KI in der Wirtschaftsprüfung: Was deutsche Prüfungsgesellschaften jetzt fordern
Chantal Seiter2.9.2026
IDC-Studie zeigt, wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland und weltweit KI einführen und welche Standards ihnen dabei wichtig sind
Inhalt
- Deutsche Prüfungskanzleien: vorsichtig, aber entschlossen
- Human in the Loop: Wo die Sorgen liegen
- Welche Skills sind für KI in Prüfungskanzleien jetzt wichtig?
- Vom Piloten zur Transformation
- KI in der Wirtschaftsprüfung: sechs Länder, ein Muster?
- Fazit: KI verändert die Prüfung, aber nicht die Verantwortung
KI hält Einzug in Prüfungsmandate, aber deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wollen dabei nicht um jeden Preis Tempo machen. Eine IDC-Studie im Auftrag des Software-Anbieters Caseware zeigt: 63 Prozent der Kanzleien in Deutschland haben KI bereits in ihre Strategie integriert, testen sie in Pilotprojekten oder setzen sie in einzelnen Bereichen ein. Gleichzeitig fordert die Branche weltweit klare Standards und menschliche Kontrolle, bevor KI tiefer in Prüfungsprozesse eingreift. Was die Studie noch ergeben hat, liest du hier.
Das Wichtigste in Kürze
- 63 Prozent der deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben KI laut der IDC-Studie bereits in ihre Strategie integriert, testen sie in Pilotprojekten oder setzen sie in Teilbereichen ein.
- Weltweit sehen 66 Prozent der befragten Audit- und Accounting-Profis einen dringenden Bedarf an einem global einheitlichen KI-Rahmenwerk.
- Datenanalyse und Technologie-Kompetenz gelten weltweit als wichtigste Skills für Prüfer*innen im KI-Zeitalter, noch vor kritischem Denken.
- Nur rund ein Viertel der Organisationen fühlt sich gut vorbereitet, ihre Teams für den KI-Einsatz weiterzubilden.
Deutsche Prüfungskanzleien: vorsichtig, aber entschlossen
In Deutschland kommt KI in der Wirtschaftsprüfung immer häufiger zum Einsatz: 63 Prozent der Kanzleien haben die Technologie bereits in ihre Strategie integriert, setzen sie in ausgewählten Bereichen ein oder testen sie umfassend. 68 Prozent wollen den Einsatz in den nächsten zwei Jahren ausbauen. Trotzdem bleibt die Zurückhaltung spürbar.
Nur 49 Prozent der deutschen Befragten stimmen zu, dass KI die Prüfungsqualität tatsächlich verbessert, deutlich weniger als in vielen anderen Ländern. 41 Prozent befürchten sogar, dass KI das professionelle Urteilsvermögen beeinträchtigen könnte. Kanzleien, die sich aktuell skeptisch zeigen, wollen vor allem den Nutzen von KI in der Wirtschaftsprüfung verstehen, bevor sie skalieren. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Studie des Research-Unternehmens IDC im Auftrag des Software-Anbieters Caseware: Deutschland führt KI konsequent ein, aber mit angezogener Handbremse bei Vertrauen und Kontrolle.
„In Deutschland gehen Organisationen mit einem hohen Maß an Disziplin an das Thema KI heran. Der Fokus liegt nicht nur darauf, was KI leisten kann, sondern darauf, wie sie sich in der Praxis bewährt, wie sie gesteuert wird und wie sie einer Überprüfung standhält. Deshalb haben wir in den Aufbau einer intelligenteren, leistungsfähigeren und besser gesteuerten KI-Plattform investiert, um die Einführung und das Wachstum von Organisationen zu unterstützen.“ – David Marquis, CEO Caseware
Human in the Loop: Wo die Sorgen liegen
64 Prozent der Befragten in Deutschland sagen, dass Prüfer*innen KI-Ergebnisse immer validieren sollten, bevor sie in fachliche Schlussfolgerungen einfließen. Diese Haltung hat einen Namen: Human in the Loop. Sie beschreibt das Prinzip, dass Menschen jede KI-gestützte Einschätzung prüfen, bevor sie Teil eines Prüfungsurteils wird.
International zeichnet sich ein ähnliches Bild: Mehr als die Hälfte der Entscheider*innen weltweit sind bereit, für mehr Sicherheit auf einen Teil der KI-Leistung zu verzichten. Der Wunsch nach Kontrolle ist also kein deutsches Sonderthema, sondern ein globaler Konsens der Branche. Ein Großteil der Befragten weltweit hält zudem das Risiko algorithmischer Verzerrung in kritischen Bereichen wie Risikobewertung oder Betrugserkennung für relevant – ein Hinweis darauf, wie sehr Vertrauen und nicht nur Effizienz über den KI-Einsatz in der Wirtschaftsprüfung entscheiden.
Die Studie „The Future of Audit and Accounting in the AI Era“ zeigt, wie sich dieses Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Fortschritt über alle sechs untersuchten Märkte hinweg darstellt.
Über die Studie: Die Studie „The Future of Audit and Accounting in the AI Era“ stammt vom Marktforschungsinstitut IDC im Auftrag des Software-Anbieters Caseware. Sie basiert auf einer Befragung von über 1.000 Audit- und Accounting-Verantwortlichen in sechs Ländern, darunter Deutschland.
Welche Skills sind für KI in Prüfungskanzleien jetzt wichtig?
Technologie allein reicht nicht, wenn das Fachwissen fehlt, um sie richtig einzusetzen. Laut Studie sind das die wichtigsten Fähigkeiten für Prüfer*innen im KI-Zeitalter:
- Datenanalyse und Interpretation
- Technologie- und KI-Kompetenz
- Kritisches Denken
- Ethik, Governance und Aufsicht
Datenanalyse und technisches Verständnis stehen dabei vor kritischem Denken. Ein Hinweis darauf, dass die Branche zurzeit eher operative als strategische Kompetenzen aufbaut. Gleichzeitig fühlen sich nur 28 Prozent der Organisationen weltweit gut vorbereitet, ihre Teams entsprechend weiterzubilden. Beim Vertrauen in Schulungsangebote der eigenen Softwareanbietenden sieht es kaum besser aus: 63 Prozent halten die Tools ihrer Anbietenden nicht für umfassend und nutzerfreundlich genug, 65 Prozent bemängeln fehlende Tiefe bei aktuellen KI-Entwicklungen.
In Deutschland verschärft sich das Problem zusätzlich durch den Fachkräftemangel: 41 Prozent der Kanzleien nennen fehlendes technisches Personal als größte Hürde für die KI-Einführung in der Wirtschaftsprüfung – mehr als im globalen Durchschnitt.
„Unser KI-Agent Verity spart Zeit und gibt Sicherheit, weil er direkt verfügbar ist und den gesamten Auftragskontext versteht. Der unmittelbare Zugriff auf kontextbezogene Informationen macht Teams produktiver und lässt sie sich stärker auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren.“ – Andrew Smith, CPO Caseware
Vom Piloten zur Transformation
Rund zwei Drittel der Befragten geben an, dass die Branche einen grundlegenden Neuaufbau der Prüfungsprozesse braucht, um KI wirklich in jede Phase des Workflows einzubetten. Reines Nachrüsten reicht demnach nicht mehr aus. Was diesen Wandel fördert und was ihn bremst, zeigt die Studie ebenfalls, indem sie zwischen Enablern und Barrieren für den effektiven Einsatz von KI in der Wirtschaftsprüfung unterscheidet.
IDC selbst leitet aus den Ergebnissen sechs konkrete Handlungsempfehlungen für Kanzleien ab, unter anderem: Jetzt handeln, statt bei Pilotprojekten stehen zu bleiben, und auf die richtigen Technologiepartner setzen. Was Wirtschaftsprüfungsgesellschaften außerdem aus den Ergebnissen lernen können, erfährst du im Report zur Studie „The Future of Audit and Accounting in the AI Era“.
„Kanzleien suchen nach praktischer KI, die in regulierten Umgebungen messbaren operativen Mehrwert liefert. Wir haben Verity und unsere KI-Agenten so entwickelt, dass sie dort arbeiten, wo Audit-Arbeit tatsächlich stattfindet, mit integrierter Governance und menschlicher Überprüfung in jeder Phase des Workflows.
– David Marquis, CEO Caseware
– David Marquis, CEO Caseware
KI in der Wirtschaftsprüfung: sechs Länder, ein Muster?
Die globale IDC-Studie deckt sechs Märkte ab. Jedes Land zeigt dabei eine eigene Auffälligkeit:
Land | Auffälligster Wert |
|---|---|
Deutschland | 49 % sehen Qualitätsverbesserung durch KI |
Australien | 68 % haben KI in Strategie, Teilbereichen oder Pilotprojekten |
Kanada | 35 % nennen Datenanalyse als wichtigsten Skill |
Niederlande | 60 % fordern durchgängige Validierung von KI-Ergebnissen |
UK und Irland | 80 % sehen dringenden Bedarf an globalem KI-Rahmenwerk |
USA | 36 % befürchten Risiko fürs professionelle Urteilsvermögen |
Kein Land lehnt KI grundsätzlich ab, aber jedes setzt einen anderen Schwerpunkt, von Qualität über Skills bis zu regulatorischer Klarheit. Genau diese Unterschiede machen ein global abgestimmtes Vorgehen, wie es 66 Prozent der Befragten weltweit fordern, zur eigentlichen Herausforderung für den Einsatz von KI in der Wirtschaftsprüfung.
Hinter der Studie steht Caseware, ein Anbieter von cloudbasierter Software für Wirtschaftsprüfung, Finanzberichterstattung und Datenanalyse, der Kund*innen in mehr als 130 Ländern betreut.
Mit der Caseware AI Platform und dem KI-Agenten Verity bindet der Anbieter KI direkt in bestehende Prüfungsworkflows ein. Verity arbeitet dabei im Kontext des jeweiligen Mandats und wendet die Methodik der Kanzlei automatisch an. Das bedeutet:
- Spezialisierte Agenten decken alle vier Phasen eines Prüfungsauftrags ab: Vorbereitung, Planung, Auswertung und Berichterstattung.
- Kanzleien sparen durch den Einsatz von Verity zwischen 107 und 167 Stunden pro Prüfungsauftrag, bei einer um 35 bis 50 Prozent reduzierten Nachweiserhebung.
- Jedes KI-Ergebnis bleibt nachvollziehbar und überprüfbar, bevor es in die Auftragsakte übernommen wird.
Fazit: KI verändert die Prüfung, aber nicht die Verantwortung
Die IDC-Studie zeigt eine Branche, die KI nicht blind übernimmt, sondern bewusst steuert. Deutsche Kanzleien gehen dabei einen Schritt vorsichtiger vor als der globale Durchschnitt, folgen aber demselben Grundsatz: Technologie soll die Arbeit unterstützen, nicht die fachliche Urteilskraft ersetzen.
Die Studie liefert Wirtschaftsprüfungsgesellschaften eine Grundlage, um diese Entwicklung in der eigenen Kanzlei einzuordnen.
Lade dir den Report zur Studie „The Future of Audit and Accounting in the AI Era“ jetzt kostenlos herunter. Zusätzlich solltest du einen Blick auf die Country Statistics zur IDC-Studie über Audit und Accounting werfen. Sie geben dir einen detaillierten Überblick über die regionalen Unterschiede und Besonderheiten.