1 Jahr KI-Hype – und jetzt?

Nils Knäpper 28.11.2023

Knapp ein Jahr ist es her, dass ChatGPT den KI-Hype-Train ins Rollen brachte – wir werfen einen Blick zurück und schauen, wohin die Reise vielleicht noch geht.

Inhalt
  1. Henrik Roth, CMO und Co-Gründer neuroflash
  2. Manuel Weiss, Team Lead SEO und Content bei OMR Reviews
  3. Nils Knäpper, SEO-Texter bei OMR Reviews
  4. KI-Softwares auf OMR Reviews

Wer die vergangenen zwölf Monate nicht unter einem Stein gelebt hat, dürfte an einem Thema kaum vorbeigekommen sein: künstliche Intelligenz. Auch unsere Arbeit bei OMR Reviews wurde von der KI teilweise nachhaltig verändert. Gemeinsam mit Henrik Roth, CMO von KI-Tool-Anbieter neuroflash

werfen wir einen Blick auf den Hype und mutmaßen, wohin die Reise noch gehen könnte.  

Henrik Roth, CMO und Co-Gründer neuroflash

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Hallo Henrik, wie hast du den Hype erlebt und wie hat er euer Produkt bzw. eure Unternehmensentwicklung beeinflusst?

Als wir im März 2022 ContentFlash auf den Markt brachten, boten wir einen einfachen Dokumenteneditor an, der mit vortrainierten Prompts ausgestattet war, wobei eine auf die deutsche Textqualität optimierte Version von GPT-3 im Hintergrund arbeitete. In der Zeit von März bis Januar 2023 haben wir ein enormes Wachstum erlebt und sind schnell zum Marktführer in der DACH-Region aufgestiegen, mit etwa 400.000 registrierten Nutzern. Wir haben kontinuierlich, fast wöchentlich, neue Funktionen eingeführt, um unsere Plattform zu verbessern und gleichzeitig professionellen Marketern wertvolle neue Werkzeuge an die Hand zu geben, die es ihnen ermöglichen, effizienter Inhalte zu erstellen – darunter SEO-Analyse, 1-Klick-Blogartikel und Grammatikprüfungen.

OpenAI ChatGPT kam dann aber selbst für uns überraschend und unvorhersehbar. Wir wussten schon immer, dass generative KI bald überall sein wird und die reine Text-Funktion nicht mehr viel Wert sein wird. Doch, dass das so schnell passiert, hätten wir nicht gedacht.

Strategisch haben wir uns dann komplett umgestellt und direkt nach der Weihnachtspause unseren AI Writer in eine professionelle Content Marketing Suite umgewandelt: Der erste Schritt dahin war ChatFlash, dann folgten Advanced Funktionen wie ein integrierter Plagiatsscan, SEO-Workflows, Teamfunktionen, Bildgenerierung, eine Chrome Extension, Brand Voices und vieles mehr. Auf diese Weise konnten wir dann erfolgreich auf der Welle rund um generative KI mitsurfen. Diesen Monat erreichen wir 1 Mio. registrierte Nutzer – mit internationaler Herkunft.

Welche Missverständnisse siehst du trotz Hype im Umgang mit KI?

Ein häufiges Missverständnis ist, dass KI menschliches Denken und Kreativität ersetzen oder nachahmen kann. Tatsächlich ist KI ein Werkzeug, das die menschlichen Fähigkeiten erweitert. Wir glauben ganz stark an den "human-in-the-loop". Konkret heißt das bei uns: Der erste Entwurf kommt zwar von neuroflash. Das finale Ergebnis ist aber eine Symbiose aus Mensch und weiteren Automationen durch die KI.

Zudem sehe ich immer wieder Anwender, die denken, dass es mit 1 bis 2 Prompts und Eingaben getan ist. Richtig mit generativer KI umzugehen und wirkliche Werttreiber zu identifizieren bedarf einer Lernkurve und dauert Zeit – dann ist es aber ein extremer Effizienz-Booster.

Was erwartest du als Experte von den künftigen Möglichkeiten mit generativer KI?

Die Modelle werden multimodaler, sowohl was den Input, als auch die Output-Verarbeitungen angeht. Gesellschaftlich glaube ich, dass KI die Art verändern wird, wie wir Menschen zusammenarbeiten und wie unsere Arbeitswelt generell aussehen wird (30h Stunden-Woche, here we come!). Künftige Modelle werden zu Agenten – also intelligenter, indem sie verstehen, welche Aktionen als nächstes ausgeführt werden müssen, um den Nutzer schnellstmöglich zum besten Ergebnis zu bringen.

Wie wollt ihr euch auf diesem schnell wachsenden Markt positionieren?

Wir werden unsere Marktführerschaft im DACH-Raum weiter ausbauen, indem wir gute Education-Angebote anbieten, um Nutzer in diese neue Technologie einzuführen. Darüber hinaus werden wir uns vertikaler spezialisieren und für professionelle Marketers Automatismen neben der reinen Text- oder Bildgenerierung liefern. Zudem wird unser Interface genau den internen Prozessen und jobs-to-be-done unserer Zielgruppen entsprechen. Denn in einem Chat hat noch niemand großartigen Content geschrieben – gerade für lange Texte benötigen wir einen Texteditor und Dokumente.

Außerdem haben wir in Zusammenarbeit mit großen Brands in den vergangenen 5 Jahren eine eigene Technologie entwickelt, die die Content Performance vorhersagen kann. Hier werden wir besonders in 2024 ganz neue Funktionen für unsere Kunden anbieten.

Wie siehst du als Unternehmer das vieldiskutierte Thema KI und Datenschutz, Urheberrechte und Ethik?

Diese Diskrepanz ist eine große Herausforderung – und auch oft nachgefragt von unseren Nutzern. Es ist wichtig, dass wir transparent darüber sind, wie Daten verwendet werden, und dass wir strenge Datenschutzstandards einhalten. Dadurch, dass sich die Technologie so schnell weiterentwickelt, ist es sehr schwer sinnvolle Regulierungen zu finden. Am Ende überwiegen für mich aber ganz klar die Chancen und Vorteile von KI gegenüber den Risiken. 

 
 

Manuel Weiss, Team Lead SEO und Content bei OMR Reviews

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Wie hast du den KI-Hype erlebt?

Im Dezember 2022 kam mein CTO Tobias Schlottke zu mir und meinte, ich soll mir mal dieses ChatGPT angucken. Angeblich könnte das alle unsere Content-Schreiber*innen ersetzen. So extrem hat er es zwar nicht formuliert, allerdings war ich ungläubig, dass eine KI so gute Ergebnisse erzielen kann. 

Mit dem ersten ChatGPT-Test begann die Phase der Begeisterung und ich war hin und weg. Diese hielt allerdings nur kurz; es folgte recht schnell eine Phase der Ernüchterung, als ich gemerkt habe, dass die Inhalte auf den ersten Blick erstmal großartig aussehen, im Detail dann aber doch noch nicht so überzeugend waren. In weiterführenden Gesprächen und diversen LinkedIn-Posts habe ich dann gelernt, dass der Prompt das A und O ist. Ein bisschen mehr als nur eine einzeilige Anforderung sollte man der KI also doch mitgeben, um sinnvolle Ergebnisse zu erhalten. 

Inzwischen bin ich in einer realistisch-optimistischen Phase angekommen. Ich bin überzeugt, dass die KI die Zukunft prägen wird, die Möglichkeiten aber (noch) eingeschränkt sind. Mit der Weiterentwicklung in den nächsten Jahren gehe ich aber davon aus, dass viele Arbeitsschritte durch die KI übernommen oder zumindest stark unterstützt werden.

Im Alltag nutze ich KI jetzt schon vor allem für kleinere Aufgaben oder wenn ich für ein Thema einen ersten Draft haben möchte. Aber natürlich kommt KI auch zur Anwendung, wenn ich mal 'ne Blockade habe, sei es für einen LinkedIn-Post oder bei einem Text für Meta-Title und -Description. Ich glaube, es gibt keinen Use Case, den ich nicht schon einmal ausprobiert hätte. Selbst bei den Mitarbeiter-Feedbackgesprächen habe ich KI schon eingesetzt. So habe ich die künstliche Intelligenz mit allen Feedback-Punkten meiner Mitarbeiter*innen gefüttert und darum gebeten, den Konsens zu analysieren. Auf diese Weise konnte ich schnell identifizieren, welche Feedback-Aspekte besonders häufig genannt wurden. 

Welche Missverständnisse gibt es beim Thema KI?

Man kann nicht erwarten, dass man einen einfachen Prompt eintippt wie "Schreibe mir einen Blogartikel zu SEO-Tools" und dabei der perfekte Artikel entsteht, weil der Prompt einfach viel mehr Informationen enthalten muss. Genauso wie man eine*n menschliche*n Texter*in brieft, muss man eben auch mit der KI verfahren. Dann funktioniert das ganz gut. Ich glaube, ein großes Missverständnis ist, dass die KI diese Intention erkennen kann und dann alles Weitere selbst hinbekommt.

Wie wird sich KI entwickeln?

Ich glaube, dass KI einfach die Zukunft sein wird. Der Hype um künstliche Intelligenz, bei dem Tausende von Companies auf einmal aus dem Boden sprießen, wird meiner Meinung nach irgendwann auch wieder abnehmen. Viele von diesen Unternehmen werden wieder verschwinden, weil viele den gleichen Usecase abdecken. Da wird es eine Konsolidierung des Marktes geben. Aus User-Sicht glaube ich, dass es ganz normal wird, dass die Leute sich der KI bedienen und in ihre Alltagsprozesse integrieren. Ich glaube, KI ist so ein Thema, das nicht mehr wegzudenken ist. 

Wie blickst du auf die Diskrepanz zwischen KI und Ethik, Urheberrecht und Datenschutz? 

Ich selbst nutze KI ja schon häufig und muss zugeben, dass ich mich nur selten frage, ob oder wie der Text woanders herkopiert wurde. Man kann leider nie darauf vertrauen, dass alles, was die KI von sich gibt, richtig ist, beziehungsweise die Inhalte irgendwo direkt übernommen wurden. Ich fürchte aber, das ist ein Pain Point, mit dem wir leben müssen. Schwierig wird es natürlich dann, wenn falsche Informationen dargestellt werden und man das 1-zu-1 übernimmt. 

Und in puncto Datenschutz: Klar, ist es schwierig, wenn man mit US-Firmen wie OpenAI zusammenarbeitet – wenn man sensible Daten in ChatGPT benutzt, um bessere Ergebnisse zu erzielen, weiß man natürlich nie genau, was mit denen passiert. Deshalb würde ich immer darauf achten, die KI nur mit öffentlichen Daten zu versorgen und private Dinge eben nicht einzugeben. Es gibt zum Beispiel auch Leute, die KI für Kundenmails benutzen, wo gegebenenfalls auch sensible Daten gehandelt werden. Da muss meiner Meinung nach jede Branche oder Abteilung selbst Regeln definieren, was machbar ist und was man nicht tun sollte. 

 
 

Nils Knäpper, SEO-Texter bei OMR Reviews

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Wie hast du den KI-Hype erlebt?

Ich weiß noch, was mein erster Gedanke war, als ich ChatGPT zum ersten Mal ausprobiert habe: Krass, was heutzutage alles möglich ist. Mein zweiter Gedanke war: Wo ist das nächste Arbeitsamt? Tatsächlich haben mich die Möglichkeiten von KI am Anfang ebenso begeistert wie erschreckt. Als SEO-Texter habe ich ziemlich schnell  meine berufliche Existenzberechtigung in Frage gestellt gesehen – eine Sorge, die sich glücklicherweise als unbegründet herausstellte. Dennoch haben ChatGPT, neuroflash und Co. die Art und Weise, wie ich arbeite nachhaltig geprägt und, so ehrlich muss man sein, verbessert. 

Viele Aufgaben eines SEO-Texters, die in der Vergangenheit notwendig, aber zeitraubend, eintönig oder (böse gesagt) langweilig waren, lassen sich mit KI bequem und zuverlässig abkürzen: Egal, ob es jetzt um die erste Recherche zu einem Thema, das Erstellen einer Gliederung oder das Sortieren von Keywordlisten handelt.

Der ganz große Hype ist bei mir inzwischen verflogen – zum einen, weil ich ChatGPT, neuroflash und Co. einfach täglich verwende und man deshalb ziemlich genau weiß, was die KI kann und was nicht. Das entzaubert die ganze Geschichte natürlich ein wenig. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wenn ein neues Update erscheint und die künstlichen Intelligenzen eben noch ein kleines bisschen intelligenter geworden zu sein scheinen. 

Welche Missverständnisse gibt es beim Thema KI?

Im Grunde schließe ich mich Henrik und Manuel an: KI ist keine “Wunderwaffe”, es ist kein Zaubermittel und auch kein Selbstläufer. KI ist ein zugegebenermaßen mächtiges Tool, das viele Aspekte der Arbeit erleichtern kann. Menschliches Urteilsvermögen, Intuition oder Empathie kann sie aber (noch) nicht ersetzen. 

Wie wird sich KI entwickeln?

Ich glaube, dass KI langfristig genauso eine gesellschaftlich relevante Veränderung mit sich bringen wird, wie das Internet. Die verblüffenden Dinge, die sich jetzt schon anstellen lassen, sind meiner Meinung nach erst die Spitze des Eisbergs dessen, was wir in 10 oder 15 Jahren mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erreichen können. Wie bereits gesagt, ist KI ein Tool. Und wie das mit Werkzeugen nunmal so ist, können sie leider sowohl für sinnvolle als auch für bösartige Zwecke eingesetzt werden (Skynet lässt grüßen). 

Wie blickst du auf die Diskrepanz zwischen KI und Ethik, Urheberrecht und Datenschutz? 

Mit dem Thema Urheberschaft ist man als SEO-Texter natürlich ständig konfrontiert. Dennoch finde ich, dass man hier differenzieren sollte: Solange die KI nicht einfach bestehende Texte 1-zu-1 kopiert, finde ich es in Ordnung, wenn sie sich an allgemein zugänglichem Wissen bedient. Was ich dagegen problematischer sehe, ist, wenn KI in kommerzieller Absicht genutzt wird, um Musik, Bilder oder Kunststile realer Künstler*innen zu imitieren. Besonders hier fehlt es aktuell noch an brauchbaren Regelungen. Angesichts der schnellen Entwicklung von KI glaube ich aber auch, dass es schwierig sein dürfte, hier langfristige Rahmenbedingungen zu schaffen. In puncto Datenschutz sehe ich dagegen jede*n Einzelne*n in der Pflicht, die KI nur mit solchen Daten zu füttern, die man auch sonst öffentlich von sich preisgeben würde. 

KI-Softwares auf OMR Reviews

Bist du nun neugierig und willst die Power von KI einmal selbst ausprobieren? Dann schau in unseren Kategorien für KI-TextgeneratorenAI-Videogeneratoren oder KI-Bilder auf OMR Reviews vorbei. Fünf spannende Tools neben neuroflash und ChatGPT haben wir dir hier schon einmal mitgebracht: 

Nils Knäpper
Autor*In
Nils Knäpper

Nils ist SEO-Texter bei OMR Reviews und darüber hinaus ein echter Content-Suchti. Egal, ob Grafik, Foto, Video oder Audio – wenn es um digitale Medien geht, ist Nils immer ganz vorne mit dabei. Vor seinem Wechsel zu OMR war er fast 5 Jahre lang als Content-Manager und -Creator in einem Immobilienunternehmen tätig und hat zudem eine klassische Ausbildung als Werbetexter.

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