AI-Slop: Content-Müllhalde oder Marketing-Goldgrube?

Wie KI-Content das Internet flutet und welche Hürden es für Marken schafft, die auf den Zug aufspringen wollen

Inhalt
  1. Was genau ist eigentlich AI-Slop?
  2. Die Entstehung von KI-Müll: Warum AI-Slop das Internet flutet
  3. Warum AI-Slop ein Geschäftsrisiko darstellt
  4. Was AI nicht kann: Ironie und zwischen den Zeilen lesen
  5. Zielguppenbewusstes Marketing
  6. Warum Marken aufpassen müssen: Eine Warnung
  7. Ein gutes Beispiel, mit KI umzugehen
  8. Exkurs: Anti-AI-Marketing
  9. Fazit und Ausblick
Das Wichtigste in Kürze
  • Unter „AI-Slop“ versteht man qualitativ minderwertigen, maschinell erstellten KI-Content ohne menschlichen Verstand, auf den Konsumenten zunehmend allergisch reagieren.
  • Schlechter KI-Einsatz ersetzt das kreative Konzept komplett, während guter KI-Einsatz menschliche Ideen beschleunigt und effizienter umsetzt.
  • Reiner KI-Content scheitert an menschlichen Nuancen wie Humor, Ironie, echtem Gefühl und der Fähigkeit, geschickt zwischen den Zeilen zu lesen.
  • Unternehmen riskieren durch billigen KI-Müll langfristige Imageschäden, da Kunden den Mangel an Mühe und Respekt sofort wahrnehmen.
  • Als Gegenbewegung zum KI-Hype belohnen immer mehr Verbraucher bewusst das Handgemachte, Rohe und spürbar Menschliche im Marketing.
 
 
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Ich öffne Instagram. Eine Werbung wird mir reingespült. Von der Marke "Waterdrop". Im klassischen "Pixar-Look" tanzen fröhliche, mit Augen bestückte Waterdrop-Verpackungen und sprechen miteinander. Welch innovative Idee für eine Werbeanzeige … oder? In der Kommentarspalte der Werbeanzeige ein Bild der Verwüstung.
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Aber warum? Die Leute haben es satt. Ähnlich wie ich. Sie haben keine Lust mehr auf maschinellen Content. Keine Lust mehr auf KI-Figuren, die einem erzählen, man solle das Produkt kaufen. Keine Lust mehr auf Texte ohne Humor, Sinn oder Verstand. Herzlich willkommen im Zug direkt in die Hölle: AI-Slop Express.

Was genau ist eigentlich AI-Slop?

Eigentlich kommt der Name "Slop" aus dem Englischen und bedeutet Schmutzwasser oder Abwasser. Projiziert man das auf KI-Content, lässt sich leicht herleiten, was man unter AI-Slop versteht: Müll. Content-Müll, der von einer KI generiert wurde, egal ob Text, Bild oder Video. Also Content, der sofort als KI-Content identifiziert werden kann. Täglich entstehen so rund 34 Millionen KI-generierte Bilder. Bei dieser Masse ist klar, dass ein Großteil davon wenig Qualität hat oder für eine Marke unbrauchbar ist.
Noch deutlicher wird es bei Social Media: 71% der Bilder dort waren im März 2025 bereits KI-generiert. Wenn wir also von AI-Slop sprechen, dann sprechen wir eigentlich von KI-Inhalten mit sehr niedriger Qualität. Content, der sich damit auszeichnet, dass die Personen dahinter sich kaum Gedanken gemacht haben. Denn ein einfaches Script und danach ein Video im Pixar-Stil zu erstellen, ist mit den aktuellen Mitteln in unter einer Stunde möglich.

Die Entstehung von KI-Müll: Warum AI-Slop das Internet flutet

Wir streben nach Effektivität. Egal wohin man schaut. Jedes Unternehmen möchte gerade auf den schon fahrenden Zug aufspringen, weil geglaubt wird, dass man sonst etwas verpasst. Und vergessen dabei völlig, was wir eigentlich damit aufgeben. Grundlegend hört sich das gut an: Wir geben ein paar Prompts ein, schicken ein paar Bilder hinterher. Und fertig ist die neue Werbeanzeige. Das ist effektives Marketing.
Wozu brauchen wir also noch die teure Agentur und den Grafik-Freelancer, wenn das alles AI kann? Solche Sätze hört man aktuell täglich. Und das Ergebnis sind dann Kampagnen, wie Waterdrop sie macht. Kund*innen reagieren allergisch darauf, es zieht das Markenimage durch den Dreck und schadet am Ende der Marke. Und das nur, weil ein*e Marketing-Manager*in dachte, wir können ein paar Stunden einsparen.

Warum AI-Slop ein Geschäftsrisiko darstellt

Gibt es auch gutes AI für Werbung? Natürlich. KI-Content kann funktionieren. Aber nicht als Ersatz für die Idee. Mehr als Werkzeug im Hintergrund. Der Unterschied ist recht einfach. Schlechter KI-Einsatz heißt: Die KI ersetzt das Konzept. Guter KI-Einsatz heißt hingegen: Das Konzept wird vom Menschen entwickelt und die KI beschleunigt die Umsetzung.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Arbeit: Bei einem Kunden mit 80.000 € Monatsbudget produzieren wir über 40 Creatives pro Woche. Ohne KI im Workflow wäre dieses Tempo kaum machbar. Zumindest nicht mit einer Teamgröße von zwei Projektteilnehmer*innen. Aber jede dieser Anzeigen folgt einem Konzept, das ein Mensch entwickelt hat.
Das ist die Grenze, die getestet werden muss. Und vor allem auch verstanden werden muss. Es sollte nicht heißen: "KI ja oder nein", sondern Unternehmer*innen sollten sich die Frage stellen: "An welcher Stelle im Prozess kann ich KI einsetzen?" Am Beispiel Waterdrop sieht man, was passiert, wenn diese Grenze ignoriert wird. Eine ganze Werbeanzeige wurde vom Script über die Headline bis hin zum Bildmaterial kreiert, ohne dass dahinter eine Idee steht, die noch mal ein Mensch geprüft hat.
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Was AI nicht kann: Ironie und zwischen den Zeilen lesen

Seit Monaten geht es jetzt schon mit sogenannten KI-Agenten los. Ganze Prompt-Fabriken, die Mitarbeiter*innen und Prozesse ersetzen sollen. Ehrlich: Im Alltag habe ich bisher keinen funktionierenden KI-Agenten gesehen, der ernsthaft gute Ergebnisse bei hoher Zeitersparnis liefert. Datenanalysen schon eher.
Aber woran scheitert KI? Frag eine KI mal nach einem richtig guten Witz. Du bekommst etwas, das die Form eines Witzes hat. Aufbau, Pointe, alles da. Nur lachen muss niemand. Das Gleiche bei Ironie. KI kann dir erklären, was Ironie ist. Sie kann sie sogar imitieren, wenn du ein Beispiel vorgibst. Aber sie kann nicht entscheiden, wann ein ironischer Bruch im richtigen Moment sitzt, weil dafür ein Gefühl für die Situation nötig ist, das sie nicht hat.
KI kombiniert vorhandenes Wissen neu. Mehr nicht. Sie erfindet kein Symbol, das eine Marke auf einen Schlag begreifbar macht. Sie liest nicht zwischen den Zeilen, weil zwischen den Zeilen per Definition nichts steht, das sie auslesen könnte. Genau hier liegt der Ursprung von AI-Slop. Marken, die früher an durchdachten Konzepten gearbeitet haben, ersetzen die Idee durch ein Voiceover-Skript und hüpfende Verpackungen im Pixar-Look. Und merken nicht, dass sie das Einzige weggelassen haben, das Werbung wirken lässt.

Zielguppenbewusstes Marketing

Aber dennoch muss man realistisch auf die Sache schauen. Auch wenn sich mir als Designer wegen Claude Design Webseiten die Haare aufstellen. Im Marketing und in der Werbung muss der Köder dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Denn wenn wir KI-Werbung erstellen und damit Kund*innen gewinnen können, ist das Ziel des Unternehmens damit auch erreicht.
Auf kurze Distanz. Was es langfristig mit Marken macht, die auf AI-Slop Ads setzen, können wir aktuell noch nicht sagen. Aber wir können auf einen ehemaligen Trend in der Werbung zurückschauen: Ugly Ads – also Werbeanzeigen, zum Beispiel für Meta, die so nativ aussehen, als würde sie ein dreijähriges Kind gemacht haben.
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Diese Arten von Ads funktionieren auch für viele Marken. Weil sie wirken, als wären sie keine echte Werbung. Für Endkund*innen können Ugly Ads dann also einen besseren Zugang für die Message der Marke sein. Und vielleicht hat KI-Content ein ähnliches Schicksal. Für die einen Marken passt es, für die anderen muss ein Mittelweg gefunden werden. Wichtig ist dabei eins: Ugly Ads funktionieren nicht, weil sie billig sind, sondern weil ein Mensch sich bewusst für das Rohe entschieden hat. Es steckt eine Absicht dahinter. Genau diese Absicht ist es, die Kund*innen spüren. Und genau sie fehlt beim AI-Slop.

Warum Marken aufpassen müssen: Eine Warnung

Die Rechnung wirkt verlockend. Ich kenne das selbst aus meiner Agenturzeit: Ein paar Stunden gespart, ein kleiner Prompt und dann ein fertiges Video, ohne ein Shooting zu machen. Genial! Was in dieser Rechnung fehlt, ist der Preis, den die Marke zahlt, wenn es floppt. Wenn Kund*innen die billige Kopie einer Animation erkennen. Wenn einzelne Schriftzüge Hieroglyphen ähneln. Wenn Hände plötzlich sechs Finger haben.
Sowas ärgert nicht nur die Kund*innen, sondern macht das Markenimage kaputt, das man über Jahre präzise aufgebaut hat. Wer KI-Slop ausspielt, gibt den Kund*innen ein klares Signal: Uns war der schnelle Weg (und damit das Geld) wichtiger als ihr. Im Umkehrschluss bleibt bei den Kund*innen nur noch ein Gefühl: Marken, vielleicht sogar Lieblingsmarken, geben sich in einer umkämpften Welt nicht mal mehr Mühe, eine humorvolle oder smarte Werbeanzeige zu gestalten. Sie wollen einfach nur durch billige KI-Werbung Aufmerksamkeit generieren.
Das wäre, als würde Apple heute einen Plastiklaptop rausbringen. Kund*innen würden sich verarscht fühlen. Für billig verkauft. Genau das lesen die Leute heraus, und genau deshalb reagieren sie so allergisch. Es geht nicht um die Technik. Es geht um das Signal von Respektlosigkeit, das mitschwingt.

Ein gutes Beispiel, mit KI umzugehen

Die spannende Frage ist also: Kann man trotzdem gute Werbung mit KI machen? Geht KI im Marketing auch ohne AI-Slop? Ja. Und einige Start-ups machen es vor. Zum Beispiel Lyfe.ads von Pheline Huber. Die Idee dahinter: kostenlose Tampons, finanziert durch Werbung auf den Verpackungen statt durch die Frauen selbst. Auf dem OMR-Festival 2026 hat sie genau diese Botschaft in ein teil KI-generiertes Bild gepackt.
"Free Tampons. Paid by Ads, not Women." Ein Kassenbon, der als Tampon zwischen den Beinen heraushängt und in einer Blutlache endet. Es war fast unmöglich, nicht kurz vor diesem Bild stehenzubleiben und zu staunen. Spannend daran: Auf dem Festival hatten gefühlt unzählige Stände KI auf der Rückwand stehen. Aber Lyfe.ads war einer der wenigen, der KI tatsächlich genutzt hat, um sein Design zu bauen.
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Die Entstehung war dabei erstaunlich simpel. Pheline und ihre Designerin Jenny sahen ein Ursprungsbild und hatten sofort die Idee: ein blutiger Kassenzettel davor, ganz im Sinne von "so lässt das Geld für Menstruationsartikel Frauen bluten, auch finanziell". Jenny, die sich seit Längerem mit Design und KI beschäftigt, hat dann losgepromptet, die finalen Details auf dem Kassenzettel eingefügt, fertig. Aus der Idee "ein Kassenzettel, der sich in Blut verwandelt" wurde in kürzester Zeit ein fertiges Motiv.
Genau das ist der Punkt. Hier trifft eine clevere Idee auf ein gut gemachtes KI-Bild, das dem Start-up sonst tausende Euro an Produktion gekostet hätte. Pheline bringt es selbst auf den Punkt: "Es hat mal wieder gezeigt, dass es wirklich essenziell ist, zu wissen, wie man die Tools benutzt." Kein AI-Slop, sondern KI an der richtigen Stelle im Prozess: nicht statt der Idee, sondern hinter ihr, bedient von jemandem, der das Handwerk versteht.

Exkurs: Anti-AI-Marketing

Während die einen tiefer ins KI-Business eintauchen, entsteht auf der anderen Seite eine Gegenbewegung. Das Anti-AI-Movement. Eine wachsende Gruppe Menschen, die sichtbar genug von maschinellem Content hat, dass sie aktiv das Gegenteil belohnt. Echte Schreibfehler. Einen Gag, den nur ein Mensch geschrieben haben kann. Und den Beweis, dass ein Mensch sich Zeit genommen hat.
Apple hat das früh verstanden und in Behind-the-Scenes-Spots gezeigt, wie viel menschliche Arbeit hinter ihren Produkten steckt. Das ist kein Zufall, das ist PR-getriebene Positionierung auf einem Markt, der von AI-Slop-Bildern überquillt. Für Marken, die heute schon tief im KI-Content stecken, könnte genau diese Gegenbewegung zum Problem werden. Denn was als Effizienzvorteil begann, wird zum Bekenntnis: Wir haben uns für die Maschine entschieden. Und manche Kund*innen entscheiden sich daraufhin gegen die Marke.
Denn Apple hat hier eins verstanden: Einer ihrer Markenwerte ist Perfektion bis ins letzte Detail. Und genau das lässt KI aktuell nicht zu. Zwar kann man Bildelemente austauschen, täuschend echte Szenen in 3D umsetzen und vieles mehr. Aber nichts ersetzt einen PR-Gag, der zeigt, dass man das Apple-TV-Intro samt Behind-the-Scenes-Video per Hand gefilmt hat. Das Logo aus Plexiglas geschnitten, im Studio aufgehängt, das Licht von Hand gesetzt. Für ein Video, das viele Designer*innen mit einem Animationsprogramm und etwas KI genauso hinbekommen hätten.
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Ein Behind-The-Scenes Bild, wie Apple den Intro Spot vorbereitet

Fazit und Ausblick

AI-Slop ist kein KI-Problem. Es ist ein Denkfaulheits-Problem. Die KI liefert nur, was vorher als Prompt formuliert wurde. Egal ob mit oder ohne KI, wer Werbung mit diesem Anspruch erstellt, wird früher oder später Spott ernten. Zu Recht. Denn gute Werbung braucht smarte Köpfe. Egal ob mit oder ohne KI.
Die Marken, die gewinnen, setzen KI nicht für AI-Slop ein, um schnell an ein paar Creatives zu kommen. Sie nutzen KI, um Prozesse zu vereinfachen. Die Brands, die das verstanden haben, sparen in der Umsetzung Zeit und können sie in das investieren, wo die künstliche Intelligenz scheitert: Humor, Ironie, den Mut zum ungewöhnlichen Symbol, das Gefühl für den richtigen Moment. Lyfe.ads hat genau das vorgegeben. Waterdrop hat dafür die UNO-Reverse-Karte gespielt. Zum Nachteil für sie.
Und es geht um mehr als gute Werbung. Die Werkzeuge, mit denen wir heute denken und gestalten, gehören einer Handvoll Tech-Konzernen. Wer die Menschen dahinter für neutrale Weltverbesserer hält, sollte Aya Jaffs "Broligarchie" lesen. Die Digitalunternehmerin war selbst Teil dieser Welt und zeigt, dass es Männern wie Musk oder Zuckerberg nicht darum geht, die Welt zu retten, sondern sie zu besitzen.
Wenn wir als Designer*innen und Marketingverantwortliche verlernen, kreativ zu denken, und alles der KI überlassen, verlernen wir auch, kritisch zu denken. Wir hören auf, Politik, Konzerne und am Ende sogar Werbung zu hinterfragen. Genau deshalb sollte man nicht blind auf OpenAI ChatGPT oder Claude vertrauen und schon gar nicht jedem KI-Fanatiker auf LinkedIn alles nachplappern.
Der Köder muss dem Fisch schmecken. Aber den Köder erfindet immer noch der Angler. Menschen kaufen von Menschen, nicht von einer KI. Und Humor, Kreativität, Ironie und Zynismus sind von einer KI erklärbar, aber die KI schafft es nicht, diese mit Geschmack und Menschenverstand sinnvoll einzusetzen. Das ist die eine Regel, die jeden Tech-Trend überlebt, und der einzige verlässliche Filter gegen AI-Slop.
 
 
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Benjamin Seuss

Benjamin Seuss ist ein Fachmann im Bereich Medienproduktion und Online-Marketing. Seit seinem 13. Lebensjahr hat er Erfahrungen vor und hinter der Kamera gesammelt. Mit seinem umfangreichen Wissen über Onlinewerbung unterstützt er Unternehmen aus dem E-Commerce- und Web-App-Bereich bei der Skalierung ihrer Marke mittels Facebook-Ads. Seine Mission ist es, Unternehmen, die den digitalen Mehrwert für ihr Business erkennen, dabei zu helfen, ihr Unternehmen mithilfe von einfachem und effektivem Online-Marketing auf- und auszubauen.

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