Die Magie des Erzählens: wie eine gute Change Story Veränderung möglich macht

Die Rolle von Geschichten in der Bewältigung unternehmerischer Veränderungen

GIF: Change Story
Inhalt
  1. Das Leben ist Veränderung – Change Stories helfen, sie anzunehmen
  2. Was ist eine Change Story?
  3. Wie gelingt mir eine Change Story besonders gut?
  4. Fünf Schritte zu einer erfolgreichen Change Story
  5. Warum eine Change Story so wichtig ist

Stell dir vor, du befindest dich inmitten eines dichten Dschungels. Du hast den Auftrag, dich auf eine Entdeckungsreise nach einem Schatz zu begeben. Der Weg ist beschwerlich und viele Herausforderungen tun sich auf. Dein Ziel: Nicht aufgeben – denn du erkennst während der Reise, was der Schatz wert ist. Du triffst Menschen, die dich begleiten und unterstützen – jedoch triffst du auch Weggefährten, die dich von deinem Ziel abbringen wollen. Am Ende machst du den Schatz tatsächlich ausfindig. Stolz kehrst du zurück, mit neuem Wissen, Erfahrung und Motivation.

Das Leben ist Veränderung – Change Stories helfen, sie anzunehmen

Diese Entdeckungsreise kann als Analogie zu einer Veränderung erzählt werden. „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“ , wusste bereits der Philosoph Heraklit. Nichts ist statisch, auch wenn wir es uns in vielen Lebenssituationen ersehnen. Doch wenn die Veränderung zuschlägt, stehen wir plötzlich vor der unausweichlichen Frage: Wie geht es jetzt weiter? Kann und möchte ich mich an diesen neuen Zustand gewöhnen? Laut Stephanie Selmer scheitern rund 70 Prozent der gestarteten Change-Projekte in Unternehmen, wobei einer der drei Hauptgründe die mangelhafte Kommunikation mit einzelnen Stakeholdern ist.

Change Stories, also Storytelling in Veränderungsprozessen, helfen, sich an diese Neuerung langsam und bildhaft zu gewöhnen. Sie unterstützen dabei, allen involvierten Beteiligten die Veränderung in kleinen Schritten verständlich und greifbar zu machen, denn diese ist immer ein Prozess, der Zeit braucht und auch Rückschläge verkraften muss.

Geschichten sind so alt wie die Menschheit selbst: Wir lauschen ihnen so gerne, da sie komplexe Informationen und Botschaften in einen sinnvollen Kontext stellen. Ich zeige dir, was eine Change Story ist und wie sie mit der Heldenreise von Joseph Campbell so verknüpft werden kann, dass sie auch für Change Projekte eine gewinnbringende Methode ist.

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Was ist eine Change Story?

Geschichten erwecken Inhalte zum Leben, sie bekommen dadurch einen nahbaren Charakter. Aber vor allem bleiben Geschichten im Gedächtnis – jeder von uns kennt das: In guten Präsentationen bleiben die Botschaften haften, die wir auf metaphorischer Ebene sehen und hören: Durch passende Bilder und Illustrationen, die auf den Inhalt abgestimmt sind, oder durch persönliche Geschichten in Form von Anekdoten. Change Stories docken genau hier an: Sie sind ein narrativer Ansatz, der im Change Management verwendet werden kann, um Veränderungsprozesse innerhalb eines Unternehmens unterstützend zu kommunizieren.

Change Story = eine motivierende Erzählung, die den Zweck und die Vorteile eines Veränderungsprozesses erklärt

Das Ziel ist, die Hintergründe, die Vorteile, aber auch die Notwendigkeit dieser geplanten Veränderung anschaulich und nachvollziehbar aufzuzeigen. Denn Change Projekte sind meist durchgetaktet: Die Fakten sind klar, der Zeitplan auch, auf rationaler Ebene ist alles angekommen, aber häufig wird die emotionale Ebene kaum bedacht. Eine ablehnende Haltung ist die bittere Folge, denn werden die Stakeholder nicht auf emotionaler Ebene angesprochen, werden sie die Veränderung vermutlich kaum oder gar nicht mittragen. Eine gut formulierte Change Story, bei der mit Metaphern gearbeitet wird, gibt den Mitarbeiter*innen Orientierung und Klarheit darüber, was von ihnen erwartet wird und wie der Veränderungsprozess ablaufen wird.

Prozess Change Story

(Quelle: Stephanie Selmer: Change Stories – Storytelling in Veränderungsprozessen, 1. Auflage Dezember 2022, S. 28)

Wie gelingt mir eine Change Story besonders gut?

Geschichten folgen häufig bestimmten Mustern, da diese leichter von unserem Gehirn aufgenommen werden können. Vermutlich sind einige mit der Heldenreise nach Joseph Campbell bereits vertraut: Viele Filmklassiker wie Harry Potter, Star Wars oder Matrix sind alle nach dem gleichen Konzept erzählt: Ein*e Protagonist*in befindet sich in der gewohnten Welt und folgt dem Ruf des Abenteuers, dem er/sie sich zunächst verweigert. Verschiedene Mentor*innen, Freund*innen und Feinde treten auf und Hürden, die überwunden werden müssen – das Scheitern ist gefährlich nah. Er/Sie tritt eine entscheidende Prüfung an, die besiegt wird. Anschließend gelangt der/sie in die gewohnte Welt zurückkehrt, jedoch mit neuer Erkenntnis und Kraft.

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Daran anlehnend lässt sich auch für ein Change Projekt nach diesem Modell eine erfolgreiche Basis für eine Change Story ableiten. Diese Erzählstruktur besteht aus mehreren Stationen, die den Weg des Helden – in diesem Fall den Weg durch Veränderungsprozesse in einem Unternehmen, aufzeigen:

  1. Gewohnte Welt: Der Ausgangspunkt, an dem die aktuellen Herausforderungen und der Status quo beschrieben werden.
  2. Ruf zum Abenteuer: Die Notwendigkeit der Veränderung wird deutlich und der Ruf zum Handeln erfolgt.
  3. Weigerung des Rufs: Anfangs begegnen die Mitarbeiter*innen der Veränderung mit Skepsis und Ängsten.
  4. Begegnung mit dem Mentor: Führungskräfte und Change Agents treten auf, um Unterstützung zu bieten und den Weg zu weisen.
  5. Überschreiten der ersten Schwelle: Die ersten konkreten Schritte zur Veränderung werden unternommen.
  6. Prüfungen, Verbündete und Feinde: Herausforderungen treten auf, aber auch Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte.
  7. Annäherung an die tiefste Höhle: Der Höhepunkt der Veränderung, in der die größten Hürden überwunden werden müssen.
  8. Prüfung und Belohnung: Erste Erfolge werden sichtbar und die positiven Effekte der Veränderung zeigen sich.
  9. Rückkehr mit dem Elixier: Die neuen Prozesse und Strukturen werden dauerhaft in der Organisation verankert.
  10. Transformation und Rückkehr: Die Organisation hat sich erfolgreich gewandelt und blickt in eine positive Zukunft.

Es hilft, diese einzelnen Stationen zu visualisieren und mit Hilfe von Metaphern in einfacher, konkreter Sprache wiederzugeben, so praxisnah und verständlich wie möglich. Kommunikation, die nur auf Fakten beruht, ist zu abstrakt und hat keine Chance uns emotional zu erreichen.

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Ein fiktives Beispiel für die Heldenreise von Moritz

  • Moritz arbeitet seit vielen Jahren als Ingenieur in einem Maschinenbauunternehmen, das spezialisierte Produktionsmaschinen herstellt. Die Maschinen sind veraltet, werden aber noch eingesetzt, obwohl sie zu zahlreichen Produktionsausfällen und ineffizienten Arbeitsprozessen führen (1. Gewohnte Welt).
  • Aufgrund wachsender Kundenanforderungen und technologischer Entwicklungen wird deutlich, dass eine Modernisierung der Hardware unumgänglich ist, mit dem Ziel, die Produktqualität zu verbessern und wettbewerbsfähig zu bleiben (2. Ruf zum Abenteuer).
  • Moritz ist zunächst skeptisch und besorgt. Er kennt sich bis dato nicht mit der neuen Hardware aus und fürchtet, dass die Umstellung zu Komplikationen in der Produktion führen und seine Arbeit erschweren könnte (3. Weigerung des Rufs).
  • Moritz ist damit nicht allein. Die Geschäftsführung erkennt die Bedenken der Mitarbeiter*innen und engagiert Moritz sowie andere Schlüsselpersonen als Mentor*innen, um den Mitarbeiter*innen die Vorteile der neuen Hardware zu erklären und sie bei der Einführung zu unterstützen (4. Begegnung mit dem Mentor).
  • Nach intensiven Schulungen und Testläufen beginnt Moritz, die ersten Schritte zur Integration der neuen Hardware zu unternehmen (5. Überschreiten der ersten Schwelle). Es gibt anfängliche Herausforderungen, wie technische Anpassungen und Schulungen der Mitarbeiter*innen.
  • Während des Prozesses erlebt Moritz die Unterstützung seiner Kolleg*innen und Vorgesetzten, die ihn dabei unterstützten, die neuen Systeme zu verstehen und produktiv zu nutzen (6. Prüfungen, Verbündete und Feinde).
  • Der Höhepunkt kommt, als die neue Hardware erfolgreich in Betrieb genommen wird und Moritz die verbesserte Leistung und Zuverlässigkeit der Produktionsmaschinen erlebt. Er hat seine anfängliche Skepsis überwunden (7. Annäherung an die tiefste Höhle).
  • Moritz und sein Team beginnen, die ersten Erfolge zu sehen, wie reduzierte Ausfallzeiten und gesteigerte Produktionskapazitäten. Für ihre engagierte Arbeit und Vorreiterrolle in diesem Change Projekt, werden sie von den Führungskräften gelobt (8. Prüfung und Belohnung).
  • Die neue Hardware wird fest in die Unternehmensstrategie integriert, was zu langfristigen Verbesserungen in der Produktion führt (9. Rückkehr mit dem Elixier).
  • Das Unternehmen kann seine Wettbewerbsposition stärken und die Produktqualität verbessern, indem es erfolgreich auf die neue Hardware umstellt (10. Transformation und Rückkehr). Moritz ist stolz auf seine Rolle in dieser Veränderung und blickt optimistisch in die Zukunft.
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Fünf Schritte zu einer erfolgreichen Change Story

Die aufgeführten Schritte sind an die Heldenreise nach Joseph Campbell angelehnt:

1. Gewohnte Welt & Ruf zum Abenteuer

Hier sollte die aktuelle Situation im Unternehmen aufgezeigt werden: Skizzierung des Zustands und der Herausforderung, gefolgt von der Notwendigkeit der Veränderung. Warum ist ein Veränderungsprojekt notwendig? Zu Beginn sollten auch die Akteure eingeführt werden, wie die Führungskräfte und die Mitarbeiter*innen und die sonstigen involvierten Stakeholder – es ist auch wichtig, das jeweilige Ziel und die Zielgruppen zu definieren. Hier kann bereits die Entscheidung gefällt werden, welcher Held die Reise antreten soll, um daraus frühzeitig eine entsprechende Heldenreise zu kreieren.

2. Weigerung des Rufs & Begegnung mit dem Mentor

Anfängliche Ängste und Zweifel kommen auf. Welche Bedenken haben die Mitarbeiter*innen? Widerstand ist ein normales, humanes Symptom bei Veränderungsprojekten. Wichtig ist, genau hinzuhören und zu definieren, welche Ängste bei den Mitarbeiter*innen vorherrschen – außerdem besteht die Möglichkeit, von Beginn an Kolleg*innen, die vom Wandel betroffen sind, in den Veränderungsprozess als interne Wissensträger und Experten aus der Zielgruppe einzubinden. Das ist laut Stephanie Selmer die kritischste Phase im gesamten Veränderungsprozess, die es kurzzuhalten gilt, um ins Handeln zu kommen. Je länger diese Phase dauert, desto mehr Unmut kann sich an dieser Stelle ausbreiten.

3. Überschreiten der ersten Schwelle

Hier beginnt der Veränderungsprozess, die ersten Maßnahmen zur Umsetzung der Veränderung starten. Es ist sinnvoll, bereits kleinere Erfolge zu feiern: Das kann ein echter Motivationsboost sein, um das Engagement aufrechtzuerhalten. Erste konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Veränderung finden hier einen Platz. Was sind die ersten Schritte zur Veränderung? Welche Erfolge können und konnten bisher erreicht werden?

4. Prüfungen, Verbündete und Feinde, Begegnung mit dem Mentor

Die Führungskoalition und Unterstützer*innen begleiten und unterstützen den Wandel. Hier können bereits Schulungen angeboten werden, um die Mitarbeiter*innen auf die Veränderung vorzubereiten. Das Zeichen sollte sein: Herausforderungen werden gemeinsam bewältigt und fördern die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation. Der Rückhalt der Führungskräfte ist dabei eine unverzichtbare Stütze – fördern sie aktiv den Wandel, ist ein großer Meilenstein erreicht, der sich positiv auf die Mitarbeiter*innen auswirkt. Welche Hindernisse gibt es derzeit noch? Wie können Mitarbeiter*innen noch besser zusammenarbeiten?

5. Prüfung, Belohnung & Rückkehr

Eine Verankerung des Wandels findet statt und die neuen Prozesse werden in die Unternehmenskultur integriert. An dieser Stelle ist der richtige Zeitpunkt, diese Erfolgsgeschichte mit der gesamten Organisation zu teilen. Welche Erfolge wurden erzielt? Wie wird der Wandel nachhaltig gesichert? Wie geht es weiter? Was ist noch notwendig? Regelmäßige Meetings und Feedback-Runden helfen zur Optimierung der neuen Prozesse. Es ist dabei hilfreich, immer wieder die langfristigen Vorteile und damit einhergehende positive Zukunft der Organisation zu betonen.

An dieser Stelle kann auch die Unterstützung verschiedener Collaboration Tools sinnvoll sein, um die Integration neuer Prozesse in deinem Team zu erleichtern:

Warum eine Change Story so wichtig ist

Eine Change Story ist wichtig, weil sie eine emotionale Verbindung schafft und es allen, am Change Prozess beteiligten Personen, ermöglicht, sich mit den Charakteren und deren Gefühlen zu identifizieren. Sie verleiht Bedeutung und Sinn, gerade bei Themen und Prozessen, die auf den ersten Blick kompliziert, neu und scheinbar kaum zu bewältigen erscheinen. Geschichten sind leichter zu merken als abstrakte Fakten, was das Gedächtnis fordert und fördert. Sie können auch die soziale Bindung untereinander ausbauen und stärken – denn die Reise wird bei großen Veränderungen in Unternehmen nicht allein angetreten, sondern im Kollektiv. Wenn eine Change Story gut erzählt und aufbereitet ist, kann sich jeder einzelne von uns damit identifizieren, was eine große Strahlkraft auf die Akzeptanz und Toleranz des Change Prozesses darstellen kann.

 
 

Quellen:

  • https://www.zitate7.de/10224/Die-einzige-Konstante-im-Universum-ist.html
  • Stephanie Selmer: Change Stories – Storytelling in Veränderungsprozessen, 1. Auflage Dezember 2022.
  • Joseph Campbell, Der Heros in tausend Gestalten, 2022.

Nadine Triebel
Autor*In
Nadine Triebel

Nadine Triebel arbeitet in der Unternehmenskommunikation bei KONE, einem international führenden Anbieter für Aufzüge, Rolltreppen und Automatiktüren. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit schreibt sie gerne Gedichte und tritt bei Poetry Slams zu medienethischen Themen auf. Darüber hinaus engagiert sie sich aktiv gegen Hass im Netz und setzt sich für Vielfalt in der Gesellschaft ein. Ihr nächster Bildungsurlaub widmet sich dem Thema Verschwörungsmythen und ihren Zusammenhang mit Fake News. Fun Fact: Am liebsten schreibt sie Texte, wenn sie 80er Jahre Hits in Dauerschleife hört.

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