Bereits 2006 prognostizierte CISCO das erste Mal, dass Video-Content im Netz in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. 2018 gaben sie dann schon an, dass 2021 Videos 80 % des gesamten Internetverkehrs ausmachen würden. Anders gesagt: Video-Content wird immer beliebter und wird zunehmend bevorzugt konsumiert. Auf TikTok, YouTube, Instagram, Twitch oder anderen Social-Media-Plattformen. Besonders im Hype: 9:16-Format alias Vertical-Video. Somit lag CISCO richtig!

Die Kehrseite davon: Es müssen auch immer mehr Videos produziert werden. Da diese Masse nicht komplett von Profis umgesetzt werden kann, versuchen sich alle möglichen User daran, Videos zu drehen und zu cutten. Das ist auch eine super Idee, da authentischer Content oftmals besser ankommt als der Profi-Stuff – je nach Plattform. Wer nun also seinen TikTok- oder YouTube-Channel füllen, die Videos aber nicht roh veröffentlichen möchte, ist hier richtig.

Wir zeigen Euch die besten kostenlosen Videobearbeitungsprogramme für Anfänger:innen, worauf es bei Eurer Auswahl ankommt und welche Anwendungsbereiche es für die Tools gibt. Spoiler: Ziemlich viele!

Worauf es bei der Auswahl eines Videobearbeitungsprogramms ankommt

In erster Linie richtet sich das richtige Videobearbeitungsprogramm nach Euren Vorkenntnissen, dem technischen Verständnis sowie Euren Anforderungen. Darüber hinaus hängt es von der Community ab, die ein kostenloses Filmbearbeitungsprogramm um sich hat, wie geeignet es für Euren Gebrauch ist. Denn umso größer die Community, desto mehr Tutorials und Support erhaltet Ihr auf YouTube, in Foren und Co.

Erst an dritter Stelle ist es relevant, darauf zu schauen, welche Funktionen das jeweilige Programm kostenlos anbietet. Die Grundfunktionen, die jedes Videobearbeitungsprogramm hat, reichen für die meisten Projekte aus. Bedenkt aber, dass Special Effects und VFX nicht zum Grundportfolio eines handelsüblichen Videoschnittprogramms (das auch noch kostenlos ist) gehört. Dafür benötigt Ihr nicht nur hohe Fachkenntnisse, sondern auch separate Programme wie Adobe After Effects. Mit einer Ausnahme: Siehe Platz 7 in unserer Liste. Bei kostenlosen Videobearbeitungsprogrammen geht es ausschließlich darum zu cutten, den ein oder anderen Overlay-Effekt einzubauen und mit Sounds sowie Musik zu hinterlegen.

Kleiner Tipp: Lasst auf jeden Fall die Finger vom Windows Movie Maker. Der ist zwar in einer Minute gelernt, stößt aber schnell an seine Grenzen. Ganz zu schweigen davon, dass er von Microsoft nicht mehr weiterentwickelt wird – seit 2014. Nehmt Euch lieber ein paar Stunden Zeit, Euch in eines der 7 kostenlosen Videobearbeitungsprogramm einzuarbeiten, die wir Euch hier vorstellen, und habt länger etwas davon.

Die Anwendungsbereiche

Die sind natürlich vielfältig. Ihr könnt mit kostenlosen Videobearbeitungsprogrammen Clips für TikTok schneiden, YouTube-Filmchen produzieren oder die letzte Hochzeit, die gefilmt wurde, schön basteln. Es ist nur wichtig, dass Ihr immer das richtige Format wählt. Bei TikTok, YouTube Shorts oder Reels ist es beispielsweise 9:16; die aktuell beliebteste Form der Video-Content-Konsumierung im Netz. Generell sind die sieben genannten Programme, mit denen Ihr kostenlos Videos erstellen könnt, in der Lage, die meisten Anwendungsbereiche abzudecken. Es hängt nur davon ab, wie kreativ Ihr seid und wie stark Ihr Euch in das jeweilige Programm einlernt. Denn die meisten Exemplare haben unter der Oberfläche einiges zu bieten.

Auch an dieser Stelle ein kleiner Tipp: Wenn Ihr ein simples, kostenloses Videobearbeitungsprogramm für Social-Media-Content benötigt, greift zum Adobe Premiere Rush. Der Inbegriff professionellem Video-Editings hat auch eine kostenlose, aber funktionell sehr limitierte App für Smartphone, Tablet und Desktop im Angebot. Hier geht es jedoch nicht über Schneiden, Filter und Geschwindigkeit optimieren, sowie Audio und Titel gestalten hinaus.

Kostenpflichtig vs. kostenlose Videobearbeitung – was ergibt mehr Sinn?

Ja, mit Adobe Premiere Pro, Sony VEGAS Pro oder Apples Final Cut Pro arbeiten sogar Hollywood, Bollywood und andere Film-Hochburgen. Dementsprechend sind diese drei Programme beispielsweise mit wirklich allem ausgestattet, was Ihr bei der Videobearbeitung benötigt. Doch das hat seinen Preis. Und teilweise nicht zu knapp – in allen drei Fällen jedoch gerechtfertigt.

Wir haben daher einen simplen Rat für Euch: Schaut Euch die Funktionen, Vor- und Nachteile sowie die Bewertungen der Top 7 kostenlosen Videobearbeitungsprogramme auf OMR Reviews an. Genügt Euch ein Tool davon für Eure Anforderungen und Euren Anwendungsbereich, könnt Ihr Euch das Geld vorerst sparen und später, wenn Eure Anforderungen steigen, noch immer auf ein Profi-Programm umsteigen.

Direkt zu Adobe, Sony und Co. zu greifen, ergibt nur dann Sinn, wenn Ihr direkt ins Filmbusiness einsteigen oder Hochglanz-Werbevideos drehen wollt. In dem Fall ist es je nach Szenario vielleicht effizienter einen Profi zu bezahlen. Allein sich in Premiere Pro einzuarbeiten, dauert Tage und erfordert einen stetigen Lernprozess sowie Übung.

Das sind die Top 7 der besten kostenlosen Videobearbeitungsprogramme für Anfänger:innen

Zwar sind die sieben Stück nicht zwangsläufig nur für Anfänger:innen geeignet, aber ihr Aufbau sowie die Bedienung sind recht simpel. Mit einigen der Programme lassen sich aber auch fortgeschrittene Projekte verwirklichen. Zur folgenden Auswahl verraten wir Euch jeweils die Vor- und Nachteile, ob sie kostenpflichtige Pendants haben und welche Funktionen in den kostenlosen Tools enthalten sind:

· DaVinci Resolve

· Shotcut

· Lightworks

· iMovie

· OpenShot

· VideoPad

· Blender

Eine Übersicht aller kostenpflichtigen und kostenlosen Videobearbeitungsprogrammen findet Ihr auf OMR Reviews.

1. DaVinci Resolve

 

 

Wir starten mit einem der beliebtesten und meist geehrten Videoprogrammen, die Ihr im Netz finden könnt. DaVinci Resolve macht seinem Namensgeber alle Ehre, weswegen es besonders in der visuellen und auditiven Post-Produktion punktet. Im Big Picture nimmt DaVinci Resolve den Top-Platz ein, da es – dafür, dass es umsonst ist – unglaublich viele Features mitbringt. Viele davon gehen weit über das übliche Angebot eines kostenlosen Videobearbeitungsprogramms hinaus.

Kostenlose Features in DaVinci Resolve

  • Bild-in-Bild-Effekte
  • Schnelles Cutten
  • Einbinden von grafischen Elementen wie 3D-Text
  • Leistungsstarke Farbkorrektur
  • Motion Graphics
  • Gesichtserkennung
  • Für Windows, Mac, Linux

Vor- und Nachteile von DaVinci Resolve

Wenn gleich DaVinci Resolve starke funktionelle Argumente hat, besteht der Nachteil darin, dass es einiges an Zeit benötigt sich vollkommen in das Videoschnittprogramm einzuarbeiten. DaVinci Resolve ist zwar für Rookies geeignet, aber die besonderen Features, sind ohne viel Tutorials zu schauen, nicht nutzbar. Dafür habt Ihr, wenn Ihr erst mal in der Materie steckt, viel Potenzial später auch hochprofessionelle Videos zu kreieren. Kleine Anmerkung noch: Euer PC sollte ordentlich etwas unter der Haube haben. Das gilt zwar generell bei Videoschnittprogrammen, aber vor allem DaVinci Resolve ist sehr fordernd.

Kostenpflichtige Versionen von DaVinci Resolve

Mit DaVinci Resolve Studio bietet der Entwickler Blackmagicdesign auch eine Bezahl-Version an, die mit FX-Effekten und anderen professionellen Funktionen aufwartet. Zu haben gibt es die Studio-Edition für einmalig 319 Euro.

2. Shotcut

 

 

Shotcut ist ein Open-Source-Programm und kann sich dank zahlreicher Plug-Ins aus der Community und des Entwicklers gut an Eure Bedürfnisse anpassen. Besonders mit Blick auf die Bedienung gibt es im Videoschnitt-Universum nichts Besseres. Shotcut ist ideal für Anfänger:innen, stößt aber bei professionellen Anforderungen schnell an seine Grenzen. Lediglich, wenn Ihr schon in andere Schnittprogramme geschaut habt, wird Euch die Aufmachung merkwürdig vorkommen, da es ursprünglich für Linux programmiert wurde. Großer Pluspunkt: Shotcut kann auch 4k-Videos editieren – vorausgesetzt, Eure Hardware spielt mit.

Kostenlose Features in Shotcut

  • Editing in 4k
  • Farbkorrektur
  • Zahlreiche Plug-Ins für detaillierte Videobearbeitung (Audio & Bild)
  • Unterstützt sehr viele Video-Formate
  • Große YouTube-Bibliothek an Tutorials
  • Für Windows, Mac, Linux

Vor- und Nachteile von Shotcut

Der größte Vorteil adressiert sich vor allem an Anfänger:innen in der Videobearbeitung: Es ist leicht und schnell zu lernen. Ob Hobby-Projekte oder Social-Media-Content, Shotcut ist in beiden und verwandten Fällen ein guter Support. Die Nachteile beginnen erst, wenn Eure Anforderungen steigen und Eure Projekte weitaus professioneller werden.

Kostenpflichtige Versionen von Shotcut

Da Shotcut eine Open-Source-Lösung ist, gibt es auch keine kostenpflichtigen Erweiterungen dazu.

3. Lightworks

 

Die kostenpflichtige Vollversionen von Lightworks wurde bereits bei Hollywood-Blockbustern wie „The Wolf Of Wall Street“ verwendet. Eine Lite-Version davon gibt es kostenlos und umfasst bereits einige brauchbare Funktionen. Ebenso findet Ihr auf der Website des Herstellers einige Tutorials, die Euch den Einstieg erleichtern werden. Einziges Manko: Über HD hinaus geht’s nicht.

Kostenlose Features in Lightworks

  • Einfach zu bedienen
  • Multicam-Editing
  • Unterstützt zahlreiche Video-Formate
  • Farbkorrektur
  • Auto-Speicherung
  • Für Windows, Mac, Linux

Vor- und Nachteile von Lightworks

Der größte Nachteil besteht eigentlich zunächst darin, dass 4k nicht unterstützt wird. Könnt Ihr darauf verzichten, bekommt Ihr mit Lightworks ein ideales Pendant zu Shotcut, welches sich aber noch kostenpflichtig erweitern lässt, wenn es qualitativer werden soll oder Ihr in Hollywood Fuß fassen wollt.

Kostenpflichtige Versionen von Lightworks

Wollt Ihr an eine Vollversion, habt Ihr die Wahl zwischen Lightworks Create und die noch umfassendere Version Lightworks Pro. Die Preise starten bei 100 US-Dollar.

4. iMovie

 

 

Mac only, aber dafür die beste Lösung in Sachen kostenloser Videobearbeitung für Apple-User. iMovie ist das kostenlose Videobearbeitungsprogramm, welches auf allen Apple-Geräten mitgeliefert wird. Es nimmt Euch sehr viel Arbeit ab und liefert Euch am Ende hochwertige Videos für YouTube, Instagram & Co. Für Anfänger:innen ist besonders die simple Drag-and-drop-Mechanik von Vorteil. Ein bisschen Einarbeitung machen sogar Tutorials für den Anfang überflüssig.

Kostenlose Features in iMovie

  • Vorgefertigte Übergänge
  • Bearbeitung von 4k-Projekten
  • Bild-Effekte und -Overlays
  • Video-Filter
  • Audio-Bearbeitung
  • Für Mac

Vor- und Nachteile von iMovie

Ja gut, was sollen wir sagen, aber der größte Nachteil ist wohl, dass iMovie nur für Mac-User ist. Das umfassende Videobearbeitungsprogramm für lau würde sich auch auf anderen Geräten gut machen. Ansonsten werdet Ihr mit iMovie bei sehr vielen Video-Projekt-Arten glücklich.

Kostenpflichtige Versionen von iMovie

Neben iMovie hat Apple noch Final Cut Pro im Angebot. Das ist zwar keine Erweiterung von iMovie, ist aber ebenfalls ein Video-Editing-Programm. Allerdings spielt Apple’s Final Cut Pro eher in der Liga von Adobe’s Premiere Pro – auch preislich. Zu haben gibt es die Software für einmalig 300 Euro.

5. OpenShot

 

 

Genau wie Shotcut ist OpenShot open sourced gebaut. Zudem ähnelt es stark iMovie, vor allem in Bezug auf die einfache Drag-and-Drop-Bedienung. Schaut Ihr Euch jedoch die Funktionsliste auf der Developer-Site an, ist die deutlich länger als bei Apple. Die Oberfläche erleichtert Euch bereits den Einstieg, Tutorials und ein Benutzerhandbuch machen diesen auch bequem. Lasst Euch nur nicht von der rudimentären Aufmachung abschrecken. Das ist nicht Windows Movie Maker!

Kostenlose Features in OpenShot

  • Video-Effekte
  • 3D-Animationen
  • Cutten
  • In 70+ Sprachen erhältlich
  • Für Windows, Mac, Linux, Chrome OS

Vor- und Nachteile von OpenShot

OpenShot wird stetig weiterentwickelt – und das auf Spendenbasis. Demnach kommen immer wieder neue Funktionen hinzu. Die aktuelle Version reicht aus, um Werbeclips zu basteln, die nach etwas aussehen. Ein Nachteil besteht lediglich darin, dass Hard- und Software nicht immer bestens harmonieren. Das liegt dann jedoch nicht an Eurem Gerät.

Kostenpflichtige Versionen von OpenShot

Auch bei OpenShot gilt: Open-Source-Lösung = keine kostenpflichtigen Erweiterungen!

6. VideoPad

 

 

Nun wieder ein kostenloses Videobearbeitungsprogramm ohne „Shot“ im Namen. VideoPad fokussiert sich auf die Content-Erstellung für Social Media in Video-Format. Die Nachfrage ist logischerweise groß, die Programme, die dafür angeboten werden, taugen aber meist nichts. VideoPad bietet Euch dagegen fixe Schnittstellen zu allen Social-Media-Kanälen, sodass Ihr aus dem Tool heraus sofort posten könnt, sowie zahlreiche nützliche Funktionen.

Kostenlose Features in VideoPad

  • Auf Social-Media-genormte Formatvorlagen
  • Übergänge, visuelle und auditive Effekte
  • Einfache Handhabung
  • Direkter Export in soziale Netzwerke
  • Für Windows und Mac

Vor- und Nachteile von VideoPad

Der Nachteil an VideoPad liegt vor allem darin, dass es nicht geeignet ist, wenn Ihr mit kommerziellem Gedanken an Video-Projekte herangeht, da das vom Hersteller untersagt ist. Somit füllt Ihr damit nur Euren persönlichen Insta- oder TikTok-Feed. Dennoch ist es funktionell recht umfassend, dafür, dass es „nur“ für Social Media ist.

Kostenpflichtige Versionen von VideoPad

Und wer noch weitere Features benötigt, dem bietet VideoPad die Möglichkeit, auf Pro-Editionen zu wechseln. Diese fangen preislich bei 35 US-Dollar an und bedienen auch kommerzielle Hintergedanken.

7. Blender

 

 

Der „Google Summer of Code 2022“-Teilnehmer Blender konzentriert sich vor allem auf 3D-Modelling und VFX-Design. Entsprechend ist die kostenlose Software anspruchsvoll und vom Schwerpunkt her nicht mit seinen sechs Vorgängern in unsere Top-Liste zu vergleichen. Wir wollten Blender dennoch einen Platz bieten, da viele, die sich dem Video-Editing verschreiben, auch mit halbem Auge auf Animation und VFX schauen. Damit lassen sich deutlich hochkarätigere Projekte umsetzen – und wenn man erst mal drin ist, sogar in Hollywood-Style. Ihr könnt Eure Videos damit auch schneiden, bekommt aber, wie zuvor erwähnt, vor allem Features aus dem Bereich Rendering, Modeling und Animation.

Kostenlose Features in Blender

  • VFX-Design
  • Animation mit Live-Vorschau
  • Visuelle Effekte
  • Fortgeschrittene Funktionen für die Animation
  • Für Windows, Mac, Linux

Vor- und Nachteile von Blender

Die Vor- und Nachteile von Blender sind von Eurer Sichtweise abhängig. Blender ist kostenlos die beste Lösung, um Animationen und VFX-Modelle zu erstellen. Es kann gut mit Adobe’s After Effects mithalten, basiert jedoch komplett auf dem Open-Source-Gedanken. Braucht Ihr nur etwas zum Schneiden und ein paar lustige Übergänge für „Oma’s 90. Geburtstag“, ist Blender zu over powered.

Kostenpflichtige Versionen von Blender

Blender ist komplett kostenlos und finanziert sich über Spenden. Mehr als 100 Entwickler:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen arbeiten stetig an dem kostenlosen Videobearbeitungsprogramm.

Fazit:

Neben diesen sieben kostenlosen Exemplaren gibt es noch zahlreiche weitere Videobearbeitungsprogramme. Wie eingangs erwähnt: Die Nachfrage nach Video-Content steigt weiter ins unermessliche, entsprechend gibt es auch viele Videobearbeitungstools. Nur halten nicht alle, was sie versprechen sollten. Doch ganz gleich, ob Ihr vor einem kleinen Hobby-Projekt steht oder einen hochwertigen Videoclip für eine Ad produzieren wollt: Für 95 % der Anforderungen findet Ihr in der Top-7-Liste die passende Lösung. Versprochen! Alles andere geht über den Durchschnitt hinaus und fordert Adobe Premiere Pro, Sony VEGAS, Apple Final Cut und Co.