One-Way-Ticket nach Afrika: Unternehmer Simon Sondern baut Immobilien in Ruanda

Tanja Rabe11.3.2026

Aus seiner Faszination für Afrika wurde seine neue Heimat. Im OMR Podcast spricht der Unternehmer über das Wirtschaftswachstum in Ruanda, erste Schritte in einem neuen Land und seine Immobilienprojekte.

Ein One-Way-Ticket nach Afrika statt Corporate-Karriere in Deutschland: Nach dem Studium an der WHU wagt Simon Sondern den Sprung ins Unbekannte und baut sein Business im ostafrikanischen Ruanda auf. Mit der Fortico Group entwickelt er unter anderem Immobilien in der Hauptstadt Kigali, einem Markt mit rasantem Wirtschaftswachstum. Im OMR Podcast gewährt der Unternehmer Einblicke in die turbulente Anfangszeit zwischen Businessideen mit angeblich magischen Wachteleiern, Restaurantflyern, die er persönlich in Hotelzimmern auslegte, und den besonderen Herausforderungen seiner ersten Stelle beim afrikanischen Amazon-Klon Jumia.
Nach seinem Bachelor seien die meisten seines Jahrgangs an der WHU entweder Richtung Rocket Internet oder zu Beratungen und Banken gegangen, erzählt Simon Sondern. Doch den gebürtigen Dortmunder fasziniert der afrikanische Kontinent viel mehr. Dort sieht er einen Markt mit unendlichen Möglichkeiten und wenig Konkurrenz. Und auch dorthin führt ihn der Weg erstmals über die Berliner Startup-Schmiede der Samwers. Im OMR Podcast spricht er...
... über seine erste Stelle in Afrika: "Und wie man das damals gemacht hat, rufst du über gemeinsame Bekannte bei Rocket Internet an und sagst, ich hätte super Spaß mal nach Afrika zu gehen. Und die hatten da gerade Jumia aufgebaut oder waren gerade im Aufbau. Das war damals das Amazon-Klon-Modell für Afrika. Die haben es dann mit allen anderen Afrika-Ventures gemercht, als Jumia Group, um das erste Unicorn zu kreieren. Aber dann habe ich halt über gemeinsame Freunde, die bei Rocket waren, angefragt und gesagt, ich hätte Interesse an Afrika und ob es da eine Möglichkeit gibt. Und am gleichen Nachmittag hat mein Telefon geklingelt und die haben gesagt, ja ja, super spannend. Wir hätten hier so ein paar Positionen. Die waren heilfroh, dass sie jemanden gefunden haben, der nach Afrika gehen wollte. Alle wollten irgendwie nach Bangkok oder auf die Philippinen oder Brasilien damals. Ja und so habe ich meine ersten Erfahrungen da gemacht."
... über seine Ankunft in Ruanda und die erste Businessideen: "Und ja, dann saß ich da in der Stadt, das war mitten in der Regenzeit, es war echt so Weltuntergangsregen draußen. Ich saß in so einem ziemlich günstigen Hotel und habe mir überlegt: Ok, wie geht es jetzt weiter? Und dann bin ich durch die Stadt gelaufen und gefahren, um einfach mal so einen Eindruck zu kriegen. Ich hatte erwartet, dass es sehr ähnlich zu Uganda damals ist, war es aber nicht. Es war komplett anders von der Kultur, von der Größe, vom Mindset und so. Und habe dann angefangen, mir verschiedene Geschäftsmodelle anzugucken. Ich hatte natürlich so ein paar Ideen, aber jetzt nichts Konkretes und hab dann gesehen, okay, es wird gebaut, kann man Ziegeln machen, Ziegelbrennerei oder vielleicht doch Betonklötze? Dann hab ich mir Chicken Farms angeguckt, weil Hühnchen wird immer gegessen und Schweinefarmen. Dann eine super spannende Idee war mal eine Wachtelfarm, weil da hat irgendjemand in ganz Ostafrika, also Uganda, Ruanda, Burundi das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Wachtel-Eier irgendwelche magischen Fähigkeiten hätten. Dass sie irgendwie gesund machen und dies und das, woraufhin es einen extremen Run auf Wachteleier gab und die dauernd ausverkauft waren, absurd teuer waren. Ich dachte, okay, dann können wir uns mal Wachtelfarming angucken. Aber Wachteln haben leider die Eigenschaft, dass sie sehr schnell sterben, wenn sie nicht die perfekten Konditionen haben. Und ich hatte ja nicht jetzt eine Riesensumme, die ich investieren konnte, also eigentlich gar nichts."
... über die Herausforderungen beim Aufbau des Amazon-Klons Jumia in Uganda: "Es gab kein Google Maps damals in Uganda. Das heißt, wir hatten überhaupt keinen Weg eigentlich, wie wir halbwegs effizient diese Sachen ausliefern können. (...) Wir haben dann Motorradfahrer eingestellt, die diese Sachen dahin gefahren haben. Aber jede Auslieferung war halt ein Anruf. "Hallo, wo wohnst du? Ja, also der Stadtteil, pass auf, du fährst einfach bis zur Kirche. Wenn du an die Kirche kommst, fährste rechts. Und dann siehst du eine Telefonzelle, da fährst du links und dann kommt so ein großer Baum, da rechts und dann das dritte Tor. Es war ein riesiges Chaos. Es war wirklich wild damals. (...) Und das dritte Problem war: Es gab keinen Zahlungsanbieter. (...) Das heißt, wir hatten Cash on Delivery. Dann ist dieser Fahrer dahingefahren auf seinem Motorrad, hat da irgendwie den Laptop abgeliefert und dann haben die Leute cash bezahlt, idealerweise, wenn sie irgendwie dran gedacht hatten, vorher zur Bank zu gehen und das Cash zu holen. Das hat uns aber das Problem gebracht, dass sich das jemand rumgesprochen hat, dass diese Motorradfahrer halt cash dabei haben von den ganzen Delivery-Sachen. Dann sind die halt reihenweise angehalten worden und belästigt worden. Also durchaus, das hat sich auch gelohnt, je nachdem. Wenn du den dahinfahren siehst mit einem riesigen Fernseher hinten drauf und dann fährt er ohne Fernsehr wieder zurück, dann weißt du schon, dass der Gegenwert dabei hat."
... über die Sicherheitsvorkehrungen auf den Baustellen der Fortico Group: "Wir haben, Gott sei Dank, bisher keine schweren Unfälle gehabt und wir sind da wirklich extremst hinterher, dass wir die Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Das ist ganz selten, dass das wirklich von den Bauherren gepusht wird, weil das kostet natürlich. Auf so einer Baustelle haben wir an einem guten Tag 300 Arbeiter, das heißt, wir müssen 300 mal Sicherheitsausrüstung bereitstellen. (...) Eine Sache, warum Unfälle passieren auf Baustellen, ist Müdigkeit, einfach Erschöpfung. Es ist halt harte Arbeit und in Ruanda wird noch viel mehr händisch gemacht als hier. Also da ist jetzt nicht irgendwie ein Kran, der 300 steinerne Blöcke auf einmal hochhebt in den zehnten Stock, sondern die werden halt hochgetragen. Auch durchaus gewollt, damit halt statt einem Kran, der am Ende uns gehört und der viel Geld kostet, haben halt von diesen Portern, die das machen, ganz viele Familien ein Einkommen. Das ist durchaus gewollt, aber das ist natürlich saumäßig anstrengend. Wenn du da jetzt den ganzen Tag die Sachen hochbringst. Das heißt, wir haben eine eigene Küche in unserer Firma, die für alle Leute, die bei uns arbeiten, Mittagessen macht und die Leute auf der Baustelle kriegen auch noch Frühstück. Also einfach, damit die Power haben und nicht aus Erschöpfung irgendwelche Sachen passieren."
...wie es Käse in das Portfolio seiner Unternehmensgruppe geschafft hat: "Ich glaube, wir sind auch größter Käse-Importeur in Ruanda. (...) Das passt zu der Story, dass wir immer unsere eigenen Probleme lösen. Also es gab einfach keinen Käse in Ruanda und ich esse sehr gerne Käse. Und ich bin immer aus Deutschland wiedergekommen mit einem Koffer voller Käse und dann ist irgendwann mal ein Koffer stehengeblieben am Flughafen in der Sonne und dann drei Tage später angekommen. Dann hat alles gestunken nach Käse und so. Und dann habe ich irgendwann in Nairobi während dieses Antler-Programms zufällig jemanden kennengelernt, der seit 50 Jahren mit einem Family-Business Käse produziert. Und dann habe ich die gefragt: Warum seid ihr denn nicht in Ruanda? Alle suchen Käse in Ruanda, ihr seid da nicht. Und er hat gesagt: Ja, wir haben irgendwie keinen zuverlässigen Distributor und so. Dann kamen wir wie die Jungfrau zum Kind an diesen Käsehandel, weil wir einfach gesagt haben, okay, dann, ja wir machen das halt. Das macht meine Frau, ist auch ihr Business, und sie beliefert eigentlich alle Restaurants, alle Hotels."
OMR PodcastImmobilien
Tanja Rabe
Autor*In
Tanja Rabe

Tanja Rabe ist Redakteurin bei OMR. Sie hat bei der Tageszeitung Rheinische Post volontiert und anschließend als Redakteurin gearbeitet. Vor ihrem Wechsel zu OMR arbeitete sie für die TV-Produktionsfirma Bavaria Entertainment und war als Redaktionsleiterin für zwei ZDF-Shows zuständig.

Alle Artikel von Tanja Rabe

Ähnliche Artikel

Aktuelle Stories und die wichtigsten News für Marketeers direkt in dein Postfach!