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Video-Content auf LinkedIn – Zeitfresser oder langfristiger Erfolgsfaktor?

Jule Peters 18.11.2022

In diesem Artikel erfahrt Ihr, wie Ihr Video-Content auf LinkedIn einsetzen könnt, was Ihr dabei beachten solltet und bekommt dazu passende Beispiele von Video-Content

Ob Instagram, YouTube oder das Nutzen von TikTok für Euer Business – nahezu jede große Plattform entwickelt sich gerade zu einer Video-Plattform. Videos sind auf Social Media aktuell nicht mehr wegzudenken. Doch wie relevant ist Video-Content für die Business-Plattform LinkedIn? Welche Video-Formate laufen dort bereits erfolgreich? Wie könnt Ihr Euch als Early Adopter im Bereich Video-Content etablieren? Und was solltet Ihr bei der Content-Creation rund um Video-Content auf Eurem LinkedIn-Profil beachten? Step-by-step erklärt Euch unsere Gastautorin Jule Peters von The People Branding Company, wie Ihr hier durchsteigt.

Welche Content-Formate stehen bei LinkedIn zur Verfügung?

LinkedIn bietet eine Vielzahl an kreativen Formaten für seine weltweit 830 Millionen Nutzer*innen. Von Text-Posts über Bild-Formate, PDF-Slider, Artikel, Umfragen, Newsletter, Live-Formate, Statistiken bis hin zu Videos ist alles möglich. Dabei ist ein Indikator entscheidend für die Performance des Beitrags: die Interaktion der Community. 

Aktuell lässt sich beobachten, dass gerade Text-Postings mit Bildern sehr gut performen. Das liegt daran, dass das Bild eines Beitrags wie eine Art „Blocker“ wirkt und die User beim Scrollen am Beitrag hängen bleiben und schneller in die Interaktion gehen.

Besonders interessant ist, dass LinkedIn bereits an weiteren Content Formaten arbeitet, wie beispielsweise dem Karussell-Post. Diese Funktion ist aktuell jedoch nur für ausgewählte Creator freigeschaltet.

Status-Quo: Video-Content auf LinkedIn

Der LinkedIn-Algorithmus ist stetig im Wandel. Derzeit lässt sich feststellen, dass Videos teilweise mit einer geringeren Reichweite als klassische Bild-Formate ausgespielt werden. Es bleibt aber nur eine Frage der Zeit, bis LinkedIn seinen Algorithmus vermehrt auf Videos ausrichtet und ein grundlegender Wandel auf der Plattform stattfindet. Auf anderen Plattformen wie beispielsweise Instagram oder TikTok ist Video-Content nicht mehr wegzudenken.

Best Practices für Video-Content auf LinkedIn

Zwischen den vielen Beiträgen auf LinkedIn gibt es bereits viele Best-Practices für Video-Content auf der Plattform. Ich habe Euch an dieser Stelle einmal die unterschiedlichsten Beispiele mitgebracht. 

Céline Flores Willers – humorvolle Videos 

Neben ihren Experten-Videos mit einer Reihe an Wissensnuggets bringt die LinkedIn-Top-Voice Céline Flores auch immer wieder humorvolle Video-Formate an die Bildschirmfläche. In diesem erfolgreichen Beispiel hat sie eine Parodie veröffentlicht, inspiriert von dem Influencer Pavel Grozdov. Die Message des Videos: Nehmt die Gestaltung von LinkedIn aktiv in die Hand und schreibt Beiträge mit inhaltlicher Tiefe!

Posting Céline Flores Willers

Posting Céline Flores Willers

Herbert Diess – emotionale Danksagung

Eines der größten deutschen Profile auf LinkedIn ist der Account von Herbert Diess. An seinem letzten Tag als Vorstandsvorsitzender von VW veröffentlichte er seine Danksagung. Damit setzte er nicht nur eine klare Botschaft innerhalb des Konzerns, sondern kommunizierte seine Message emotional und transparent nach außen. Die Like-Zahlen des Videos sprechen in dem Fall für sich.

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Herbert Diess

Andreas Bierwirth – kreative Eventankündigung mit Unterhaltungsfaktor

Andreas ist der Geschäftsführer der Filmproduktion ABmotion GmbH & Co. KG. Mit seinem hochqualitativem Video-Content trägt er seine Expertise nach außen und baut sich seine digitale Visitenkarte auf. In seinen Videos darf ein unterhaltsames Storytelling nie fehlen und es gelingt ihm auf diesen Weg kreative Ankündigungen für anstehende Events zu platzieren.

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Andreas Bierwirth

Dina Reit – transparente Prozesseinblicke mit der Handy-Kamera

Dass nicht jedes Video mit der besten Kamera gefilmt und bestmöglich vertont sein muss, beweist Dina Reit. Mit ihren authentischen Einblicken in ihre Arbeit mit Lasersystemen gehört sie zu den Best-Practices auf LinkedIn. In diesem nimmt sie die Zuschauer*innen beim Lasern eines Kugelschreibers mit und führt den Vorgang der Maschine detailliert vor.

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Dina Reit

Was zeichnet ein erfolgreiches Video aus? 6 konkrete Erfolgsfaktoren

Verlinkungen zu YouTube-Videos funktionieren nicht so gut auf LinkedIn, denn sie führen von der Plattform weg – das bestraft der Algorithmus, indem er die Reichweite einschränkt. Ihr solltet Videos demnach immer selbst auf LinkedIn posten und nicht nur dahin verlinken. Aus den zuvor genannten Best-Practices lassen sich die Erfolgsfaktoren für guten Video-Content ableiten. Hier folgen sechs konkrete Punkte, die Ihr bereits bei der Content-Produktion beachten solltet:

1. Länge

Plattformübergreifend performen kurze Videos (bis 3 Minuten) am besten. Daher sollte Euer Video maximal eine Länge von 3 Minuten haben – je nachdem wie umfangreich der Inhalt ist. Reflektiert an dieser Stelle unbedingt, ob es vielleicht sinnvoll ist, das Video in zwei Postings aufzuteilen. Optimal ist eine Länge zwischen 30 - 90 Sekunden, denn die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer*innen nimmt stetig ab.

2. Format

Beim Erstellen von LinkedIn-Videos sind einige Videoanforderungen zu beachten. LinkedIn-native-Videos können im Hochformat oder im Querformat sein. Der Auflösungsbereich bei LinkedIn-Videos liegt dabei zwischen 256 × 144 bis 4096 × 2304 Pixel. Um den produzierten Content auch für andere Plattformen zu recyceln, setze ich persönlich immer auf ein Seitenverhältnis von 9:16 (Hochformat). Gerade bei Mobile-Usern, die LinkedIn über die mobile App konsumieren, nimmt das Video im Feed mehr Platz ein und sorgt für eine höhere Sichtbarkeit. 

Diese Video-Datei-Formate werden von LinkedIn unterstützt:

  • ASF
  • FLV
  • MPEG-1 und MPEG-4
  • MKV
  • WebM
  • H264/AVC
  • MP4
  • VP8 und VP9
  • WMV2 und WMV3

Hinweis: Klassische MOV-Dateien vom iPhone lassen sich nur über das Smartphone hochladen. Die maximale Dateigröße für Videodateien auf LinkedIn umfasst dabei 5 GB.

3. Beginn

Die ersten 3 - 5 Sekunden Eures Videos entscheiden darüber, ob die User das Video weiterschauen. Daher ist es sehr wichtig, dort bereits für eine hohe Aufmerksamkeit zu sorgen, beispielsweise durch eine kritische Fragestellung, klare Aussage oder kurze Beschreibung, worum es in dem Video geht. Beispielsweise könnte Euer Video starten mit „Hi, ich nehme Euch heute mit hinter die Kulissen von XY“ oder „Krass, wusstet Ihr das XY.“ Ihr merkt also: Ein langes Intro inkl. Vorstellung der Person vor der Kamera ist so was von 2015!

4. Dynamik

Nicht nur die ersten drei Sekunden des Videos sind entscheidend, sondern auch der Schnitt und die Dynamik Eures Videos. Um diese zu gewährleisten, ist es ratsam, in Vorbereitung auf den Video-Dreh ein Skript auszuarbeiten, welches Ihr beispielsweise bei einem Erklär-Video Satz für Satz durcharbeitet. Achtet im Nachhinein darauf, dass Ihr lange Pausen wegschneidet und bei langsamen Sequenzen vielleicht sogar die Geschwindigkeit erhöht. Auf diese Weise stellt Ihr sicher, dass die Zuschauer*innen auch bis zum Ende dran bleiben. 

5. Untertitel

Auf LinkedIn wird Video-Content häufig ohne Ton konsumiert. Das liegt daran, dass die User die Inhalte beispielsweise am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit anschauen. Um jedoch keine Zuschauer*innen von Eurem Content auszuschließen, empfehle ich Euch, einen Untertitel einzufügen oder Keywords durch eingefügten Text herauszustellen.

6. Mehrwert & Call-to-Action

Da hinter der Produktion und der Bearbeitung von Videos ein großer Aufwand steckt, ist es wichtig abzuwägen, inwiefern das Video einen Mehrwert für die Community bietet oder ob ein klassisches Bild die Message des Postings genauso gut abbildet. Die richtige Video-Marketing-Strategie und Planung kann dabei einen erheblichen Unterschied machen und kostbare Zeit einsparen. Zudem solltet Ihr am Ende des Videos einen Call-to-Action für Eure Community einbauen. Beispielsweise indem Ihr ein „Folgt für mehr Einblicke in XY“ oder „Euch hat das Video gefallen, lasst ein Like da“ im Video ergänzt.

4 Video-Ideen für Euer nächste LinkedIn-Posting

Wie kann Euer erstes LinkedIn-Video aussehen? Nun bekommt Ihr vier Video-Ideen mit an die Hand, welche Ihr für Eure persönlichen Accounts und Unternehmens-Accounts umsetzen könnt.

1. Follow-Me Around

Wie sieht ein Alltag als Azubi in Eurem Unternehmen aus? Oder wie sieht die Arbeit im Homeoffice aus? Mit einem authentischen Follow-Me Around könnt Ihr die Zuschauer*innen mit in Euren Alltag nehmen und gezielte Schwerpunkte setzen, um beispielsweise durch Video-Content attraktiv für potenzielle Bewerber*innen zu sein.

2. Event

Ihr seid demnächst auf einer Messe unterwegs oder das nächste Teamevent steht vor der Tür? Nutzt die Chance und greift zum Handy, um diese Ereignisse für Euer Netzwerk festzuhalten. Zeigt Eure Highlights und lasst die Eindrücke auch für sich sprechen, indem Ihr bei Frequenzen Musik-Sounds einfügt. Kostenlose Sounds stehen Euch in vielen Apps zur Verfügung. Mehr zu dem Thema Musikrechte könnt Ihr in der OMR Education Podcastfolge zu Musikrechte bei Instagram, TikTok, YouTube & Co. erfahren.

3. Prozessschritte

Öffnet die Türen Eurer Produktionsstätte und nehmt Eure Community mit bei den einzelnen Prozessschritten. Auf diese Weise werdet Ihr sichtbar für potenzielle Partner und könnt noch mehr über die Herstellung Eurer Produkte berichten. 

4. Interview

Videos können auf eine sympathische Weise komplexe Inhalte gut zusammenfassen. Wie wäre es also beispielsweise mit einem Interview zu Eurem Expertenthema? Und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus auch ein wiederkehrendes Format mit immer wieder neuen Gästen vor der Kamera.

Hilfreiche Tools für die Erstellung eines Videos

Bei dem Videodreh kann ein Stativ von Vorteil sein, um einen guten Bildausschnitt zu gewährleisten. Dieses lässt sich bereits in einem niedrigen Preissegment erwerben. Wenn Ihr vorhabt, Video-Content als festen Bestandteil Eures Contents auf LinkedIn und anderen Social-Media-Plattformen zu etablieren, dann ist eine Softbox für eine gute Ausleuchtung von Vorteil – ein Ringlicht vereint dabei Stativ und Softbox.

Für den allerersten Versuch wartet jedoch nicht auf das passende Equipment, sondern schnappt Euch Euer Smartphone und wagt den ersten Schritt. Nach dem Videodreh geht es an den Videoschnitt. Für Anfänger*innen eignen sich kostenlose Videobearbeitungsprogramme­ – darunter beispielsweise iMovie oder Shotcut. Weitere Video-Editing-Programme könnt Ihr bei OMR Reviews finden.

Den Videoeditor CapCut könnt Ihr direkt auf dem Smartphone installieren und dort Eure Videos auch von unterwegs aus bearbeiten. Meine Lieblingsfunktion in dem Editor ist der automatische Untertitel – innerhalb von Sekunden wird passend zu dem Originalsound des Videos ein Untertitel generiert und auf die zugehörigen Videosequenzen zugeschnitten. Diese Automatisierung erspart Euch sehr viel Zeit im Schnitt. Zudem ist es möglich, in CapCut ganz einfach ein Voiceover aufzunehmen, zu schneiden und über das Video zu legen. 

Screenshot CapCut.jpg

CapCut

Wenn das Video fertig geschnitten und der passende LinkedIn-Beitrag verfasst ist, geht es ans Posten. Dabei lohnt es sich, bei dem Hochladen des Videos ein Vorschaubild (Miniaturbild) einzufügen, welches dann im Nachgang unter den Aktivitäten auf Eurem Profil als Standbild des Postings erscheint.

Video_hochladen.png

Miniaturbild hochladen

Fazit zu Video-Formaten auf LinkedIn

Über 18 Mio. Menschen nutzen LinkedIn im DACH-Raum und über 830 Mio. sind es 2022 weltweit – das Potenzial der Plattform ist riesig. Meiner Ansicht nach wird es nicht mehr lange dauern, bis der Video-Content einen größeren Teil der Business-Plattform einnehmen wird. Die Zielgruppe gestaltet aktiv den Algorithmus mit und entscheidet, welche Inhalte relevant sind. Die Nutzer*innen werden in Zukunft immer mehr Video-Content auf anderen Social-Media-Plattformen konsumieren und somit ist zu erwarten, dass das Userverhalten auch auf LinkedIn übergehen wird. Videos sind ein neues Medium, welches ermöglicht, nicht nur über wichtige Themen zu reden – sondern diese auch zu zeigen. Auf diese Weise wird die moderne Arbeitswelt zum Leben erweckt und mehr Transparenz in die Prozesse und den Arbeitsalltag vieler Menschen gebracht. 

Zudem ist es möglich, durch regelmäßige Videos eigene Formate zu kreieren und somit die Community an den eigenen Content zu binden – wichtig dabei ist immer der Wiedererkennungswert.

Für Unternehmen heißt es, das Look & Feel der Company in den passenden LinkedIn-Video-Content zu transformieren. Und wenn Ihr Euch am Ende die Frage stellt, wie sieht es mit Ads aus? Ich würde sagen, steckt Eure Zeit und das Geld eher in organischen Content und den Aufbau einer nachhaltigen Personal-Brand, anstatt hohes Budget für Kampagnen auf LinkedIn zu schalten.

Jule Peters
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Jule Peters ist Content Creatorin bei The People Branding Company, Deutschlands Nr. 1 Company für Personal Branding & Corporate Influencing. Durch ihre Erfahrungen im Bereich LinkedIn-Content weiß sie genau, wie die Plattform funktioniert und welche aktuellen Trends das Business-Netzwerk hervorbringt. Für Video-Content brennt die junge Creatorin und hat bereits eigene Video-Formate wie beispielsweise „UpdateZ“ auf ihrem LinkedIn-Account etabliert. In ihrem Format klärt sie über die Vorstellungen der Generation Z auf und berichtet von neusten Trends auf Social Media im Zusammenhang mit der jungen Generation.

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