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Fotos nachbearbeiten: mit der richtigen Software Schritt für Schritt zum perfekten Ergebnis

Nils Martens 24.06.2022

Wie Ihr als (Hobby-)Fotograf:in via Nachbearbeitung das Beste aus Euren Bildern herausholt und welche Tools dafür geeignet sind

Nicht jedem Klick auf den Auslöser folgt ein perfektes Bild – so viel ist klar. Selbst die besten Fotograf:innen können mal Bilder mit schlechten Lichtverhältnissen oder ungünstigen Perspektiven schießen. Doch muss das oft nicht bedeuten, dass das Bild nicht verwendbar ist und in den ewigen Digital-Archiven verschwinden muss.

Mittlerweile sind selbst kostenlose Fotobearbeitungsprogramme und Bildbearbeitungsprogramme imstande, Bilder zu retten. Licht und Farbe, Schneiden und Filtern, schon könnt Ihr aus vielen Bildern noch einiges herausholen. Das gilt auch, wenn Ihr eine bestimmte Stimmung mit dem Bild erzeugen möchtet.

Wie Ihr eine Fotobearbeitungssoftware richtig einsetzt, um Eure digitalen Fotos zu bearbeiten, welche Tipps Ihr bei der Bearbeitung beherzigen solltet und welche 6 kostenlosen sowie kostenpflichtigen Tools am besten geeignet sind, verraten wir Euch in diesem Artikel. Neben den genannten 6 Tools findet Ihr noch viele weitere auf OMR Reviews.

Solltet Ihr digitale Fotos nachbearbeiten?

Wenn Ihr digitale Fotos manuell mit einer Software bearbeitet, solltet Ihr wissen, worauf Ihr achten müsst. Anderenfalls bieten viele Tools auch die Zauberstab-Methode an, die Euch das Bild mittels Algorithmus optimiert. Dabei ist das Ergebnis aber nicht immer wie gewünscht. Daher empfehlen wir, wenn Ihr regelmäßig Fotos macht, Euch selbst die Bildbearbeitung beizubringen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung haben wir Euch mitgebracht.

Schießt Ihr beispielsweise Bilder für Euren Onlineshop, ist es wichtig, dass diese immer gleich aussehen und die Shopseite nicht aus einem Bild-Raster von unterschiedlich belichteten Fotos besteht. Selbst wenn Ihr mittels Softboxen und den immer gleichen Kamera-Einstellungen hantiert, können Abweichungen entstehen. Mit Farb- und Lichtkorrekturen ist den meisten Bildern daher schon reichlich gedient.

Das Gleiche gilt für Fotograf:innen, die Natur- oder sogar Drohnen-Fotografie ihr Hobby nennen. Hierbei kommen oft weitere Bearbeitungsschritte in Betracht, da bei den RAW-Bildern beispielsweise die Farbstimmung angepasst werden muss.

Warum ist eigene Bildbearbeitung notwendig?

Wenn Ihr also regelmäßig eine Kamera in der Hand habt und gute Bild-Ergebnisse wünscht, erübrigt sich die Frage, ob eigene Bildbearbeitung notwendig ist. Begradigung, Bildausschnitt, Farben, Schärfe, Kontrast, Helligkeit und viele andere Detailarbeiten zu bearbeiten, könnt Ihr nur selbst nach Euren Wünschen umsetzen – soweit entwickelt wie automatische Korrekturen in Softwares auch sind. Der Aufwand wird Euch mit mehr Brillanz und stärkeren Farbwirkungen zurückgezahlt.

Aber bitte keine Panik: Digitale Fotos selbst zu bearbeiten, muss nicht unbedingt zeitfressend sein. Vor allem bei Produktfotos könnt Ihr Bearbeitungsschritte speichern, um sie immer wieder anzuwenden. Demnach sind meist nur noch Minuten-Arbeiten notwendig, um ein optimales Bild für Euren Onlineshop zu erhalten, das sich von den übrigen nicht unterscheidet.

Tipps, worauf Ihr achten solltet, wenn Ihr digitale Bilder sortieren, organisieren & bearbeiten wollt?

Um Euch den Einstieg in die digitale Bildbearbeitung noch einfacher zu machen, haben wir folgende Einsteiger-Tipps zusammengetragen:

  • Wenn möglich, solltet Ihr immer die RAW-Fotos nehmen, die Eure Kamera macht. JPG-Fotos haben den Nachteil bereits komprimiert zu sein und büßen dadurch Qualität ein, was sich bei der Nachbearbeitung der Fotos bemerkbar macht.
  • Wenn Ihr regelmäßig viele Fotos zu bearbeiten habt, achtet darauf, dass die Fotobearbeitungsprogramme Eurer Wahl das Sortieren ermöglicht. Ansonsten habt Ihr schnell ein Chaos geschaffen.
  • Nehmt Euch genug Zeit, Euch in eine Fotobearbeitungssoftware einzuarbeiten. Die meisten sind vor allem für Rookies etwas aufwendiger zu erlernen. Die zeitliche Investition lohnt sich jedoch, da Ihr hinterher das Maximum aus Euren digitalen Bildern herausholen könnt, wenn Ihr erst einmal deren Funktionsweise versteht.
  • Im besten Fall nutzt Ihr ein Fotobearbeitungsprogramm, das eine große Community hat, in der Ihr zahlreiche Tutorials finden könnt. Der Tipp gilt sowohl für Anfänger:innen als auch für Profis. Denn umso größer die Community ist, desto wahrscheinlich ist es, dass Ihr Hilfestellungen bei selteneren Problemen oder Bearbeitungsschritten bekommt.
  • Ganz gleich, welche Software Ihr anwenden möchtet, sie sollte auf mehreren Ebenen arbeiten können; nicht nur auf einer, wie das gute alte Paint von Microsoft.

In 6 Schritten zum perfekt bearbeiteten Foto

Folgende 6-Schritte-Anleitung soll Euch dabei unterstützen, die wichtigsten Funktionen eines Fotobearbeitungsprogramms zu kennen und zu erlernen. Die Anleitung ist auf alle untenstehenden Tools anwendbar. Lediglich die Stellen, an denen Ihr einzelne Funktionen findet, sind von Software zu Software unterschiedlich. Außerdem ist das Manual sowohl für Außenaufnahmen als auch für Produktaufnahmen geeignet – natürlich variieren die Werte je nach Bild.

Schritt 1: Perspektive ausrichten

Bevor Ihr an irgendwelchen Werten herumspielt, solltet Ihr Euer Bild zunächst ausrichten. Vor allem bei spontanen Schnappschüssen, kann es sein, dass der Horizont beispielsweise nicht gerade ausgerichtet ist. Daher müsst Ihr Euer Bild leicht drehen, damit es im rechten Winkel erscheint.

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Das Bild begradigen, indem Ihr Linien im Bild am Bildrand ausrichtet

Schritt 2: Rauschen entfernen

Haben Aufnahmen ein unerwünschtes Rauschen enthalten, besteht meist die Chance, es im Nachhinein zu eliminieren. Dafür verwendet Ihr vorgefertigte Filter in Eurer Fotobearbeitungssoftware. Allerdings gilt das nur für leichtes Rauschen. Denn die Rauschreduzierungsfilter aller gängigen kostenlosen und kostenpflichtigen Fotobearbeitungsprogramme haben eines gemeinsam: Umso stärker sie angewandt werden, desto mehr reduzieren sie Bilddetails.

Und für erweiterte Rauschreduzierung sind spezielle Tools notwendig, welche die Fähigkeiten von Anfänger:innen deutlich überschreiten. Da ist es oft einfacher, zu versuchen, noch einmal zu fotografieren. Generell empfehlen wir Euch, von jedem Motiv mehrere Schnappschüsse zu machen – wenn möglich –, um später die Wahl zu haben.

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Unliebsames Rauschen kann mit den meisten Tools einfach entfernt werden.

Schritt 3: Helligkeit anpassen

Offensichtlich wird dieser Schritt sein, wenn Ihr Euer Werk das erste Mal auf dem Bildschirm seht. Ihr seht auf den ersten Blick, ob ein Foto zu hell oder zu dunkel belichtet wurde. In beiden Fällen ist das Ergebnis halb so wild. Mit wenigen Klicks könnt Ihr die Helligkeit eines Bildes anpassen. Den Konfigurator dafür findet Ihr in den meisten Fotobearbeitungstools in der Menüleiste unter Farben oder in der Oberfläche der Bearbeitungsmaske.

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Je nach Belichtung muss in der Nachbearbeitung meist die Helligkeit angepasst werden.

Schritt 4: Kontrast herstellen

Um den Farben Ausdruck zu verleihen, könnt Ihr Euch an den Kontrast-Einstellungen zu schaffen machen. Umso größer die Zahl unter oder über dem Schieberegler, desto stärker wird das Bild betont. Ihr müsst herumprobieren, um einen anständigen Kontrast zu erhalten. Bedenkt außerdem, dass wenn die eine Farbe im Bild super aussieht, es einem anderen Farbton zu viel Kontrast ist. Ihr könnt gleichzeitig mit Kontrast und Helligkeit spielen, um das perfekte Ergebnis zu erhalten.

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Den Kontrast zu stärken, gibt Euren Bildern mehr Kraft und Klarheit.

Schritt 5: Farben stärken

Nun stärkt Ihr die dominierenden Farben im Bild durch das Anpassen von Farbton und Sättigung. Dazu könnt Ihr zunächst das Bild übersättigen, um zu sehen, welche Farbfehler vorhanden sind und welche Farbtöne konkret gestärkt werden müssen. Bei Produktbildern mit typisch weißem Hintergrund, reicht es oftmals den Hintergrund zu stärken, sodass dieser leuchtend weiß strahlt und das Produkt in der Mitte optisch direkt eine Aufwertung erhält – ohne, dass Ihr die Farbtöne und die Sättigung des Produktes selbst anfassen musstet.

Schritt 6: punktuelle Bearbeitung

Im letzten Schritt geht es in die Detailarbeit. Die vorigen Schritte drehten sich um die gesamtflächige Nachbearbeitung Eures Fotos, nun poliert Ihr noch an kleineren Stellen. Das können Staubkörner auf der Linse oder auf dem Objekt und Lichtfehler sein. Dafür eignen sich besonders Clone-Stamp-Tools. Hierbei kopiert Ihr wenige Pixel aus dem Umfeld des zu retuschierenden Fehlers und fügt ihn über diesem ein – der Ausschnitt wurde geklont und im großen Ganzen fällt es nicht mehr auf. Solche Features finden sich in jedem Fotobearbeitungstool. Zahlreiche Tutorials auf YouTube zeigen Euch die genaue Anwendung im Detail.

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Vor allem bei Produktfotos ist es unausweichlich, kleine Macken im Foto auszubessern.

Die besten Bildbearbeitungssoftwares für Fotograf:innen

Es gibt einige Branchenprimi, zu denen die meisten Profis greifen. Doch welche Fotobearbeitungssoftware die Beste ist, hängt vor allem von Euren Anforderungen ab. Wenn die Anzahl Eurer Fotos im fünf- bis sechsstelligen Bereich liegt, solltet Ihr bereits zu kostenpflichtigen Fotobearbeitungssoftware greifen, da diese Euch das Sortieren in dieser Größenordnung überhaupt erst ermöglichen.

Anderseits schaffen es einige kostenlose Fotobearbeitungstools ebenso mit mächtigen Funktionen aufzuwarten. 

Wir stellen Euch jeweils drei kostenlose und kostenpflichtige Fotobearbeitungssoftwares vor. Weitere findet Ihr auf OMR Reviews. Dort teilen User Ihre Erfahrungen und Bewertungen der Tools mit Euch.

Kostenlose Bildbearbeitungssoftwares

  • Gimp ⁠GIMP ist mit Abstand das beste Fotobearbeitungsprogramm, das Ihr kostenlos finden könnt. Der weitere Vorteil: Es ist auch für Anfänger:innen der Bildbearbeitung gut zugänglich. Es ist eine gewisse Einarbeitung zu empfehlen, aber die Grundfunktionen sind offensichtlich zu finden und anzuwenden. Die Software verfolgt zudem den Open-Source-Gedanken, weshalb es sowohl für Linux, Microsoft als auch für Mac geeignet ist sowie der Source Code frei zugänglich ist.
  • Paint.NET ⁠An den Grundgedanken von Gimp angelehnt, sieht sich Paint.NET. Ebenfalls open source, ebenfalls umfassend ausgestattet für ein kostenloses Tool, allerdings nur für Windows ausgelegt. Für Paint.NET spricht neben allen relevanten Funktionen besonders die große Community, die sich um das kostenlose Fotobearbeitungsprogramm gebildet hat. Kaum eine Frage bezüglich Paint.NET bleibt unbeantwortet und jede Menge Tutorials stehen für Rookies zur Verfügung.
  • RawTherapee ⁠Mit RawTherapee lassen sich RAW-Dateien in Linux, Windows oder macOS bearbeiten. Zahlreiche Werkzeuge stehen Euch zur Verfügung, um Schritt für Schritt das perfekte Bild aus Eurem Schnappschuss zu machen. Dabei bedient sich das Bildbearbeitungstool verschiedener Algorithmen, um auf Knopfdruck optimale Ergebnisse zu liefern. Besonders für die Detailarbeit ist RawTherapee geeignet.

Kostenpflichtige Bildbearbeitungssoftwares

  • Adobe Photoshop ⁠Wenn wir von kostenpflichtigen Fotobearbeitungssoftwares erzählen, muss als erstes Adobe Photoshop genannt werden. Die Software, welche mit „photshoped“ ein Synonym für ein bearbeitetes Bild geschaffen hat. Doch wie die meisten Adobe-Produkte gilt auch für Photoshop: Es hat alles zu bieten, was Ihr braucht, aber ist nicht in einer Stunde zu erlernen. Zunächst habt Ihr die Möglichkeit, Adobe Photoshop zu testen. Nach 7 Tagen könnt Ihr anschließend ein Abonnement abschließen. Die Preise starten bei 24 Euro pro Monat.
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Adobe Photoshop ist wohl das populärste Bildbearbeitungstool, aber recht aufwendig zu erlernen.

  • Capture One Pro ⁠Ebenfalls in der oberen Liga spielt Capture One Pro. Dieses Fotobearbeitungsprogramm macht sich durch zahlreiche Voreinstellungen, einer Vorher/Nachher-Ansicht sowie einer Dehaze-Funktion bemerkbar. Darüber hinaus ist Capture One Pro ebenfalls mit allen wichtigen Features ausgestattet – auch solchen, die vor allem Profis nutzen. Preislich bewegt sich Capture One Pro im selben Rahmen wie Photoshop: im monatlichen Abo für 29 Euro, als Jahresabo für 219 Euro oder als einmalige Lizenz für 349 Euro
  • Affinity Photo ⁠Zu guter Letzt stellen wir Euch noch Affinity Photo vor. Im Fokus des Bildbearbeitungswerkzeugs steht das Retuschieren. Somit ist es optimal dafür geeignet, Rohdateien im Detail nachzubearbeiten, um ein perfektes Bild zu erhalten. Zusätzlich findet Ihr Features wie HDR-Kombination, Montage von Panoramabildern sowie Bearbeitung von 360°-Bildern im Werkezugkasten von Affinity Photo. Zu haben gibt es das Programm für Mac und Windows. Preislich startet Affinity Photo bei einmalig 55 Euro.

Tipp zum Schluss

Als kleinen Special-Tipp können wir Euch noch Canva Pro ans Herz legen. Die Design-Software konzentriert sich zwar auf grafische Erzeugnisse für Social-Media-Kanäle, hat aber auch einige Werkzeuge an Bord, die es Euch ermöglichen, Fotos nachzubearbeiten, mit anderen zu teilen und zu sortieren. Passt das zu Euren Anforderungen, ist Canva eine optimale Lösung für Anfänger:innen und Profis, die Ihre bearbeiteten Fotos gerne an verschiedenen Stellen im Netz posten möchten.

Weitere Fotobearbeitungssoftwares findet Ihr auf OMR Reviews – von anderen Usern unabhängig bewertet.

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Nils Martens

Verfolgt die Software-Welt schon seit Windows 3.1 – als Slack, Google Meets und Ahrefs noch nicht existierten. Für OMR Reviews ist Nils als Redakteur mit Hype auf Technik, Internetkultur und Software unterwegs. Außerdem kümmert er sich als Freelancer um die Content Creation & das Personal Branding von CEOs auf LinkedIn. In seiner Freizeit findet ihr ihn gerne mal beim FPS-Zocken.

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