LEGO SERIOUS PLAY®: Definition und Strategie 

David Hillmer 10.7.2024

Erfahre, wie du mit der Lego Serious Play-Methode Teams kreativ stärkst und Probleme löst

Inhalt
  1. Was ist Lego Serious Play? 
  2. Hintergrund: Woher kommt LSP? 
  3. Anwendungsbereiche von Lego Serious Play 
  4. Methoden von und für Lego Serious Play 
  5. 4 Tipps für die optimale Umsetzung
  6. Warum ist LSP effektiv? 
  7. Für welche Bereiche und Unternehmen eignet sich LSP? 
  8. Welche Tools können dir bei der Erstellung und Durchführung von Lego Serious Play behilflich sein? 
  9. Fazit

Mithilfe der Lego Serious Play-Methode werden Visionen erschaffen, Veränderungsprozesse verstanden, Produkte weiterentwickelt und Teams zusammengeschweißt. Unkonventionell können dabei nicht nur die Ergebnisse sein, sondern vor allem der Weg dahin. Das physische Bauen der eigenen Gedanken mit LEGO®-Bricks ist auf den ersten Blick zwar ungewohnt, dafür aber eines der effektivsten Formate, um echte Herausforderungen im Team gemeinsam zu visualisieren, anzugehen und zu lösen. In diesem Beitrag erfährst du, wie das geht.

Was ist Lego Serious Play? 

Lego Serious Play ist ein Workshopformat, das Teams dabei hilft, komplexe Herausforderungen zu verstehen, zu durchdringen und zu lösen. Mithilfe von Lego Steinen werden die eigenen Gedanken geordnet und visualisiert – stell dir die Methode wie einen 3D-Drucker deiner Gedanken vor. Dieses „Denken mit den Händen“ ist dabei ein wichtiger Aspekt. Denn durch das spielerische, fast handwerkliche Arbeiten mit den Bricks werden Hirnregionen aktiviert, die in anderen Meeting- und Workshopformaten nicht zum Einsatz kommen. Du kommst auf Antworten und Ideen, von denen du gar nicht wusstest, dass du sie kennst und alle anderen können dir dank deines Lego-Modells folgen. Die Vorkenntnisse, die ein Lego Serious Play-Workshop erfordert, bringen die allermeisten Teilnehmenden schon mit. Denn die Methode ist ein Gamification-Format, mit dem alle schon einmal in Berührung waren.

So kreativ die Ergebnisse eines Lego Serious Play-Workshops auch sind, so simpel ist der Ablauf. 

Der Ablauf eines Lego Serious Play-Workshops in die einzelnen Phasen unterteilt

(Der Ablauf eines Lego Serious Play-Workshops in die einzelnen Phasen unterteilt, Quelle: „PLAY! Der unverzichtbare LEGO® SERIOUS PLAY® Praxisguide)

Skill Building 

Am Anfang eines jeden Workshops steht das sogenannte „Skill Building“. Da Lego im Business-Kontext (noch immer) außergewöhnlich ist, müssen die Teilnehmer*innen eines Workshops einige Regeln und die Lego Serious Play Prinzipien lernen, ohne die der Workshop nicht funktioniert. Das Skill Building teilt sich in drei Aufgaben. Wie bei jedem anständigen Workshop geht es mit dem Warm Up los – natürlich wird hier gleich gebaut: „Baue einen Turm“, „Baue eine Brücke“, „Baue ein Auto“ - je einfacher die Aufgabe, desto besser. Obwohl die Aufgabe simpler kaum sein kann, ist sie Pflicht in jedem Workshop. Denn hier werden alle Teilnehmer*innen auf den gleichen Stand gebracht und können mit den Klemmbausteinen warm werden.

Das Lego Serious Play-Warmup im Event-Format: Die Teilnehmer*innen bauen einen Turm

(Das Lego Serious Play-Warmup im Event-Format: Die Teilnehmer*innen bauen einen Turm)

Weiter geht’s im Skill Building mit einer Aufgabe, die das Denken in Metaphern anregt. Denn im Workshop werden komplexe Gedanken simplifiziert und verbildlicht. Jeder Stein kann unzählige Bedeutungen annehmen. Möglichst komplexe Begriffe sollen in dieser Phase mit möglichst wenigen Steinen gebaut werden. Im Gegensatz zum Warm Up, kann es hier nicht schwer genug sein. Die Teilnehmer*innen bauen Begriffe, wie „Ampelkoalition“, „Resilienz“, „Rentenlücke“ usw. aus 5 oder 10 Steinen. Das Learning: Der Baustein hat die Bedeutung, die du ihm gibst.

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(Die Steine haben die Bedeutung, die du ihnen gibst. Auf dem Bild sind drei Elefanten zu sehen. Erkennst du sie?) 

Die letzte Übung im Skill Building dreht sich um die Kunst, Geschichten zu erzählen: Storytelling. Denn jedes Modell ist eine Geschichte, die die Teilnehmenden erzählen. Ein großer Vorteil von Lego Serious Play. Du musst dir nicht überlegen, wo du ansetzen willst bei deinen Gedanken oder wie weit du ausholst, sondern erzählst einfach die Geschichte, die dein Modell darstellt. Das gibt dir einen roten Faden und hilft den Zuhörenden dabei, dich zu verstehen. Win-Win. 

Je nach Fragestellung bringt die Storytelling-Aufgabe außerdem Nähe ins Team. Bei der Frage danach, was die Teilnehmenden beruflich am meisten geprägt hat oder was deren Wünsche im Leben sind, entstehen herzliche und intime Momente, bevor der eigentliche Workshop überhaupt angefangen hat. Denn es ist natürlich viel einfacher, die Geschichte eines Modells zu teilen, als sich selbst zu öffnen. Mit den richtigen Fragestellungen kennen sich wildfremde Menschen nach einer Stunde Workshop schon besser, als sie das ohne Lego Serious Play jemals würden. Dass sich die Teilnehmer*innen schon zu diesem Zeitpunkt öffnen, ist ein großer Vorteil im weiteren Verlauf des Lego Serious Play-Workshops.

Baustufe 1: Das Einzelmodell

Dann beginnt der eigentliche Lego Serious Play-Workshop - los geht’s mit dem Einzelmodell. Die Teilnehmer*innen bekommen erstmal Zeit, die zentrale Aufgabenstellung mithilfe von Lego für sich zu bearbeiten. Die Aufgabenstellung kann dabei sehr stark variieren. Überall, wo es keine einfache und eindeutige Lösung gibt und überall da, wo nicht nur der Chef/ die Chefin entscheidet, sondern echte Partizipation gefragt ist, funktioniert Lego Serious Play. 

Gerade, wenn das Thema nicht greifbar ist – zum Beispiel bei Werten, Prinzipien oder der (Unternehmens)Kultur macht Lego Serious Play das schwer sagbare konkret. Dort, wo es um ein gemeinsames Verständnis geht, wie zum Beispiel dem Finden von Zusammenarbeitsmodellen, der Umsetzung der Unternehmensstrategie oder der Formulierung einer Vision, sorgt die Visualisierung der eigenen Gedanken für Klarheit und das gleiche Bild.

Alle arbeiten parallel an derselben Aufgabe und bauen ein Modell von der Antwort auf die zentrale Aufgabenstellung. Dann geht es zur Lego Serious Play Präsentation: Alle Modelle werden miteinander geteilt, damit alle die Bedeutungen der einzelnen Modelle verstehen. 

Das fertige Einzelmodell wird mit den anderen Teilnehmenden geteilt

(Das fertige Einzelmodell wird mit den anderen Teilnehmenden geteilt)

Dann geht’s zur nächsten Baustufe, dem Gruppenmodell. In dieser Phase des Workshops bauen die Teilnehmenden nicht mehr individuell, sondern gemeinsam. Das Ziel ist ein großes Modell, dass eine gemeinsame Antwort zum Thema widerspiegelt. Dazu werden Teile der einzelnen Modelle auseinandergenommen und auf einer großen Platte platziert. 

Beim Bau des Gruppenmodells wird eine weitere Stärke von LSP klar: 100 % aller Teilnehmer:innen machen mit. Während es in anderen Meeting- und Workshopformaten immer „die Lauten“ und „die Leisen“ gibt, macht sich die Lego Serious Play-Methode den sogenannten „IKEA-Effekt“ zu Nutze: Selbstgebautem misst der Mensch einen höheren Wert bei. Also wollen alle mitbauen, niemand lehnt sich zurück und hält sich raus. 

Das Ergebnis sorgt durch seine Visualität für ein gleiches Verständnis, lässt wenig Platz für Missverständnisse und was die einzelnen Aspekte des Modells bedeuten, ist auch noch morgen, übermorgen und in einem Jahr klar. 

Vom Einzelmodell zum Gruppenmodell

(Vom Einzelmodell zum Gruppenmodell)

Nach Einzelmodell und Gruppenmodell ist das Systemmodell der letzte Teil des Lego Serious Play-Workshops. Hier lassen sich externe Einflussfaktoren in das Modell mit einbeziehen. Zum Beispiel „Was können wir tun, um die Ideen im Gruppenmodell zu erreichen?“ oder „Welchen Einfluss haben Management, Politik, Wirtschaft und andere externe Faktoren auf das Gruppenmodell“. 

Die externen Einflussfaktoren werden zuerst gebaut, dann mit dem Gruppenmodell verbunden. 

Den Abschluss des Workshops macht der Übertrag in die Praxis. Eine gute Möglichkeit, um aus dem großen Modell die wichtigsten Elemente zu markieren, ist das „Stick Voting“. Hierfür werden Lego-Türmchen platziert, um die Erkenntnisse zu priorisieren. Daraus lassen sich zum Beispiel konkrete Aufgaben formulieren, die aus dem Workshop direkt in das Projektmanagement-Tool oder auf das Scrum- oder Kanbanboard übertragen werden können.

Vom Modell in die Praxis mit Türmchen und Maßnahmen auf Post-its

(Vom Modell in die Praxis mit Türmchen und Maßnahmen auf Post-its)

Hintergrund: Woher kommt LSP? 

Seine Ursprünge hat LEGO® SERIOUS PLAY® in den 1990er-Jahren. Johan Roos und Bart Victor gelten als Väter der LSP-Methode. Beide waren damals Professoren am International Institute for Management Development in Lausanne in der Schweiz und forschten an alternativen Ansätzen zur klassischen Strategieplanung. Das (Zwischen-)Ergebnis ihrer Forschungen war das »Real-Time Strategy«-Konzept (RTS). Dieses Konzept fußte auf Prinzipien wie der Interaktion aller Beteiligten, Simplifizierung von Komplexität und Metaphern und Storytelling als wichtige Werkzeuge. Wie die RTS-Methode in der Praxis aussehen würde, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar.

Die beiden entschieden sich dazu, einen für die damalige Zeit sehr ungewöhnlichen Denkpfad einzuschlagen: Sie suchten nach spielerischen Möglichkeiten, um das »Real-Time Strategy« Konzept anwendbar zu machen.

1996 hatten Johan und Bart dann die Möglichkeit, ein Strategieprogramm für das Topmanagement eines großen Unternehmens zu entwerfen und zu leiten, bei dem sehr viel auf dem Spiel stand. Das Unternehmen war aufgrund der Globalisierung, des Aufkommens neuer Technologien und des Wachstums des »Edutainment«-Marktes in eine gefährliche Schieflage geraten. Johan und Bart hatten die Aufgabe, dem größten Spielzeughersteller der Welt dabei zu helfen, sich neu zu erfinden. Das Unternehmen hieß Lego!

Gemeinsam mit dem damaligen Lego-CEO Kjeld Kirk Kristiansen entwickelten sie einen Prozess, der dem Management von Lego dabei geholfen hat, eine neue Unternehmensstrategie zu identifizieren, zu kommunizieren und umzusetzen: Lego Serious Play. Nach dem »Proof of Concept« von Lego Serious Play im eigenen Unternehmen im Jahr 1996 wurde die Methode weiterentwickelt. Der große Durchbruch gelang aber erst viel später. Im Juni 2010 wurde Lego Serious Play unter einer »Creative Commons License« veröffentlicht, wodurch Lego die Exklusivität der Methode abgegeben hat und plötzlich jeder die Lego Serious Play Methode offiziell nutzen durfte. Nach diesem Schritt ist die Bekanntheit der Methode explodiert. Neue Communitys entwickeln die Methode seitdem ständig weiter. Überall auf der Welt werden neue Konzepte erdacht, getestet und erweitert. Die ursprüngliche Lego Serious Play Methode wird durch die Weiterentwicklung der Community zwar allmählich verwässert, die Vielfalt der Einsatzzwecke jedoch potenziert. 

Anwendungsbereiche von Lego Serious Play 

Die Lego Serious Play-Methode funktioniert überall dort, wo die Fragestellungen komplex sind und wo es nicht eine richtige Antwort gibt, sondern viele. Die nachfolgende Auflistung soll einen ersten Einblick geben, welche Anwendungsbereiche von Lego Serious Play es gibt. 

  • Strategieworkshop: Lego Serious Play kann sowohl für das Herausarbeiten möglicher strategischer Initiativen, als auch bei der Bewertung der Strategie eingesetzt werden. Vorteile sind die weite Öffnung des Ideenraumes und die vielen unterschiedlichen Perspektiven. Aus einer großen »Landkarte« an Möglichkeiten kann am Ende priorisiert werden.
Ein Strategieworkshop mit Lego Serious Play

(Ein Strategieworkshop mit Lego Serious Play)

  • Teamworkshop: Gerade beim Start eines neuen Teams hilft Lego Serious Play dabei, dass sich alle schnell öffnen und in einen gemeinsamen Arbeitsmodus kommen. Stärken, Schwächen, Werte und Prinzipien werden in kurzer Zeit klar, und die Teilnehmer*innen lernen sich schnell kennen. Auch länger bestehende Teams können mithilfe der Methode ihre Teamkultur schärfen und die Qualität der Zusammenarbeit nachhaltig verbessern. 
  • Workshop zur Entwicklung einer Unternehmenskultur: Die Kultur eines Unternehmens ist die Summe aller Selbstverständlichkeiten. Aber was genau bedeutet das und wie sieht Unternehmenskultur aus? Was hinter dem Begriff steht, lässt sich nur schwer greifen und ebenso schwer beschreiben. Mithilfe von Lego Serious Play wird Kultur konkret. Es entsteht Klarheit hinter dem, was die Teilnehmer eines Workshops damit verbinden und was die eigene Unternehmenskultur ausmacht. Gleichzeitig wird ein gemeinsames Verständnis der Unternehmenskultur erzeugt. 
  • Visionsworkshop: Lego Serious Play hilft den Teilnehmern eines Workshops in diesem Szenario dabei, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie die Welt der Zukunft aussieht, wenn das eigene Unternehmen oder das neue Produkt am Ziel angekommen ist. Einerseits hilft der Prozess jedem einzelnen Teilnehmer dabei, sich über die Ziele klar zu werden und ein konkretes Bild der Vision zu konstruieren. Andererseits werden Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in den Bildern der Teilnehmer deutlich und es kann ein gemeinsames Verständnis geschaffen werden.
  • Einzelcoaching: Auch im Coaching wird durch Lego Serious Play schnell Offenheit erzeugt, und der/die Coachee kann sowohl Hindernisse als auch Ziele und den Weg zum Ziel visualisieren. Als besonderer Vorteil erweist sich das physische Modell, das ständig wachsen kann und über einen längeren Zeitraum ausgebaut wird. Lego wird so zu einer lebendigen Dokumentation des Fortschritts des/der Coachee*s.

Es gibt noch viele weitere Szenarien, in denen Lego Serious Play eine geeignete Methode ist, um zu hervorragenden Ergebnissen zu gelangen. Wichtig sind allerdings auch die Szenarien, für die die Methode das falsche Mittel zum Zweck ist. Ob der Einsatz von Lego Serious Play wirklich sinnvoll ist, kann durch die Komplexität der zu lösenden Herausforderung eingeschätzt werden. Einfache »Ja/Nein«-Entscheidungen zu kleinen Themen scheiden aus. Um Fragen zu beantworten wie »Soll Herr Schneider eine Gehaltserhöhung bekommen?« oder »Wie viel Marketingbudget investieren wir in unsere Plakatwerbung?«, gibt es andere Wege.

Neben den konkreten Einsatzszenarien kann ein Lego Serious Play Workshop auch skaliert werden. Sowohl die Dauer als auch die Anzahl der Teilnehmer*innen ist flexibel. Die nachfolgende Abbildung zeigt schematisch die Anwendungsbereiche der Methode im Vergleich mit der Dauer und der Anzahl der Teilnehmer*innen.

Skalierungsbereiche für Lego Serious Play

(Skalierungsbereiche für Lego Serious Play. Quelle: „PLAY! Der unverzichtbare LEGO® SERIOUS PLAY® Praxisguide)

Methoden von und für Lego Serious Play 

So kreativ der Lego Serious Play Workshop auch ist – der Prozess ist Starr. Skill Building, Baustufe 1-3, fertig. Doch über dem Tellerrand von Lego Serious Play gibt es einiges zu entdecken. Das heißt dann zwar nicht mehr Lego Serious Play, bedient sich aber der gleichen Prinzipien. Lego lässt sich zum Beispiel perfekt in verschiedene Design Thinking-Phasen integrieren. In der Ideation-Phase oder im Brainstorming ist Lego ein perfektes Tool, um schnell Ideen zu sammeln. Anstatt Ideen aufzuschreiben, werden diese einfach gebaut. Das regt die kreativen Hirnareale deutlich mehr an, als es ein Post-it oder Flipchart kann. 

Auch Prototypen zu bauen, ist mit Lego absolut möglich und je nach Prototyp auch sehr sinnvoll, gerade wenn es um ein physisches Produkt geht.

Bei Business-Simulationen kann Lego für große und schnelle Aha-Momente sorgen. Bekanntester Vertreter ist wahrscheinlich der Scrum Zoo. Bei dieser Simulation wird das gesamte Scrum Framework anhand eines fiktiven Projektes durchgespielt. 

Die teilnehmenden simulieren alle Scrum-Elemente mithilfe von Lego

(Die teilnehmenden simulieren alle Scrum-Elemente mithilfe von Lego. Der Lego Scrum Zoo)

Doch Lego funktioniert auch im Kleinen, zum Beispiel als Check-In- oder Check-Out-Format. Hierfür reicht es aus, ein Lego Serious Play Starter Kit (hier ist sogar eine kurze Lego Serious Play Anleitung integriert) zu kaufen, ein großes Set zu mieten/leihen oder den Dachbodenfund zu verwerten. Hier zwei Formate, die immer gut funktionierten: 

Check-in mit Lego: Finde einen Stein, der symbolisiert, wie es dir heute geht

Check-out mit Lego: Rot, Gelb oder Grün: Suche einen Stein, der dein Energie-Level nach dem Meeting/ Workshop beschreibt.

Die Ampelsteine können auch für beliebige andere Voting-Formate genutzt werden, zum Beispiel um Verständnis zu erzeugen

(Die Ampelsteine können auch für beliebige andere Voting-Formate genutzt werden, zum Beispiel um Verständnis zu erzeugen. Quelle: „PLAY! Der unverzichtbare LEGO® SERIOUS PLAY® Praxisguide)

4 Tipps für die optimale Umsetzung

Wie andere Methoden aus dem Kontext New Work ist Lego Serious Play leicht zu verstehen, aber schwer zu meistern. Daher sollen dir an dieser Stelle eine kurze Checkliste dabei helfen, die ersten Schritte ohne Fettnäpfchen zu gehen und gut gewappnet einen eigenen Workshop vorzubereiten und durchzuführen: 

  1. Frag noch einmal mehr nach: Die Auftragsklärung mit dem Kunden oder den Teilnehmer*innen im Vorfeld ist der Startpunkt der Workshop-Planung. Da wir über die Gruppe, Zeit, Ort, Aufgabenstellung und den Rahmen gesprochen. Wichtig zu wissen ist aber auch, ob die Teilnehmer:innen wissen, was auf sie zukommt (sollten sie), ob die schon Vorerfahrung haben oder ob sie sich überhaupt kennen und wenn ja, wie gut. Frag lieber noch einmal mehr nach, um die Teilnehmer*innen schon vor dem Workshop bestmöglich einschätzen zu können.
  2. Selbst bauen in der Vorbereitung: Das Wichtigste in der Workshop-Planung ist die richtige Aufgabenstellung. Ist die Aufgabe am Ziel vorbei formuliert, wird das Workshopziel nicht erreicht. Um zu überprüfen, ob die Aufgabe gut formuliert ist, teste vorher das, was am Ende herauskommt. Versetze dich in die Lage der Teilnehmenden, schnapp dir ein paar Legosteine und baue los. Diese praktische Überprüfung im Vorfeld deckt Denkfehler schnell auf. 
  3. Facilitation ist der Schlüssel zum Erfolg: Der/ Die Lego Serious Play Trainer*in/ Coach*in/ Moderator*in wird „Facilitator“ genannt. Eine Mischung aus Workshopleiter*in und Moderator*in mit vielen Aufgaben. Mit der Qualität und der Qualifizierung des Facilitator steht und fällt der Workshop. Daher ist ein Seminar bzw. eine Lego Serious Play Ausbildung online oder vor Ort sehr ratsam. Anbieter gibt es hier viele, weshalb du dich vorher mit den Programmen auseinandersetzen solltest, die sowohl in der Qualität als auch im Umfang sehr unterschiedlich sind. Auch ein Lego Serious Play Buch kann den Start in die Workshopwelt erleichtern. Die Lego Serious Play Ausbildung kann je nach Form und Anbieter unterschiedlich viel kosten. Zwischen 1.800 € und 2.500 € solltest du für eine hochwertige Lego Serious Play-Ausbildung in Form von einem Training einplanen. Die Ausbildung endet mit der Zertifizierung zum „Certified Facilitator of LEGO® SERIOUS PLAY® Method and Materials“ – das ist die offizielle Bezeichnung von Lego.
  4. Zweifler gleich am Anfang mitnehmen: Dafür, dass Lego Serious Play so ungewöhnlich und spielerisch ist, gibt es nur sehr wenig Zweifler und Teilnehmer*innen, die den Workshop infrage stellen – das ist die gute Nachricht. Um das Risiko gering zu halten, solltest du im Vorfeld dafür sorgen, dass alle Bescheid wissen, dass ein Lego Serious Play- Workshop ansteht. Das Schlimmste ist eine Überraschung, die der Vorstand doof findet (dann finden es nämlich auch alle anderen doof und du hast keine gute Zeit). Außerdem schadet es nicht, am Anfang des Workshops ein paar Takte zur wissenschaftlichen Grundlage von Lego Serious Play zu verlieren und ein paar Marken zu nennen, die mit LSP arbeiten (Google, SpaceX, Zalando – es gibt sehr viele). 

Warum ist LSP effektiv? 

Das bereits erwähnte „Denken mit den Händen“ hat einen größeren Einfluss auf die Effektivität der Lego Serious Play Methode, als man glauben möchte. In der konkreten Anwendung heißt das folgendes: Anstatt lange über eine Aufgabenstellung nachzugrübeln, stecken die Teilnehmer*innen einfach zwei zufällige Bricks ineinander und lassen sich davon inspirieren. Klingt fast esoterisch, funktioniert aber fantastisch. Denn es ist hinlänglich bewiesen, dass bei der Arbeit mit Lego Serious Play Bereiche im Hirn aktiviert werden, die für gewöhnlich im Businesskontext eher verkümmern. Solche, die mit handwerklichen, kreativen Dingen zusammenhängen. Das merken die Workshopteilnehmer*innen spätestens nach dem Workshop. Denn die Arbeit mit Lego ist anstrengend – obwohl ja eigentlich die ganze Zeit nur „gespielt“ wird.

Außerdem ist die Methode sehr inklusiv. Fast alle haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal mit Lego gespielt und selbst wenn nicht, ist die Art, wie die Klemmbausteine zusammengesteckt werden, intuitiv. Grobmotoriker nutzen Duplo (was zu Lego gehört und in vielen Fällen kompatibel ist), Feinmotoriker*innen, Techniker*innen und Kidults können sie mit den noch so kleinen Bricks austoben. 

Der vielleicht wichtigste Faktor in Bezug auf die Effektivität des Workshops ist die Beteiligungsrate von 100 %. Alle bauen mit, alle sprechen über ihre Modelle und alle sind mit ihrem Geist dabei. Introvertierte und Extrovertierte, Laute und Leise, Junge und Alte.  

Für welche Bereiche und Unternehmen eignet sich LSP? 

Lego Serious Play Beispiele gibt es viele. Denn so vielfältig die Anwendungsgebiete für das Format sind, so breit ist auch die Anzahl der Branchen und Unternehmen, bei denen Lego Serious Play partiell oder regelmäßig zum Einsatz kommt. Klar, denn alle Unternehmen, alle Abteilungen und alle Branchen haben Herausforderungen, die nicht einfach zu lösen sind. 

In der Praxis ist Lego Serious Play vor allem dort im Einsatz, wo Wissensarbeit geleistet wird. Bei den größten Innovatoren unserer Zeit, wie zum Beispiel Google, bei tradierten Unternehmen, wie der Deutschen Bahn oder dort, wo man es am wenigsten erwarten würde, wie zum Beispiel dem Hessischen Ministerium der Finanzen. Auch innerhalb eines Unternehmens ist es schwer, Grenzen zu finden. Die Marketingabteilung eines Start-ups arbeitet genauso erfolgreich mit der Lego Serious Play Methode, wie die Forschung eines Pharma-Unternehmens. Wenig verbreitet ist Lego Serious Play im Handwerk und dort, wo sowieso viel mit den Händen gearbeitet wird.

Viele Einsatzbereiche für Lego Serious Play und Unternehmen, die die Methode verwenden, findest du übrigens auch auf YouTube

Welche Tools können dir bei der Erstellung und Durchführung von Lego Serious Play behilflich sein? 

Der Erfolg eines Lego Serious Play-Workshops steht und fällt mit einer guten Vorbereitung. Das fängt bei der Auftragsklärung und der Erstellung einer Agenda an. Tools wie Notion und Trello sind der ideale Einstieg. Sie sind intuitiv zu bedienen und haben sogar Features zur Kollaboration mit dem Kunden. Tools wie monday.com, awork oder Asana bieten hingegen einen wesentlich höheren Funktionsumfang, die Hürde zum Einstieg ist allerdings eine etwas höhere.  

Fazit

LEGO® SERIOUS PLAY® ist weit mehr als nur eine kreative Methode, um Teams zu beschäftigen. Es ist ein effektives Workshopformat, das Teambuilding, kreatives Denken und Problemlösung vereint. Durch das Bauen mit LEGO-Steinen wird nicht nur die Kreativität geweckt, es entsteht auch eine gemeinsame visuelle Sprache, die Missverständnisse minimiert und Verständnis fördert.

Der strukturierte Ablauf stellt sicher, dass alle Teilnehmer*innen aktiv eingebunden werden und ihre Gedanken in physischen Modellen ausdrücken können. Dieser Prozess stärkt nicht nur das Teamgefühl, sondern ermöglicht es auch, komplexe Herausforderungen zu verstehen und gemeinsam zu lösen

Wer sich vor dem Workshop fragt, was die Spielzeugkiste im Meetingraum zu suchen hat, ist nach dem Workshop ein Fan der Methode und geht mit einem bleibenden Eindruck, der weit über den Workshop hinauswirkt. 

David Hillmer
Autor*In
David Hillmer

David Hillmer ist ein führender Experte im Bereich Agile und New Work. Als Agile Coach, LEGO® SERIOUS PLAY®-Trainer und Geschäftsführer von HelloAgile begleitet er mit seinem Team Unternehmen auf dem Weg zu zeitgemäßen Formen der Arbeit wie OKR und Scrum. Seine Arbeit umfasst Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie Zertifizierungstrainings in den verschiedenen agilen Ansätzen. Zudem ist David Autor des Bestsellers „PLAY! Der unverzichtbare LEGO® SERIOUS PLAY® Praxis-Guide“. Sein Wissen teilt er auch als Dozent für Entrepreneurship an der Fresenius University und Podcast Host von „Unboxing New Work“. 

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