Harry Kane, KI & Ausland: Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen über die Zukunft des Rekordmeisters
Ein Gespräch über die Medienstrategie des Rekordmeisters und die Zukunft der Bundesliga.
Mal wieder ein Besuch an der Säbener Straße: OMR-Gründer Philipp Westermeyer traf Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen in München zum Interview. Foto: OMR
Podcast-Premiere für Jan-Christian Dreesen: Der Vorstandschef des FC Bayern München gibt in seinem ersten Podcast-Interview überhaupt exklusive Einblicke in die Milliarden-Strategie des Rekordmeisters. Es geht um Millionensummen für Transfers, den Kampf gegen die Übermacht der Premier League und ausufernde Berater-Honorare. Jan-Christian Dreesen verrät, wie Bayern zehn Millionen E-Mail-Adressen monetarisiert, wie der Harry-Kane-Deal wirklich ablief und warum strategische Partner wie Adidas oder Audi mehr wert sind als jedes Private-Equity-Geld. Und natürlich geht es auch um die Frage, wie der FC Bayern den Wettbewerbsnachteil gegenüber der Premier League bei den Fernsehgeldern ausgleichen kann. Dreesen hat einen Plan – doch der enthält eine gewaltige Sprengkraft für die gesamte Bundesliga.
Jan-Christian Dreesen prägt den FC Bayern seit mehr als zehn Jahren – wenn auch lange Zeit eher im Schatten der Alpha-Tiere Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Das hat sich geändert. Seit Mai 2023 ist der frühere Banker Vorstandsvorsitzender. In seinem ersten Podcast-Interview überhaupt geht es natürlich um seine Karriere und seinen Weg zum und mit dem FC Bayern München. Jan-Christian Dreesen spricht aber auch...
...über die wirtschaftliche Philosophie und das Prinzip der finanziellen Unabhängigkeit des FC Bayern: „Wir wollen den maximalen sportlichen Erfolg, aber eben nicht zulasten wirtschaftlicher Unvernunft, sondern immer mit der Nebenbedingung wirtschaftlicher Solidität. Das steckt so tief in unserer DNA. Uli Hoeneß hat das mit dem Bild beschrieben, dass wir eben in die Festgeldabteilung gehen und nicht in die Kreditabteilung. Das heißt nichts anderes, als dass wir selbstbestimmt sein wollen, dass wir jeden Transfer, den wir machen wollen, auch machen können, wenn wir denn wollen. Das heißt nicht, dass wir jedem irrationalen Preis folgen, aber wir müssen es können. Das ist der entscheidende Punkt.“
...über Strategien zum Ausgleich des TV-Einnahmen-Nachteils gegenüber der englischen Konkurrenz: „Wir haben als Bundesliga einen wettbewerbstechnischen Riesennachteil gegenüber der Premier League. Die Premier League hat rund vier Milliarden an Medien-Einnahmen, die deutsche Bundesliga hat knapp 1,3. Das ist fast Faktor 4. Die einzige Chance, sich da zu wehren und kompetitiv zu bleiben, ist einen anderen Erlös-Mix hinzukriegen. Dafür müssen wir viel disziplinierter sein, an bestimmten Stellen viel stärker auf Kosten schauen und agiler sein. Unser Erlösmix ergibt sich vor allem aus Sponsoring und Merchandising. Mit 240 Millionen Euro im Bereich Sponsoring und Marketing sind wir heute Top 3 im europäischen Fußball.“
...über die „Direct-to-Consumer“-Datenstrategie und die Monetarisierung der globalen Fanbase: „Wir versuchen jetzt, unsere Follower auf unsere Websites und unsere App zu holen. Es ist mittlerweile gelungen, zehn Millionen E-Mail-Adressen in unserer eigenen Datenbank zu haben. Wir haben unseren eigenen Newsletter entwickelt, wo wir eine Million Abonnenten haben. Das sind brutale Zahlen mit fast 40 Prozent Öffnungsrate pro Woche. Wir machen das alles in-house, um eine direkte Beziehung zum individuellen Fan aufzubauen. Wir haben eine MyFCB-Plattform entwickelt, wo der Fan individuell auf seine Bedürfnisse Infos kriegt, um am Ende daraus natürlich auch Umsatz zu kreieren.“
...über die Auswahlkriterien für Investoren und die Ablehnung von reinem Finanzkapital: „Es kommen regelmäßig große Equity-Häuser auf uns zu, was wir bisher immer verneint haben. Wenn wir unsere letzten fünf Prozent Anteile veräußern sollten, geht es nicht nur darum, das meiste Geld zu kriegen. Es geht darum, den richtigen Aktionär zu finden. Unsere Minderheitsaktionäre Adidas, Audi und Allianz sind strategische Partner. Denen geht es nicht um eine hohe Dividende oder Wertsteigerung für einen späteren Verkauf. Sie haben ihr Commitment zum FC Bayern untermauert. Ein neuer Käufer müsste strategisch zu uns passen, unsere DNA teilen und die gleichen Ideale und Wertvorstellungen haben.“
...über die Zukunft der Medienrechte und die potenzielle Eigenvermarktung des FC Bayern: „Ich glaube nicht, dass es für die Ewigkeit möglich ist, beim nächsten Tender die Medieneinnahmen weiter zu steigern, weil wieder irgendein Medienhaus die Rechte für mehr Geld abkauft. Das glauben wir als Bundesliga nicht. Wir müssen selber dafür sorgen, dass wir unser Produkt parallel zur klassischen analogen Vermarktung auch selber mit anbieten. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie die NFL das beim Game Pass macht. Wir als Bayern müssen schauen, inwieweit wir eigene Kanäle weiter aufbauen, um uns womöglich in dem einen oder anderen Markt selbst zu vermarkten. Das wäre eine Alternative zur Zentralvermarktung.“
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