9,5 Mio. Gäste & USA-Expansion: So skaliert Erdbeer-König Robert Dahl Karls bis nach Kalifornien
Tanja Rabe8.4.2026
250 Millionen Euro Jahresumsatz, sieben Erlebnis-Dörfer – und der Erdbeer-König hat noch viel größere Pläne
Er verkauft Erdbeeren für 50 Millionen Euro im Jahr und lockt gleichzeitig 9,5 Millionen Menschen in seine Parks: Robert Dahl, CEO der Karls-Erlebnisdörfer, ist der Typ Unternehmer, dem offenbar nie die Ideen ausgehen. Seine nächsten Projekte: neue Erlebnisdörfer, ein Bibi-und-Tina-Park für 47 Millionen Euro mit Resort und der große Schritt auf den US-Markt. Im OMR Podcast verrät er, wie er mit einem handgeschriebenen 2-Seiten-Businessplan und 600.000 Mark Kredit ohne Sicherheiten den Grundstein für ein Freizeit-Phänomen legte, wie er 500 autarke Erdbeerstände managt und warum er es einmal pro Woche genießt, einfach nur Erdbeerfarmer zu sein.
Im OMR Podcast spricht er unter anderem über...
... einen handgeschriebenen Brief, der den Anstoss für sein Business gab: „Ich hab Obstbau gelernt und war dann ein Jahr in Polen, um Polnisch zu lernen, weil wir viele polnische Erntehelfer hatten. Und da hat mein Vater mir einen langen Brief geschrieben, mit der Idee, mich möglicherweise selbstständig zu machen. Auf den letzten zwei Seiten per Hand geschrieben hat er dann auch das ganz detailliert aufgelistet: Aufbau eines Beerenobstbetriebes in Mecklenburg. Bam, bam, bam. Mit den Fakten. 576.000 DM Investitionsvolumen. Also ein Businessplan quasi. Und dann bin ich direkt von Polen nach Mecklenburg gegangen und hab da angefangen. (...) Ich hab den Brief bei mir eingerahmt im Büro hängen, weil das natürlich für mich ein ganz wichtiges Dokument ist. Also es war die Idee, Karls zu gründen, wenn man so will. Zwar vielleicht nicht so, wie es heute ist, aber grundsätzlich mich selbstständig zu machen. Und unter Punkt zwei, der Absatz nannte sich Betriebsgröße, da stand: möglicherweise 35 Hektar Erbeeren. Aber er hat dann in Klammern reingeschrieben: Die endgültige Betriebsgröße wird durch die Absatzmöglichkeiten bestimmt. Mein Vater lebt leider schon seit zehn Jahren nicht mehr. Aber das ist natürlich ein Satz, der mich heute immer noch stark antreibt."
... sein erstes Fahrgeschäft auf einem Erdbeerhof: „Es gab einen großen Schlüsselmoment, 2007, also lange nach der Gründung von meinem Laden. Da hatte Ich einen Zeitungsartikel gelesen. Und ich war damals 0,0 Freizeitpark-Nerd oder so. Aber ich hab so eine ganz normale Tageszeitung durchgeblättert und hab ein Foto gesehen von einem österreichischen Freizeitpark und da war eine Traktorbahn abgebildet, wo man sich mit der ganzen Familie in einen Traktor setzen kann und der fährt dann so einen Track durch einen nachgemachten Bauernhof und davon gab es acht Traktoren auf einer Schiene. Und das hatte ich gesehen und hab gesagt Wenn wir so eine Traktorbahn hätten vor unserem Land, dann würden die Leute ja viel länger bleiben und viel mehr Spaß haben und so weiter. Und dann bin ich nach Österreich gefahren, um mir diese Traktorbahn anzugucken, bin um die Ecke gekommen, hab die gesehen und gesagt: Die müssen wir haben!"
... die Frage, Eintritt ja oder nein: "Das ist das Besondere bei Karls und das ist durch Zufall entstanden durch diese eine Traktorbahn. Ich hatte mich geziert: Wollen wir Eintritt nehmen oder nicht? Ich war eigentlich für keinen Eintritt, aber man hat mich im Team überzeugt: Lass uns zwei Euro für eine Fahrt nehmen. Und dann sind im ersten Jahr 370.000 Leute damit gefahren und haben zwei Euro dafür bezahlt und dann hab ich natürlich gedacht: Ok, das ist ja geil. Und so hab ich dann da etwas Blut geleckt und gemerkt, das ist ja doch eine gute Idee, dann da Geld für zu nehmen. (...) Es gibt ja inzwischen auch eine Tageskarte, das ist unser Hauptprodukt bei Karls, für so 15,50 Euro je nach Saison, dan kannst du alles so oft machen, wie du willst."
... die Entscheidung, nach vielen schuldenfreien Jahren einen Kredit aufzunehmen: „Wir waren neun Jahre ganz schuldenfrei, weil ich immer Spaß daran hatte, einen Sport daraus zu machen, nur aus dem Cashflow zu wachsen. Jetzt musste ich mich aber entscheiden, weil meine Pläne so groß geworden sind und ich inzwischen 55 geworden bin. Da musste ich mir überlegen: Was will ich jetzt? Will ich weiter so aus dem Cashflow wachsen, was sich natürlich auch geil anfühlte, kann man ruhig schlafen, oder will ich doch ein bisschen beschleunigen? Ich habe mich für Letzteres entschieden und wir haben uns relativ viel Geld geliehen. (...) Die Banken wollten uns mit Geld überschütten, weil wir schuldenfrei waren, machen Geld wie Heu und dann ist das ja einfach, sich Geld zu leihen.“
... seine Pläne in den USA: "Ich hatte mal ein Interview mit der Zeit und da war die allerletzte Frage: Was ist dein größter Traum? Und dann habe ich ohne nachzudenken gesagt: Ich würde es cool finden, wenn es Karls mal in Kalifornen gäbe. So, Punkt. Und zwei Minuten später hatte ich das schon wieder vergessen. Das war nur so dahingesagt. Das haben dann wiederum die Eltern von einem Architekten aus Rostock gelesen, haben diesen Zeitungsartikel in einen Briefumschlag gepackt und haben das ihrem Sohn Axel geschickt, der in San Francisco damals als Architekt war. Der hat als 16-Jähriger bei uns Bratwurst verkauft. Und der hat mir wiederum einen Brief geschrieben und mich gefragt, ob ich das ernst meine. Und er wäre demnächst bei seinen Eltern, er würde dann mal vorbeikommen. Ich sag, na ja, habe ich nicht ernst gemeint, aber du kannst mal vorbeikommen. Und dann haben wir so geredet und ich mochte den dermaßen, weil das so ein unglaublich sympathischer Typ ist. Und dann habe ich gesagt: Weißt du was? Such einfach mal, ich finanziere das, ein paar Grundstücke in Kalifornien und wenn du die hast, dann komme ich rüber, dann machen wir eine Woche eine schöne Roundtrip und wir gucken uns einfach mal Grundstücke an. Da wird man ja nicht dümmer von. (...) Und dann haben wir so eine schöne Runde gedreht und auf der Liste von seinen fünf Orten war Oxnard in Kalifornien. Den Ort kannte ich, seit ich Kind bin, weil das ist das Strawberry Capital of the World, also da gibt es nur Erdbeerbauern. Und am Hafen von Oxnard direkt am Pazifik war ein Grundstück. Und ich sag: Axel, wenn, dann müssen wir wohl nach Oxnard. Das ist doch die Idee. Und dann hat das alles so eine Eigendynamik bekommen. Dann mussten wir um das Grundstück pitchen in der Stadthalle von Oxnard. Da hab ich mich plötzlich wiedergefunden auf der Bühne, musste 15 Minuten gegen zwei Projektentwickler aus Los Angeles antreten, um unser Konzept vorzustellen. Und all so solche Sachen. Und dann begann das Abenteuer. Und irgendwann war dann so ein Point of No Return, wo Axel gesagt hat: Pass auf, wenn du das jetzt unterschreibst, dann sind wir hier drin, Und jetzt machen wir 2028 zur Olympiade in Los Angeles auf."
.... den Wandel seines Managementstils: „Ich hatte immer so eine Attitüde, mit der ich kokettiert habe, dass ich keine festen, wiederkehrenden Termine wollte – so ein Scheiß hat mich nicht interessiert. Und jahrelang bin ich damit auch echt ganz gut gefahren. Ich hab aber so in den letzten ein, zwei Jahren gemerkt, dass dieser lockere Style an ein Ende kommt. Ich habe das dann komplett umgekehrt und hab jetzt eine ganz, ganz super brutal getaktete Meeting-Routine. Montags und Dienstags sind Hardcore-Tage von morgens bis abends mit allen, die an mich berichten aus allen Geschäftsbereichen. Durch diesen hohen Pulsschlag habe ich gemerkt, dass unsere Struktur und unser Wachstum viel geordneter und schneller funktionieren. Diese ‚Freiheit durch Routine‘ habe ich aus dem Buch ‚Scaling Up‘ gelernt. Das war mir vorher nie so klar, wie wichtig sowas ist.“
... einen wichtigen Grundsatz seiner Erlebnisdörfer: „Man braucht auf jeden Fall einen USP und auch, dass man weiß, wofür man eigentlich steht. Und Karls steht für eine Entspanntheit. Also das beobachte ich an den Gästen, die bei uns sind. Wir bauen ja viel mit alten Baumaterialien und ich habe vor ein paar Jahren mal so ein Karls-Manifest geschrieben mit 22 Regeln, wie ich mir so das am besten vorstelle bei Karls für unsere Mitarbeiter und so. Und da gibt es einen wichtigen Punkt, der lautet: Verbote sind bei Karls verboten. Ich bin tatsächlich extremst allergisch gegen Verbotsschilder aller Art. Es gibt viele Freizeitparks, die sind damit zugepflastert. Und bei Karls darfst du alles. Du darfst deinen Hund mitbringen, du kannst auf dem Spielplatz rauchen, was vielen auf die Nerven geht. Aber die Leute müssen halt aufeinander aufpassen und etwas Rücksicht nehmen. Das klappt meistens super. Natürlich gibt es hier und da dann auch mal eine kleine Diskussion, wenn dann zwei zu große Hunde sich nicht mögen und das mitten im Manufakturenmarkt oder so, dann finden das Nicht-Hundebesitzer wiederum doof. Aber unterm Strich glaube ich fest daran, dass das so eine Entspanntheit ist, irgendwie zu Karls zu gehen und zu fühlen: Ich kann da eigentlich nichts kaputt machen, weil da ist schon alles aus altem Zeug irgendwie zusammengeschustert und das ist so eine wohltuende Entspanntheit."
OMR Podcast