierung von Zugriffsrechten
Technischer Datenschutz und Anbieterwahl
Wer ein Social Intranet einführt, sollte den Datenschutz nicht erst nach der Tool-Auswahl bedenken. Schon bei der Entscheidung für einen Anbieter muss geprüft werden:
- Hosting & Datenstandort: Liegen die Server in der EU, idealerweise in Deutschland?
- Cloud oder On-Premises?
- Subdienstleister? → Müssen vollständig offengelegt und vertraglich abgesichert sein
- Verschlüsselung? → Sowohl bei Übertragung als auch im Ruhezustand
- Zertifizierungen? → ISO 27001, TISAX oder BSI-konforme Standards sind ein Qualitätsmerkmal.
Wenn ich ein Social Intranet auswähle, achte ich nicht nur auf die Funktionen, sondern vor allem darauf, wer die Daten sieht, wo sie liegen und wie sie geschützt sind. Datenschutz beginnt somit nicht bei der ersten Chatnachricht, sondern bei der Auswahl des richtigen Systems.
Welche Richtlinien sollten für Mitarbeitende definiert werden?
Datenschutz lebt vom Mitmachen. Deshalb ist es wichtig, klare Verhaltensregeln zu definieren:
- und was nicht?
- Welche Informationen sind freiwillig (z. B. Profilbild, Interessen)?
- Wie werden private oder sensible Themen (z. B. Krankheit, Abwesenheit) kommuniziert?
- Wie läuft die Meldung eines Datenschutzverstoßes ab?
- Welche Konsequenzen hat ein Missbrauch?
Diese Richtlinien sollten Bestandteil jeder Onboarding-Schulung sein.
Was sind häufige Datenschutzfehler – und wie vermeide ich sie?
- Social Features standardmäßig aktiviert, ohne Einwilligung
- Unklare oder fehlende Rechtsgrundlagen und keine Information über die Datenverarbeitun
- Unzureichende Transparenz gegenüber den Mitarbeitenden
- Zu lange Aufbewahrung von Kommunikationsdaten
- Mangelhafte Zugriffskontrollen
Welche Social-Intranet-Tools gibt es?
Auf OMR Reviews findest du eine Vielzahl an Lösungen.
Fazit und Ausblick
Ein Social Intranet kann in jedem Unternehmen echten Mehrwert schaffen, wenn es richtig umgesetzt wird. Wer den Datenschutz von Anfang an mitdenkt, gewinnt nicht nur das Vertrauen seiner Mitarbeiter*innen, sondern spart sich auch langfristig Ärger mit Aufsichtsbehörden oder Betriebsräten.
In einer immer stärker vernetzten und hybriden Arbeitswelt wird das Social Intranet weiter an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger ist es, diese Plattform von Beginn an datenschutzkonform, transparent und sicher zu gestalten.
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