Hier kommen die OMR50 des Jahres 2024

OMR präsentiert: Macher*innen sagenhafter Reichweiten, viraler Momente und millionenschwerer Exits

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Sie sind zurück: die OMR50. Wie in jedem Jahr hat die OMR-Redaktion aus den besten Storys, Beobachtungen der Branche und Digitalbiz-News ihre persönlichen – und natürlich komplett subjektiven – Favorit*innen ausgewählt: Wer hat sagenhafte Reichweiten erschaffen, virale Momente kreiert, einen millionenschweren und beeindruckenden Exit hingelegt oder ist gerade dabei, die Digitalwirtschaft der Zukunft zu erfinden? Die Antwort gibt es hier. Von Newcomer*innen bis zu etablierten Playern ist alles dabei. Los geht’s. Bühne frei für die OMR50 des Jahres 2024, präsentiert von OMR und Horizont.

1. Susanne Klatten, Unternehmerin und Investorin

Familienunternehmertum ist beides, Fetisch und Gründungsmythos von Europas führender Industrienation. Jemand hat eine Idee, geht ins Risiko, startet eine Firma, schafft Wohlstand – so die knappe Erfolgsformel dessen, was man neudeutsch Startup nennt. Dass es davon mehr gibt und dem Familienunternehmertum somit nicht der Nachwuchs ausgeht, dieser Mission hat sich Susanne Klatten verschrieben. "Die BMW-Erbin ist der vielleicht wichtigste Motor der deutschen Startup-Szene", huldigte ihr einmal das "Handelsblatt" und setzte etwas kitschig fort, sie agiere dabei "so lautlos und geschmeidig wie einer der hauseigenen Sechszylindermotoren".

Aber es stimmt ja: Die Investorin, die sich als Unternehmerin versteht, gehörte 2002 zu den Initiator*innen von UnternehmerTUM. Das an die Technische Universität München (TUM) angelagerte Gründerzentrum spuckt jede Woche ein neues Startup aus. Nicht alle werden Unicorns, aber mit Flix Mobility, Tado, Celonis oder Personio (die Gründer im Podcast) ist die Alumni-Liste von UnternehmerTUM mehr als vorzeigbar. Vor allem: Jahr für Jahr werden 5.000 junge Menschen durch das Gründerzentrum gespült, was es zum Flywheel für den Deep-Tech-Standort München gemacht hat. 

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Unternehmerin und Investorin Susanne Klatten (Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images)

In und um die Stadt sammeln sich Startups, die von ingenieurtechnischen Innovationen getrieben werden und so viel Wagniskapital im Jahr einsammeln, dass es für einen Stammplatz in einer der europäischen Top-Ten-Gründermetropolen reicht. Als starker Industrie- und Tech-Standort bietet München guten Boden. Dass darauf immer mehr erfolgreiche Jungfirmen sprießen, verdankt die Stadt nicht zuletzt UnternehmerTUM sowie dem Exzellenz-Programm CDTM, wo jeweils 25 Ausnahmestudierende pro Semester ein Zusatzstudium in Technologie-Management durchlaufen, das ebenfalls von Klatten angeschoben wurde.

So wenig bekannt ist, wie viel die reichste Deutsche bereits in den Aufbau der Familienunternehmen der nächsten Generation investiert hat, lässt sich auch ihr Anteil am Aufstieg des Münchner Ökosystems zu einem der erfolgreichsten in Deutschland beziffern. Sicher ist: Er kann nicht unterschätzt werden. 

Aktuell treiben Klatten und UnternehmerTUM die europäische Vernetzung von Gründerzentren voran. Ziel: den Kontinent auf Augenhöhe mit den USA zu bringen. Dazu gehört dann, Hypethemen nicht nur als VC-Geld-Magneten zu sehen, sondern etwa als "angewandte" KI in nachhaltige Businessmodelle zu übersetzen.

2. Christian Müller & Rolf Schumann, Co-CEOs Schwarz Digits & Tanja Rückert, CDO bei Bosch

Selbst Vizekanzler Robert Habeck kommt im vergangenen November in die Landesvertretung von Baden-Württemberg, um zu gratulieren: Jonas Andrulis (im vergangenen Jahr bei OMR50 auf dem ersten Platz), Gründer des deutschen KI-Startups Aleph Alpha, verkündet die jüngste Funding-Runde im Umfang von 500 Millionen US-Dollar. Die sollen dabei helfen, "souveräne KI-Lösungen für Unternehmen und Behörden bereitzustellen".

Nicht nur Habecks Anwesenheit signalisiert nationale Tragweite: Die Finanzspritze kommt von einem Investment-Konsortium, zu dem mehrere große deutsche Konzerne gehören, wie die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), Bosch, SAP und Burda. Offensichtlich haben die deutschen Firmen Sorge, im KI-Wettrennen noch stärker von US-amerikanischen Unternehmen abhängig zu werden – und wollen einen deutschen Player stärken.

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Die Co-CEOs von Schwarz Digits: Christian Müller und Rolf Schumann (v.l.)

Schwarz und Bosch führen die Runde sogar als Lead-Investoren an. "Die Weiterentwicklung von generativer KI wird entscheidend sein für die technologische Souveränität Europas", lässt sich Bosch-Geschäftsführerin und Digital-Chefin Tanja Rückert zitieren. Auch die Schwarz Gruppe glaubt: "Diese strategische Investition wird die deutsche und europäische KI-Position für die Entwicklung von souveräner KI weiter stärken."

Der Handelsriese hat sich gleich mit zwei Gesellschaften beteiligt: der "Innovation Park Artificial Intelligence", die am Firmensitz in Heilbronn einen Campus für "das größte Ökosystem für künstliche Intelligenz in Europa" einrichten will, sowie der neuen Digital- und Cloud-Sparte Schwarz Digits. Robert Habeck begrüßt laut "Welt" die Investitionsfreude der Unternehmen: "Gratulation den Investoren, dass Sie sich dazu durchgerungen haben, Gewinne zu machen." Gleichzeitig sieht er mit Sorge, dass in den USA zehnmal so viel Geld investiert wird: "Wir müssen echt Hackengas geben, um nicht total abgehängt zu werden."

3. Ayliva, Musikerin

Ayliva gilt als eine der verheißungsvollsten Newcomerinnen des vergangenen Jahres. Die Sängerin mit türkischen Wurzeln hat erst vor drei Jahren ihr erstes Tiktok-Video gepostet – ein Snippet ihrer Debütsingle "Deine Schuld". Bereits dieses Video ging viral. Ihr Tiktok mit den meisten Views, bisher 16,7 Millionen, nimmt darauf Bezug. Ayliva, mit bürgerlichem Namen Elif Akar, spielt darin eine aggressive Sprachnachricht ihres Ex-Freundes ab, der sie auffordert, den Song nicht zu veröffentlichen. Zum Glück hat die Musikerin sich davon nicht beeindrucken lassen.

Auf "Deine Schuld" folgte im Juni 2022 der Auftritt als Support Act bei der Welttournee von Alicia Keys in Berlin und Mannheim vor mehr als 15.000 Zuschauer*innen. Anfang 2023 kam die Video-Single „Sie weiß“ mit dem deutschen Rapper Mero heraus. Der Song konnte sich zwei Wochen lang auf Platz eins der deutschen Single-Charts platzieren. Ihr zweites Studioalbum "Schwarzes Herz" landete im August 2023 auf Platz 1 der Album-Charts.

Ayliva stellte damit gleich zwei Streaming-Rekorde auf: Mit 7,6 Millionen Streams wird sie meistgestreamter weiblicher Act an einem Tag in Deutschland und mit mehr als 40 Millionen Abrufen der am meisten gestreamte weibliche Act in Deutschland innerhalb einer Woche. Mittlerweile hat sie rund 4,4 Millionen monatliche Hörer*innen auf Spotify. "Sie weiß" wurde dort mehr als 115 Millionen Mal abgerufen.

Im vergangenen Jahr wurde die Sängerin mit dem Bambi-Publikumspreis als "Künstlerin des Jahres 2023" ausgezeichnet. Die Themen ihrer Powerballaden sind Liebe, Trennungen und Herzschmerz, aber auch toxische Beziehungen. Ayliva steht für Empowerment und gilt als Sprachrohr für Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben. Im September steht ihre nächste Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz an – die ist bereits jetzt nahezu ausverkauft.

4. André Christ, Gründer LeanIX

Drei Jahre dauerte es, den ersten Investor für LeanIX zu gewinnen – obwohl Capnamic-Gründer Jörg Binnenbrücker sogar der frühere Tennis-Trainer von Gründer André Christ war. Am Ende überzeugten Zahlen und Vision. Während seiner Zeit beim DAX-Konzern Deutsche Post hatte der Wirtschaftsinformatiker erlebt, wie sich Projekte verzögern, weil niemand den Überblick über die zig Software-Lösungen hat, die speziell in Großkonzernen im Einsatz sind. Die Lösung: Enterprise Architecture Management – das entwickelten André Christ und sein Co-Gründer Jörg Beyer mit LeanIX nach der Gründung 2012.

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LeanIX-Gründer und CEO André Christ

Viele nahmen davon erst 2020 Notiz, als unter anderem Goldman Sachs bei LeanIX einstieg und die Bewertung des Startups auf mehrere hundert Millionen US-Dollar schnellte. (Mehr dazu gibt es in dieser OMR Podcast-Folge von damals.) Jörg Beyer war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen, heute führt Christ die Firma allein. LeanIX hat inzwischen rund 1.000 Kunden, darunter etwa die Hälfte der deutschen DAX-40-Konzerne.

2023 dann der nächste Schritt: Der Software-Riese SAP übernahm LeanIX für eine kolportierte Summe von mehr als einer Milliarde US-Dollar. André Christ bleibt auch nach dem Exit an Bord. Mit seinem früheren Tennis-Trainer und Investor Binnenbrücker ist er noch immer befreundet – und bescherte diesem einen der erfolgreichsten Exits seiner Karriere.

5. Ulrich Prediger & Holger Tumat, Gründer von Jobrad

Die Story von Jobrad ist besonders: Vor 15 Jahren wollte Ulrich Prediger von seinem Arbeitgeber keinen Dienstwagen haben, sondern ein Dienstfahrrad. Gab es aber nicht. Also witterte er eine Geschäftsidee und legte los. Wäre ihm damals klar gewesen, dass diese erst funktionieren kann, wenn Gesetze geändert werden, so Prediger einmal im OMR Podcast, er hätte sich nie an den Aufbau von Jobrad gewagt.

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Jobrad-Pioniere Ulrich Prediger und Holger Tumat (Foto: Jobrad)

Zum Glück hat er es doch getan. Denn Prediger und dem bald hinzugestoßenen Holger Tumat gelang es, dass heute auch Fahrräder steuerlich begünstigt werden und so für die Nutzer*innen bis zu 40 Prozent günstiger werden. Dank E-Bike-Boom floriert auch das Jobrad-Konzept – täglich wickeln die Freiburger bis zu 1.500 Verträge ab. Der Umsatz durchbrach 2022 die Milliardengrenze – trotz zahlreicher Mitbewerber, die das Modell kopieren. Und es geht weiter.

2023 konnte Jobrad die Vorjahreszahlen erneut übertreffen. Außerdem stellen Prediger und Tumat ihre Firma gerade breiter auf. Jobrad hilft der noch immer sehr analogen Bikebranche bei der Digitalisierung. Und im neuen Jobrad-Inkubator werden Produkte und Geschäftsmodelle rund ums Fahrrad zur Marktreife ausgebrütet.

6. Jan Leike, Superalignment Co-Lead bei OpenAI

"Dieser Deutsche soll verhindern, dass ChatGPT zum Killer-Roboter wird!" – So würde die "Bild"-Zeitung vermutlich über Jan Leike titeln, wenn ihr bewusst wäre, dass bei OpenAI ein Deutscher an entscheidender Stelle sitzt. Leike leitet seit dem vergangenen Jahr das "Superalignment"-Team, gemeinsam mit OpenAI-Mitgründer und Forschungschef Ilya Sutskever.

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Jan Leike von OpenAI

Das neue Team soll das "Misalignment", also eine unerwünschte, gefährliche "Ausrichtung" einer potenziellen Super-KI verhindern. Die Lösung? "Scalable Oversight" – eine KI, die so intelligent ist wie ein Mensch und dann automatisiert erforschen soll, wie sich eine Super-KI kontrollieren lassen könnte. Außer selbst zu forschen, stellt OpenAI unabhängigen Forscher*innen nach eigenen Angaben auch insgesamt zehn Millionen US-Dollar an Forschungsbeihilfen zur Verfügung.

Die bisherigen Stationen in der rasanten Karriere des 36-jährigen Leike: Studium in Freiburg, PhD in Canberra, Postdoc in Oxford. Von dort wechselte er zum von Google aufgekauften KI-Unternehmen Deepmind, 2021 schließlich zu OpenAI. Das US-Magazin "Time" zählte Leike im vergangenen Jahr zu den 100 einflussreichsten Menschen im KI-Bereich.

7. Tina Klüwer, Abteilungsleiterin im BMBF

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Tina Klüwer (Foto: K.I.E.Z/Tanja Schnitzler)

Deutschlands Souveränität im Bereich der Technologien werde 2024 und darüber hinaus immer mehr Bedeutung erlangen, schrieb Tina Klüwer neulich in einem Post bei LinkedIn. Und weiter, dass sie jetzt an genau der richtigen Stelle sitze, um dabei zu helfen, dass exzellente Forschung in den wichtigen Technologien in Deutschland stattfindet und – genauso bedeutend – in Innovationen transferiert wird. 

Seit Dezember 2023 leitet Klüwer die Abteilung "Forschung für Technologische Souveränität und Innovation“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Mit Blick auf die Tech-Themen, die gerade am heißesten diskutiert werden, ist dieser Posten definitiv in kompetenten Händen. Vor dem Wechsel ins BMBF war Klüwer Director AI beim K.I.E.Z., dem Künstliche Intelligenz Entrepreneurship Zentrum in Berlin.

Das Thema KI beschäftigte die studierte Germanistin, Philosophin und Computerlinguistin schon lange vor dem aktuellen Hype. Ihre Promotion trägt den Titel "Modellierung von sozialen Signalen in Chatbots". Und als Gründerin und Geschäftsführerin einer mittlerweile verkauften Firma für KI-Tools im Customer-Support weiß sie zudem, wie man das Potenzial neuer Technologie in Produkte und Businesspläne übersetzt.

8. Johannes Reck, Co-Founder & CEO Getyourguide

Am 2. April 2020 notierte das Robert-Koch-Institut 73.522 bestätigte Covid-19-Erkrankungen in Deutschland, während das Virus parallel in den USA begann, seine volle Wucht zu entfalten. Doch all das war für Johannes Reck in diesem Moment zweitrangig, als er mit seiner hochschwangeren Frau am Tisch saß und zu seinem ungeborenen Sohn in ihrem Bauch sprach: "So, jetzt darfst du kommen."

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Getyourgide-Gründer Johannes Reck

Hinter Johannes Reck lagen die nervenaufreibendsten Wochen seines Lebens, denn das Virus sorgte für einen nahezu weltweiten Stopp in der Tourismusbranche. Flugzeuge blieben am Boden, Hotels geschlossen – und Reiseerlebnisse, die Reck mit der Plattform Getyourguide vermittelt, waren plötzlich kein Geschäftsmodell mehr. Das Startup, gerade eben noch mit Milliarden bewertet, war plötzlich in der Krise.

Schon im Februar hatten asiatische Investoren Reck vor dem Virus gewarnt, das Team hatte Kurzarbeit für den Großteil der damals rund 700 Mitarbeitenden vorbereitet, die Kosten radikal gesenkt. Bis April 2020 stand der Plan. Inzwischen ist Getyourguide zurück in der Erfolgsspur, die Umsätze sind rasant gestiegen, seit Juni 2023 schreibt das Unternehmen konstant schwarze Zahlen. Ein Börsengang dürfte folgen.

9. Verena Pausder, Vorsitzende Bundesverband Deutsche Startups

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Startup Verband-Chefin Verena Pausder (Foto: Patrycia Lukas)

Der deutsche Startup-Verband hat eine neue Chefin: Zusammen mit einem neunköpfigen Team will sich Unternehmerin und Investorin Verena Pausder in ihrer zweijährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzende viele Themen vorknöpfen, die die Startup-Szene beschäftigen. Die Rolle, die sie von Christian Miele übernommen hat, passe gut zu ihr, erzählte Pausder zuletzt im OMR Podcast, "weil ich bin ja immer so halb politisch in allem, was ich mache und gleichzeitig habe ich großen Respekt davor, wirklich Politikerin zu werden."

Den Startup-Verband sieht sie als guten Kompromiss, um sich einzumischen, die Startup-Szene zu repräsentieren und Themen, die diese umtreiben, Richtung Politik legitimiert zu vertreten. Unter anderem auf der Agenda: Top-Talenten den Weg nach Deutschland zu erleichtern, mehr Diversität in der Startup-Szene zu schaffen und Deeptech-Gründungen nachhaltig zu fördern.

Dafür hat sie ein Vorstandsteam zusammengestellt, mit dem sie die Themen angehen will: "Ich habe geguckt, wie decken wir die Bereiche ab, die für die Startup-Szene wichtig sind: KI, Deeptech. Wie kriegen wir Innovation schneller aus den Hochschulen raus? Wie kriegen wir mehr Wachstumspotenzial, vor allem in den späteren Runden?", erklärt sie. Zuletzt rückte Verena Pausder auch mit einem anderen politischen Thema (mal wieder) in die Öffentlichkeit: Mit einer Petition im Bundestag kämpfte sie gegen die von der Ampelkoalition geplante Elterngeldstreichung. 

10. Zarah Bruhn, Gründerin & CEO Socialbee

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Socialbee-Mitgründerin Zahra Bruhn (Foto: Hans-Joachim Rickel)

Eigentlich wollte Zarah Bruhn nach dem BWL-Studium Investmentbankerin werden – stattdessen gründete sie ein Social-Startup. Socialbee hilft Geflüchteten bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Das Unternehmen arbeitet dafür nicht nur mit den Jobsuchenden, sondern auch mit Konzernen wie Beiersdorf zusammen. 2016 startete Bruhn Socialbee mit ihrem Kommilitonen Maximilian Felsner in München. 

Der Sinneswandel kam ein Jahr zuvor, als sie während der Flüchtlingskrise ehrenamtlich am Münchner Hauptbahnhof half, die Geflüchteten in Empfang zu nehmen. Socialbee fokussiert sich nicht nur auf einfache Tätigkeiten im Logistikbereich, sondern will Menschen mit Vorerfahrung auch für Marketing-Jobs fit machen. Mehr als 1.300 Menschen wurden schon vermittelt. Im OMR Podcast sagte Bruhn unlängst, Ziel sei es, die europäische Nummer Eins bei dem Thema zu werden.

Sie selbst muss ihre Zeit gut einteilen, denn seit 2022 ist Bruhn außerdem Beauftragte für soziale Innovationen im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Position wurde von Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) neu geschaffenen, und Bruhn soll helfen, die Rahmenbedingungen für das Thema Social Entrepreneurship zu verbessern.

11. Ski Aggu, Musiker

Seit Ski Aggu im Oktober 2022 mit dem längst mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichneten Song "Party Sahne" einen viralen Hit landete, geht es nur noch bergauf. Ständiger Gast in Spotifys Top 50, Nummer-1-Platzierungen in den Single- und Albumcharts, ausverkaufte Tour. Als im Sommer 2023 die Gabber-Pop-Neuinterpretation von Otto Waalkes "Friesenjung" dann auf Tiktok viral geht, kämpft Aggus Community für die Freigabe des Samples.

Am Ende unterstützt die Comedy-Legende nicht nur bei der Promo und taucht im Musikvideo auf, sondern tritt gemeinsam mit Ski Aggu auch beim Splash, Deutschlands größtem Hip-Hop-Festival, auf. Maßgeblich am Erfolg beteiligt: Leander Kirschner. Der CEO von Bamboo Artists hatte das Potenzial zu einem Zeitpunkt erkannt, als Aggus Hype seine allerersten Anfänge nahm.

12. Hanna Asmussen, Lisa Dahlke & Franzi Löw, Gründerinnen Localyze

Für ein Startup, das Firmen hilft, Personal ins Ausland zu schicken, war Corona keine willkommene Herausforderung. Doch Hanna Asmussen gewinnt der Pandemie eine positive Seite ab. Jetzt wisse jede*r, wie komplex das Thema Global Mobility ist – von Fragen zu Visum und Arbeitserlaubnis bis zu umzugspraktischen Dingen. Das von Asmussen, Lisa Dahlke und Franzi Löw 2018 in Hamburg gegründete Startup Localyze hat eine Plattform entwickelt, die alle Schritte des Prozesses abbildet und organisieren hilft.

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Die Localyze-Gründerinnen: Hanna Asmussen, Lisa Dahlke, Franzi Löw (v.l)

2021 arbeitete das SaaS-Startup erstmals profitabel und konnte im Folgejahr 35 Millionen Euro einsammeln. Damit schalteten die Gründerinnen dann direkt auf Expansionsmodus. 2023 wurde der US-Markt erschlossen, 2024 soll der nächste Kontinent folgen. Nach dem Corona-Tal sind die Experten für Mitarbeitenden-Mobilität wieder oben auf.

13. Susanne Daubner "Tagesschau"-Sprecherin

Susanne Daubner präsentiert seit mehr als 20 Jahren die wichtigsten Nachrichten um 20 Uhr in der Tagesschau – doch durch das Internet ist sie auch abseits des linearen Fernsehens bekannt geworden. Ihre nüchtern vorgetragenen Beiträge zu den Jugendwörtern des Jahres sind zum Meme geworden, Videos erzielen Millionenaufrufe, wenn sie darin etwa das Wort "Cringe" erklärt und dazu mit ernster Miene sagt: "Cringe ist das Gefühl, das Sie haben, wenn ich sage: Digga, wie fly ist eigentlich die Tagesschau, wenn sie mit Jugendwörtern flext." Doch auch ein Video mit einem Lachanfall von ihr ging zuletzt viral. Susanne Daubner ist inzwischen auch ein Internet-Promi – obwohl die 62-Jährige selbst gar keine großen Accounts in den Netzwerken hat.

14. Torsten Reil, Gründer & CEO von Helsing

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Torsten Reil, Foto: Helsing

Mit KI befasst sich Torsten Reil seit mehr als 20 Jahren, lange allerdings auf weniger ernstem Terrain als heute. 2001 gründete der Studienabbrecher in Oxford Natural Motion, das natürliche Bewegungsabläufe für Gaming und Hollywood virtualisiert und im Hintergrund vieler Blockbuster wie "Herr der Ringe" oder "GTA V" wirkte. 2014 gelang dann ein 527-Millionen-Dollar-Exit an den Spiele-Hersteller Zynga.

2017 verließ Reil die Firma und bereitete das nächste Unternehmen vor: Helsing. Dort geht es nun um alles andere als Spielkram. Das von Reil mitgegründete Startup arbeitet seit 2021 in München daran, die Kampfkraft älterer Panzer, Jets und Kriegsschiffe durch KI zu steigern. Das Timing ist nahezu ideal – auch wenn das angesichts multipler Krisen in der Welt zynisch klingen mag. Seit einer Funding-Runde im Herbst 2023 gilt Helsing als erstes Rüstungs-Unicorn Europas.

15. Lena Hackelöer, Gründerin & CEO von Brite

Lena Hackelöer ist Gründerin des Fintechs Brite, das Ende 2023 mit einer 60-Millionen-Dollar-Runde für Aufsehen sorgte. Das 2019 gegründete Unternehmen ermöglicht Zahlungen innerhalb von Sekunden ohne Login oder App. Hackelöer kennt sich im Fintech-Bereich gut aus, während ihres Studiums in Frankreich lockte Klarna sie nach Stockholm.

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Brite-Gründerin Lena Hackelöer

So konnte sie früh beim Aufbau des zwischenzeitlich wertvollsten europäischen Startups dabei sein. Mehr als sechs Jahre begleitete sie Klarnas Aufstieg. Sie entwickelte dort das globale B2B-Marketing und verantwortete vor ihrem Abschied auch die Marke Sofort. Börsenluft schnupperte sie anschließend beim Finanzunternehmen Qliro, das genau wie Brite seinen Sitz in Stockholm hat, wo die Deutsch-Schwedin Hackelöer lebt.

16. Alex Blania, Gründer von Tools for Humanity / Worldcoin

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Worldcoin-Mitinitiator Alex Blania

Mit seinem Kryptoprojekt Worldcoin spaltet er die Techwelt: Alex Blania. Der CEO und Mitgründer von Tools for Humanity (TfH) kommt aus der Nähe von Nürnberg, doch wenn man ihm zuhört, wie zuletzt im OMR Podcast, ist das aufgrund seines amerikanischen Akzents kaum zu erkennen. Blania hat Physik und Wirtschaftsingenieurwesen am Max-Planck-Institut in Erlangen und am California Institute of Technology studiert. Das Projekt Worldcoin hat er zusammen mit OpenAI-Gründer und KI-Pionier Sam Altman initiiert. Ihre gemeinsame Vision: Eine globale Digitalwährung aufzubauen, um das Identitätsproblem im Internet zu lösen. Mittels sogenannter Orbs können Menschen ihre Iris scannen lassen, um dann online beweisen zu können, dass sie Menschen sind. Im Gegenzug gibt's einen digitalen Pass namens World ID.

17. Rasmus Rothe & Adrian Locher, Gründer Merantix

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Merantix-Gründer Adrian Locher und Rasmus Rothe (Foto: Jan Scholzel)

Der Hype um KI hat Bewegung in die VC-Szene gebracht. Um im Rennen um die besten Köpfe und Ideen nicht den Anschluss zu verlieren, reagiert Merantix. Der 2016 von Adrian Locher und Rasmus Rothe gegründete, auf KI-Startups spezialisierte VC ändert seine Strategie. Bislang als Venture-Studio und Inkubator für KI-Firmen tätig, haben die Berliner nun einen 100-Millionen-Euro-Fonds aufgelegt. Zwar ist die Hälfte des Geldes für Unternemen aus Merantix' Bestands-Portfolio reserviert, und ein weiteres Viertel soll nach bekanntem Muster in eigene Neugründungen fließen. Doch 25 Millionen Euro hat Merantix für externe Investments abgestellt. Nicht wenig Geld, bedenkt man, dass der aktuelle Merantix-Fonds überhaupt nur 35 Millionen Euro groß ist.

18. Jessica Jeworutzki, Gründerin & CEO Brammibals Donuts

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Jessica Jeworutzki, Gründerin & CEO Brammibals Donuts

Mit Brammibals Donuts, der ersten veganen Donut-Kette in Europa, hat sich Jessica Jeworutzki zusammen mit ihrem Partner Bram von Montfort einen Traum erfüllt und ein erfolgreiches Business aufgebaut. Ihre Kreationen mit Namen wie "Brownie Cheesecake", "Strawberry Pretzel" oder "Bienenstich" werden täglich in Handarbeit in Backstuben in Berlin-Neukölln und Hamburg-Altona hergestellt. An mittlerweile zehn Standorten in Berlin und Hamburg beschäftigt das Gründerpaar ein Team aus 120 Mitarbeitenden. Jeworutzkis Mission: die Wahrnehmung veganer Ernährung positiv zu verändern. Das Konzept kommt an. Laut Jeworutzki war ihre Gründung schon im ersten Jahr profitabel und macht inzwischen Umsätze in Millionenhöhe. 

19. Julia Willecke aka Julia Beautx, Influencerin & Schauspielerin

Als Schülerin schreibt Julia Willecke alias Julia Beautx in fast jedes Freundebuch als Berufsziel, sie wolle Sängerin oder Schauspielerin werden. Mit 14 Jahren beginnt sie, Videos auf Youtube zu veröffentlichen. Zehn Jahre später hat sie ihr Ziel erreicht. Willecke überzeugt zuletzt unter anderem in der ZDF-Miniserie "Gestern waren wir noch Kinder". Dort war sie zunächst nur für eine Nebenrolle vorgesehen, überzeugte im Casting aber derart, dass sie die Hauptrolle bekam. Auch Willeckes Mitte 2022 zusammen mit Joey’s Jungle aka Josef Buchholz gestarteter Podcast "Die Nervigen" ist sehr erfolgreich: Die erste Live-Show in Köln war nach wenigen Stunden komplett ausverkauft. Im Sommer gehen sie nun auf große Podcast-Deutschland-Tournee.

20. Marcel Remus, Immobilienmakler und Gründer Marcel Remus Real Estate

Marcel Remus hat ganz klein begonnen: Als Show-Reiter und Reitlehrer verdient er zehn Euro pro Stunde. Heute setzt er Millionen um. Remus ist einer der jüngsten deutschen Makler auf Mallorca. 2023 konnte er 27 Immobilien im Wert von durchschnittlich fünf Millionen Euro verkaufen. Erste Schritte als Makler machte er bei Engel & Völkers. 2009 folgte der Sprung in die Selbständigkeit. Seit den 2010ern ist Remus in TV-Sendungen zu sehen, u.a. bei Vox mit "Mieten. Kaufen. Wohnen", Kabel1 und N-tv oder zuletzt in "Der Mallorca-Makler" beim Streamingdienst RTL+. Trotz des TV-Fames geht Remus nach wie vor selbst auf Kaltakquise-Tour – er nennt es im OMR Podcast "Remus Business Jogging". Außerdem nutzt er Kanäle wie Instagram, wo er 140.000 Follower*innen hat, um potenzielle Kund*innen zu gewinnen.

21. Tim Stracke, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Chrono24

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Tim Stracke, Gründer und Vorsitzender des Verwaltungsrats von Chrono24

Sieben Jahre nach der eigentlichen Gründung übernimmt Tim Stracke die Luxusuhren-Plattform Chrono24 gemeinsam mit Partnern – und baut in der Folge ein deutsches Unicorn auf. Bei der bislang letzten Finanzierungsrunde 2021 wird der Marktplatz mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet. Auch Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo kann Stracke als Investor gewinnen. Die Uhren werden von Privatpersonen oder Händlern angeboten, Stracke und sein Team sorgen dafür, dass Angebot und Nachfrage zusammentreffen. Im Januar 2024 haben die bisherigen CEOs Tim Stracke und Holger Felgner das Zepter an den ehemaligen Zalando-Geschäftsführer Carsten Keller übergeben, aber Stracke bleibt Chrono24 als Großaktionär und Vorsitzender des Verwaltungsrats treu. 

22. Elisabeth L’Orange, Gründerin Oxolo

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Elisabeth L’Orange, Gründerin Oxolo

"Produzier günstig Produkt- und Erklärvideos von Deinem Rechner aus, ohne überhaupt ein Studio buchen zu müssen" – das ist das Werteversprechen von Oxolo. Das Hamburger Startup nutzt dafür generative KI; die Nutzer*innen können "künstliche Menschen" als Präsentator*innen auswählen und Details "on the fly" ändern. Zu den laut Unternehmensangaben 250.000 Kund*innen gehören Deloitte und Rothschild, aber auch viele KMU, von Amazon-Händler*innen bis Anwaltskanzleien. Elisabeth L'Orange hat das Startup gemeinsam mit Serienunternehmer und Investor Heiko Hubertz (u.a. Bigpoint) gegründet und ist als "Chief Commercial Officer" das Gesicht nach außen. Im Oktober 2023 hat Oxolo 13 Millionen Euro Funding u.a. von DN Capital eingesammelt.

23. Toni Kroos, Mats Hummels sowie ihre Co-Founder von The Icon League bzw. Baller League

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Profis mit Kleinfeld-Ambitionen: Toni Kroos und Mats Hummel (Fotos: The Icon League, Baller League)

Streamer und Fußball – diese Kombination wird spätestens seit dem Start der Kings League auf einem neuen Level gespielt. 2023 haben sich auch in Deutschland verschiedene Player formiert, um ihre jeweilige Interpretation einer Fußball-Kleinfeldliga mit eingebautem Entertainment-Faktor zu entwickeln. First Mover ist Fußballprofi Mats Hummels, der gemeinsam mit dem erfahrenen Medien-Manager Thomas De Buhr und Filmunternehmer Felix Starck als Co-CEOs die Baller League an den Start gebracht hat. Anfang November kündigt mit Toni Kroos ein weiterer deutscher Fußballstar gemeinsam mit Streaming-Gigant Elias Nerlich die sogenannte The Icon League an. Im Hintergrund mischt unter anderem das Record-Label und Artist Management Two Sides mit. 

24. Dina Reit, CEO von SK Laser

Dina Reit ist Familienunternehmerin, die Maschinen ihrer Wiesbadener Firma SK Laser werden unter anderem bei der Bearbeitung von Oberflächen eingesetzt – Kennzeichnen, Gravieren, Schneiden, all das können die Lasersysteme. Das klingt nach gutem alten deutschen Mittelstand, nur dass Dina Reit auf das hidden bei Hidden Champion verzichtet. Mehr als 40.000 Accounts folgen ihr inzwischen bei Linkedin, wo sie Einblicke aus ihrem Alltag teilt. Und wer ihr bei Instagram folgt, konnte sehen, wie sie Weihnachtsdeko lasert – aufgehangen an einem Erdungskabel. Mit Lena Schaumann zusammen hat sie außerdem den Nachfolge-Podcast "Hermann & Ich" gestartet. Motto: Auch diejenigen, die in die Fußstapfen anderer treten, können Spuren hinterlassen. 

25. Patrick Dietz & Fabian Huber, Geschäftsführer Unibev

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Unibev-Geschäftsführer Fabian Huber und Patrick Dietz (v.l.)

Influencer-Getränke stehen wie selbstverständlich in den Regalen von Supermärkten, Kiosken und Tankstellen. Dabei wurde eine Firma, die den Trend mit angestoßen hat, erst 2020 gegründet: Unibev. Dahinter stecken unter anderem als Geschäftsführer Patrick Dietz, Chef des gleichnamigen Fruchtsaftherstellers, und Fabian Huber sowie Steffen Posner, Inhaber von Cros Musiklabel Chimperator, und Christian Hymer, Erbe der Wohnmobil-Brand. Mit BraTee, dem Eistee von Capital Bra, prägte das Unibev-Team ein neues Genre und beweist seitdem immer wieder das richtige Gespür für den extrem dynamischen Getränkemarkt. Zum Portfolio zählen eine Cola von Pietro Lombardi, Vitavate von Twitch-Streamer Elias Nerlich, Knossis Alge To Go und The Good Drink, eine Koop mit RTL und dem Format "Temptation Island VIP".

26. Alica Schmidt, Model & Leichtathletin

Wenn Alica Schmidt zum 400-Meter-Lauf ansetzt, schauen nicht nur Leichtathletik-Begeisterte zu. Über die vergangenen Jahre hat sich die 25-Jährige eine Personal Brand aufgebaut, die weit über die Grenzen des Sports hinausgeht. Auf Instagram folgen ihr knapp fünf Millionen Menschen, bei Tiktok sind es mehr als zwei Millionen – damit ist Schmidt die reichweitenstärkste deutsche Sportlerin. Wenn sie nicht gerade bei nationalen und internationalen Wettkämpfen antritt oder dafür trainiert, steht sie auch mal für Hugo Boss bei Modenschauen auf dem Laufsteg. Der Fokus für 2024: die Olympischen Spiele in Paris. Und wenn es (und sie) da einigermaßen gut läuft, dürften auch Follower-Zahlen und Marken-Deals noch einmal das nächste Level erreichen.

27. Philipp Roesch-Schlanderer, Mitgründer & CEO von Egym

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EGYM-Gründer Philipp Roesch-Schlanderer

Auch ein Jojo-Effekt: Erst hatte Corona das Smart-Fitness-Startup fast in die Pleite getrieben, im Sommer 2023 konnten die Münchner dann eine Finanzierungsrunde über 207 Millionen Euro vermelden. Egym bietet vernetzte Fitnessgeräte und dazu passende Software an, in die sich aber auch Trainingsgeräte von Drittanbietern einbinden lassen. Es geht um Apps und Diagnose-Tools, mit denen sich das Training der Kund*innen tracken und optimieren lässt. Daneben betreibt Egym Wellpass, eine Lösung für betriebliche Mobilität, die von 2,5 Millionen Menschen genutzt wird. Das Geschäft läuft: Egym plante für 2023 eine Umsatzverdopplung auf rund 240 Millionen Euro und will jetzt vor allem in den USA wachsen. Mittelfristiges Ziel der Münchner: ein Börsengang.

28. Janusch & Thomas Lisson, Gründer JTL

Die Brüder Janusch und Thomas Lisson programmieren in den 1990ern als Schüler Spiele und verkaufen diese. Nach dem Abi entwickeln sie für einen Freund, der nebenher Kfz-Teile auf Ebay verkauft, ein Warenwirtschaftssystem. Das kommt gut an und wird weiterempfohlen. JTL wächst zunächst mit dem Erfolg von Ebay, dann mit Amazon. Heute nutzen 50.000 KMU die ERP-Software. Ohne Fremdkapital haben die Lissons aus der Kleinstadt Hückelhoven heraus ihr Unternehmen auf zuletzt 20 Millionen Euro Umsatz und 4,4 Millionen Euro Gewinn (2021) ausgebaut. Nun hat die Private-Equity-Firma HG Capital die Mehrheit an JTL aufgekauft; laut dem E-Commerce-Blog Wortfilter für kolportierte 200 Millionen Euro. Die beiden Brüder hielten vorher jeweils 50 Prozent am Unternehmen.

29. Kajo Hiesl & Vladislav Gachyn, Gründer Goldies

Für viele sind ihre Smashburger das Nonplusultra. Auch Fast-Food-Tester Holle (siehe Platz 45) sagt: Bei Goldies in Berlin gibt es den besten Burger Deutschlands. Die Gründer Kajo Hiesl und Vladislav Gachyn starteten in der gehobenen Gastronomie, arbeiteten bis 2017 für den Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld im Wolfsburger Aqua. 2017 startet das Duo dann mit Goldies – erst nur mit Pommes, später auch mit den heute so beliebten Smashburgern.

Obwohl es nur drei Locations in Berlin gibt, wurden vor allem die flach gepressten Patties des Smashburgers schnell Kult – auch dank starker Kritiken zahlreicher Food-Youtuber. Seit April 2023 sind "Kajo und Vladi“ selber auf der Plattform aktiv und erzielen fünfstellige Aufrufzahlen. Im Hintergrund arbeiten sie an einem Franchise-Konzept für ganz Deutschland.

30. Jana Crämer, Schriftstellerin

In ihrem Buch "Jana, 39, ungeküsst“ spricht Autorin Jana Crämer offen über ein Tabu-Thema: Die Tatsache, dass sie mit 39 Jahren noch keinen Freund hatte. Und es geht um ihre Essstörung. Binge Eating führte dazu, dass sie schließlich mehr als 180 Kilo wog. Mobbing und Body Shaming waren die Folge. Crämer hasste ihren Körper. Eine Therapie brachte die Wende. Sie nahm fast 90 Kilo ab und sagt heute: "Das einzige, wofür man sich schämen muss, ist ein scheiß Charakter". Das Buch wurde "Spiegel"-Bestseller und Tiktok adelte sie zur "Booktok Autor*in des Jahres 2023". Crämer geht in Schulen, schreibt als Bloggerin und Autorin und macht anderen Menschen Mut. Auf Social-Media zeigt sie sich ungeschönt: Ein Nacktbild von ihr wurde tausendfach geteilt und kommentiert.

31. Vivien Wysocki & Larissa Schmid, Gründerinnen von Saint Sass

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Die Saint-Sass-Gründerinnen Vivien Wysocki und Larissa Schmid (v.l.)

Einmal tragen, Laufmasche, next. Diesen Strumpfhosenkreislauf wollten die beiden Gründerinnen von Saint Sass mit qualitativ hochwertigen Produkten durchbrechen. Dazu verpassten Vivien Wysocki und Larissa Schmid ihnen noch Statements wie "See you in hell", "God is a woman" oder "Allergic to idiots". 2022 gegründet, machen sie inzwischen siebenstelligen Umsatz. Auf Social Media fokussieren sich die Gründerinnen der Berliner Brand komplett auf Instagram und haben sich mit rund 80.000 Follower*innen, die sie mit hinter die Kulissen ihres Startups nehmen, eine ordentliche Reichweite aufgebaut. Ihr nächstes Ziel: den US-Markt zu erobern. Eine prominente Kundin haben sie dort bereits: Kendall Jenner hat gleich drei Strumpfhosen bestellt. 

32. Kevin Andreas Teller aka Papaplatte, Twitch-Streamer

Streaming-Rekorde hatte Kevin Andreas Teller aka Papaplatte in den vergangenen Jahren schon so einige gebrochen. 2023 landet er mit 46 Millionen Stunden (!) Watchtime auf Twitch zwar "nur" auf dem fünften Platz der meistgeschauten deutschen Streamer*innen. Trotzdem hat er im vergangenen Jahr wie kaum jemand sonst bewiesen, was man mit einer aktiven Community so alles anstellen kann. Als beim Reddit-Event r/place User eine 1.000 mal 1.000 Pixel große Fläche gestalten konnten, dominierten immer wieder Motive von Papaplatte und seinen Fans. Mit Hilfe seiner Community löste er außerdem eine Art Schatzsuche des TV-Formats "Joko & Klaas Live" – Gewinnsumme: eine Million Euro. Und ganz nebenbei hat er dann auch noch bei "7 vs. Wild" teilgenommen. Ob Papaplatte das 2024 toppen kann?

33. Niklas Tauch & Nils Fischer, Gründer Liefergrün

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Liefergrün-Gründer Niklas Tauch (Foto: Janine Graubaum)

Wer schon einmal etwas in den Online-Shops von H&M oder Zara bestellt hat, hat die Lieferung mit hoher Wahrscheinlichkeit von Liefergrün erhalten. Weitere Kunden: Hello Fresh, Adidas, Dyson. Liefergrün, vor drei Jahren gegründet, liefert auf der "letzten Meile" an die Endkonsument*innen aus, und zwar mit E-Vans und Lastenrädern. Eine selbstentwickelte Software trimmt die Route der Auslieferer auf Effizienz: "Die Stoppdichte ist mehr als fünfmal so hoch wie bei den Expresslieferdiensten", so Gründer Niklas Tauch gegenüber dem "Handelsblatt". Auf diese Weise verringert Liefergrün die Emissionen um 87 Prozent gegenüber dem aktuellen Branchenstandard. Ende 2022 hat das Startup bei seinem Series-A-Funding zwölf Millionen Euro eingesammelt. 

34. Belinda Zühlke, Social Media Marketerin bei Aevor

"Belinda, hör auf zu filmen!" – "Ich film dann, wann ich will! Wenn Du jemanden haben willst, der Respekt vor Dir hat, hättest Du Millennials einstellen sollen!" Mit Kabbeleien wie dieser hat Belinda Zühlke, Social-Media-Marketerin und Vertreterin der Gen Z ihren Arbeitgeber, die Rucksackmarke Aevor, auf Tiktok zu einem "household name" gemacht. Das Grundprinzip: eine Office Soap à la Stromberg, bei der Zühlke augenzwinkernd ihren Arbeitsalltag sowie Meinungsverschiedenheiten mit Chef und Millennial Felix dokumentiert. Die Folge: Die Zuschauer*innen identifizieren sich mit der jungen Frau ("Tell him, Belinda!") – und prägen sich die Rucksackmarke ein. "Können wir das attribuieren? Nein", sagt Aevor-Chef Nils Eiteneyer. "Wir haben trotzdem das Gefühl, dass es uns etwas bringt."

35. Evgenij Zaroznyi aka Boxtoxtv, Youtuber

Bis vor einem Jahr ist Evgenij Zaroznyi noch ein unbekannter Traktor-Monteur aus Nordrhein-Westfalen. Heute hat sein Youtube-Account Boxtoxtv über zwölf Milliarden Views und mehr als 16 Millionen Abonnenten. Zaroznyi stammt aus Russland. In Deutschland lebt er, seit er zwölf ist. Für seine slapstikhaften Videos spielt das aber keine Rolle: Zaroznyi interagiert darin mit TV-Szenen auf einem riesigen Fernseher neben ihm.

Der Humor ist pubertär, was – im Verbund mit englischer Betitelung der Clips – der Erfolgsfaktor seiner irrsinnigen Reichweitenstory sein dürfte. Ersten Social-Media-Fame verdankt er aber seiner Frau: Deren Tiktok-Clip der "Gender Reveal Party" ihres Babys wurde mit 300.000 Views zu einem Viralerfolg, als Zaroznyi noch an Traktoren schraubte.

36. Jenny Böhme, Bloggerin & Gründerin familienkost.de

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Jenny Böhme, Gründerin von familienkost.de (Foto: Paul Glaser)

"Was gibt's heute zu essen?" – Diese Frage nervt Jenny Böhme, nachdem sie 2011 Mutter geworden ist, jeden Tag. Wenige Monate nach der ersten Geburt bekommt sie ihren zweiten Sohn, knapp zwei Jahre später ist das dritte Kind da. "Auf Kochen hatte ich so gar keine Lust, aber dass die Kinder etwas Gesundes essen, war mir sehr wichtig", so Böhme. Zuerst startet sie den Blog Breirezept.de, dann Familienkost.de. Mit beiden erreicht sie heute in Summe sechs Millionen Seitenaufrufe im Monat. Besonders Familienkost.de ist reichweitenstark: Im zurückliegenden Jahr konnte die Seite ihre Sichtbarkeit bei Google laut dem SEO-Tool Sistrix verdoppeln. Mittlerweile hat Böhme elf Bücher im Eigenverlag herausgebracht und beschäftigt zwei Mitarbeiterinnen.

37. Benjamin Zaczek, Gründer von Salesviewer

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Salesviewer-Gründer Benjamin Zaczek

Benjamin Zaczek entschlüsselt mit seinem Unternehmen Salesviewer anonyme Webiste-Besucher und hilft damit Firmen beim B2B-Vertrieb. Das Bochumer Unternehmen hat er vor einigen Jahren ausgegründet und seitdem ohne Venture Capital aufgebaut. Entstanden ist die Idee dabei einst aus der Überlegung, wie man die 2004 von ihm gegründete Werbeagentur überregional bekannter machen könnte.

Die Lösung war eine Software, die zunächst CP Explorer hieß. 20 Testkunden ließ man 2011 unter Geheimhaltung die Software testen – nur um dann zu merken, dass diese das Tool bereits an zahlreiche andere Leute weiterempfohlen hatten. Zaczek merkte: Das könnte funktionieren. Heute zählen Unternehmen wie Stepstone, Arvato oder der VfL Wolfsburg zu den Kunden von Salesviewer. 

38. Paulina Krasa & Laura Wohlers, Podcasterinnen "Mordlust"

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Die Mordlust-Hosts Paulina Krasa und Laura Wohlers (v.l., Foto: Nico Wöhrle)

Sie sind mit Verbrechen erfolgreich: In ihrem True-Crime-Podcast "Mordlust" gehen die Journalistinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers echten Kriminalfällen aus Deutschland auf den Grund. Seit ihrem Start im Jahr 2018 haben die beiden Frauen bald 140 Podcast-Folgen aufgenommen. In jeder widmen sie sich zwei Fällen mit all ihren unterschiedlichen Facetten und Hintergründen – strafrechtlichen sowie psychologischen. Sie sprechen mit Expert*innen oder laden prominente Gäste ein, wie zuletzt die Kaulitz-Brüder. Damit begeistern Paulina Krasa und Laura Wohlers monatlich Millionen Hörer*innen, aber auch das Publikum bei ihren Live-Podcast-Events. Auch 2024 geht das Mordlust-Duo wieder auf Tour – und die ist jetzt schon restlos ausverkauft. 

39. Antonia Staab aka RevedTV, Streamerin

RevedTV heißt eigentlich Antonia Staab und gehörte lange zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Twitch-Streamer*innen. Im August 2023 hat sie ihren vorerst letzten Stream veröffentlicht. Die Stream-Pause möchte sie nach eigenen Angaben nutzen, um sich um ihre Gesundheit zu kümmern, denn die 23-Jährige leidet an chronischen Kopfschmerzen. Seitdem ist RevedTV aber nicht von der Bildfläche verschwunden, sondern weiterhin auf Tiktok (rund 835.000 Follower*innen), Instagram und Youtube aktiv. Dort postet Antonia Reaction-Videos, misst sich mit anderen Youtuber*innen bei Challenges oder testet Tiktok-Gadgets. Bei den Follower*innen kommt das an, ihre Videos wurden mehr als 42,5 Millionen mal geliket. 

40. Sebastian Glöckner, Coaching Creator

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Udemy-Star-Creator Sebastian Glöckner

Als Sebastian Glöckner sich vor einigen Jahren im Internet schlau machen wollte, wie man iPhone-Apps programmiert, stieß der Informatiker, der für einen Telco-Konzern arbeitet, auf eine viel bessere Idee: Online-Kurse. Zwei ganz normale Typen, die für 69 Dollar einen Kurs verkaufen. "Boah, das ist genial", habe er damals gedacht, so Glöckner zu OMR. Dann begann er, in seiner Freizeit Kurse für Excel und Projektmanagement zu kreieren und auf der E-Learning-Plattform Udemy hochzuladen. Heute ist er dort der erfolgreichste Creator mit deutschsprachigem Content und verkauft 96 Kurse. Fast 250.000 Menschen haben in den vergangenen zehn Jahren einen Glöckner-Kurs gebucht. Er hat damit einen sechsstelligen Betrag verdient. Nicht schlecht für ein Hobby.

41. Uyen Ninh, Youtuberin

Wie sieht Deutschland durch die Brille einer vietnamesischen Studentin aus? Das zeigt Youtuberin Uyen Ninh, die seit vier Jahren in Deutschland lebt und in Berlin studiert. Dabei geht es mal um ernste Fragen, etwa darum, wie unterschiedlich das Frauenbild und die daran geknüpften Erwartungen in Vietnam und Deutschland sind. Dann wiederum nimmt sie deutsche Eigenarten humorvoll aufs Korn, präsentiert ihre Schwierigkeiten beim Deutsch lernen, zeigt sich begeistert von elektrischen Rollläden oder lässt sich von ihrem deutschen Freund einen Tag lang "typisch deutsch" bekochen. Mit über 1,6 Millionen Follower*innen ist Uyen Ninh auf Youtube erfolgreich und auch auf Tiktok werden ihre Videos millionenfach geklickt. 

42. Karl-Theodor zu Guttenberg & Gregor Gysi, (Ex-)Politiker

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Karl Theodor zu Guttenberg und Gregor Gysi (v.l., Foto: Tobias Ortmann)

Karl-Theodor zu Guttenberg und Gregor Gysi könnten auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein: Der Eine adliger Freiherr aus Bayern, der für die CSU im Bundestag saß und sogar als Verteidigungs- und Wirtschaftsminister wirkte. Der Andere Rechtsanwalt aus Berlin, aufgewachsen in der DDR und später jahrzehntelang eines der prägenden Gesichter der PDS bzw. der Nachfolgepartei Die Linke. Doch die beiden eint viel: das Interesse an der Politik, am Dialog und natürlich auch, dass sich die Leute noch immer für das interessieren, was sie denken und sagen. Das zeigt zumindest der von Podstars by OMR produzierte Podcast, "Gysi gegen Guttenberg", der seit dem Start prominent in den deutschen Podcast-Charts vertreten ist.

43. Anna Thoma aka Anna Antonje, Creatorin

Sechs Millionen neue Follower*innen in nur einem Jahr: Wohl kein*e andere*r Creator*in hat 2023 die eigene Reichweite auf Tiktok so vergrößern können wie Anna Thoma alias anna.antonje. Angefangen hat alles mit der Idee, so genannte ASMR Videos mit Lebensmitteln zu machen, die gesünder sind als das Fast Food, das bisher häufig in den Videos zu sehen ist. Ein Clip, in dem Thoma eine Wassermelone inklusive Schale isst, ist dann schließlich durch die Decke gegangen. Nun erreicht sie mit Videos, in denen sie vegane Trend-Foods und -Rezepte testet, regelmäßig ein Millionenpublikum. Das dürfte über die ganze Welt verteilt sein, weil sie sich ASMR-kompatibel größtenteils auf onomatopoetische Äußerungen wie "Mmmhh!" und "Oohh!" beschränkt. 

44. Fabian Beste, Simon Hecker & Christoph Mahlert, Gründer von 4.Screen

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Die 4.Screen-Gründer: Fabian Beste, Simon Hecker und Christoph Mahlert (v.l.)

Autohersteller wollen künftig über Software Geld verdienen. Doch so richtig gelingt das bisher nur Anderen. 4.Screen zum Beispiel. Das von Fabian Beste, Simon Hecker und Christoph Mahlert gegründete Startup nutzt die Navi-Karte, um Werbung auszuspielen. In-Car-Marketing nennen sie selbst den neuen Kanal. Meist geht es um Coupons und Rabatte: Gratiskaffee im Supermarkt, verbilligte Autowäsche, Rabatt im Parkhaus. Auf der Kundenliste stehen unter anderem Shell, Esso, Total, McDonalds, Burger King, Kaufland, Rewe oder Pizzahut. Laut Mitgründer Hecker arbeitet 4.Screen mit der Mehrheit der Autohersteller zusammen. Live ist die Plattform in Fahrzeugen von Mercedes, Audi, Skoda, Hyundai, Kia und Toyota. In Europa werden täglich mehr als acht Millionen Menschen erreicht.

45. Holger Schweitering aka Holle21614, Youtuber

Für die einen ist der Döner nur eines von vielen Fast-Food-Angeboten, das in Deutschland an jeder Straßenecke zu kriegen ist. Für die anderen, und dazu zählt auch Holger Schweitering aka Holle, ist das türkische Fleisch-Sandwich eine Delikatesse. Deshalb hat der aus Buxtehude stammende Youtuber auch das Döner-Ranking ins Leben gerufen. Damit begeistert er nicht nur seine deutlich über 300.000 Abonnent*innen – er entscheidet mit seinen Bewertungen auch über Erfolg und Misserfolg im Döner-Game. Wenn ein neues Lokal nach seinem Test den ersten Platz übernimmt, bilden sich in der Folge lange Schlangen. Der "Guide Michelin für die Gen Z" von Holle dürfte so für einige Gastronomen schon extrem lukrativ gewesen sein. Sein Erfolgsrezept: Ehrlichkeit und Authentizität. 

46. Jean-Paul Laue & Patrick Schnitzler, Gründer Klima&So

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Patrick Schnitzler und Jean-Paul Laue, Gründer von Klima&So

In manchem blinden Fleck steckt eine Businessidee. Zum Beispiel, dass soziale Medien CO2-Schleudern sind. Krasse Zahl aus dem Pitch-Video des Berliner Startups Klima&So: Ein einziges 20-Sekunden-Viralvideo bei Tiktok verursacht mehr CO2-Emissionen als dreieinhalb Durchschnittsdeutsche im Jahr. Denn vom Server bis zum Smartphone verbraucht die benötigte Technik jede Menge Strom. Wie viel, das ermittelt Klima&So für Creator und Werbetreibende – und bietet gegen Geld, das in verlässliche Ausgleichprojekte und so fließt, Klimaneutralität samt Wasserzeichen-Siegel für Tiktoks und Insta-Stories. Konsequent spielen Jean-Paul Laue und Patrick Schnitzler dabei das Berliner Hipster-Gründer-Game samt Laberpodcast und Unterwäschekalender. Gut für Image und Klima.

47. Danny Tran, Creator

Bei Videos von Danny Tran fragt man sich oft: Kann das wirklich so funktionieren? Der Creator lässt Parfum an Klebebändern baumeln, besprüht Gegenstände mit Wasser, wedelt mit Textilien oder lässt Kekse an Stäbchen rotieren – und die Zuschauenden erfahren erst am Ende, ob sich die einzelnen Szenen wirklich zu einem genialen Produktvideo zusammenfügen lassen oder zu einem totalen Fail führen. Mehr als 40 Millionen Views hat der gebürtige Darmstädter so bei Tiktok eingesammelt. Angefangen hat dabei 2021 alles mit einem Video, in dem er den "Habe einen Fremden gefragt, ob ich ein Foto von ihm machen darf"-Trend parodiert. Danny Trans selbstbewusste Aufnahmen enden dabei in verwackelten Fotos oder solchen mit falschem Fokus. Ein Fail – der seine steile Karriere befeuerte.

48. Shirli aka How2Shirli, Tiktokerin

Veröffentlicht wurde die Single "9 bis 9" von Sira, Badchieff und Bausa bereits am 5. Mai 2023. Nach dem Chart-Entry auf Platz 79 verschwand der Track aber eine Woche später direkt aus den Top 100. An einen großen Hit dachte da wohl niemand mehr – bis einige Wochen später die Tiktok-Comedian Shirli eine deutlich schnellere Version des Songs für eines ihrer Videos benutzte. Die gefiel nicht nur ihren drei Millionen Followern: "9 bis 9 Speed up" ging schnell auf der Plattform viral; Sira, Badchieff und Bausa veröffentlichten den Track als "Shirli Version" auf Spotify & Co. Fast 30 Millionen Abrufe verzeichnet der Song da bis heute. Und verhalf dem Original zu einem zwar verspäteten, aber riesigen Charterfolg und sechs Wochen auf Platz 1. 

49. Malte Zierden, Influencer

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Malte Zierden

Mit 740k Instagram-Follower*innen und 1,1 Million Follower*innen auf Tiktok könnte Zierden faktisch als Influencer gelten. Er selbst versteht sich jedoch als Anti-Influencer, der Reichweite nicht primär für Werbezwecke nutzt, sondern für Aufklärung. Derzeitiges Herzensanliegen: Tierschutz. Eine Spendenaktion in seiner Community hat 400.000 Euro für den Bau eines Tierheim in der Ukraine gebracht. Zierdens Social-Media-Laufbahn begann mit einer Gaumenspalten-OP, die er auf Instagram und Tiktok realitätsnah und blutig dokumentierte. Geblieben sind die scharfe Aussprache des Buchstaben "S", Zierdens Markenzeichen, sowie viele Tausende Follower*innen, die ihm und seinem Sidekick Taube Oßkar, die auf seinem Fensterbrett lebt, folgen.

50. Alex Richter, Fleischermeister & Influencer, Spezi-Metzgerei

Einige Handwerker*innen haben Erfolg auf Tiktok. Doch Alex Richter sticht heraus. Der Fleischermeister hat sich zum Meme gemacht und bislang 1,5 Millionen Likes gesammelt. "Moin aus der Spezi Metzgerei", sagt, vielmehr schreit er zu Beginn jedes Clips, während im Hintergrund der Schlager "Böhmischer Traum" wummert. Dann geht es um die Produkte: Dienstag ist Leberkäse-Tag, Mittwoch Mettwoch, donnerstags Bayerischer Vormittag. Richter schneidet dann eine zwei Finger dicke Fleischscheibe auf ein Brötchen und beschließt den Clip mit dem immer gleichen CTA: "Auf nach Wolsdorf ins schöne Niedersachsen, euer Alex." Und das tun sie. Vier, bis fünf Fans kämen am Tag, so Richter gegenüber OMR. Sogar zwei Schweizer waren schon da, um ein Selfie mit dem Meme-Metzger zu machen.

So, das waren die OMR50 des Jahres 2024. Nächstes Jahr mit dir? Und wenn du noch einmal nachschauen willst, wer bereits in den Jahren davor dabei gewesen ist – hier gibt es die Listen der Jahre 2023, 2022, 2021 und 2020.

OMR50
Angela Woyciechowski
Autor*In
Angela Woyciechowski

Angela sammelte erste redaktionelle Erfahrungen als Nachrichtensprecherin beim Hochschulradio und im Rahmen von Projektassistenzen beim NDR und ZDF. Nach Tätigkeiten im Online-Marketing und freier Mitarbeit bei der Badischen Zeitung (Freiburg), ist sie seit Juli 2023 im Redaktionsteam von OMR.

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Christian Cohrs
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Christian Cohrs

Editor & Content Strategist bei OMR und Host des FUTURE MOVES-Podcasts. Zuvor war er Redaktionsleiter des Wirtschaftsmagazins Business Punk in Berlin, Co-Autor des Sachbuchs "Generation Selfie".

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Florian Rinke
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Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

Alle Artikel von Florian Rinke
Henning Eberhardt
Autor*In
Henning Eberhardt

Henning ist bei OMR seit Anfang 2023 für Sport- und Gaming-Inhalte zuständig. Von 2010 bis 2019 pendelte er für den Sportbusiness-Verlag SPONSORs als Redakteur zwischen Fußballstadion und Formel-1-Rennstrecke. Anschließend wechselte der waschechte Insulaner zum Marketing-Medium absatzwirtschaft in die Handelsblatt-Gruppe.

Alle Artikel von Henning Eberhardt
Roland Eisenbrand
Autor*In
Roland Eisenbrand

Roland ist seit mehr als zehn Jahren als Journalist in der Digitalbranche aktiv. Seit 2014 verantwortet er als Head of Content (und zweiter Mitarbeiter) alle inhaltlichen Komponenten von OMR, darunter vor allem den OMR Blog und redaktionelle Arbeit rund um das OMR Festival.

Alle Artikel von Roland Eisenbrand
Tanja Karrasch
Autor*In
Tanja Karrasch

Tanja Karrasch ist Redakteurin bei OMR. Vor ihrem Wechsel arbeitete sie für die TV-Produktionsfirma Bavaria Entertainment und war als Redaktionsleiterin für zwei ZDF-Shows zuständig. Sie hat bei der Tageszeitung Rheinische Post volontiert und anschließend als Redakteurin gearbeitet.

Alle Artikel von Tanja Karrasch
Torben Lux
Autor*In
Torben Lux

Torben ist seit Juni 2014 Redakteur bei OMR. Er schreibt Artikel und Newsletter, plant das Bühnenprogramm des OMR Festivals, arbeitet an der "State of the German Internet"-Keynote, betreut den OMR Podcast und vieles mehr.

Alle Artikel von Torben Lux

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