Eon-CEO: "Wir müssen für unseren Wohlstand kämpfen"

8.3.2026

Leonhard Birnbaum über Milliarden-Finanzierungen, fehlgeleitete Fördergelder und mangelnden Kampfgeist in Deutschland.

Philipp Westermeyer (links) traf Eon-CEO Leonhard Birnbaum in Essen in der Zentrale des Energie-Riesen. Foto: OMR
Philipp Westermeyer (links) traf Eon-CEO Leonhard Birnbaum in Essen in der Zentrale des Energie-Riesen. Foto: OMR
Eon-CEO Leonhard Birnbaum verantwortet den Ausbau der Adern der Energiewende: Ohne stabile Netze kommt der Wind aus dem Norden nicht in den Süden oder der Solarstrom von den Dächern in die Netze. Im OMR Podcast spricht er über seinen Weg von McKinsey an die Spitze des Konzerns und verrät, warum man trotz 80 Milliarden Euro Umsatz mit der gleichen Aggressivität wie ein Hedgefonds agiert, was er davon hält, dass gleich zwei Ex-Eon-Führungskräfte heute in der Bundesregierung sitzen – und wieso er Eigenheimbesitzern die Förderung ihrer Solaranlage streichen würde.
Leonhard Birnbaum sieht es als Ausweis der guten Personalpolitik des Energiekonzerns Eon, dass man in jüngster Zeit gleich zwei Mitarbeitende an ein Minister*innen-Amt verloren hat: Ex-Vertriebsvorstand Karsten Wildberger wurde nach einer Zwischenstation beim Elektronikhändler Ceconomy (MediamarktSaturn) Digitalminister, Katherina Reiche wechselte vom Chefposten bei der Eon-Tochter Westenergie an die Spitze des Wirtschaftsministeriums. Im OMR Podcast spricht Leonhard Birnbaum außerdem...
...über seine Karrierestrategie: "Damals stand die Deregulierung des Energiemarktes bevor. Da habe ich mir gesagt: Für junge Menschen ist das doch eigentlich eine geniale Branche – denn wenn sich alles verändert, haben junge Menschen einen Vorteil gegenüber alten Menschen, weil sie noch nicht so festgefahren sind. Die Erfahrungen, die die Alten gesammelt haben, werden dann plötzlich weniger wert. Das ist eine gute Branche für mich als jungen Menschen gewesen. In der Veränderung verliert das Privileg der Erfahrung an Wert, was den Markteintritt für Neueinsteiger massiv erleichtert."
...über Fehler bei der Förderung von erneuerbaren Energien: „Ich habe öffentlich mal gesagt, dass Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Privatkunden nicht mehr gefördert werden müssen. Das hat mir viel Ärger eingebracht. Davon werden wir auch noch genug dazukriegen, wenn wir die nicht fördern. Aber es ist nicht meine Aufgabe oder die unserer Kund*innen, Geld zu bezahlen, das nicht bezahlt werden muss, damit andere Investoren Geld verdienen. Die Mieter im Hochhaus zahlen das ja auch mit. Es ist eine Umverteilung von Leuten in Wohnungen an Menschen mit Häusern. Und jetzt ist der Moment, das zu beenden. Das ist einfach nicht mehr nötig.“
...über den Reformstau in Deutschland: "Jeder Reformvorschlag wird sofort massiv von interessensgeleiteten Gruppen angegriffen. Es ist glaskar, was gemacht werden muß, um die Sozialsysteme zu stabilisieren. Beispiel Rente:. Jeder weiß, dass wenn wir jedes Jahr älter werden, wir auch irgendwann mal länger arbeiten müssen. Sonst geht die Rechnung nicht auf. Wir müssen an der Produktivität arbeiten, wir müssen an unseren Sozialsystemen arbeiten, wir müssen an der Energiewende arbeiten. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und können nicht davon ausgehen, dass das so bleibt, wenn wir nicht bereit sind, für unseren Wohlstand zu kämpfen."
... über Europas Rückstand beim Thema KI: „In den USA ist Energie der Engpass für die Geschwindigkeit des Ausbaus auf der KI-Seite. Meta, Microsoft oder X denken ja nicht über Kraftwerke nach, weil sie Kraftwerke bauen wollen, sondern weil der Bau die einzige Möglichkeit ist, um schneller Rechenzentren aufzubauen. Das haben wir in Deutschland und Europa viel weniger – und ich glaube auch, dass dieser Vorsprung nicht aufzuholen ist. Aber wir müssen dann halt schauen, dass wir wenigstens in der Anwendung von KI voran marschieren. Da bin ich allerdings auch sehr kritisch. Für mich ist zum Beispiel der AI Act eine europäische Regulierung, die dazu führt, dass die Entwicklung von KI in den USA stattfindet. Ich war erschüttert, als Siemens-CEO Roland Busch erzählt hat, dass Siemens seine KI-Entwicklungsaktivitäten in Seattle macht."
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