Die 7 entscheidenden Marketing Trends 2026: Von AI First bis Zero Click

Markus Lempa19.1.2026

Die Zukunft ist nichts für Feiglinge, sondern für Marketing-Rockstars mit Haltung. In dem Artikel erfährst Du, welche Marketing-Trends das Business von morgen prägen.

Inhalt
  1. AI First
  2. Zero-Click-Marketing, AI Slop und Bot Traffic
  3. SEO meets GEO
  4. Social Media zwischen Nostalgie und Relevanz
  5. People Marketing statt Employer Branding
  6. Marketing Warfare
  7. Blue Marketing gegen den Nachhaltigkeits-Blues
  8. Fazit
Das Wichtigste in Kürze
  • KI wird zur Infrastruktur des digitalen Marketings: Autonome Agenten, Automatisierung und Vibe Coding verändern Marketingprozesse und Geschäftsmodelle grundlegend.
  • Klicks verlieren an Bedeutung; entscheidend wird, ob Marken in KI-Antworten, Plattformen und geschlossenen Ökosystemen wahrgenommen werden.
  • Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur über Rankings, sondern über Zitierfähigkeit und Vertrauen in KI-generierten Antworten.
  • Social Media: Reichweite verliert an Wert, Nostalgie und Relevanz gewinnen.
  • Employer Branding greift zu kurz; gefragt ist People Marketing entlang des gesamten Arbeitslebenszyklus.
  • Märkte werden politisch; Marketing wird zur strategischen Disziplin zwischen Geopolitik, Hyperwettbewerb und Krisenkommunikation.
  • Renaissance der Nachhaltigkeit mit Blue Marketing.
Was für ein irres Jahr 2025 liegt hinter uns! Die atemberaubenden Veränderungen der vergangenen Monate sind keine temporären Anomalien. Nahezu alle Leitplanken für Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Umwelt sind gefallen. Die Gültigkeit digitaler Marketing-Trends und Jahresplanungen wird immer kürzer. Das Marketing, wie wir es bislang kannten, steht vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel, wenn nicht sogar vor einer Revolution. Ein paar Kostproben:
  • Spätestens seit 2025 gibt es im Netz mehr synthetische als von Menschenhand produzierte Inhalte. 
  • Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom plant jeder vierte Mensch in Deutschland für das neue Jahr eine digitale Auszeit. 
  • Die europäische Automotive-Industrie als Schlüsselbranche ist von Chinesischen Marken überrannt worden. 
  • Nach rund 80 Jahren wird eine reale Kriegsgefahr für die Staaten der Europäischen Union befürchtet. Dass ausgerechnet die USA den alten Kontinent zum Gegner erklärt hat, klingt in unseren Ohren "cringe", gehört aber inzwischen leider zur neuen Normalität. 
  • Klimaschutz wurde 2025 zum politischen Ladenhüter. Expert*innen erwarten bis zum Ende des Jahrhunderts eine globale Erwärmung von 2,3 bis 3 Grad Celsius.
An dieser Stelle würden viele von uns vermutlich einen "Weckruf" für angebracht halten. Doch über diesen Punkt sind wir längst hinaus. Der sich abzeichnende Paradigmenwechsel im Marketing betrifft nicht allein die Optimierung von Wachstums- und Aufmerksamkeitslogiken. Im Zentrum stehen nun Marketingstrategien zu Fragen von Vertrauen und Relevanz. Und damit zur grundsätzlichen Sinnhaftigkeit und Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells.
Die nachfolgenden sieben aktuellen Marketing-Trends der Zukunft können uns dabei als neue Leitplanken helfen: AI First, Zero-Click-Marketing, Slop & Bot Traffic, SEO meets GEO, Social Media Trends, People Marketing statt Employer Branding, Marketing Warfare und Blue Marketing. 
Viel Spaß beim Lesen und Umsetzen!

AI First

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Die Stimmen, die vor einem Platzen der KI-Blase warnen, werden lauter. Und die Chancen stehen gut, dass wir alle dieses Spektakel schon bald aus nächster Nähe beobachten dürfen. Gigantische 2 Billionen US-Dollar für KI-Projekte bis Ende 2026 warten auf ihren Return on Investment. Aber Vorsicht! Wer KI nur als Hype betrachtet, verpasst den eigentlichen Umbruch.

KI ist gekommen, um zu bleiben

Unabhängig davon, wie schnell sich der Markt konsolidiert, wird maschinelle Intelligenz ein dauerhafter Teil von Marketingprozessen sein. Richtungsweisend ist daher nicht, ob und wann die Blase platzt, sondern wer danach handlungsfähig bleibt. Der Fokus verschiebt sich von fragmentierten KI-Experimenten und Use Cases hin zu einem ganzheitlichen AI-First-Denken, bei dem KI nicht ergänzt, sondern konsequent mitgedacht wird: als Infrastruktur, als Armee "virtueller Minions" und als strategischer Hebel für radikal neue Geschäftsmodelle. 
Vorausgesetzt, das Unternehmen verfügt über die notwendige KI-Readiness. Dazu gehören neben einer kritischen Masse an geeigneten Trainingsdaten vor allem ein tiefes Verständnis der Kernprozesse und wie du diese verbessern musst. Andernfalls droht die Warnung von Thorsten Dirks aufzugehen: "Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess."
Vier AI Marketing News verdienen in 2026 unsere besondere Aufmerksamkeit:

Agentenfieber

KI-Agenten markieren den Beginn eines neuen Produktivitätsschubs, der nahezu alle Unternehmen und Branchen erfassen wird. Dabei geht es längst nicht mehr um technische Detailfragen oder die Suche nach dem einen ultimativen Tool. Die am Markt verfügbaren Lösungen überzeugen bereits heute mit ihrer Performance und Usability. Vielmehr gilt es darum, mit Hilfe der Automatisierung bestehende Workflows auf eine höhere Stufe zu heben. 
Die Übernahme zeitintensiver und teurer Routinen sowie die Vermeidung von Doppelarbeiten sind erst der Anfang. Gesucht werden Multi-Agent-Systeme für skalierbare End-to-End-Prozesse, mit denen das alte Silodenken aufgebrochen und Reibungsverluste systematisch reduziert werden.  
Wer einen solchen unternehmensweiten KI-Ansatz verfolgt, muss konsequent über einzelne Use Cases hinausdenken. Daten und KI-Komponenten müssen an langfristigen Unternehmenszielen ausgerichtet und logisch orchestriert werden. Hinzu kommen unverzichtbare Human-in-the-Loop-Aufgaben, Echtzeit-Monitoring sowie robuste Governance-Strukturen. 
Und selbst dann sind KI-Workflows nicht aus Stein gemeißelt, sondern müssen flexibel Prompts, Prozessregeln und Modelle adaptieren. Genau darin liegt der eigentliche Wandel: Das digitale Marketing wechselt die Rolle vom Komponisten einer Kampagne zu der des Dirigenten eines aus Menschen und Maschinen spielenden hybriden Orchesters. 

Mit Vibe-Coding zum Marketing-Prototyping

Das digitale Marketing der Zukunft gleicht scheinbar immer stärker einem Maschinenraum. Und dennoch bleibt tiefes Programmierwissen für die meisten Marketer die Ausnahme. Statt Zeile um Zeile selbst zu coden, steht mit Hilfe der KI eine anwenderfreundliche Programmiermethode zur Verfügung. Dafür generieren große Sprachmodelle (LLMs) in natürlicher Sprache den gewünschten Code. Step by Step entstehen so fast in Echtzeit Prototypen für alle möglichen Marketingträume.
Viele dieser Initiativen für Vibe-Coding wie z. B. mittels Loveable entstehen direkt in den Fachbereichen. Für die zentrale IT stellt das eine sportliche Herausforderung dar. Der KI-generierte Output kann Sicherheitslücken aufweisen. Hier sind klar definierter Vibe-Coding-Frameworks erforderlich. Leitplanken, die Fachbereiche befähigen, schneller zu experimentieren, ohne dabei IT-Sicherheit, Governance und Wartbarkeit zu gefährden. So werden Marketing und IT vielleicht auch in eurer Firma das neue Dreamteam. 

AI Performance Marketing 

Meta will noch in 2026 KI-Werkzeuge einführen, mit denen Ads vollständig automatisiert erstellt, getarget und optimiert werden können. Marken geben nur noch Ziel und Budget ein; den Rest übernimmt per Tastendruck die KI. Das geht weit über Assistenzfunktionen hinaus. Performance-Marketing wird damit zur Black-Box-Dienstleistung.
Professionelle Online-Agenturen wie z. B. 5AMadcologneadd2AIXhibit haben sich auf diesen Trend bereits eingestellt. Manuelle Mediaplanung, Zielgruppenansprache und klassische Optimierung verlieren zwar an Bedeutung, weil die KI alles selbst automatisiert. Dafür treten MarketingstrategienBrandingE-Commerce und Datenmanagement in den Vordergrund. Denn auch die beste KI optimiert nur das, was sie bekommt: Ziele, Signale, Daten und kreative Leitplanken. 

Zero-Click-Marketing, AI Slop und Bot Traffic

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Lange Zeit war "der Klick" die harte Währung des Online-Marketings. Er galt für uns als Beweis für das Ur-Interesse und Eintrittskarte zur Kundeninteraktion. 2026 verliert dieser Klick nicht nur an Bedeutung; er verliert an Realität.
Nutzer*innen klicken seltener. Summary-Antworten werden von Google AI Overviews vorweggenommen. Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme halten Aufmerksamkeit fest, ohne sie weiterzugeben. Für Marken heißt das: Sichtbarkeit garantiert keinen Besuch mehr. Präsenz ersetzt keine Beziehung.
Doch Zero-Click allein erklärt die jetzige Schieflage nicht. Parallel dazu wächst ein zweites, deutlich gravierenderes Problem. Marketing-Experten wie Thomas Koch warnen: Ein erheblicher Teil der gemessenen Aufmerksamkeit stammt nicht mehr von Menschen. Bot Traffic und KI-generierter Content, sogenannter AI Slop, überfluten die Plattformen. Automatisierte Bilder, Kommentare, Likes sehen wie Resonanz aus, folgen jedoch oft nur einem algorithmischen Selbstzweck.
Hinzu kommt eine neue Stufe der Entkopplung über AI Shops und automatisierte Kaufentscheidungen. KI-Systeme vergleichen Produkte, treffen Vorauswahlen, bestellen selbstständig, ohne dass je ein Mensch eine Website besucht. Digitales Marketing der Zukunft richtet sich zunehmend an Maschinen, nicht an Nutzer*innen. 
In diesem Umfeld wird Ad Fraud zur systemischen Nebenwirkung. Anzeigen werden ausgespielt, gesehen, "interagiert"; oft ausschließlich von Bots. Kampagnen laufen technisch perfekt und inhaltlich ins Leere. So entsteht eine gefährliche Unschärfe. Marken verlieren nicht nur Klicks, sie verlieren Gewissheit. Stabilere Indikatoren für reales Interesse sind langfristige Suchtrends über die Zeit, etwa mit Hilfe von Google Trends.
Diese Entwicklung ist kein Unfall, sondern ein systemisches Problem. Plattformen haben ein ökonomisches Interesse daran, Aufmerksamkeit im eigenen Ökosystem so lange wie möglich zu halten; unabhängig davon, wer sie erzeugt. Externe Klicks stören dieses Modell. 
Damit verändern sich auch die Rolle und Gestaltung der Website. Sie ist nicht mehr der selbstverständliche Einstieg, sondern der Ort der Bewährung. Menschen klicken 2026 nur noch weiter, wenn sie dort etwas erwarten, das nicht automatisiert, simuliert oder künstlich vorgekaut ist: ernsthafter Dialog, klare Verbindlichkeiten statt 08/15-Antworten sowie echte Entscheidungshilfe, basierend auf menschlichen Erfahrungen. Das sind Kontaktpunkte mit Mehrwert, an denen Bots momentan noch scheitern. Aber vielleicht liegt genau darin die Chance dieses digitalen Trends. Marketing-Themen werden leiser, selektiver, weniger abhängig von flüchtigen Signalen. Es misst nicht mehr Bewegung, sondern Bedeutung. 
In dieser digitalen Zukunft erlebt PR eine stille Renaissance. Erwähnungen in glaubwürdigen Medien, Studien, Interviews oder Expertenzitaten wirken dort, wo klassische Performance-Kennzahlen versagen. Aber auch klassische Online Marketing Tools wie E-Mail-Marketing gewinnen weiter an Bedeutung. Vorausgesetzt, dass sie einen echten Mehrwert bieten. 
Wer all dies bewältigen will, sollte sich spätestens jetzt mit professionellen Lösungen für Marketing, Vertrieb und Service wie weclappHubspot SalesHubcobra CRMEASY2rapidmail beschäftigen. Wer glaubt, dass sein Team dafür zu klein sei, der sollte sich trotzdem CentralStationCRM anschauen und einen Schritt in Richtung Digitalisierung der Prozesse wagen.

SEO meets GEO

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Die Kunst, in den endlosen Weiten des Netzes gefunden zu werden, war schon immer der heilige Gral im Online-Marketing. In der guten alten Zeit brauchte es dazu vor allem einen Content-Magneten mit klug ausgewählten Keywords. Diese simple Logik funktioniert leider schon lange nicht mehr. Und so haben Experten in den vergangenen Jahren immer wieder SEO ("Search Engine Optimization") als Disziplin für tot erklärt. Zu Unrecht.  Seit dem kometenhaften Aufstieg von ChatGPT und anderer großer KI-Sprachmodelle heißt es nun: "Totgesagte leben länger." Als Zauberwort fällt dabei immer wieder das Wort GEO ("Generative Engine Optimization"). 

Die Kunst, relevante Fragen zu stellen

Bevor wir uns vertieft mit GEO auseinandersetzen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die generellen Veränderungen menschlichen Suchverhaltens. Laut einer McKinsey-Studie verbringen Wissensarbeiter 1,8 Stunden pro Tag mit dem Suchen und Sammeln von Informationen. Das entspricht rund 20% der durchschnittlichen Arbeitszeit. Tendenz steigend, da es im globalen Datenozean immer schwieriger wird, relevante Antworten herauszufischen. 
Vielleicht müssen wir aber auch nur unsere Art, wie wir nach Daten suchen und sie sammeln, grundsätzlich überdenken. Von professionellen Datensuchern wie z. B. Truemetrix können wir vieles für unser eigenes Suchverhalten lernen. Das Web und viele öffentlich zugängliche Datenquellen stecken bereits voller Antworten. Vorausgesetzt, wir wissen, welche relevanten Fragen wir stellen müssen und welche inhaltlichen, zeitlichen und räumlichen Fragen vielleicht irrelevant sind. Wenn die KI sowieso auf alles eine Antwort hat, müssen wir Menschen nicht dann zu besseren Fragestellern werden?
Jede Zeit hat ihre ganz speziellen Fragestellungen. So zeigt sich z. B. bei ChatGPT, dass innerhalb der letzten drei Jahre die Fragen sehr viel komplexer geworden sind und die Form von Konversationen angenommen haben. Berufliche Fragestellungen vermischen sich mit dem privaten Umfeld und alltäglichen Anwendungsfeldern. Statt der Abfrage reiner Fakten wird die KI zudem vermehrt für unstrukturierte, abstrakte Probleme genutzt, um sich so rasch zu orientieren.
Mit dieser Vorüberlegung wollen wir jetzt auf das Thema SEO im KI-Zeitalter schauen. Obwohl Chatbots keine Suchmaschinen im ursprünglichen Sinne sind, werden sie dennoch immer mehr als Suchmaschinen genutzt. Statt nach exakten Antworten zu suchen, begnügen sich die Nutzer*innen mit "statistisch wahrscheinlichen Antworten". Umso wichtiger wird der KI-Faktencheck durch uns Menschen.

SEO wollte Klicks GEO will Stimme

Generative Engine Optimization ist kein weiteres Buzzword aus dem Marketing News Baukasten, sondern eine neue Spielregel. Klassisches SEO kämpft darum, irgendwo auf Seite eins von Google zu landen. GEO geht einen Schritt weiter. Denn KI-Suchsysteme wie ChatGPTPerplexity oder DeepSeek zeigen keine endlosen Linklisten mehr. Sie liefern mundgerechte Antworten. Und die entscheidende Frage lautet nicht mehr "Ranke ich?", sondern: "Werde ich erwähnt? Zitiert? Oder komplett ignoriert?"
GEO optimiert Inhalte nicht für Algorithmen, sondern für KonversationenZiel ist es, als verlässliche Quelle Teil der Antwort zu werden; genau dort, wo Entscheidungen entstehen. Wer es schafft, von der KI genannt oder zitiert zu werden, gewinnt etwas Wertvolleres als Traffic: Relevanz und Vertrauen.
GEO-Software wie Otterly.AI oder Peec AI liefert genau die Hebel, die im KI-Zeitalter zählen: Content-Optimierung für KI-Antworten, Monitoring der Markenpräsenz in AI-Ausgaben, Analyse von LLM-Logiken, Sentiment- und Bias-Erkennung sowie Wettbewerbsbenchmarks für Sichtbarkeit in der KI-Welt. All dies verändert die Bedeutung einzelner KPIs. So zählen bei GEO vor allem vier neue Leitmetriken: Share of Voice, Sentiment, Prompts und AI-Traffic.
Last but not least. Bei aller berechtigten Euphorie für GEO sollten wir einen fatalen Trugschluss vermeiden: Generative Engine Optimization ersetzt SEO nicht; sie baut darauf auf. Genau hier greifen die klassischen SEO-Prinzipien; allen voran E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness). 
Lesetipp

Lesetipp: Du willst mehr zum Unterschied zwischen GEO und SEO erfahren? Alles, was du wissen musst, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

Social Media zwischen Nostalgie und Relevanz

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In Krisenzeiten sehnen sich Menschen nach der "guten alten Zeit". Dies gilt auch für Social Media. 1997 kam mit Six.Dregress.com eines der ersten soziale Netzwerke auf die Welt. Sieben Jahre vor Facebook. Das Internet war damals noch extrem langsam; mobil kaum nutzbar und mangels ausgereifter Werbemodelle finanziell fragil. Und dennoch war der menschliche Austausch damals intensiver als die heutige, zunehmend random anmutende Dialogbereitschaft. Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel sagt, dass seit etwa 2014 die Nutzung von Social Media für echten Austausch, Dialog oder neue Kontakte um mehr als ein Viertel gesunken ist. Wir nutzen Plattformen immer weniger, um uns zu verbinden, sondern um Zeit zu überbrücken. Reflexhaftes Scrollen ersetzt Resonanz. 
Ein zentraler Treiber dieses Verhaltens ist FOMO: die Angst, etwas zu verpassen. Plattformen belohnen permanente Präsenz, nicht Relevanz. Das Ergebnis ist Daueraufmerksamkeit ohne Tiefe und Marken, die aus Angst vor Unsichtbarkeit ständig senden, statt bewusst zu kommunizieren. Dabei werden Netzwerke gerade zwischen Konzernen, KMUs, Startups und Fachexperten gerade nicht aus Angst gebaut. Das unterstreicht beispielsweise Margit Schmitz vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), für die am Anfang einer jeden Zusammenarbeit das aufmerksame Zuhören und die Suche nach gemeinsamen Zielen steht. Zwei Voraussetzungen für werthaltige Partnerschaften, an denen sich auch Social Media messen lassen muss. 
Als wäre das alles noch nicht komplex genug, verändern Plattformen kontinuierlich ihre algorithmischen Parameter. Hier sind vier Entwicklungen, die auch über 2026 hinaus Bestand haben werden: 

Hyperpersonalisierung radikal weitergedacht

Hyperpersonalisierung wird 2026 zum Standard. Content wird nicht mehr primär vom Algorithmus gesteuert, sondern vermehrt vom Nutzer selbst. Feeds lassen sich filtern, priorisieren, abwählen. Für Marketer ändert sich damit die Logik grundlegend: Wer Inhalte weiterhin pauschal ausspielt, etwa dieselbe Kampagnenleistung für Erstkontakte, Bestandskunden und Abwanderungsgefährdete, produziert Sichtbarkeit ohne Relevanz. Wirkung entsteht nur noch dort, wo Content modular gedacht, klar segmentiert und entlang konkreter Nutzungssituationen ausgespielt wird. Damit verbunden ist der Trend zu dezentralen Communities für Gleichgesinnte statt anonymer Plattformen.

E-Commerce wird nativ

Social Commerce wächst weiter: Nutzerinnen können Produkte direkt in der App entdecken, bewerten und kaufen, ohne eine externe Website zu besuchen. Funktionen wie Produkt-Tags, nahtlose Checkout-Erlebnisse und Shop-Tabs werden 2026 noch stärker integriert sein, besonders auf Instagram, Facebook, TikTok und Pinterest.  Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Content, Community und Transaktion; Marken müssen daher Sales- und Marketingstrategien in 2026 noch stärker koppeln.

Video dominiert, aber anders

Video bleibt das dominante Format, doch 2026 entwickelt sich eine mehrschichtige Video-Realität. Kurzformate bleiben zentral, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, verlieren aber ihre Alleinstellung. Parallel gewinnt Long-Form-Content an Bedeutung, vor allem dann, wenn dieser modular gedacht ist und Interessierte gezielt von schnellen Impulsen in tieferes Engagement überführt.

Plattformen reagieren auf Kritik und Regulierung

Die Nutzung sozialer Netzwerke rückt zunehmend in gesellschaftliche Debatten. In Australien ist seit Dezember 2025 Social Media für unter 16-Jährige verboten. Frankreich plant ähnliches ab September 2026. Das zwingt Plattformen, sicherere, altersgerechte Angebote und technische Altersverifikation zu entwickeln. Markenbilder von Unternehmen müssen an ihre Social Media Zielgruppenstrategie angepasst werden.
Vielleicht schlummert aber genau hier die Chance für Social Media im Jahr 2026. Nicht in der Rückkehr zu einer vermeintlich besseren, nostalgischen Vergangenheit, sondern in der Wiederentdeckung dessen, was diese frühen Netzwerke einst ausgezeichnet hat: echtes Interesse, Dialog auf Augenhöhe und das Gefühl, gesehen zu werden. Social Media kann wieder ein Ort werden, an dem Fragen ernsthaft beantwortet, Erfahrungen geteilt und Communities aufgebaut werden.

People Marketing statt Employer Branding

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2026 stehen Personalabteilungen vor einer doppelten Zumutung: Umbau im Unternehmen und Verwerfungen im Recruiting. Während Restrukturierungswellen durch die Wirtschaft fegen, kippt der Bewerbermarkt in zwei Extreme: Auf manche Stellen gibt es kaum Rückmeldungen, auf andere einen regelrechten Lawinenabgang. 
Was die Lage grundlegend verändert: Maschinen dominieren die erste Entscheidungsphase. Lebensläufe werden in vielen Prozessen zuerst automatisch vorsortiert. Dabei fallen nicht selten Junior*innen ohne Berufserfahrung ebenso durchs Raster wie erfahrene Expert*innen 50 Plus. Hinzu kommt der vermehrte Einsatz von KI für Interviews. Die Anbieter dieser Lösungen versprechen, anhand von Aussehen und Körpersprache angeblich inkompetente und unehrliche Kandidat*innen auszusieben. Ein ethisch fragwürdiger Ansatz, weil die KI nicht frei von Bias und Vorurteilen ist. 
Auf der Bewerberseite polieren KI-Tools Profile, generieren Anschreiben und optimieren Keywords. Das Ergebnis sind hundertfach ähnliche, perfekt klingende CVs, die menschlich kaum noch unterscheidbar sind. HR muss also nicht nur Talente finden, sondern auch Echtheit, Passung und Erwartung in einem zunehmend automatisierten System sichern.
Je mehr Menschen ihre Kompetenzen freiberuflich anbieten, desto zentraler wird die Frage, wie auch diese Zielgruppe zu glaubwürdigen Markenbotschaftern werden kann. Klassisches "Employer Branding" greift hier zu kurz. "People Marketing" richtet sich nicht nur an Bewerber*innen, sondern an Menschen entlang des gesamten Arbeitslebenszyklus: interne und externe Kandidat*innen, Ehemalige, Freelancer, Geschäftspartner und auch die Systeme, die diese Menschen beraten, vorsortieren und bewerten. Sie alle stellen potenzielle Corporate Influencer dar.
Drei Entwicklungen werden das People Marketing besonders prägen:

1. Personalisierung im People Marketing

Standardrollen erzeugen Standardbewerbungen. Personalisierung durchbricht dieses Muster jedoch nicht über plakative "Du-Kampagnen", sondern über klare, modulare Angebote. Entscheidend sind echte Wahlmöglichkeiten bei Arbeitszeit, Standort, Lernpfaden oder der konkreten Ausgestaltung von Rollenprofilen.
Statt also einer generischen Ausschreibung wie "Marketing Manager (m/w/d)" werden drei klar positionierte Varianten angeboten, etwa mit Fokus auf Growth, Brand oder Lifecycle. Jede Rolle beschreibt präzise Erfolgskennzahlen, den relevanten Tool-Stack, zentrale Stakeholder und das verfügbare Lernbudget. Unpassende Kandidat*innen sortieren sich selbst aus, während passende gezielt adressiert werden.
Personalisierung sollte jedoch nicht allein auf das Recruiting beschränkt bleiben, sondern ein integraler Teil der Unternehmenskultur sein. Sie reicht vom Onboarding, über Feiern für Geburtstage und Beförderungen bis hin zum Intranet und Podcasts, die Mitarbeiter*innen mit ihren unterschiedlichen Rollen, Kompetenzen sowie Bedürfnissen hyperpersonalisiert anspricht. Genau dies bietet Staffbase mit seiner wegweisenden Employee AI Plattform an.

2. Authentizität: In Krisenzeiten zeigt sich der wahre Charakter

2026 wird Nachhaltigkeit zum Risikofilter. Talente fragen nicht mehr: "Habt ihr Werte?", sondern: "Haltet ihr euer Wort, auch wenn es schwierig wird?" Gerade in Krisenzeiten wirkt Nachhaltigkeit wie ein Stresstest für Glaubwürdigkeit. Sie entscheidet darüber, ob Vertrauen trägt oder bricht.
Statt eines Hochglanz-Imagefilms setzen Unternehmen auf eine knappe, überprüfbare "Reality Page". Dort werden Lieferketten-Fakten, CO₂-Ziele, der tatsächliche Zielerreichungsgrad und der Umgang mit Zielverfehlungen transparent gemacht. 
Laut der EU-Entgelttransparenzrichtlinie müssen Unternehmen zudem ab Juni 2026 Gehälter in Stellenausschreibungen nennen und Arbeitnehmer*innen Auskunft über die Kriterien der Gehaltsfindung geben, um so Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern abzubauen. 
Hochglanz-Karriereseiten verlieren stattdessen an Wirkung. Menschen suchen nach Arbeitsrealität: Wie laufen Meetings? Wie wird entschieden? Wie geht Führung mit Druck um? "A day in the life"-Formate, echte Projekt-Postmortems ("Was lief schief, was haben wir geändert?") und transparente Onboarding-Pläne stellen sicher, dass Bewerber*innen nicht nur anklopfen, sondern auch bleiben.
Eine besondere Rolle in puncto Authentizität spielen die CEO-Kommunikation, aber auch andere Corporate Influencer. Hier zeigt sich, ob Markenwerte wirklich vorgelebt werden.

3. KI und Daten: Entlastung für überforderte HR-Teams

Mithilfe KI-gestützter Auswertungen von Kununu- und Glassdoor-Bewertungen, internen Befragungen und Exit-Interviews lassen sich Frühwarnsignale zu Themen wie Führung, Workload oder Remote-Regeln erkennen. Daraus können unmittelbar Maßnahmen für die Marketingkommunikation abgeleitet werden, statt erst zu reagieren, wenn der Schaden sichtbar ist.
KI kann das Recruiting auch operativ unterstützen. So bietet z. B. die aus Deutschland kommende Open Source Lösung RoboCV die Möglichkeit, im Meer an Bewerbungen die passenden Kandidat*innen für das Anforderungsprofil zu finden. Denken wir diesen Ansatz weiter, so könnten Unternehmen verstärkt Hidden Talents zu Initiativbewerbungen motivieren. Die HR-Abteilung müsste keine Angst haben, den entfesselten Tsunami an Lebensläufen bewältigen zu können.

Marketing Warfare

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Marketing News waren lange Zeit von Diplomatie geprägt: Marken bauten Beziehungen auf, Märkte galten als offen, Handel als Win-Win. Diese Zeit ist endgültig vorbei. Spätestens seit Donald Trumps politischer Rückkehr und der erneuten Eskalation nationalistischer Wirtschaftspolitik ist klar: Was politisch mit "America First" begann, hat tief in alle Marketing Themen hineingewirkt. Europa wird in der Rhetorik als Gegner der USA adressiert. Inzwischen wächst auch auf europäischer Seite die Bereitschaft, sich strategisch abzugrenzen und u.a. die eigene digitale Souveränität zurückzugewinnen. Zölle, Subventionen, Boykotts und regulatorische Gegenmaßnahmen sind keine Ausnahmen mehr, sondern kalkulierte Mittel der Auseinandersetzung, die unmittelbar wirken:
  • Lieferketten werden politisch angreifbar
  • Herkunft von Produkten wirkt als Kaufimpuls oder Boykott-Argument 
  • Plattformen folgen nationalen Interessen und Gesetzen
  • Internationale Kooperationen kippen schneller als geplant
Dealbreaker, Anklagen vor Gericht, gezielte Rufschädigungen z. B. über vergleichende Werbung, Datenmissbrauch und vieles mehr gehören leider immer öfters zum neue Business Knigge. Wer gestern noch ein Partner war, kann morgen ein Konkurrent oder ein unkalkulierbares geo-politisches Risiko sein. Verträge verlieren an Stabilität, Geschäftsmodelle an Planbarkeit. Marketing findet 2026 in einem fragilen Umfeld statt, in dem es einmal mehr heißt: "Expect the Unexpected!" Und Marketing Warfare beschreibt genau diese neue Rolle: Marketing als strategische Verteidigungs- und Angriffsdisziplin. 

Cyberrisiken sind geopolitische Risiken

Ein Artikel über digitales Marketing der Zukunft ohne das Thema IT-Sicherheit wäre in 2026 unvollständig. Cyberkriminalität, Deepfakes und alle möglichen Formen der Desinformation sind Einfallstore für Angreifer. Sicherheitsupdates, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Schulungen gegen Social Engineering, Schutz vor Klickbetrug und KI-gestützte Anomalie-Erkennung gehören daher auch zu den neuen Basics eines jeden Marketers.

Branding und Markenbilder als erste Verteidigungslinien

Je volatiler die Märkte und rauer der Hyperwettbewerb werden, desto stärker suchen Menschen nach verlässlichen Orientierungspunkten. Marken, die über Jahre Vertrauen aufgebaut haben, senken die Wechselbereitschaft ihrer Kund*innen, selbst bei Preiserhöhungen, Lieferengpässen oder politischem Gegenwind. 
2026 ist Marken-Loyalität kein weicher Imagefaktor mehr, sondern eine messbare Schutzfunktion: Sie reduziert Preissensibilität, dämpft Reputationsschäden und verschafft Zeit, während Wettbewerber reagieren müssen. Wer diese Reserve nicht aufgebaut hat, kompensiert Unsicherheit später mit Rabatten, hektischer Kommunikation und dem Verlust von Marktanteilen.
Fragt euch daher, für welche Werte euer Markenkern im Unterschied zum Wettbewerb steht, wie euer Markenbild bei der Zielgruppenansprache wirkt und wie ihr diese Markenwerte im Alltag persönlich vorleben könnt.

Krisenkommunikation wird Alltagsaufgabe

Angesichts dieser neuen Bedrohungslage gewinnt Krisenkommunikation enorm an Bedeutung. Dies gilt nicht nur für die Prophylaxe (z. B. Medientrainings, Krisenhandbücher, FAQ-Listen, Kernbotschaften oder vorbereitete Statements für ausgewählte Szenarien), sondern auch für die akute Krisenkommunikation wie auch das Reputation Management. Denn es gibt immer auch ein Leben vor und nach einem Shitstorm.
All dies sind Spezialkompetenzen, die nicht nach den Regeln der alten Schönwetter Marketing News funktionieren. Welche Framings und Narrative bestimmen eine Themenentwicklung? Wann darf ich bei einem Shitstorm mit Humor kontern und wann besser nicht? Welche formalen Spielregeln gelten für Litigation-PR? Wem es nicht gelingt, die Deutungshoheit in einer Krise professionell zurückzugewinnen, macht aus einem Ereignis eine "Never Ending Story". Und die wird dann richtig teuer. 

Blue Marketing gegen den Nachhaltigkeits-Blues

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Die Klimakrise ist keine Wissenskrise. Wir kennen ihre Ursachen, ihre Folgen und die notwendigen Gegenmaßnahmen seit Jahrzehnten. Und dennoch handeln wir nicht angemessen. Dieses Paradox verweist auf ein tiefer liegendes Problem. Wir scheitern weniger an der Physik des Klimawandels als an unserer Fähigkeit, ihn politisch, gesellschaftlich und global zu kommunizieren. Die Klimakrise ist deshalb auch eine Kommunikationskrise. Eine Krise der Verständigung über Verantwortung, Zumutbarkeit und Generationengerechtigkeit.
Gleichzeitig ist das Risiko für Unternehmen spürbar gestiegen, wegen möglicher Greenwashing-Vorwürfe verurteilt zu werden. Was an sich ein gutes Gesetz ist, hat leider auch die allgemeine Bereitschaft der Wirtschaft ausgewirkt, sich proaktiv und sichtbar für das Thema Nachhaltigkeit einzusetzen. Wer heute über Klima spricht, riskiert Gegenwind: ideologisch wie rechtlich. 
Also schweigen viele. Nachhaltigkeit in internen Reports besteht heute aus technischen Pflichtübungen und vermeidet möglichst eine auffällige Marketingkommunikation.

Blue Marketing: Nachhaltigkeit ohne Heilsversprechen

Digitales Marketing wird mit ca. 3 bis 4% der weltweiten Treibhaus-Emissionen in Verbindung gebracht. Was können wir alle tun? An dieser Stelle gewinnt der Ansatz des "Blue Marketing" an Bedeutung. Die Inspiration dazu liefert das Denken der "Blue Economy", geprägt durch Gunter Pauli: dem Steve Jobs der Nachhaltigkeit. Nicht Verzicht oder Moral stehen im Zentrum, sondern Systeme, die intelligenter, effizienter und gerechter funktionieren. Übertragen auf das Marketing bedeutet das konkret:
  • vorhandene Marketing-Ressourcen konsequent nutzen und Verschwendung vermeiden,
  • Marketingkommunikation als Ökosystem gestalten, nicht als energiehungrige Kampagnenmaschine.
Blue Marketing ist deshalb kein Rebranding von Green Marketing. Es versucht nicht, Nachhaltigkeit zu beweisen oder zu verkaufen. Es verzichtet bewusst auf Absolutheitsversprechen, Zertifikatslogiken und moralische Überhöhung. Genau diese unnötigen Übertreibungen ("wir sind klimaneutral", "100% nachhaltig", "mit dem Kauf unseres Produktes retten sie das Klima" usw.) haben in der Vergangenheit viele Unternehmen in die Greenwashing-Falle gestürzt und das Vertrauen der Öffentlichkeit in Green Marketing untergraben.
Stattdessen schaut Blue Marketing stärker auf die Verantwortung im operativen Handeln.

Reduktion als Haltung – nicht als Verzicht

Blue Marketing macht Reduktion sichtbar, ohne sie zu dramatisieren (Beispiele):
  • schlankere Websites mit relevanten Mehrwerten
  • eigene Narrative statt Third Party Tracking
  • Communities statt Streuung über bloße Reichweite und klassische KPIs
  • bewusst begrenzte Personalisierung
  • Inhalte mit längerer Lebensdauer
  • Wiederverwendung von Messeständen
  • Verzicht auf Social Media Channels mit wiederkehrendem Hass und Hetze
In einer Welt permanenter Beschallung wird bewusste Zurückhaltung zum Differenzierungsmerkmal und möglicherweise auch Ausdruck einer Premiummarke und deren knappen Verfügbarkeit. Marketingkommunikation darf Pausen haben. 

Content Longevity 

Ein zentrales Prinzip von Blue Marketing ist die konsequente Wiederverwendung vorhandener Inhalte und die Entfaltung von Synergien. Was im klassischen Marketing als "veraltet" gilt, wird hier zur wertvollen Ressource:
  • Evergreen-Themen statt Trendjagd
  • Kommentare zu Newsletter-Themen aufgreifen und weiterentwickeln
  • Sales-Gespräche zu Lerninhalten nutzen
  • gescheiterte Kampagnen werden veröffentlicht und recycelt
  • Co-Branding, um z. B. Doppelarbeiten zu verhindern und Marketingpower zu bündeln
Kein Inhalt stirbt, alles wird wiederverwendet. Das spart Produktionsaufwand, Rechenleistung und Energie. Nachhaltigkeit entsteht hier nicht durch Verzicht, sondern durch Langlebigkeit.

Vom Funnel zum Ökosystem

Statt linearer Funnels denkt Blue Marketing in Kreisläufen und Systemen:
  • Nutzer*innen werden zu Co-Creator*innen
  • Feedback erzeugt neuen Content
  • Community schafft Vertrauen und Learnings
  • Stammkunden und strategische Partner haben weniger Reibungsverluste
  • Customer Journey baut auf wiederverwendeten Ressourcen auf
So entsteht im Marketing klimabewusste Wertschöpfung ohne permanente, gehetzte Neuproduktion.

Inklusion als ökologische Intelligenz

Inklusion ist im Blue Marketing kein moralischer Zusatz, sondern ein Effizienzprinzip. Barrierearme Gestaltung, klare Sprache und reduzierte Interfaces sind keine sozialen Extras, sie senken ganz konkret Datenlast, Rechenaufwand und Energieverbrauch. Wer Inhalte verständlicher und zugänglicher macht, produziert weniger digitale Verschwendung.
Blue Marketing will kein nach Aufmerksamkeit schreiender Gegenentwurf sein. Es ist ein leiser, konsequenter Systemwechsel. Es zeigt, dass Verantwortung kein Risiko ist, sondern eine notwendige Investition, die langfristig Früchte tragen wird.

Fazit

Die Märkte starten in das neue Jahr mit vorsichtigem Optimismus und Hoffnung auf neues Wirtschaftswachstum. Was sich für 2026 abzeichnet, ist jedoch keine weitere Stufe des bekannten "weiter, schneller, höhe"“. Wir erleben einen fundamentalen Paradigmenwechsel. KI übernimmt Entscheidungen, Klicks verlieren ihre Aussagekraft, Plattformen entziehen sich der Kontrolle, Reichweite und andere KPIs werden simuliert, Vertrauen wird knapp. Gleichzeitig werden Märkte politisch, Nachhaltigkeit ambivalent, Arbeitsrollen fluide und Relevanz zur umkämpften Ressource.
Die größte Gefahr liegt nicht im Wandel selbst, sondern darin, ihn schönzureden. Buzzwords, Leuchtturmprojekte, die nie umgesetzt werden und kosmetische Marketing-Anpassungen, die so tun, als ließe sich das Neue mit den Logiken des Alten bewältigen. Dagegen braucht es mehr Mut zur Ehrlichkeit.
Als im Jahr 1914 der Polarforscher Ernest Shackelton seine Antarktis-Expedition plante, veröffentlichte er eine legendäre (aus heutiger Sicht nicht gendergerechte) Stellenanzeige:
"Männer gesucht für gefährliche Reise. Kleines Gehalt, bittere Kälte, monatelange Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Heimkehr zweifelhaft. Ehre und Anerkennung bei Erfolg". 
Daraufhin meldeten sich Tausende von Menschen, obwohl die Anzeige eigentlich viele hätte abschrecken müssen. Vielleicht ist genau diese radikale Ehrlichkeit auch 2026 wieder der Game Changer, um die vor uns liegenden Marketing-Abenteuer zu bestehen. Keine Heilsversprechen. Keine Beschönigungen. Kein Bullshit. Sondern Klarheit darüber, was auf dem Spiel steht und warum es sich trotzdem lohnt:
Nicht alles wird einfacher. Aber es wird ehrlicher.
Ich wünsche euch allen ein furchtloses und erfolgreiches Marketing-Jahr 2026!
 
 
FAQ: Marketing Trends der Zukunft

FAQ: Marketing Trends der Zukunft

Was sind die wichtigsten Marketing-Trends für 2026?
Zu den Schlüsseltrends 2026 gehören:
  • AI First: Künstliche Intelligenz wird zur Infrastruktur des Marketings und prägt Prozesse, Entscheidungen und Geschäftsmodelle.
  • Zero-Click-Marketing: Klicks verlieren an Bedeutung, Sichtbarkeit entsteht zunehmend innerhalb von Plattformen und KI-Antworten.
  • SEO meets GEO: Klassische Suchmaschinenoptimierung wird durch Generative Engine Optimization ergänzt, um in KI-generierten Antworten präsent zu sein.
  • Social Media: Relevanz schlägt Reichweite: Einzelne KPIs verlieren an Wert; Relevanz, Kundenbedürfnisse und echte Interaktion werden entscheidend.
  • People Marketing statt Employer Branding: Recruiting und HR-Kommunikation entwickeln sich zu Demand Management für Arbeit.
  • Marketing Warfare: Marketingstrategien und Marketingbotschaften werden Teil geopolitischer, regulatorischer und wirtschaftlicher Auseinandersetzungen und des Hyperwettbewerbs.
  • Blue Marketing: Nachhaltigkeit verschiebt sich von Marketingkommunikation zu Systemeffizienz, Reduktion und Verantwortung.
Was bedeutet AI First als Marketingbotschaft?
AI First beschreibt einen Denkansatz, bei dem KI nicht als Zusatztool, sondern als grundlegende Infrastruktur verstanden wird. Marketingprozesse werden von Anfang an mit KI gedacht: von Automatisierung über Content-Erstellung bis hin zu Performance-Optimierung und neuen Geschäftsmodellen.
Warum verliert der Klick als Online-Trend an Bedeutung?
Durch Zero-Click-Suchen, KI-Zusammenfassungen und Social-Plattformen erhalten Nutzer*innen Antworten, ohne Websites zu besuchen. Sichtbarkeit garantiert daher keinen Traffic mehr. Entscheidend wird, ob Marken in Antworten, Feeds und geschlossenen Systemen überhaupt wahrgenommen werden.
Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?
SEO optimiert Inhalte für Rankings in Suchmaschinen. GEO (Generative Engine Optimization) zielt darauf ab, in KI-generierten Antworten erwähnt oder zitiert zu werden. Beide Disziplinen ergänzen sich. GEO baut auf den Qualitätsprinzipien von SEO auf, verschiebt den Fokus aber von Klicks zu Vertrauen und Relevanz.
Welche Rolle spielt Social Media 2026 im Marketing?
Social Media entwickelt sich gleichzeitig zur Suchmaschine, zum Marktplatz und zum Community-Raum. Erfolgreich sind Marken nicht mehr durch maximale Reichweite, sondern durch relevante Inhalte, Dialogfähigkeit und klaren Nutzen für die Nutzer*innen.
Was versteht man unter People Marketing?
People Marketing erweitert klassisches Employer Branding. Es richtet sich an Menschen entlang des gesamten Arbeitslebenszyklus: Mitarbeitende, Bewerber*innen, Freelancer und Ehemalige sowie an die KI-Systeme, die diese Menschen vorsortieren und bewerten.
Was bedeutet Marketing Warfare?
Marketing Warfare beschreibt die zunehmende Politisierung von Märkten. Marketing wird zur strategischen Disziplin für Angriff und Verteidigung im Umgang mit geopolitischen Spannungen, Plattformmacht, Regulierung, Krisenkommunikation und Wettbewerbsdruck.
Was ist Blue Marketing?
Blue Marketing ist eine Weiterentwicklung des Green Marketings. Der Fokus liegt nicht auf Nachhaltigkeitsversprechen, sondern auf systemischer Effizienz, weniger Datenverbrauch, längere Content-Lebenszyklen, barrierefreie Gestaltung und einem verantwortungsvollen Technologieeinsatz im Digital Marketing.
Warum sind diese aktuellen Marketing-Trends der Zukunft entscheidend für Unternehmen?
Weil sie zeigen, dass Marketingbotschaften im Schlüsseljahr 2026 nicht mehr primär über Lautstärke, Reichweite, klassische KPIs oder Automatisierung funktionieren, sondern über Relevanz, Vertrauen und klare Haltung. Unternehmen, die diese digitalen Trends früh verstehen, sichern sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile.
 
 
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Markus Lempa
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Markus Lempa

Markus Lempa ist Unternehmens- und Kommunikationsberater. 2002 gründete er MEMOCINE Future Engineers in Köln. Dabei fokussiert er sich auf Geschäftsmodelle & Wachstumsstrategien. In seiner „Krisenküche bei LinkedIn“ entstehen Notfallrezepte für Krisenkommunikation und Krisenmanagement. Er ist Dozent für Markenentwicklung und Markenwerte. Als Technologie-Transferpartner von Forschungsinstituten und Startups liegt seine Leidenschaft in der Transformation von Geschäftsideen und Trends in marktreife Produkte mit der passenden Brand Story.

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