So setzt du B2B E-Commerce richtig ein
In diesem Artikel erfährst du, worauf es beim B2B E-Commerce ankommt und welche Plattformen dich dabei unterstützen
- B2B ist komplexer als B2C – und heute noch herausfordernder
- CRM, ERP und Kernfunktionen als Fundament
- Buyer Journey: Reibungsloser, vernetzter, intelligenter
- Vom Monolith zum Composable – der große Architekturwechsel
- Marktplätze als neuer Vertriebsweg
- AI als Querschnitt und eigene Kategorie
- Case Study: Satair (Airbus Services) – vom Ersatzteil-Shop zum intelligenten Ökosystem
- Fazit und Ausblick
- Die B2B-Kaufentscheidungen sind komplexer und langwieriger geworden, mit längeren Zyklen und steigenden Abbruchraten.
- CRM und ERP bleiben die zentralen Bausteine, werden aber durch KI (Agentic AI) intelligenter und aktiver im Verkaufsprozess.
- Die Software-Architektur verschiebt sich weg von monolithischen Systemen hin zu modularen, sogenannten Composable- oder Headless-Lösungen.
- Marktplätze haben sich als entscheidender neuer Vertriebskanal im B2B etabliert und sind für Unternehmen von großer Bedeutung.
- KI ist nicht mehr nur ein Zusatz, sondern ein grundlegendes Kriterium, das alle Systeme von CRM bis Commerce durchdringt.
B2B ist komplexer als B2C – und heute noch herausfordernder
Aktuelle Studie wie der B2B Superpowers-Index zeigen, dass ein B2B-Kauf im Jahr 2024 im Schnitt 379 Tage dauert – fast zwei Monate länger als noch vor wenigen Jahren.
CRM, ERP und Kernfunktionen als Fundament
- CRM bleibt die Schaltzentrale für alle Kundendaten und -beziehungen. Heute ist das System nicht mehr nur Speicherort, sondern durch Agentic AI ein aktiver Begleiter im Sales-Prozess: E-Mails werden vorsortiert, Leads priorisiert, Angebote vorbereitet. Salesforce ist hier weiterhin die Referenz, aber auch HubSpot oder Microsoft Dynamics CRM spielen im B2B eine immer größere Rolle.
- ERP ist unverzichtbar für Preise, Bestände und Rechnungen. Neu ist, dass moderne Systeme stärker auf API-first und Cloud-native setzen, sodass sich Commerce-Lösungen einfacher anbinden lassen. SAP und Microsoft Dynamics sind hier nach wie vor die Platzhirsche.
- Kernfunktionen wie Rollen- und Rechtemanagement, Freigabe-Workflows und kundenspezifische Preislisten sind unverändert Pflicht. Hinzugekommen sind Kundenportale für Service und Rechnungen, Self-Service für Nachbestellungen und Marktplatzanbindungen als neue Standards.
Buyer Journey: Reibungsloser, vernetzter, intelligenter
- Informationen müssen kanalübergreifend konsistent sein.
- Onboarding und Freigabeprozesse dürfen nicht mehr Wochen dauern, sondern sollen digitalisiert und beschleunigt werden.
- Digitale Touchpoints wie Guided Selling, Recommendation Engines oder KI-gestützte Assistenten helfen, komplexe Produktportfolios einfacher zu navigieren.
Vom Monolith zum Composable – der große Architekturwechsel
Die Gegenwart heißt Composable, Headless, MACH. Architekturen werden modular zusammengebaut – CRM, ERP, Commerce, Marktplatz – und über APIs integriert. Die Relevanz der etablierten Player für B2B Commerce ist anteilig gesunken, insbesondere weil neue Player in den Markt gedrängt sind. 4 Beispiele:
- Shopify: einst B2C, inzwischen stark ins B2B vorgedrungen.
- commercetools: durch die Nähe zur MACH Alliance enorm sichtbar geworden.
- BigCommerce: API-first, stark wachsend.
- Spryker: flexibel und modular, vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt
Etwas selbstironisch auf die Branche blickend darf man jedoch auch sagen: Wie bei einem Pendel kann es auch wieder Bewegung zurück in Richtung monolithischer Architekturen geben – insbesondere wenn duch die MACH Prinzipien höhere Kosten entstehen und Umsatzwachstum ausbleibt. Aber das Pendel steht 2025-26 klar auf Composable + Headless.
Marktplätze als neuer Vertriebsweg
- Reichweite: Kund*innen wollen nicht für jeden Bedarf auf einer eigenen Hersteller-Website einkaufen, sondern zentralisiert über Plattformen.
- Vergleichbarkeit: Marktplätze ermöglichen transparente Preis- und Leistungsübersichten.
- Ökosysteme: Unternehmen bauen eigene Marktplätze auf, um auch Drittanbieter*innen einzubinden und Kund*innen mehr Auswahl zu geben.
Wichtige Player sind Mirakl (als Enabler für unternehmenseigene Marktplätze), aber bestehende Marktplätze die sich auf B2B ausgerichten wie Alibaba, Amazon Business und spezialisierte Ersatzteil-Marktplätze in Industriebranchen.
AI als Querschnitt und eigene Kategorie
Beispiele für Agentic AI im B2B gibt es bereits viele:
- CRM: AI erstellt Angebotsentwürfe und priorisiert Accounts. Salesforce hat hierfür Agentforce entwickelt, Hubspot den KI Assitenten Breeze, usw.
- ERP: AI prognostiziert Nachfrage und optimiert Bestände; bei Microsoft Dynamics 365 Finance ist Copilot fester Bestandteil.
- Commerce: AI generiert Produkttexte (z. B. mit Tools wie Jasper AI oder Neuroflash), bündelt RFPs und gibt Kaufempfehlungen.
- Marktplätze: AI hilft Kund*innen, das richtige Ersatzteil schneller zu finden – Anbieter wie Klevu (Search & Discovery) oder Algolia AI kommen hier zunehmend im B2B zum Einsatz.
Case Study: Satair (Airbus Services) – vom Ersatzteil-Shop zum intelligenten Ökosystem
- Phase 1: B2B-Shop: Ausgangspunkt war eine zentrale Plattform, auf der Airlines bei Satir-Airbus Ersatzteile bestellen konnten.
- Phase 2: Marketplace: Daraus ist „Satair Market“ entstanden – ein Marktplatz, auf dem auch Airlines und Drittanbieter*innen direkt handeln können. Damit hat Satair den Schritt vom reinen Verkäufer und Händler zum Plattform-Orchestrator gemacht.
- Phase 3: KI-Agent: Die KI Assistent*in Lily wurde zum Agentic AI-System weiterentwickelt, durchsucht jährlich ein paar Millionen eingehende E-Mails, erkennt, welche Ersatzteile Kund*innen nicht finden können, und übersetzt diese Anfragen automatisch in RFPs. Das entlastet Sales-Reps erheblich, erzeiugt Umsätze in Milliarden-Höhe und beschleunigt den Prozess von Tagen auf Minuten.
- Phase 4: Kundenportal: Neben Shop und Marketplace ist ein umfassendes Portal entstanden. Airlines können nicht nur Bestellungen und Rechnungen verwalten, sondern auch ihre gesamte Flotte digital abbilden. Im besten Fall entwickelt sich hier ein Predictive-Maintenance-Szenario: KI erkennt frühzeitig, wann ein bestimmtes Teil wahrscheinlich ausgetauscht werden muss, und stößt automatisch den Bestellprozess an.
Das Fallbeispiel Satair zeigt heute umso mehr wie damals wie erfolgreiches B2B Commerce geht: B2B Shop, Marketplace, Kundenportal und KI-Agent müssen ineinandergreifen und eine reibungslos vernetzte Journey schaffen: Kund*innen haben jederzeit Überblick, können über verschiedene Kanäle kaufen, und das System nimmt ihnen viele Arbeitsschritte ab.
Empfehlenswerte E-Commerce-Plattformen & Shopsysteme
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Fazit und Ausblick
Mein Ausblick? Fast nicht möglich. In fünf Jahren werden die Grenzen zwischen CRM, Commerce, ERP und Marktplätzen noch stärker verschwimmen. AI wird nicht nur unterstützen, sondern eigenständig Entscheidungen vorbereiten und Sales-Prozesse steuern. Für Entscheider*innen heißt das: B2B Ecommerce 2025 richtig einzusetzen bedeutet, modular zu denken, AI-Readiness einzufordern und Marktplätze aktiv in die eigene Strategie zu integrieren. Es bleibt also spannend.
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