Mit 26 Jahren konnte er kein Englisch, heute ist er einer der wichtigsten Banker der Welt

15.4.2026

Jörg Ambrosius schützt als Vorstand der US-Bank State Street ein Billionen-Vermögen – wie geht er mit diesem Druck um?

State-Street-Banker Jörg Ambrosius pendelt zwischen den USA, England und Deutschland – und war nun zu Besuch im OMR-Studio in Hamburg bei Philipp Westermeyer (l.)
State-Street-Banker Jörg Ambrosius pendelt zwischen den USA, England und Deutschland – und war nun zu Besuch im OMR-Studio in Hamburg bei Philipp Westermeyer (l.). Foto: OMR
Seine Karriere ist die vielleicht krasseste Underdog-Geschichte eines Deutschen in der Finanzwelt: Mit 26 Jahren spricht Jörg Ambrosius kein Wort Englisch, heute verantwortet er die Verwahrung eines 54-Billionen-Dollar-Vermögens für eines der wichtigsten Finanzinstitute der Welt: State Street. Über die Infrastruktur der US-Bank werden rund 13 Prozent der weltweiten Wertpapiertransaktionen abgewickelt, viel mehr Systemrelevanz geht kaum. Im OMR Podcast spricht Jörg Ambrosius darüber, was es bedeutet, für die Sicherheit eines Vermögens zu sorgen, das etwa zehn Mal so groß ist wie das BIP von Deutschland. Außerdem verrät er, wie er es von der Ausbildung bei der Volksbank Cochem bis an die Spitze eines US-Giganten geschafft hat, warum Europa regulatorisch den Anschluss verliert und warum er nicht daran glaubt, dass Bitcoin eine Zukunft haben.
Im OMR Podcast spricht Jörg Ambrosius über...
...seinen Karrierestart mit Sprachbarriere: "Ich hatte über meinen Finanzprofessor die Möglichkeit bekommen, ein Gespräch mit einem Bereichsverstand der Deutschen Bank zu führen, der mir direkt ein globales Trainee-Programm angeboten hat. Ich habe dann gesagt, dass ich das toll finde, aber kein Englisch spreche. Ich habe zwar Abitur gemacht, aber ich hatte als Leistungskurs Latein gewählt und war nicht in der Lage, einen geraden Satz auf Englisch zu sprechen. Der Bereichsvorstand, Jürgen Marziniak, sagte dann: Willst du es lernen? Und dann hat die Deutsche Bank mir den Job angeboten und mich gleich zu Beginn des Trainee-Programms für vier Wochen nach London zum Einzelunterricht in die Sprachschule geschickt. Und so habe ich dann im Alter von 26 Jahren begonnen, Englisch zu sprechen. Das werde ich der Bank nie vergessen."
...über Talentförderung und einen Schwur fürs Leben: "Ich habe damals gelernt, dass es einerseits gut ist, transparent zu sein und zu sagen, wo man Defizite hat. Und wenn dir jemand dann trotzdem eine Chance gibt und du zeigen kannst, dass du die richtige Einstellung hast, ist sehr, sehr vieles möglich. Ich habe mir damals geschworen: Wenn ich später im Berufsleben die Chance habe Talenten zu helfen, die vielleicht auch ein Gap haben oder nicht alles mitbringen, ich aber spüre, dass jemand die richtige Motivation hat, werde ich das tun."
...über den Aufbau der State-Street-Infrastruktur: "Durch unsere Infrastruktur werden etwa 13 Prozent aller weltweiten Wertpapiertransaktionen abgewickelt. In Phasen, in denen die Volatilität am Markt extrem groß ist, werden Volumina generiert, die extrem hoch sein können. Dort zeigt sich dann, ob man als Unternehmen eine Infrastruktur vorhält, die resilient genug ist, um diese Mengen auch entsprechend abwickeln zu können. Das ist das klassische Skalengeschäft. Wir investieren jedes Jahr mehr als drei Milliarden Dollar in Technologie und Innovation, da dies mittlerweile ein entscheidender Kostenblock ist, um die Stabilität der Weltmärkte im Hintergrund zu garantieren."
...seine Zweifel an Bitcoin: "Für mich ist Bitcoin eine hoch spekulative Anlageklasse; ich sehe nicht, dass das langfristig ein erfolgreiches Investment sein wird. Wenn in wenigen Jahren Quantencomputer eine Bitcoin-Chain knacken können, was ist dann der inhärente Wert? Es gibt keinen. Ich glaube aber fest daran, dass der Markt über die Zeit sehr viel stärker digitalisiert wird und wir mehr mit Tokens arbeiten werden. Dieser digitale Markt wird aber nicht ein globaler Markt sein, sondern wir werden in verschiedenen Teilen der Welt regionale Ecosysteme sehen, die sich entwickeln und zwischen denen wir als Mittler agieren müssen."
...Europas strukturelle Nachteile im globalen Wettbewerb: „Das Problem in Europa ist, dass wir kein einheitlicher Markt sind. Ich erlebe in der Realität, dass ich für jedes Land andere regulatorische Voraussetzungen erfüllen muss. Das sind strukturelle Nachteile, die Europa als Finanzmarkt hat – und die aus meiner Sicht ein Grund dafür sind, warum sich der Abstand zwischen US-Banken und europäischen Banken seit der Fiannzkrise dramatisch vergrößert hat. Wir haben 2025 nach der Wahl und insbesondere nach dem Liberation Day gesehen, dass Investoren ihre Anlagen in den USA zu Gunsten von Europa und Asien reduziert haben. Die Gelder sind nach Europa und nach Asien geflossen. Dieser Trend hat sich dann verlangsamt zur Jahresmitte 2025 und hat dann gestoppt. Weil der Markt gesehen hat: OK, Europa hat halt nicht das so schnell geliefert, was der Markt erwartet hat. In der zweiten Jahreshälfte von 2025 sind dann Gelder wieder zurück in die USA geflossen."
FinanceBankingOMR Podcast

Ähnliche Artikel

Aktuelle Stories und die wichtigsten News für Marketeers direkt in dein Postfach!