Verena Pausder im OMR Podcast: "Das war beruflich die schwerste Prüfung"

Für ihre Petition gegen die Elterngeld-Streichung bekommt sie viel Unterstützung, aber auch Hass und Häme im Internet

Verena Pausder
Unternehmerin Verena Pausder im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Foto: OMR

Zum vierten Mal ist Verena Pausder zu Gast im OMR Podcast – und seit dem bisher letzten Mal hat sich viel getan: Im Gespräch mit Philipp Westermeyer berichtet die Unternehmerin von ihrem Engagement für den FC Viktoria Berlin, ihre aktuelle Bundestags-Petition gegen das Herabsetzen der Einkommensgrenze beim Elterngeld und sie verrät, mit wem sie sich vorstellen könnte, noch mal zu gründen.

Verena Pausder bekommt Nachrichten im Sekundentakt, nachdem sie die Petition im Bundestag angemeldet hat. Viele Tausende Menschen kommen in kürzester Zeit zusammen, die ihre Forderung unterstützen. Pausder kämpft dafür, das Elterngeld nicht ab einem Haushaltseinkommen von 150.000 Euro zu streichen, wie es das Bundeskabinett Mitte August beschlossen hat. Die Änderung soll ab dem 1. Januar 2024 in Kraft treten.

Viele Menschen loben Pausders Einsatz, teilen persönliche Geschichten mit ihr, die unterstreichen, was der Wegfall für sie bedeuten würde. Nach drei Tagen kommen zu dem Beifall der Supporter*innen aber auch andere Nachrichten. "Hier setzt sich eine Privilegierte für Privilegierte ein" sei dann der Tenor gewesen, erzählt Pausder, die Windrichtung habe sich gedreht.

Hass, Häme und persönliche Beleidigungen seien über sie hineingebrochen. Als ihr Mann mit den Kindern wenige Tage später von einem Ostsee-Trip zurückkommt, ist Pausder mit den Nerven am Ende. "Dann bin ich da wirklich zusammengebrochen und habe gesagt: Das ist so hart, das halte ich nicht durch." Es ist neben der Unterstützung ihres Mannes und ihres Teams der Tipp eines Vertrauten, der sie in ihrer "bisher schwersten beruflichen Prüfung" nicht aufgeben lässt.

"Ich hoffe, dass es in den Köpfen der Menschen etwas verändert"

Sie habe nun 90 Prozent des Hasses hinter sich, wenn sie jetzt weitermache, werde sich die Debatte versachlichen, verspricht der Ratgeber und soll damit recht behalten. Auf change.org hat Pausders Petition mittlerweile mehr als 600.000 Unterschriften. Ob sich die Mühe der vergangenen Monate aber gelohnt hat und doch noch ein Kompromiss in der Ampel-Koalititon erreicht werden kann, muss sich noch zeigen. "Das ist definitiv ein Ding, das kann auch in wahnsinnig viel Arbeit, vielen schlaflosen Nächten, irgendwie auch ein paar Wunden, die du davonträgst, münden und nichts verändert haben, also was das Gesetz angeht", sagt sie. "Aber ich hoffe, dass es in den Köpfen der Menschen etwas verändert, und zwar: Wir haben ein Mittel in der Demokratie, das heißt Petition. Und wenn man die startet und die über 50.000 Stimmen kommt, dann wird man im Bundestag gehört."

180 Investor*innen für den FC Viktoria Berlin

Neben ihrem politischen Engagement setzt sich Pausder auch für den Frauenfußball ein: Bei Heimspielen ist sie am Wochenende im Stadion des FC Viktoria Berlin zu finden, denn 2022 hat sie den Club zusammen mit ihren Co-Gründerinnen übernommen. Das erklärte Ziel: in die Bundesliga aufzusteigen (wir berichteten hier über das Fußball-Experiment).

Inzwischen hat der Club 180 Investor*innen. 70 Prozent davon sind Frauen, darunter prominente Namen wie Comedian Carolin Kebekus, Ex-Schwimm-Star Franziska van Almsick, Moderatorin Dunja Hayali oder Ski-Legende Maria Höfl-Riesch. "Das war so ein positiver Schneeball-Effekt, dass sich das dann rumspricht. Und wie cool ist das, jetzt sagen zu können: Ich bin Anteilseignerin eines Fußballvereins?" In zwei Finanzierungsrunden kamen so jeweils rund eine Million Euro zusammen.

Pläne für den Startup-Verband

Verena Pausders nächstes Ziel ist es, Präsidentin des Bundesverbands Deutsche Startups zu werden. Das Amt will sie von Christian Miele übernehmen, der sie Anfang des Jahres per Whatsapp-Nachricht gefragt hat, ob sie sich die Aufgabe vorstellen könnte. (Die Podcast-Folge mit Christian Miele gibt es hier.) Die Rolle passe gut zu ihr, findet Pausder, "weil ich bin ja immer so halb politisch in allem, was ich mache und gleichzeitig habe ich großen Respekt davor, wirklich Politikerin zu werden." Den Startup-Verband sieht sie als guten Kompromiss, um sich einzumischen, die Startup-Szene zu repräsentieren und Themen, die diese umtreiben, Richtung Politik legitimiert zu vertreten.

Dafür hat Pausder ein Vorstandsteam aus neun Personen zusammengestellt. "Ich habe geguckt, wie decken wir die Bereiche ab, die für die Startup-Szene wichtig sind: KI, Deeptech, Wie kriegen wir Innovation schneller aus den Hochschulen raus? Wie kriegen wir mehr Wachstumspotenzial, vor allem in den späteren Runden?", erklärt sie.

Anfang Dezember finden die Wahlen statt, Verena Pausder steht als einzige Kandidatin zur Wahl. Das Amt wird für zwei Jahre vergeben. Ihre Zielsetzung sei aber, den gleichen Zeitraum zu schaffen wie ihr Vorgänger Miele, der den Posten seit Ende 2019 inne hat.

Im OMR Podcast geht es außerdem darum, ob die neue Aufgabe als Warmlaufen für eine künftige politische Rolle zu verstehen ist, was ihre Haupt-Einnahmequellen sind und welche drei Sachbücher jeder lesen sollte.

Die Themen des OMR Podcast mit Verena Pausder im Überblick:

  • (00:00:00) Intro
  • (00:04:00) Wie Verena Pausder mit Co-Gründerinnen den FC Viktoria übernommen hat
  • (00:13:10) Petition im Bundestag gegen die Elterngeld-Streichung
  • (00:24:50) Wie der Bookclub auf Instagram läuft
  • (00:27:02) Michelle Obama und ein "awkward" Fotomoment
  • (00:34:47) Verenas Top 3 Sachbücher-Empfehlungen
  • (00:37:06) Von welchen Einnahmequellen lebt Verena Pausder?
  • (00:41:45) Haba-Insolvenz kam überraschend
  • (00:45:35) Warum Verena Pausder ihre Reichweite nicht für Influencer-Posts nutzen will
  • (00:47:15) Pläne für die mögliche Nachfolge als Präsidentin des Bundesverbands Deutsche Startups
  • (00:54:00) Nächster Halt Politik?
  • (01:00:04) Ob sich Verena Pausder vorstellen kann, noch mal mit ihrem Mann zu gründen.

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OMR PodcastVerena Pausder
Tanja Karrasch
Autor*In
Tanja Karrasch

Tanja Karrasch ist Redakteurin bei OMR. Vor ihrem Wechsel arbeitete sie für die TV-Produktionsfirma Bavaria Entertainment und war als Redaktionsleiterin für zwei ZDF-Shows zuständig. Sie hat bei der Tageszeitung Rheinische Post volontiert und anschließend als Redakteurin gearbeitet.

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