Warum deine Unternehmensstrategie schon beim nächsten Meeting stirbt

cosmos-Gründer Florian Felter über Orientierungslosigkeit im Management, den Mythos KI-Effizienz und warum statische Personas gefährlicher sind als gar keine Zielgruppendefinition

Inhalt
  1. Warum scheitert Strategie in Unternehmen?
  2. Anti-Slide-Kultur? Wo Florian Felter mit cosmos ansetzt
  3. KI in der Führungsetage: Was Entscheider*innen jetzt tun sollten
Florian Felter ist Gründer und CEO von cosmos. Vor der Gründung hat er über zwölf Jahre eine Agentur für Brand und Growth Strategy geführt und mit ihr digitale Wachstumsstrategien für Weltmarken entwickelt. Heute übersetzt er diese strategische Expertise mit cosmos in ein System, das Unternehmen mehr strategische Klarheit bietet, indem es Strategie und operative Realität verbindet. 
Warum das so wichtig ist und woran die Strategien zahlreicher Unternehmen scheitern, verrät Florian Felter im Interview.
Das Wichtigste in Kürze
  • Klassische, statische Strategiepräsentationen blockieren den Unternehmenserfolg, da sie nicht mit der rasanten operativen Realität Schritt halten können.
  • Die „Initiative-to-Outcome-Gap“ beschreibt eine Blackbox, in der Teams zwar mit KI-Beschleunigung agieren, der Bezug zu den strategischen C-Level-Zielen jedoch verloren geht.
  • Generische KI-Tools bieten keine echten Mehrwert, weshalb Entscheider*innen auf „Context Intelligence“ setzen müssen, die KI fest in den individuellen strategischen Rahmen des Unternehmens einbettet.
  • Das strategische Betriebssystem cosmos verknüpft jede operative Maßnahme in Echtzeit mit messbaren Geschäftsergebnissen, um Abweichungen sofort sichtbar zu machen.

Warum scheitert Strategie in Unternehmen?

Du hast als Agenturgründer mehr als zwölf Jahre lang digitale Produkte für Marken wie Coca-Cola und Gillette entwickelt. Warum kehrst du dem klassischen Agenturmodell jetzt den Rücken? 

Florian Felter: Nach über einem Jahrzehnt in der Markenstrategie saß ich in unzähligen Meetings und war die immer gleichen Prozesse schlichtweg leid. Und sind wir ehrlich: Das alte Modell funktioniert nicht mehr. Unternehmen zahlen viel Geld für standardisierte Bausätze. Am Ende wird eine 400-seitige Präsentation übergeben, die in der Ablage landet und verstaubt. Das ist doch absurd. Teams können diese starren Dokumente im Alltag nicht aktiv nutzen und operationalisieren.
Mein Ziel war es deshalb, dieses Erfahrungswissen in einen lebendigen, strukturierten Prozess zu überführen. Dieser ermöglicht einen systematischen Fokus auf tatsächliche Ergebnisse und hilft Unternehmen spürbar weiter.

KI hat den Arbeitsalltag vieler Menschen schon stark verändert. Aber gerade im Management und bei strategischen Entscheidungen scheinen zahlreiche Unternehmen noch im Blindflug unterwegs zu sein. Woran liegt das?

Florian Felter: Die meisten Entscheider*innen kennen das Gefühl, dass operativ etwas schiefläuft. Es fehlt aber ein System, um dieses Bauchgefühl datenbasiert zu überprüfen. Das Kernproblem ist, dass die strategische Planung mit der unfassbaren Geschwindigkeit der operativen Umsetzung nicht mehr Schritt hält. KI beschleunigt die Execution auf Teamebene extrem, während für die nächste strategische Entscheidung erstmal ein neuer Report erstellt werden muss. Zwischen dem strategischen Vorhaben auf C-Level und der Realität der Teams klafft ein riesiger Drift und der verbrennt wertvolles Kapital.

Dieses Problem bezeichnest du als „Initiative-to-Outcome-Gap“. Was genau passiert da in den Unternehmen?

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Mit cosmos haben Florian Felter und sein Team ein strategisches Betriebssystem geschaffen, in dem alle Fäden eines Unternehmens zusammenlaufen. Bild: cosmos
Florian Felter: Die „Initiative-to-Outcome-Gap“ ist die Lücke zwischen dem Start einer Maßnahme und dem messbaren Geschäftsergebnis. Hier entsteht die Blackbox. Teams starten voller Energie tolle Kampagnen, es laufen unzählige Initiativen, das Budget fließt, aber am Ende weiß niemand, ob das wirklich noch auf die Strategie einzahlt. 

Ihr kritisiert in diesem Zusammenhang auch, wie Unternehmen ihre Zielgruppen denken. Was macht statische Personas so gefährlich? 

Florian Felter: Es tut fast schon weh, wenn man sieht, wie Unternehmen Millionen-Budgets auf Basis von Personas steuern, die in einem Workshop vor 18 Monaten an eine Pinnwand geklebt wurden. Sie liegen als PDF auf dem Laufwerk, werden nie mit echten Daten validiert und verkommen zur Fiktion. Eine Zielgruppe darf nicht statisch sein. Sie muss als dynamisch gelebtes Konstrukt live an Marktveränderungen und echtes Kundenfeedback angepasst werden. Sonst jagst du Phantome.

Anti-Slide-Kultur? Wo Florian Felter mit cosmos ansetzt

In deinem Founder’s Manifest wetterst du gegen die „Slide-Kultur“ und sagst: „Wer ein Meeting braucht, um zu wissen, wo das Team steht, dessen System ist kaputt.“ Was ist die Alternative zu statischen Präsentationen und endlosen Status-Updates?

Florian Felter: Statusmeetings sind für mich das absolute Kernsymptom für Ineffizienz. Dort passiert nichts Wertschöpfendes, es geht in diesen endlosen „Alignment Meetings“ nur darum, ein gemeinsames Bauchgefühl zu erzeugen. Die Alternative ist, einen strukturellen Zustand zu schaffen, in dem Alignment automatisch vorhanden ist. Wenn strategischer Kontext, Ziele und Prioritäten auf einer Plattform für alle live sichtbar sind, sind Teams alignt, ohne dass es ständige zeitfressende Abstimmungsrunden braucht. Führungskräfte können dann endlich Entscheidungen treffen, statt stundenlang die Vergangenheit aufzuarbeiten. Unter anderem darum geht es im Founder’s Manifest.

Wie schafft ihr es mit cosmos, dass sich Unternehmen bei dieser neuen Marktgeschwindigkeit überhaupt noch rechtzeitig anpassen? 

Florian Felter: Indem sie das Steuer wieder selbst in die Hand nehmen. Sie müssen in Echtzeit reagieren können, ohne wochenlang auf das nächste Agentur-Weekly oder den Report warten zu müssen. Wir geben Entscheider*innen mit cosmos genau das System, um ihre strategische Ausrichtung live mit der echten Business-Realität und Performance der laufenden Initiativen abzugleichen.

Ihr nennt cosmos ein strategisches Betriebssystem. Was bedeutet das?

Florian Felter: Das Kernproblem war ja: Strategie existiert in einem Dokument, Execution passiert woanders und niemand sieht den Zusammenhang in Echtzeit. cosmos bricht diese Trennung auf.
Jede Initiative, die ein Team startet, ist direkt mit einem Outcome und strategischen Ziel verknüpft. Die gesamte Kette – von allen Maßnahmen bis zum Geschäftsergebnis – wird live gemessen. Ändern sich die Marktbedingungen, wird sofort sichtbar, welche Initiativen betroffen sind und wo Prioritäten verschoben werden müssen. Das lange Warten auf den nächsten Report entfällt auf diese Weise komplett.
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cosmos gibt einen Überblick über die gesamte Unternehmensstrategie und Maßnahmen, die auf sie einzahlen. Bild: cosmos

OKR-Tools, CRM-Systeme und Projektmanagement-Software haben die meisten Teams schon. Warum reicht das nicht?

Florian Felter: Tools für OKRs oder Projektmanagement-Software sind wichtig, aber sie sind oft nur der Blick in den Rückspiegel. Sie beantworten dir die Frage: „Haben wir gemacht, was wir geplant haben?“ Das reicht bei der heutigen Marktgeschwindigkeit nicht mehr aus. cosmos setzt einen Schritt früher an und beantwortet die viel wichtigere Frage: „Tun wir mit dem Wissen von heute eigentlich noch die richtigen Dinge?“
Wenn eine Führungskraft cosmos morgens öffnet, sieht sie keinen Statusbericht. Sie sieht, welche ihrer laufenden Initiativen noch auf Kurs sind und wo der Drift bereits begonnen hat. Das verändert, wie Entscheidungen getroffen werden: nicht auf Basis des letzten Reports, sondern auf Basis der echten Realität von heute.

Der Markt für neue Tools wird oft vom Silicon Valley dominiert. Was schützt euch davor, dass größere Player eure Features einfach kopieren?

Florian Felter: Ein herausragendes Interface reicht heute nicht mehr als Schutz. Unser eigentlicher Burggraben ist unser Judgement. Wir haben Brand- und Growth-Wissen aus zwölf Jahren als fundamentale Geschäftslogik in unser System mit Algorithmen, Leitplanken, Abläufen und Prozessen integriert. Kund*innen zahlen in Zukunft nicht für eine hübsche Visualisierung, sondern für eine Plattform, die komplexe Geschäftsprozesse so abbildet, dass die KI sie auch strategisch wirksam anwenden kann. Das macht cosmos in meinen Augen schwer kopierbar.

KI in der Führungsetage: Was Entscheider*innen jetzt tun sollten

Viele Startups verkleinern ihre Teams radikal und ersetzen sie durch künstliche Intelligenz. Ist das der richtige Weg?

Florian Felter: Wenn du einfach nur isolierte KI-Agenten in dein Unternehmen wirfst, automatisierst du oft nur dein eigenes Chaos. Der entscheidende Unterschied liegt in der Fähigkeit, zu bewerten, ob KI-Outputs strategisch sinnvoll sind. Ohne diese Leitplanken produziert KI völligen Stuss. Echte Effizienz- und Umsatzsteigerungen entstehen nur, wenn KI in einen fundierten strategischen Rahmen eingebettet ist. Nicht als isoliertes Tool, sondern als Teil eines Systems, das weiß, was das Unternehmen eigentlich erreichen will.

Du sprichst in diesem Zusammenhang auch von „Context Intelligence“. Warum bringen Claude und ChatGPT dem Vorstand allein nichts?

Florian Felter: Generische KI ist im Grunde nur ein leeres Chatfenster, das im Business-Alltag jeden Tag an Amnesie leidet. Ohne den unternehmerischen Kontext ist sie wie ein brillanter Praktikant an seinem ersten Tag: Sie rät im luftleeren Raum. Es gilt das absolute Grundprinzip: Shit in, shit out.
„Context Intelligence“ bedeutet, dass die KI das Ökosystem deines Unternehmens tiefgreifend versteht. Viele Anbieter stülpen eine KI einfach über analog gedachte Prozesse und nennen das dann einen strategischen Berater. Das ist das Gegenteil von Context Intelligence. Wir bauen keine Chat Wrapper. cosmos löst das, indem unser System der KI unsere jahrelange Agenturerfahrung als Leitplanken mitgibt. Die KI greift live auf die echte Business-Realität zu, auf Ziele, Personas, Positionierung und laufende Initiativen. Sie berechnet dann nicht nur Wahrscheinlichkeiten, sondern weiß genau, was operativ gerade wirklich Stand der Dinge ist.
Gut zu wissen

Was ist Context Intelligence?

Context Intelligence beschreibt den Ansatz, KI-Systemen statt generischer Prompts unternehmensspezifisches Wissen als dauerhaften Kontext bereitzustellen. Das können z. B. Positionierung, Zielgruppen und strategische Ziele sein.

Werden Führungsetagen Strategie also bald komplett in Echtzeit steuern?

Florian Felter: Definitiv. Wer noch plant, Initiativen konstruiert und wochenlang auf einen Report wartet, verliert schlichtweg an Marktrelevanz. Der Mensch wird auf C-Level zwar weiterhin am Ruder sitzen und entscheiden wollen. Aber KI wird das wachsende Informationsrauschen auf exakt die Metriken destillieren müssen, die echten Impact haben. Das wird die Entscheidungsfindung in Führungsetagen enorm entlasten und beschleunigen, zumindest für die, die sich frühzeitig dafür rüsten.

Zum Abschluss ein Hands-on-Tipp: Welchen ersten Schritt kann jede Führungskraft heute gehen, um mehr strategische Klarheit ins eigene Team zu bringen?

Florian Felter: Jeder will sofort mehr Umsatz, mehr Leads, mehr Wachstum – völlig verständlich. Aber mein Tipp: Leg erst mal die absoluten Basics schonungslos auf den Tisch. Wen willst du eigentlich ansprechen? Passen deine Maßnahmen im aktuellen Markt wirklich noch dazu? Die Wahrheit ist: Kaum jemand kann heute klar aufzeichnen, wie die eigene Wachstumsstrategie operativ eigentlich funktioniert. Das ist der Startpunkt, nicht das nächste Kampagnenbudget.
Chantal Seiter

Chantal ist Redakteurin bei OMR Reviews. Wenn sie gerade mal nicht in die Tasten haut, betreibt sie Café Hopping oder erkundet neue Städte. Am liebsten beides zusammen. Vor ihrem Start bei OMR Reviews hat die Eigentlich-Kielerin in Kreativagenturen und als Freelancerin gearbeitet. 2022 hat sie außerdem eine Weiterbildung zur Fashion Stylistin abgeschlossen.

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