Content-Management-Systeme (CMS)Digital Experience Plattform (DXP)

Digital Experience Platform vs. CMS

Tim Fischer 18.11.2022

Die beiden Systeme im Vergleich

Einhergehend mit dem technologischen Wandel suchen Kund*innen nicht mehr nach dem besten Content, sondern nach dem perfekten Erlebnis. Sie wünschen sich proaktive Empfehlungen, personalisierte Inhalte und Brand-Consistency über alle Plattformen hinweg. Hier kommen Content-Management-Systeme (CMS) und Digital-Experience-Plattformen (DXP) ins Spiel. In diesem Artikel erfahrt Ihr mehr über diese Lösungen und wie sie sich voneinander unterscheiden.

Content-Management-System: Definition

Ein Content-Management-System verfügt über alle notwendigen Tools, um Inhalte für Eure Website und Anwendungen zu verwalten. Dies beinhaltet die Erstellung, Veröffentlichung und Auswertung des Contents, der sowohl in Text-, Video- und Bildform vorliegen kann. Bekannte Beispiele für Content-Management-Systeme sind WordPressTYPO3Storyblok und Hubspot CMS Hub

Das CMS besteht aus zwei Hauptbestandteilen: der Content-Management-Application (CMA) und der Content-Delivery-Application (CDA). Die CMA ist eine grafische Benutzeroberfläche, welche für die Verwaltung des Website-Contents zuständig ist. Die CDA hingegen übernimmt die Inhalte aus der CMA und stellt sie den Besucher*innen Eurer Website dar.

Arten von Content-Management-Systemen

Mithilfe eines Visual-Content-Management-Systems (VCMS), manchmal auch als agiles CMS bezeichnet, könnt Ihr visuelle, animierte und interaktive Webinhalte erstellen, ohne dafür einen Code schreiben zu müssen.

Ein Open-Source-CMS ist eine Software mit offenem Quellcode, den alle Entwickler*innen bearbeiten und ergänzen können. Ihr könnt Kodierungen verwenden, um beispielsweise Änderungen an Eurer Website vorzunehmen und Plugins oder Add-ons zu integrieren. 

Ein Headless CMS hingegen trennt das Backend Eurer Website vom Frontend. Das Backend liefert Inhalte über eine API an den „Head“ Eurer Website. Mit demselben Inhalt könnt Ihr dann mehrere „Heads“ für verschiedene Plattformen wie Desktop, Tablet und Mobile erstellen.

Diese Funktionen erfüllt ein modernes CMS

Nachfolgend findet Ihr die gängigsten CMS-Funktionen

  • Content-Editor: Content-Management-Systeme bieten benutzerfreundliche Tools wie WYSIWYG (What You See Is What You Get) zum Erstellen und Bearbeiten von Inhalten ohne Programmierkenntnisse. 
  • Responsive Design: Mit einem CMS lässt sich Eure Website für unterschiedliche Geräte optimieren – sowohl für den Desktop als auch für Smartphones und Tablets. 
  • User Management: Content-Management-Systeme bieten Euch die Möglichkeit, Rollen und Berechtigungen an Mitglieder Eures Teams zu vergeben.
  • Integrationen und Plugins von Drittanbietern: Benötigt Euer Unternehmen mehr als nur die Grundfunktionen, könnt Ihr auch verschiedene Plugins in Euer CMS integrieren (z.B. Backups, Cookies und Social Media Icons).
  • Intuitive Benutzeroberfläche: Ein CMS hat eine intuitive Benutzeroberfläche (UI/UX), mit der Ihr (als Laie) das System verstehen und nutzen könnt. Das macht es für Euch leichter, grundlegende Fehler zu beheben und nur im Bedarfsfall Support anzufordern.

Digital-Experience-Plattform (DXP): Definition

Mit dem technologischen Fortschritt entwickelt sich die digitale Landschaft stets weiter und auch die Erwartungen der Kund*innen steigen. Verbraucher*innen erwarten heute nicht nur personalisierte Inhalte. Sie wollen, dass Ihr sie über alle digitalen Touchpoints erreicht. Die meisten Content-Management-Systeme können diese Erwartungen nicht erfüllen, es sei denn, Ihr investiert in Add-ons und integriert Softwareprogramme, um die Funktionalitäten Eures CMS zu erweitern. Dies ist jedoch kostspielig und kann Eure technologische Infrastruktur übermäßig verkomplizieren.

An dieser Stelle kommt eine Digital-Experience-Plattform (DXP) ins Spiel. Sie ist die Weiterentwicklung des traditionellen CMS und wurde geschaffen, um die sich ständig ändernden Kundenerwartungen zu erfüllen. Anstatt nur Inhalte zu verwalten, ist eine DXP darauf ausgelegt, digitale Erlebnisse über eine breite Palette von digitalen Touchpoints zu verwalten – von Websites und Apps bis hin zu Plakatwänden, sozialen Medien und IoT-Geräten. Hierzu verfügt eine DXP über Tools zum Sammeln aussagekräftiger und kanalübergreifender Daten, um an ein besseres Kundenverständnis zu gelangen. Diese Daten könnt Ihr dann nutzen, um personalisierte Inhalte zu erstellen und so das Kundenerlebnis zu optimieren.

Einfach ausgedrückt, ermöglicht eine DXP einem Unternehmen, seine Kund*innen anhand von Daten zu verstehen und sie durch personalisierte Inhalte anzusprechen. Einige der bekanntesten DXPs auf dem Markt sind MagnoliaBloomreach, Adobe Experience Manager

Arten von Digital-Experience-Plattformen

Open-DXP ist eine Lösung, die mehrere Produkte von verschiedenen Drittanbietern in ein einziges, zentrales System integriert. Das verschafft Euch die Flexibilität, Softwares Eurer Wahl hinzuzufügen, wie etwa Euer altes CRM. 

Bei einer Closed-DXP hingegen sind alle DXP-Komponenten oder -Produkte in das System selbst eingebunden. Anstatt also Tools von Drittanbietern zu integrieren, werden alle Komponenten vom DXP-Anbieter entwickelt, gewartet und als Suite verkauft. Das bedeutet jedoch nicht, dass Closed-DXPs nicht um Produkte anderer Anbieter erweitert werden können. Sie sind lediglich so konzipiert, dass sie am besten innerhalb ihres eigenen Ökosystems an Produkten funktionieren.

Die gängigsten DXP-Funktionen 

Im Folgenden werden die häufigsten Funktionen von DXPs beschrieben: 

  • Content- und Digital-Asset-Management: DXPs dienen als zentraler Speicher für Inhalte (die in der Regel in Textform vorliegen) und digitale Assets wie Bilder, Videos und Audiodateien. Diese können für verschiedene Zwecke verwendet und über Omnichannel-Touchpoints wie Website, Blog, App, Social Media oder IoT präsentiert werden. 
  • Commerce: DXPs bieten E-Commerce-Funktionen, um Unternehmen beim Aufbau ihres Online-Geschäfts zu unterstützen. Sie übernehmen die gesamte Backend-Arbeit, die für die Einrichtung eines digitalen Schaufensters, die Annahme von Zahlungen und die Verfolgung von Bestellungen erforderlich ist.
  • Customer-Relationship-Management: DXPs helfen Euch ebenso, den Überblick über die Kundendaten zu behalten, um langfristige Beziehungen zu ihnen aufzubauen.
  • Insights, Analytics und Intelligence: Moderne DXPs geben Euch durch Technologien wie Big-Data-Analysen und Content Intelligence Einblicke in die Abläufe des Nutzerverhaltens. Auf diese Weise könnt Ihr Kund*innen proaktive Empfehlungen geben (zum Beispiel: „Kund*innen, die diesen Artikel gekauft haben, interessierten sich auch für ...“), was ihre Erfahrungen auf Eurer Website verbessern wird.
  • Personalisierung und Automatisierung: DXPs fungieren als zentraler Speicher für Nutzerdaten. Sie sind in der Lage, Verhaltensdaten und First-Party-Daten zu analysieren, um personalisierte Erlebnisse für alle Nutzer*innen zu schaffen. Viele dieser personalisierten Erlebnisse können auch automatisiert werden.
  • APIs und Integrationen: Die meisten DXPS verfügen über flexible APIs sowie eine offene Architektur. Diese ermöglichen es Euch, Softwares einfach in die technologische Infrastruktur zu integrieren und die DXP an Eure Bedürfnisse anzupassen.

CMS und DXP im Vergleich

CMS

DXP

Architektur

Ein CMS besitzt eine einfachere Architektur als eine DXP. Es verfügt über ein Backend, das als Content-Repository fungiert und ein Frontend, in dem die Inhalte dargestellt werden.

Die Architektur von DXP besteht aus einer Verbindung von Systemen mit unterschiedlichen technologischen Fähigkeiten. Sie umfasst CMS, CRM, Portale, DAM, Commerce, Integrationen von Drittanbietern sowie Marketing-Automatisierungstools.

Einsatzgebiete

Ein CMS wird in erster Linie für die Verwaltung von Web- oder App-Inhalten verwendet.

Eine DXP leistet weitaus mehr als die Verwaltung von Content. Es ermöglicht es Euch, Euer gesamtes digitales Erlebnis über mehrere Kanäle hinweg zu verwalten, indem Ihr das Kundenverhalten nachverfolgt und Echtzeit-Daten nutzt.

Erweiterbarkeit

Um Funktionen zu Eurem CMS hinzuzufügen, müsst Ihr Plugins und Add-ons von Drittanbietern integrieren.

Eine DXP verwendet APIs zur einfachen Integration externer Systeme und Anwendungen in die Technologie-Infrastruktur der Plattform.

Personalisierung

Eine CMS-Plattform ermöglicht es Euch, eine einzige Website für alle Arten von Benutzer*innen zu erstellen.

Eine DXP hingegen hilft Euch, Euren Kund*innen personalisierte Erlebnisse bereitzustellen.

Benutzerfreundlichkeit

Ein CMS ermöglicht es Anwender*innen mit wenig oder gar keinem technischen Know-how, einfach und schnell eine Website zu erstellen.

Die meisten DXPs beschränken den Bedarf an Kodierung. Da sich das System jedoch aus verschiedenen Softwarekomponenten zusammensetzt, ist die Lernkurve steil.

 

Vor- und Nachteile von CMS 

Pro

Contra

Erlaubt Euch, Eure eigene Website zu erstellen oder zu bearbeiten

Eingeschränkte Möglichkeiten für HTML-Bearbeitung und Website-Design

Ermöglicht den Zugang für mehrere Benutzer*innen

Mehr Ressourcen werden auf dem Webserver verbraucht

Begrenzt den Bedarf an externer Website-Wartung

Schwierigkeiten beim Wechsel des Webhosters

Erfordert von den Nutzer*innen keine Codeeingabe

Begrenzte SEO-Funktionen

Verfügt über eine Vielzahl von Vorlagen für Websites

Verleiht der Website ein einheitliches Aussehen und Gefühl

Unterstützt verschiedene Formate wie Word-Dokumente, RSS-Feeds oder PDF

Ermöglicht eine einfache Neugestaltung der Website

Viele Content-Management-Systeme sind kostenlos – Ihr müsst nur für das Hosting und die Domain bezahlen

 

Vor- und Nachteile von DXP

Pro

Contra

Fortschrittlichere und anspruchsvollere Architektur

Hohe Kosten für Anschaffung, Implementierung und Wartung, ganz zu schweigen von den Ausgaben für eventuelle Änderungen

Beinhaltet viele Softwarekomponenten wie eine Kundendatenplattform (CDP)

Kann kompliziert und schwer zu bedienen sein

Liefert Inhalte an eine Vielzahl von digitalen Berührungspunkten

Erfordert große und kompetente Entwicklungsteams für Anpassungen

Personalisierung der Benutzererfahrung durch Daten und Analysen

Steile Lernkurve

Enthält bereits ein Content-Management-System

Bietet E-Commerce- und Marketing-Funktionen

Verwendet KI, um automatisch Kundendaten über alle Kontaktkanäle hinweg zu sammeln

APIs erleichtern die Verbindung einer DXP mit anderen Softwarelösungen

Fazit: CMS vs. DXP – Welche Lösung passt zu meinem Unternehmen?

Auch wenn sie manchmal synonym verwendet werden, befolgen CMS und DXP zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Das Content-Management-System konzentriert sich hauptsächlich auf die Verwaltung von Inhalten für Websites und Apps. Der Funktionsumfang einer Digital-Experience-Plattform geht jedoch weit darüber hinaus. Sie verfügt über ein eigenes CMS, sowie über weitere Softwarekomponenten, die Euch bei der Verwaltung Eures Online-Geschäfts unterstützen. Zu diesen zählen KI-Funktionen, Marketing- und E-Commerce-Integrationen sowie eine CDP zur Erfassung von Kundendaten über verschiedene Kanäle hinweg. 

Für welches System Ihr Euch entscheidet, hängt ausschließlich von Eurem Budget und Euren geschäftlichen Anforderungen ab. Ihr seid als Freiberufler*innen aktiv oder führt ein Start-up? Dann sollte ein einfaches Content-Management-System ausreichen. Zur Erweiterung des Funktionsumfangs könnt Ihr dann Plug-ins installieren. Habt Ihr ein großes Unternehmen, dann ist eine Digital-Experience-Plattform die perfekte Lösung für Euch. Sie bietet nicht nur eine Vielzahl von Features für verschiedene Bereiche Eures Online-Geschäfts. Sie stellt zudem sicher, dass Euer Unternehmen die Content-Anforderungen der Gegenwart und Zukunft erfüllt.

Möchte Ihr mehr über diese Systeme erfahren, dann solltet Ihr OMR Reviews einen Besuch abstatten. Dort könnt Ihr diverse Content-Management-Systeme und Digital-Experience-Plattformen vergleichen und mithilfe zahlreicher Bewertungen, die richtige Softwarelösung für Euer Unternehmen entdecken.

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Tim Fischer

Tim ist ein freiberuflicher Journalist / Content Writer, der OMR-Reviews in den Bereichen Marketing und Softwares unterstützt. Seit seinem Onlinejournalismus-Studium schreibt er unter anderem für Computer Bild, XING und Finanzcheck.de. Wenn er nicht gerade am Texten ist, spielt er auf seiner Stratocaster die Klänge von Hendrix, Frusciante und Gilmour nach.

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