Macht uns die KI alle arbeitslos, Satya Nadella?
Florian Rinke1.3.2026
Der Microsoft-Chef über die Zukunft der Arbeit, Treffen mit OpenAI-Gründer Sam Altman und seine Fitness-Routine.
OMR-Gründer Philipp Westermeyer traf Microsoft-CEO Satya Nadella am Rande der AI-Tour des Software-Herstellers in München. Foto: Microsoft
Giganten-Gast im OMR Podcast: Microsoft-CEO Satya Nadella spricht mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer über die aktuelle KI-Revolution und die Rolle von Microsoft. Es geht um die legendäre Eine-Milliarden-Dollar-Wette auf OpenAI – und die Frage, ob Bill Gates 2019 wirklich gegen das Investment war. Außerdem gewährt Satya Nadella seltene Einblicke in sein Leben: Was war die härteste Entscheidung, die er beruflich jemals treffen musste? Und wie sieht eigentlich seine 30-Minuten-Fitness-Routine aus?
Es sind fast auf den Tag genau zwei Jahre, die Satya Nadella noch fehlen. Sollte er am 27. Februar 2028 noch Microsoft-CEO sein, würde er an Steve Ballmer vorbeiziehen. Drei CEOs gab es bislang nur in der rund 50-Jährigen Firmengeschichte – Nadella wäre dann nach Gründer Bill Gates derjenige, mit der längsten Amtszeit.
In anderen Kategorien hat der 58-Jährige seine Vorgänger längst überholt: Nie zuvor war Microsoft so viel wert wie heute. Als Nadella 2014 den Posten übernahm, war Microsoft angeschlagen. Unter Steve Ballmer hatte das Unternehmen den Sprung ins Smartphone-Zeitalter erst verpasst und dann trotz massiver Investitionen den Anschluss nie wieder aufholen können. An der Börse war Microsoft "nur" noch 315 Milliarden Dollar wert, als der Mann aus dem indischen Hyderabad übernahm. Heute sind es rund 2,9 Billionen Dollar. Nadella hat aus Microsoft wieder einen Power-Player gemacht, hat den Cloud-Bereich rund um Azure ausgebaut, Übernahmen wie die von Linkedin gemanagt und früh auf die Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz gesetzt.
Schon 2019 hat Microsoft in OpenAI investiert. Und das direkt massiv: Eine Milliarde Dollar war Nadella das Projekt wert, angeblich hat er sich dabei sogar gegen das Votum von Bill Gates durchgesetzt. Darum ging es auch bei der Aufnahme des OMR Podcasts am Rande der AI-Tour von Microsoft in München. Nadella war für einen Kurzbesuch in Deutschland gelandet, traf sich mit Kund*innen – und nahm sich auch rund 20 Minuten Zeit, um mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer zu sprechen. Dabei ging es um...
... digitale Souveränität und die künftige Rolle von Microsoft in Europa: „Jedes Land sollte sich Gedanken darüber machen, wie es seine eigene Innovationsagenda, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität gestaltet. Wir sind definitiv ein US-Unternehmen, aber wir sind auch ein multinationales Unternehmen, das erhebliches Kapital in Europa, in Deutschland, investiert. Es ist also nicht so, dass wir nur mit Software hierherkommen. Wir bieten hier vor Ort sowohl Innovation als auch Investitionen. Ich denke, dass man Risiken am besten managt, wenn man ein Portfolio verwaltet. Am Ende des Tages muss Deutschland souverän sein und auch Dinge produzieren, die aus Deutschland heraus in die ganze Welt exportiert werden. Wir können dafür ein großartiger Partner sein, indem wir lokal investieren und Innovationen ermöglichen.“
... die Unterscheidung zwischen Hype und echtem technologischem Fortschritt: "Am Ende des Tages zählt nur eines: Es geht nicht darum, endlos über Technologie zu reden. Es geht darum, zu sehen, wie diese Technologie in der realen Welt eine echte Wirkung entfaltet. Ich habe hier in München ein Startup getroffen, das eine der weltweit besten Customer Experiences aufbaut, oder die Münchner Feuerwehr, die KI nutzt, um bei Notfalleinsätzen besser zu werden. Für mich ist eine Blase nur dann eine Blase, wenn es keine Beispiele für eine solche Diffusion, also die breite Anwendung in der Praxis, gibt."
... den besten Schutz gegen Arbeitsplatzverluste durch KI: "Ich sage nicht, dass es keine Verdrängung geben wird. Aber was ist der beste Schutz gegen Verdrängung am Arbeitsmarkt? Erstens: Das neue Medium verstehen. Das neue Werkzeug und die neuen Fähigkeiten, die erforderlich sind, begreifen und sich im Job transformieren. Genau das passiert gerade in der Softwareentwicklung. Wir müssen uns alle darauf konzentrieren, uns so weiterzubilden, dass wir mit der neuen Produktivitätskurve mehr wirtschaftliche Chancen haben."
... das Investment in OpenAI und die Sicht von Microsoft-Gründer Bill Gates: "Wer hätte 2019 gedacht, dass es eine kluge Idee ist, eine Milliarde Dollar zu investieren? Damals dachten alle, wir würden diese Milliarde einfach verbrennen. Wenn die Dinge funktionieren, werden sie gefeiert, wenn sie nicht funktionieren, weiß davon im Zweifel niemand. Aber wovon wir, und Bill im Besonderen, schon immer besessen waren, war natürliche Sprache. Seit den Anfangstagen der Microsoft-Forschung ging es darum, ob wir in der KI in diesem Bereich Durchbrüche erzielen können. Als wir dann gesehen haben, dass das OpenAI-Team seinen Fokus auf Skalierungsgesetze und Sprache verschob, haben wir zugegriffen – und der Rest ist Geschichte."
... seine Fitness-Routine: "Ich versuche unabhängig vom Jetlag jeden Morgen aufzustehen und ins Fitnessstudio zu gehen für eine halbe Stunde. Da meine Knie nicht mehr so gut in Form sind, mache ich dort meistens Steigungsläufe."
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