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Native Commerce: Was, wenn dein Shop gar nicht das Problem ist?
Selina Feddern8.6.2026
Wo klassische Shopsysteme enden, wo Native Commerce anfängt und welche Rolle das ERP dabei spielt.
Inhalt
- Das Problem beginnt selten beim Shop selbst
- Was ist Native Commerce?
- So unterscheidet sich der Ansatz vom klassischen B2B-Shop
- Wann welcher Ansatz sinnvoll ist
- avanta: Native Commerce aus der B2B-Perspektive gedacht
- Fazit: B2B-Commerce funktioniert nur so gut wie die Prozesse dahinter
Ein B2B-Shop wirkt oft wie die digitale Bühne des Vertriebs: Kund*innen loggen sich ein, sehen ihre Produkte, bestellen nach und erwarten, dass alles genauso reibungslos läuft wie im privaten Online-Shopping. Nur passiert im Hintergrund deutlich mehr: Preise ändern sich je nach Kundengruppe, Freigaben hängen an Rollen, Sortimente folgen Verträgen und das ERP-System bleibt die Instanz, der am Ende alle glauben müssen.
Nach dem Login wird aus Online-Shopping daher schnell B2B-Realität. Ein Shop soll nicht nur Produkte zeigen und Bestellungen aufnehmen, sondern vor allem Sonderpreise kennen, Freigaben abbilden, Kundendaten richtig lesen und dem ERP nicht widersprechen. Irgendwann trägt er damit Logik, die tiefer liegt als der Warenkorb. Native Commerce stellt deshalb nicht die nächste Shop-Funktion in den Mittelpunkt, sondern die Frage: Baut sich dein Commerce um Geschäftsprozesse herum oder zwingt er sie in ein System, das dafür nie gedacht war?
Das Wichtigste in Kürze
- B2B-Commerce scheitert selten an der Shop-Oberfläche, sondern an der mangelnden Integration komplexer, im Hintergrund wirkender Geschäftsprozesse und ERP-Daten.
- Während klassische Shopsysteme nachträglich für B2B-Funktionen erweitert werden, setzt Native Commerce direkt bei der bestehenden Logik und Struktur des Unternehmens an.
- Ein ERP-first-Ansatz sorgt dafür, dass die Geschäftslogik im führenden System bleibt und der Shop lediglich als Oberfläche dient, ohne Daten redundant zu duplizieren.
- Klassische Systeme eignen sich für standardisierte Abläufe, während native Plattformen wie avanta dann notwendig werden, wenn komplexe Individualprozesse den Normalzustand abbilden.
- Die richtige Plattform entscheidet sich nicht beim Go-live, sondern an der Frage, wie flexibel und aufwandsarm das System mit zukünftigen Anforderungen mitwachsen kann.
Das Problem beginnt selten beim Shop selbst
„Wir brauchen einen Shop für Geschäftskunden.“ Das klingt zuerst nach einem klaren Projekt: Scope definieren, System auswählen, live gehen. In vielen B2B-Unternehmen ist dieser Satz aber eher der Beginn einer längeren Geschichte. Denn sobald Geschäftskund*innen online bestellen, bestellt nicht einfach eine Person ein Produkt. Dahinter hängen oftmals Einkaufsprozesse, Konditionen, Rollen, Standorte, Freigaben und ein ERP-System, das am Ende vorgibt, welche Daten wirklich zählen.
Am Anfang lässt sich das oft gut mit einem klassischen Shopsystem lösen. Ein Login kommt dazu, Preise werden individualisiert, erste B2B-Funktionen werden ergänzt. Doch mit jedem neuen Prozess wächst die Verantwortung des Shops. Er soll nicht mehr nur verkaufen, sondern immer mehr Geschäftslogik tragen. An dieser Stelle verschiebt sich die Frage: Es geht nicht mehr nur darum, welches Shopsystem funktioniert, sondern darum, welcher Ansatz zu den Abläufen passt, die im Unternehmen längst existieren.
Im B2B-Commerce treffen deshalb zwei Welten aufeinander. Die eine kommt aus dem klassischen Online-Shop und wird Schritt für Schritt für B2B erweitert. Die andere startet direkt bei komplexen B2B-Prozessen und bildet diese im System ab. Diese Unterscheidung klingt technisch, entscheidet im Alltag aber darüber, ob neue Anforderungen integriert werden oder ob jede Anpassung zur nächsten Sonderlösung wird.
Zwei Wege, mit Komplexität umzugehen
Nicht jedes B2B-Commerce-Projekt stößt an dieselben Grenzen. Entscheidend ist oft weniger die Anzahl der Funktionen als die Frage, wie Geschäftsprozesse im System abgebildet werden. Vereinfacht gesagt stehen Unternehmen meist vor zwei unterschiedlichen Ansätzen:
Klassische Shopsysteme vs. Native B2B-Plattformen
Klassische Shopsysteme
Ursprung im B2C-Commerce
B2B-Funktionen werden häufig ergänzt
Geschäftslogik liegt oft im Shop
Erweiterungen über Apps, Plugins und Individualentwicklungen
Gut geeignet für überschaubare Anforderungen
Beispiele
Shopware, Magento, Shopify, OXID, WooCommerce
Native B2B-Plattformen
Ursprung im B2B-Commerce
Viele B2B-Funktionen bereits im Standard
Geschäftslogik bleibt häufig in den Kernsystemen
Prozesse sind stärker systemseitig abgebildet
Geeignet für komplexe Prozesslandschaften
Beispiele
OroCommerce, Intellishop, Sana Commerce, Spryker, avanta
Was ist Native Commerce?
Ein klassisches Shopsystem beginnt oft dort, wo Kund*innen etwas sehen: beim Produkt, Warenkorb oder Checkout. Das ist logisch, weil genau dort der digitale Kauf stattfindet. Im B2B reicht dieser Blick aber irgendwann nicht mehr. Denn der Kauf ist nur der sichtbare Teil eines viel größeren Prozesses.
Native Commerce setzt früher an. Nicht bei der Frage, wie ein Shop weitere Funktionen bekommt, sondern bei der Frage, welche Logik ein Unternehmen bereits mitbringt. Welche Preise gelten für welche Kund*innen? Wer darf bestellen, wer muss freigeben, welche Daten kommen aus dem ERP-System und welche Services gehören nach dem Kauf dazu? Der Shop wird dadurch nicht zur Sammelstelle für immer neue Sonderfälle, sondern zur Oberfläche für Prozesse, die im System verankert sind.
Der Unterschied klingt kleiner, als er im Alltag ist. Wenn Geschäftslogik erst nachträglich in einen Shop hineingebaut wird, entsteht schnell ein System, das funktioniert, aber schwer zu bewegen ist. Native B2B-Plattformen versuchen, diese Logik von Anfang an mitzudenken. Commerce passt sich dann stärker an das Geschäft an und nicht umgekehrt.
Wir können also konkret zusammenfassen: Native Commerce beantwortet nicht die Frage, wie dein Shop aussieht. Sondern wie gut er die Realität deines Geschäfts versteht: Preise, Rollen, Freigaben, ERP-Daten und Prozesse, die jeden Tag zusammenspielen müssen.
So unterscheidet sich der Ansatz vom klassischen B2B-Shop
| Klassischer B2B-Shop | ERP-first-Ansatz |
|---|---|
| Preise werden teilweise im Shop gepflegt | Preise kommen direkt aus dem ERP-System |
| Kundendaten liegen in mehreren Systemen | Kundendaten werden zentral verwaltet |
| Sortimente und Freigaben müssen synchron gehalten werden | Sortimente und Freigaben stammen aus einer Quelle |
| Hoher Pflegeaufwand und Fehlerpotenzial | Weniger doppelte Datenpflege |
| Der Shop verwaltet Geschäftslogik | Das ERP-System verwaltet Geschäftslogik |
| Der Shop ist Datenquelle und Oberfläche zugleich | Der Shop macht ERP-Daten nutzbar |
Wann welcher Ansatz sinnvoll ist
Nicht jedes B2B-Unternehmen braucht sofort eine native B2B-Plattform. Wer das behauptet, verkauft eher ein Prinzip als eine Lösung. Manchmal reicht ein klassisches Shopsystem völlig aus. Zum Beispiel, wenn der Online-Vertrieb vor allem Bestellungen aufnehmen soll, die Preislogik überschaubar bleibt und die wichtigsten Prozesse rund um den Shop nicht ständig neue Sonderwege brauchen.
Spannend wird es dort, wo der Shop nicht mehr nur verkaufen soll, sondern plötzlich mitdenken muss. Wenn ein Kunde andere Konditionen sieht als der nächste. Wenn ein Standort bestellen darf, ein anderer aber erst freigeben muss. Wenn der Service Ersatzteile digital abbilden möchte und das ERP-System im Hintergrund trotzdem die letzte Instanz bleibt. Dann rückt weniger die Shop-Oberfläche in den Mittelpunkt, sondern die Frage, wie belastbar das System Unternehmenslogik abbildet, ohne mit jeder neuen Anforderung komplexer zu werden.
Ein klassisches Shopsystem passt also gut, wenn der Commerce-Prozess klar, stabil und vergleichsweise nah am Standard bleibt. Eine native B2B-Plattform wird hingegen vor allem interessanter, wenn individuelle Abläufe nicht die Ausnahme sind, sondern der Normalzustand. Der ehrliche Test lautet deshalb: Würde dein Shopprojekt auch dann noch stabil wirken, wenn morgen ein neuer Großkunde mit eigenen Konditionen, mehreren Standorten und speziellen Freigaben dazukommt? Wenn die Antwort Bauchschmerzen macht, lohnt sich der Blick auf Native Commerce.
avanta: Native Commerce aus der B2B-Perspektive gedacht
Die Diskussion um Native Commerce bleibt häufig abstrakt. In der Praxis zeigt sich der Unterschied jedoch dort, wo Unternehmen ihre täglichen Prozesse digital abbilden müssen. Genau dafür wurde avanta gegründet. Die Plattform richtet sich an Hersteller, Industrieunternehmen und Großhändler, deren Anforderungen über den klassischen Online-Verkauf hinausgehen. Statt B2B-Funktionen nachträglich zu ergänzen, gehören zentrale Prozesse bereits zum Grundprinzip der Plattform.
Dazu zählen beispielsweise kundenindividuelle Preise und Konditionen, Rollen- und Freigabestrukturen oder die Integration von Service- und After-Sales-Prozessen. Auch Szenarien wie PunchOut-Anbindungen, Ersatzteilservices oder Kundenportale sind nicht als Erweiterung gedacht, sondern als Teil einer B2B-Commerce-Plattform, die komplexe Geschäftsprozesse abbilden soll.
Ein zentraler Unterschied liegt dabei weiter im ERP-first-Ansatz. Preise, Sortimente, Kund*innenstrukturen und Auftragsdaten verbleiben in den führenden Systemen des Unternehmens. avanta macht diese Informationen digital nutzbar, ohne sie an mehreren Stellen parallel pflegen zu müssen. Dadurch entsteht kein zusätzlicher Datenbestand im Shop, sondern eine Commerce-Plattform, die sich in bestehende Systemlandschaften integriert.
Besonders relevant ist dieser Ansatz dabei vor allem für Unternehmen, deren Commerce-Prozesse eng mit Vertrieb, Service und Warenwirtschaft verbunden sind. Genau deshalb wird avanta vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Werkzeugindustrie, im Großhandel sowie in weiteren Branchen mit komplexen B2B-Prozessen eingesetzt.
Fazit: B2B-Commerce funktioniert nur so gut wie die Prozesse dahinter
Wer über B2B-Commerce spricht, spricht oft über Funktionen, Plattformen und Systeme. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch häufig eine Ebene tiefer. Denn viele Projekte stoßen nicht an Grenzen, weil dem Shop etwas fehlt. Sie stoßen an Grenzen, weil Prozesse, Daten und Geschäftslogik im Laufe der Zeit immer komplexer werden. Deshalb geht es bei der Auswahl einer Commerce-Plattform nicht nur um die Frage, welche Funktionen heute benötigt werden. Entscheidend ist, wie gut ein Ansatz die Realität des Unternehmens abbilden kann und wie viel Aufwand neue Anforderungen in Zukunft verursachen. Klassische Shopsysteme können für viele Unternehmen die richtige Wahl sein. Werden jedoch individuelle Preisvereinbarungen, Freigabeprozesse, Kundenportale, Serviceleistungen und ERP-Prozesse zum festen Bestandteil des Geschäfts, lohnt sich ein genauerer Blick auf die zugrunde liegende Architektur. Genau hier setzt Native Commerce an: nicht mit möglichst vielen Funktionen, sondern mit dem Anspruch, Commerce als Teil einer größeren Prozesslandschaft zu verstehen. Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht: Welches Shopsystem brauchen wir? Sondern: Passt unser Commerce-Ansatz noch zu der Komplexität unseres Geschäfts? Das ist oft der Moment, in dem Unternehmen erkennen, dass ihr Shop nie das eigentliche Problem war.