Colocation: Definition, Vorteile & Umsetzung

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das Konzept der Colocation

Inhalt
  1. Was ist Colocation – und warum ist es wichtig für dein Business?
  2. Strategische Vorteile: Darum setzen Unternehmen auf Colocation
  3. Sicherheit und Compliance als geschäftlicher Hebel
  4. Diese technischen Anforderungen musst du für Colocation beachten
  5. So setzt du Colocation erfolgreich um
  6. Diese Tools können deinen Colocation-Umzug unterstützen
  7. Managed Services als Ergänzung zur Colocation
  8. Fazit und Ausblick
Das Wichtigste in Kürze
  • Colocation bezeichnet den Betrieb der eigenen Hardware (Server, Speicher) in einem externen Rechenzentrum, wobei die volle Kontrolle über Daten und Konfiguration beim Unternehmen bleibt.
  • Wesentliche strategische Vorteile sind Kosteneffizienz durch geteilte Betriebskosten, flexible Skalierbarkeit sowie die Konzentration der internen IT auf das Kerngeschäft.
  • Professionelle Colocation-Rechenzentren bieten durch redundante Systeme und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen eine höhere Ausfallsicherheit und erfüllen Compliance-Anforderungen wie ISO 27001.
  • Die Migration in ein Colocation-Rechenzentrum ist ein komplexer Prozess, der eine sorgfältige Planung, eine detaillierte Bedarfsanalyse und die Einhaltung eines strukturierten Vorgehens erfordert.
 
 
Die moderne Geschäftswelt ist zunehmend von digitalen Prozessen und Datenabhängigkeit geprägt. Eine stabile IT–Infrastruktur ist daher wenig überraschend das Rückgrat eines jeden erfolgreichen Unternehmens. Hier hat sich heute eine Lösung durchgesetzt: Colocation. Doch was genau ist darunter zu verstehen? Welche Vorteile und noch wichtiger, welche Herausforderungen sind mit ihr verbunden? Wie können Unternehmen diese Strategie erfolgreich umsetzen? In diesem Artikel zeige ich dir, was hinter dem Konzept steckt und warum ein Colocation–Rechenzentrum dein Unternehmen voranbringen kann.

Was ist Colocation – und warum ist es wichtig für dein Business?

Colocation (oft als Colo abgekürzt) beschreibt die Strategie, die physische Infrastruktur in einem externen Rechenzentrum (Co Location) zu betreiben. Dazu zählen neben den Servern auch andere Speichergeräte sowie die Netzwerkausrüstung. Im Gegensatz zum klassischen Colocation-Hosting, bei dem oft nur virtuelle Ressourcen gemietet werden, gehört dir die Hardware beim Housing-Server-Modell weiterhin.
Du mietest hier lediglich die Serverstellplätze inklusive ausfallsicherer Stromversorgung, Kühlung und Netzwerkverbindungen vom Anbieter deiner Wahl. Diese Variante bietet aus meiner Sicht einen entscheidenden strategischen Vorteil: Du behältst jederzeit die volle Kontrolle über deine Daten und die Hardware-Konfiguration. Gleichzeitig profitierst du von der Professionalität im Colocation-Data-Center. Du hast den Vorteil einer erstklassigen Infrastruktur in Kombination mit überzeugender Sicherheit, vermeidest aber Komplexität und Kosten eines eigenen Rechenzentrums.

Strategische Vorteile: Darum setzen Unternehmen auf Colocation

Aus meiner Sicht gibt es in der Praxis drei entscheidende Gründe, die klar für einen Wechsel in ein Colocation-Rechenzentrum sprechen:
  • Kosteneffizienz
  • Skalierbarkeit
  • Konzentration auf das Kerngeschäft
Die Kosteneffizienz der Data Center ist einer der größten Vorteile, der sich für Unternehmen bietet. Du musst weder ein eigenes Rechenzentrum bauen noch unterhalten. Daraus ergeben sich erhebliche Einsparungen in den Bau–, Wartungs– und natürlich Betriebskosten. Die Kosten sind zudem jederzeit plan– und skalierbar. Unterhaltungskosten wie zum Beispiel die anfallenden Energiekosten des Rechenzentrums müssen nicht allein getragen werden. Sie werden unter allen Mieter*innen des Data Center aufgeteilt. Bei der Server-Colocation zahlst du also nur für das, was du wirklich nutzt.
Der zweite entscheidende Vorteil ist die Skalierbarkeit. Colocation in Data Center ist überzeugend flexibel. Du brauchst mehr Platz? Kein Problem. Du buchst einfach ein weiteres Rack hinzu und kannst deine Konfiguration optimieren.
Der dritte Punkt ist die Konzentration auf das Kerngeschäft. Die Data-Center-Colocation entlastet deine IT-Expert*innen. Sie müssen keine lästigen Facility-Management-Aufgaben wie das Prüfen von Notstromaggregaten oder Klimaanlagen übernehmen. Stattdessen können sie sich wieder auf Projekte konzentrieren, die dein Unternehmen und eure internen Prozesse wirklich voranbringen.

Sicherheit und Compliance als geschäftlicher Hebel

Das Thema Sicherheit ist für mich kein nettes Extra, sondern ein geschäftskritischer Faktor. Die steigenden Anforderungen an Datenschutz und Datensouveränität stellen Unternehmen nicht erst seit kurzem vor immer wieder neue Herausforderungen. Professionelle Colocation-Rechenzentren bieten Redundanzen, die in On-Premise-Rechenzentren meist fehlen. Letztere sind oft auf grundlegende Systeme wie eine Klimaanlage, einen begrenzten Internetanschluss und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) beschränkt.
Oft fehlt eine Notstromversorgung, was gleich zu mehreren Single-Points-of-Failure führt. Der Ausfall nur einer dieser kritischen Komponenten kann zu schwerwiegenden Unterbrechungen des Betriebs führen. Colocation Center bieten im Gegensatz dazu redundante Systeme sowohl für die Stromversorgung als auch Kühlung und Netzwerkverbindungen. Sie sind mit Backup-Generatoren ausgestattet, die automatisch einspringen können, falls die Hauptstromversorgung ausfällt.
Dadurch werden Ausfallzeiten minimiert und die kontinuierliche Verfügbarkeit der verschiedenen Dienste sichergestellt. Diese erhöhte Resilienz und Stabilität der IT–Infrastruktur macht das Colocation-Data-Center so attraktiv für Unternehmen, die auf eine zuverlässige Betriebskontinuität angewiesen sind. Mit den gestiegenen Datenschutz-Anforderungen ist auch die Sicherheit der Daten immer wichtiger geworden. Bei Colocation Deutschland profitieren Kund*innen von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen wie Zugangskontrollen, Überwachungskameras und Sicherheitspersonal.
Durch die strikte Einhaltung der Sicherheitsstandards und -protokolle können die sensiblen Daten besser geschützt werden. Zertifizierungen wie ISO 27001 sind in der Branche inzwischen Standard. Wenn ich mit B2B-Entscheider*innen spreche, ist dies oft das schlagkräftigste Argument für die Colocation: Hier haben sie die Gewissheit, dass die sensiblen Daten nach höchstem Sicherheitsstandard geschützt sind.

Diese technischen Anforderungen musst du für Colocation beachten

Bevor du einen Colocation-Vertrag unterschreibst, musst du die technischen Hausaufgaben machen. Ich empfehle dir dazu eine detaillierte Bedarfsanalyse durchzuführen: Wie viel Rechenleistung und Speicherplatz benötigst du aktuell? Wie sieht dein voraussichtliches Wachstum in den nächsten zwei Jahren aus? Ebenso wichtig sind Fragen nach Bandbreite, Netzwerkanbindung, Redundanz der Stromversorgung, physischer Sicherheit, Rack- und Strombedarf sowie Supportleistungen wie Remote Hands. Achte besonders auf die Konnektivität. Data Center und Colocation funktionieren nur dann reibungslos, wenn die Anbindung an deine Hauptstandorte eine möglichst geringe Latenz aufweist.

So setzt du Colocation erfolgreich um

Wer sich für die Nutzung eines Colocation-Rechenzentrums entscheidet, steht vor mehreren Herausforderungen. Hier sind die wichtigsten:

IT-Migration

Die bevorstehende Migration der IT-Systeme muss sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Dies erfordert eine detaillierte Planung und die Einhaltung eines klar strukturierten Vorgehens.

Analyse und Zieldefinition

Ein klares Ziel und die detaillierte Ausformulierung der Gründe für die Migration sind essenziell. Dies hilft, die Erwartungen zu klären und sicherzustellen, dass alle Beteiligten auf Kurs bleiben.

Bestandsaufnahme

Eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen IT-Infrastruktur ist notwendig, um zu entscheiden, welche Hardware und Software migriert werden soll, welche in die Cloud verlagert werden kann und auf welche verzichtet werden kann.

Architekturgestaltung

Die Zielarchitektur muss so gestaltet werden, dass sie den aktuellen und zukünftigen Anforderungen des Unternehmens entspricht.

Bedarfsdokumentation

Eine detaillierte Erfassung aller benötigten Elemente, von Racks über virtuelle Maschinen bis hin zu Netzwerkkomponenten, ist erforderlich, um den IT-Bedarf vollständig zu dokumentieren und in die Planung zu integrieren.

Kostenfreigabe

Die Sicherung des Budgets ist ein kritischer Schritt. Eine verlässliche Planung der Investitions– und Betriebskosten hilft, die finanziellen Ressourcen zu sichern.

Teamkonstellation

Die richtige Teamzusammensetzung ist entscheidend. Neben einem Kernteam werden häufig Spezialist*innen für bestimmte Bereiche sowie externe Berater*innen benötigt, um den Umzug erfolgreich durchzuführen.

Umzugsplanung

Eine detaillierte Planung des Umzugs unter Einbeziehung der relevanten Fachbereiche hilft, den Migrationsprozess reibungslos zu gestalten und potenzielle Konflikte zu minimieren.

Probelauf

Ein Testlauf hilft, Fehlerpotenziale zu identifizieren und zu beheben. Ein Notfallplan sollte ebenfalls vorhanden sein, um auf unerwartete Probleme reagieren zu können.

Migration

Die eigentliche Migration sollte sorgfältig und vorzugsweise automatisiert durchgeführt werden, um Fehler zu minimieren und Effizienz zu maximieren. Es ist hilfreich, externe Profis hinzuzuziehen, um die Automatisierung zu unterstützen und den Migrationsprozess reibungslos zu gestalten. Während der Migration ist es wichtig, regelmäßig alle betroffenen Bereiche über den Fortschritt zu informieren, um sicherzustellen, dass alle Schritte nach Plan verlaufen.

Review

Nach der Migration ist ein Rückblick auf den gesamten Prozess wichtig. Ein abschließender Test aller migrierten Elemente stellt sicher, dass der Umzug erfolgreich war und alle Systeme wie erwartet funktionieren. Eventuell auftretende Probleme können so schnell identifiziert und behoben werden. Abschließend muss das alte Rechenzentrum zurückgebaut werden, damit der Betrieb im neuen Colocation-Datacenter vollständig beginnen kann. Diese Herausforderungen zeigen, dass der Umzug in ein Colocation-Rechenzentrum eine komplexe und vielschichtige Aufgabe ist, die eine umfassende Planung und sorgfältige Durchführung erfordert.

Diese Tools können deinen Colocation-Umzug unterstützen

Um den Prozess der Migration möglichst effizient zu gestalten, sind verschiedene Colocation-Tools hilfreich. Hier meine Empfehlungen:
  • Jira Service Management: Es ist unverzichtbar für die Organisation und Planung der Aufgaben innerhalb deines Migrationsteams.
  • NinjaOne und TANSS: Diese Tools helfen dir, den Überblick über Assets und die verschiedenen Service-Prozesse zu behalten.
  • ConSol CM und Zoho Desk: Diese unterstützen dich dabei, den Support für deine Nutzer*innen während der Umstellungsphase aufrechtzuerhalten.
  • deeploi: Die Plattform unterstützt dich dabei, deine IT effizient und sicher zu organisieren.
  • SEAMLESS: Diese ITSM-Lösung richtet sich sowohl an Unternehmen als auch IT-Anwender*innen.
Spezialisierte Agenturen wie kkvision, CIXON, computech, burgdigital oder Thorit können dir zudem wertvolle Unterstützung leisten, falls deine internen Kapazitäten nicht ausreichen.

Managed Services als Ergänzung zur Colocation

Es gibt Fälle, in denen eine reine Colocation nicht ausreicht. Du möchtest zum Beispiel die Kontrolle über deine Hardware behalten, dich aber nicht um das Betriebssystem-Patching kümmern? Managed-Hosting-Konzepte sind in diesem Fall die ideale Ergänzung. Ich sehe hier oft den Trend zur Colocation-Solutions aus einer Hand: Du mietest den Platz, nutzt aber zusätzliche Colocation-Services des Anbieters für Backups oder Firewall-Management. Dies ist besonders für kleine Unternehmen interessant, die eine professionelle Website für Kleinunternehmen betreiben wollen, ohne eine riesige IT-Abteilung aufzubauen.

Fazit und Ausblick

Colocation ist für mich sehr viel mehr als nur das reine Mieten eines Rack-Platzes. Es ist eine strategische Entscheidung für mehr Sicherheit, Skalierbarkeit und finanzielle Vernunft. Du fragst dich, wie hoch die Kosten sind, um selbst einen Server zu betreiben? Neben der reinen Hardware solltest du hier auch immer die Total Cost of Ownership (TCO) betrachten. Dazu gehören auch die anfallenden Kosten für Strom, Sicherheit und natürlich Personal.
Einen kleinen Eindruck zum Thema Sicherheit findest du in diesem Whitepaper zur IT-Sicherheit im E-Commerce. Wer sich rein mit der Website-Umsetzung beschäftigt, wird Themen wie einen Webhosting-Vergleich oder spezialisierte Angebote wie WooCommerce-Hosting berücksichtigen. Sobald jedoch auch firmeninterne Prozesse oder größere Mengen sensibler Daten integriert werden, ist eine gute Colocation-Strategie notwendig.
Lesetipp

Lesetipp: Wir haben für dich einen Blick geworfen: Webhosting im Vergleich!

Daher lautet mein Rat: Vergleicht für euer Unternehmen sorgfältig die verschiedenen Infrastrukturansätze – etwa On-Premises, Colocation oder auch die Nutzung von Cloud Services. Prüft welche Lösung am besten zu euren Anforderungen in Bezug auf Kosten, Skalierbarkeit, Sicherheit und Wartungsaufwand passt. Die digitale Transformation wartet nicht, sie schreitet immer schneller voran. Mit einer durchdachten Infrastrukturstrategie – egal ob On-Prem, Colocation oder Cloud – ist euer Unternehmen jedoch bestens auf die Zukunft ausgerichtet.
 
 
Gastautor*innen Aufruf

Werde Gastautor*in: Du hast in einem bestimmten Bereich richtig Ahnung und möchtest dein Wissen teilen? Dann schreibe uns einfach an reviews-experten@omr.com und bring deine Expertise ein. Wir freuen uns auf spannende Einblicke direkt aus der Praxis.

Fabian Elbracht
Autor*In
Fabian Elbracht

Fabian Elbracht ist 32 Jahre alt, gelernter Elektroniker für Betriebstechnik sowie studierter Gebäudesystemtechniker. Er ist einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Trusted-Colo GmbH & Co. KG. Seit 2020 betreibt er als Familienunternehmen ein energieeffizientes und hochverfügbares Colocation-Rechenzentrum südlich von Frankfurt am Main, das größtenteils in Eigenleistung errichtet wurde. Neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer ist er im Rechenzentrum verantwortlich für die Energie- und Gebäudetechnik, die Durchführung von Remote-Aufträgen der Kunden sowie das Kundenmanagement.

Alle Artikel von Fabian Elbracht

Im Artikel erwähnte Softwares

Im Artikel erwähnte Software- oder Service-Kategorien

Im Artikel erwähnte Services

Ähnliche Artikel