Kings League, Baller League, Icon League: die Konsolidierung nach dem Hype

Exklusive OMR-Recherchen zeigen, warum creatorgetriebene Fußballligen in Deutschland trotz Stars, Sponsoren und Investorengeld wirtschaftlich ins Wanken geraten konnten.

Kleinfeldligen im Umbruch: Steckt in der Konsolidierung auch eine Chance? (Montage: Virginia Miersch / OMR)
Kleinfeldligen im Umbruch: Steckt in der Konsolidierung auch eine Chance? (Montage: Virginia Miersch / OMR)
Inhalt
  1. Kings League Germany mit Auflösungserscheinungen
  2. Kings League beabsichtigt Rückkehr nach Deutschland
  3. Kings League kommt mit Ownership-Ansatz zu spät
  4. Creator kassieren über eine Million Euro pro Jahr
  5. Baller League streckt Fühler nach Elias Nerlich aus
  6. Deutsche Brille vs. globales Game
  7. Kings League moniert "verantwortungsloses Verhalten"
  8. Wird die Icon League in Deutschland als einzige überleben?
  9. CEO David Fischer verlässt Icon League nach wenigen Monaten
  10. Strategiewechsel statt Expansion
  11. Ex-CEO Fischer wollte und will die Icon League kaufen
  12. Teurer Spaß: Arena-Events haben ihren Preis
  13. Mit Sponsoring-Millionen und Rotstift zu schwarzen Zahlen
  14. Vier Herausforderungen und die zweischneidige Rolle der Streamer
  15. Fazit: Die Konsolidierung als Chance – aber ohne Merger
Als die Baller League Anfang 2024 ihre erste Saison in Deutschland startete, war die Euphorie gewaltig. Große Namen aus der Streamer-Szene verschmolzen mit dem "Who is Who" des Profifußballs. Montana Black trifft auf Mats Hummels, Knossi auf Christoph Kramer. Doch vom Hype ist hierzulande wenig übrig. Die Baller League hat ihren Spielbetrieb in Deutschland längst ausgesetzt, der einstige First Mover hat ausgerechnet auf dem Heimatmarkt als erster die Segel gestrichen. Leichtes Spiel also für die konkurrierenden Formate? Mitnichten. Nach exklusiven OMR-Recherchen strauchelt auch die deutsche Kings League gehörig, während die Icon League nach kurzer Zeit ihren CEO verloren und ihre Expansionspläne auf Eis gelegt hat. Wie konnte es so weit kommen und wie geht es weiter?
Die Story geht munter los, im Starring ein Trio: Die Baller League, die Anfang 2024 als Pionier in Deutschland vom Start weg Sponsoring-Partnerschaften in Millionen-Höhe und Abschlüsse mit namhaften Marken von Samsung über Vodafone bis Xing erzielt. Die Icon League, die mithilfe von Streaming-Gigant Elias Nerlich und Fußballlegende Toni Kroos Arenen füllt und Impressions in Milliarden-Höhe erreicht. Und schließlich die Kings League, die als "das Original" mit der Empfehlung eines zu dem Zeitpunkt international funktionierenden Ökosystems in Deutschland mit massig Investorengeld das Pferd von hinten aufzäumen will.
Die Kings League ist es auch, die die neue globale Kleinfeldfußballwelle in Person von Welt- und -Europameister Gerard Piqué überhaupt erst losgetreten hat. Im Januar 2023 startet die Kings League in Spanien. Es folgt eine schrittweise Expansion in andere Märkte: Brasilien, Frankreich, Italien und im Frühjahr 2025 ist schließlich mit etwas Verspätung Deutschland an der Reihe. Kurz zuvor sichert sich über ein nach OMR-Recherchen mittleres siebenstelliges Investment die auf Social Media spezialisierte RTL-Tochter We Are Era 20 Prozent der Anteile an der Kings League Germany GmbH und stellt mit Daniel Brückner auch den operativen Geschäftsführer.

Kings League Germany mit Auflösungserscheinungen

Rund eineinhalb Jahre später hat sich der Wind gedreht. Von der Aufbruchstimmung von damals ist nicht mehr viel zu spüren. Die Liga hat ihren Spielbetrieb hierzulande temporär eingestellt, Daniel Brückner ist nach OMR-Recherchen nicht mehr als Geschäftsführer an Bord und die in Köln ansässige Kings-League-Tochter hat ihr Personal mehr oder weniger komplett heruntergefahren.
Wird die deutsche Dependance also abgewickelt?
Die Kings League antwortet darauf auf OMR-Nachfrage mit einem entschiedenen "Nein" und stellt klar: "Die Kings League Germany GmbH befindet sich nicht in der Auflösung." Weiterhin heißt es aus dem Headquarter in Barcelona: "Die derzeitige Wettkampfpause ist Teil eines Prozesses, in dem wir die nächste Phase der Kings League in Deutschland definieren. Sie stellt nicht die Entscheidung zum Rückzug aus dem Markt dar." Deutschland bleibe "ein wichtiger Markt in der langfristigen Vision der Kings League".
Und wie geht es mit der Beteiligung von We Are Era weiter?
Die Kings League äußert sich dazu wie folgt: "We Are Era ist weiterhin ein strategischer Partner der Kings League in Deutschland. Wir pflegen eine enge Beziehung zum Team und schätzen dessen Beitrag zum Projekt und dessen Entwicklung auf dem deutschen Markt sehr." Konkrete Details zu ihren Gesellschafter- oder Vertragsvereinbarungen könne die Liga naturgemäß nicht bekanntgeben.
We Are Era selbst vermeidet gegenüber OMR eine klare Aussage zur Beteiligung – und so bleibt zumindest Raum für Interpretation.

Kings League beabsichtigt Rückkehr nach Deutschland

In der Branche geht aktuell kaum jemand davon aus, dass die Kings League 2027 mit einem Spielbetrieb in der bisherigen Form nach Deutschland zurückkehren wird. Zumal die Kings League in diesem Sommer ähnlich wie die Baller League ebenfalls verkünden musste, dass auch sie ihr Format im Heimatmarkt Spanien genauso wie in Frankreich vorerst pausieren wird. Laut Medienberichten geht damit die Entlassung von fast einem Drittel der Belegschaft einher. Wenig überraschend brodelt dadurch die Gerüchteküche und es stellen sich elementare Fragen: Zieht sich die Kings League mit ihren nationalen Ligen aus allen europäischen Märkten zurück? Und was wird aus den bisher in der deutschen Kings League engagierten Streamern wie Trymacs, Papaplatte & Co.?
Gegenüber OMR will die aktuelle Hängepartie keiner der Streamer öffentlich kommentieren. Das könnte auch in einer Resthoffnung bei den Einzelnen begründet sein, dass es für ihn im Kings-League-Universum vielleicht doch noch irgendwo anders einen Platz geben könnte. Younes Zarou, der followerstärkste aller Kings-League-Creator in Deutschland, ist mit seinem Team Bakhira F.C. im September beispielsweise Teil der Kings League MENA.
Dem Vernehmen nach will die Kings League ihr Geschäftsmodell künftig anpassen und beispielsweise noch mehr als bisher in Form von länderübergreifenden Turnierformaten weiterführen. Die Liga antwortet auf Anfrage von OMR dazu: "Wir erarbeiten derzeit ein weiterentwickeltes Format, das möglicherweise kürzer sein oder enger in das gesamte Kings-League-Ökosystem eingebunden sein wird." Wie genau diese Format-Evolution aussehen könnte, will die Kings League "zu gegebener Zeit" bekanntgeben. "Wir beabsichtigen, den Wettkampfbetrieb in Deutschland im Jahr 2027 wieder aufzunehmen", lautet die Botschaft.

Kings League kommt mit Ownership-Ansatz zu spät

Fakt ist: Der deutsche Markt ist und bleibt für die Kings League eine harte Nuss. Um diese zu knacken, mussten sich die Macher schon in der Vergangenheit mehr dehnen, als es ihnen recht gewesen wäre. Das hängt insbesondere mit dem ursprünglich gewählten Geschäftsmodell zusammen, in dem die Teams zu Eigentümern werden, wie Gerard Piqué vor Markteintritt im Interview mit OMR erklärt hatte.
Problem nur: Anders als in anderen Märkten gab es in Deutschland mit der Icon League und der Baller League zu dem Zeitpunkt bereits gleich zwei Wettbewerber, die ihrerseits um die Gunst von Streamern, Spielern und Sponsoren buhlten, sprich: Die Kings League war hierzulande ein wenig – salopp formuliert – "too late to the party".

Creator kassieren über eine Million Euro pro Jahr

Dadurch, dass hierzulande gleich drei Parteien sich um einen noch aufzubauenden Markt stritten, wurde aus dem Versuch, ein neues Sportprodukt aufzubauen, schnell ein Kampf um prominente Creator*innen, Fußballspieler und Ex-Profis – und damit von Anfang an ein Kampf des Geldes. Mit teilweise irrationalen Auswüchsen.
Nach OMR-Recherchen sollen Team-Heads in der Baller League mittlere sechsstellige Beträge pro rund drei Monate dauernder Saison kassiert haben. Bei den prominentesten Köpfen soll die jährliche Summe für zwei Saisons sogar die Millionen-Marke überstiegen haben.
Ausgestattet mit frischem Investor*innengeld warb dann auch die Kings League dem Vernehmen nach zum Teil heftig um prominente Streamer*innen, um ein Zeichen zu setzen, wer die wahre Nummer eins im deutschen Kleinfeldmarkt ist. Dem Creator GamerBrother vom ehemaligen Baller-League-Team VfR Zimbos etwa lag offenbar ein über mehrere Jahre angelegtes Angebot in Millionenhöhe vor. "Wir müssen das Projekt Baller League zerstören, bevor es groß wird", lautete angeblich sinngemäß das Motto der Kings League, wie Branchenvertreter gegenüber OMR schildern – direkt gefolgt von dem Einwand: "Aber diese Mondpreise machen in keinem Business-Case der Welt Sinn."
In Gesprächen von OMR mit diversen Marktteilnehmern wird für das Wettrüsten wiederum vor allem die Baller League verantwortlich gemacht. Diese habe bildlich gesprochen zuerst "das Portemonnaie immer wieder weit aufgemacht und damit jede Form des gesunden und nachhaltigen Wirtschaftens zunichte gemacht", heißt es aus dem Lager der Konkurrenz hinter vorgehaltener Hand. Aussage gegen Aussage.

Baller League streckt Fühler nach Elias Nerlich aus

Wie umkämpft der Markt zeitweise war, zeigt eine mehr als pikante Randnotiz: Nach OMR-Recherchen hat die Baller League gleich mehrfach versucht, Icon-League-Macher Elias Nerlich für sich zu gewinnen – was aufgrund von Nerlichs Bedeutung in der Branche in der Sache ein taktisch nachvollziehbarer Move gewesen wäre.
Die Liga von Mitgründer Felix Starck stand mit dem größten und relevantesten deutschen Streamer schon 2023 im ernsthaften Austausch für ihr Projekt, also noch bevor die Icon League überhaupt das Licht der Welt erblickte. Weitere Gespräche, Nerlich in die Baller League zu holen, soll es dann 2025 gegeben haben. Der zu diesem Zeitpunkt anvisierte Transfercoup war eine Art "letzter Strohhalm" für die wenig später in den Ruhemodus verabschiedete deutsche Baller League, berichten Insider im Gespräch mit OMR.

Deutsche Brille vs. globales Game

Nun ist es per se zunächst einmal niemandem vorzuwerfen, mit Geld, Geschwindigkeit und strategischem Kalkül den Markt erobern zu wollen. Betriebswirtschaftlich gesehen war das Hochrüsten aber wenig überraschend das Gegenteil von rentabel und nachhaltig. Allen Beteiligten muss die gesamte Zeit über klar gewesen sein, dass die Konkurrenzsituation eher über kurz als über lang Opfer erfordern wird.
Das Ende des Liedes ist heute bekannt: Wie die Baller League anlässlich des Pausierens des hiesigen Formats im Januar 2026 gegenüber DWDL.de mitteilte, habe der deutsche Markt "momentan nicht die Größe und die strukturellen Bedingungen, die nötig sind, um die langfristigen Ziele des Unternehmens zu unterstützen". Das Format von Mitgründer Starck wolle die Entwicklung in Deutschland weiterhin beobachten und bleibe offen für eine Rückkehr, "wenn die Bedingungen besser mit unserer langfristigen Vision übereinstimmen".
Vom ursprünglichen Gründer-Trio um Thomas de Buhr und Mats Hummels ist einzig Felix Starck übriggeblieben. Hochrangige Führungskräfte wie CMO Daniel Donaldson und Ged Tarpey, seines Zeichens erst seit Mitte 2025 Managing Director der Baller League US, sind nach OMR-Informationen ebenfalls nicht mehr an Bord.
Unter CEO Starck sucht die Baller League ihr Heil inzwischen in der Internationalisierung und konzentriert sich dabei auf die Märkte UK und USA und damit auf schnell wachsende Sportregionen, "in denen es einen klaren Investment-Case und einen nachhaltigen Weg zur Rentabilität" gebe.

Kings League moniert "verantwortungsloses Verhalten"

Die globale Perspektive ändert nichts an der Tatsache, dass die Baller League ihren deutschen Teams mit dem jähen Aus gehörig vor den Kopf gestoßen hatte. Denn ihnen wurde zuvor unter anderem noch der Weg in eine perspektivische Franchise-Struktur aufgezeigt, in der sie abseits von Gagen über eigene Vermarktungs-Assets ins Geldverdienen hätten kommen können und auch müssen.
Der Schritt der Baller League, in dieser Art und Weise den deutschen Wettbewerb für die Internationalisierung hintanzustellen, war für die hiesigen Konkurrenten nicht nur positiv, sondern sorgte auch für Probleme. Nicht selten ist in Gesprächen mit OMR von "verbrannter Erde" die Rede. Ohne einen Namen zu nennen drückt die Kings League ihre Sicht der Dinge gegenüber OMR wie folgt aus: "Das verantwortungslose Verhalten anderer, von der Kings League inspirierter Formate hat in Deutschland unweigerlich das Vertrauen in die gesamte Kategorie beeinträchtigt und zu Unsicherheit unter Creatorn, Partnern und anderen Beteiligten geführt."
OMR hat Baller-League-CEO Felix Starck mit den Vorwürfen konfrontiert. Der 36-Jährige ließ entsprechende Anfragen allerdings unbeantwortet.

Wird die Icon League in Deutschland als einzige überleben?

Die Baller League pausiert in Deutschland. Die Kings League steht hierzulande vor einer mehr als ungewissen Zukunft. Ist die Icon League nun die lachende Dritte und gleichzeitig so etwas wie der "Last Man Standing" im creatorgetriebenen Kleinfeldmarkt?
Auf den allerersten und oberflächlichen Blick ließen sich diese Fragen ganz einfach mit "Ja" beantworten. Denn Mitte September sendet die Liga entscheidende Zeichen: Am 18.10. werde die Icon League in Berlin in ihre fünfte Saison starten. "Ich gründe meine eigene Liga", kündigt kurz darauf Co-Präsident und Mitgründer Toni Kroos via Instagram-Account der Icon League an.
Unter dem Posting glauben einige der Kommentierenden, dass nun die Icon League über den bei Madrid lebenden Kroos nach Spanien expandieren würde. Aber falsch gedacht: Nach OMR-Recherchen bleibt die Icon League auch künftig ausschließlich in ihrem Heimatland. Mit an Bord sind fast alle der bisherigen zwölf Teams. In ihrer fünften Saison wird die Icon League derweil aber tatsächlich in einem gänzlich neuen Format daherkommen. So werden die Teams nach OMR-Informationen analog zum US-Sport in zwei Divisions gegeneinander antreten, die von Toni Kroos beziehungsweise seinem präsidialen Founder-Pendant Elias Nerlich geleitet werden.
Die Icon League kommt zudem mit der Empfehlung von eigenen Angaben zufolge 83 Millionen Livestream-Views in der vierten Saison zurück, was rund 6,4 Millionen Live-Views pro Spieltag entsprach. Durchschnittlich verfolgten 1,6 Millionen Unique User die Begegnungen bei 178.000 gleichzeitigen Zuschauern. 
Alles in bester Ordnung also? Könnte man annehmen. Doch ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Denn anders als es von außen zu vermuten wäre, war in den vergangenen Monaten auch im Inneren der Icon League einiges los.

CEO David Fischer verlässt Icon League nach wenigen Monaten

Eine Konsequenz: Nach OMR-Recherchen ist an oberster Stelle sogar David Fischer schon wieder aus der Liga ausgeschieden, nachdem der 32-Jährige laut Handelsregister erst zum 15. Januar 2026 zum CEO ernannt worden war.
Fischer hatte seinerzeit die Seiten gewechselt – weg vom größten Icon-League-Anteilseigner HV Capital (21,68 Prozent) hin zu seinem eigenen Portfolio-Unternehmen, das ursprünglich 2023 unter anderem von Fußballlegende Kroos und Streaming-Gigant Elias Nerlich gegründet worden war. Beide sind bis heute substanziell an der Icon League beteiligt, genauso wie Two-Sides-Gründer Lucas Teuchner via Bace United Capital, die Spielerberatungsagentur Sports360 via 360Media um Geschäftsführer Sascha Breese sowie die Creator- und Eventmanagement-Agentur Rabona mit Geschäftsführer Marc Goroll.

Strategiewechsel statt Expansion

Anhand von Fischers Ausscheiden lassen sich einige veränderte Rahmenbedingungen beschreiben, die sich im Business der in Deutschland operierenden Kleinfeldligen in den vergangenen Monaten zugetragen haben – und die auch im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Baller League und der Kings League zu sehen sind. "Die anderen beiden Ligen haben extrem gestruggled zu internationalisieren", sagte etwa dazu passend Fischer noch Mitte August im OMR-Podcast. Die Icon League hat sich folglich dazu entschieden, sich in diesem volatilen Marktumfeld auf Deutschland zu fokussieren, was laut Fischer der "schlauste Move" gewesen sei.
Eine solche Aussage aus seinem Mund dürfte für viele durchaus überraschend kommen. Denn es ist noch gar nicht lange her, da war die Ausgangslage noch eine völlig andere. Fischer war seiner persönlichen Vita entsprechend schließlich dafür angetreten, aus der Icon League ein bestenfalls international skalierbares Business zu bauen. So hatten Investor*innen, angeführt von HV Capital, im November 2025 noch rund 15 Millionen Euro in die Icon League gesteckt, um mit diesem Geld jene Expansion außerhalb Deutschlands voranzutreiben, die Sascha Breese gegenüber OMR zuvor bereits im Frühjahr 2025 in Aussicht gestellt hatte. "Die Zukunft kann natürlich in Ländern wie unter anderem Spanien und England liegen", sagte der Geschäftsführer von 360Media damals.
Nun also die aus personeller Sicht folgenschwere Rolle rückwärts: In der ohnehin schon breit aufgestellten Shareholder-Struktur der Icon League mit zwei Geschäftsführern (Marc Goroll von Rabona und Sascha Breese von 360Media, Anm. d. Red.) ist für ein rein deutsches Format eine zusätzliche CEO-Rolle offenbar nicht mehr nötig.

Ex-CEO Fischer wollte und will die Icon League kaufen

Nichtsdestotrotz glaubt Fischer auch ohne seine CEO-Rolle an eine erfolgreiche Zukunft der Icon League. Und zwar so sehr, dass er sie sogar am liebsten gleich kaufen würde, wie er zuletzt sogar im OMR-Podcast deutlich machte. Was zu einem weiteren Hintergrund von Fischers Ausscheiden führt: Fischer hat sich nämlich noch während seiner CEO-Tätigkeit in der Icon League gemeinsam mit dem ehemaligen Icon-League-Strategiechef Yoran Henzler auf den Weg gemacht, Investor*innengelder einzuwerben und damit eine eigene Plattform für disruptive Sportformate wie die Icon League aufzubauen. Erstes Beispiel dafür ist die in diesem Sommer gelaunchte LGCY Series im Basketball, die ursprünglich noch unter dem Dach der Icon League geplant worden war.
In der Theorie erscheint Fischers Ansinnen nachvollziehbar, die Icon League neben anderen Formaten in eine entsprechende Holding-Struktur eingliedern zu wollen. In der Praxis stellt sich die Sache etwas anders dar. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um auf den Gedanken zu kommen, dass die Gründungsmitglieder der Icon League eine etwas andere Sicht auf die Dinge hatten und nach OMR-Recherchen auch nach wie vor haben.
Ähnliches gilt ob der jüngeren Entwicklung auch für die HV-Capital-Seite. Auf Teufel komm raus zu internationalisieren und das getätigte Investment im Worst-Case-Szenario infolgedessen komplett abzuschreiben, wäre aber womöglich die noch deutlich schlechtere Variante gewesen. Und so bleibt in der Shareholder-Struktur der Icon League vorerst alles beim Alten.

Teurer Spaß: Arena-Events haben ihren Preis

Fakt ist auch: Die Icon League steht, genau wie ihre bisherigen Wettbewerber, weiterhin vor einer finanziellen Herausforderung. Zwar legt die Liga anders als die Baller League und die Kings League nicht viel Geld auf den Tisch, um ihre prominenten und reichweitenstarken Team-Heads einzukaufen. Und auch die Gehaltskosten für die Spieler hat die Liga nach einem Anschubinvestment in den Anfängen längst an ihre Teams ausgelagert. Letztere belaufen sich nach OMR-Recherchen auf rund 100.000 bis 150.000 Euro pro Team pro Saison, zuzüglich Hotel- und Reisekosten.
Dennoch operiert die Liga bis zuletzt defizitär. Das dürfte vor allem an einem an anderen Stellen aufgeblähten Kostenapparat liegen. Verantwortlich dafür waren in der Vergangenheit für Mitarbeitende wenig populäre, aber nun mal branchenübliche Mechanismen wie beispielsweise ein Personalaufbau im Zuge des HV-Investments, genauso wie der inzwischen laufende Abbau von Ressourcen im Zuge des Strategiewechsels mit Fokus rein auf Deutschland.
Zudem hat die Icon League in der Vergangenheit über mehrere Saisons hinweg, zeitweise als Arena-Roadshow durch diverse Städte, deutlich mehr als ihre Wettbewerber in die Live-Experience an Spieltagen investiert – und damit in Deutschland das vergleichsweise beste Zuschauer-Event für das Vor-Ort-Publikum auf die Beine gestellt. Nach eigenen Angaben bereits über 200.000 verkaufte Tickets sprechen für sich. Was in Zeiten des massiven Wettbewerbs mit Baller League und Kings League einerseits ein starkes Differenzierungsmerkmal war, schlägt sich andererseits naturgemäß in den Kosten nieder: Das Ausmaß der Eventisierung mit allerhand "Bling Bling" war ein im wahrsten Sinne teurer Spaß, aus dem vor allem kurzfristig kein rentables Business erwachsen kann. 

Mit Sponsoring-Millionen und Rotstift zu schwarzen Zahlen

Nach OMR-Recherchen hat die Icon League in ihrem bisherigen Setup jährliche Kosten in der Größenordnung einer achtstelligen Summe verursacht. Dem gegenüber steht eine wenig diversifizierte Erlösseite, bei der rund 90 Prozent aus dem Sponsoring kommen. Andere Einnahmequellen wie Merchandising und Medienrechte, wie sie im Jahrzehnte gewachsenen klassischen Sport üblich sind, existieren in jungen disruptiven Formaten wie der Icon League schlichtweg wenig bis gar nicht.
Die Icon League schickt sich dementsprechend weiterhin an, millionenschwere, bestenfalls achtstellige Umsätze über Sponsoring zu generieren. Zwar sind in der Vergangenheit auf der einen Seite zum Beispiel mit Lego und Red Bull prominente Partner wieder abgesprungen. Doch nach OMR-Informationen werden etwa mit Nissan und Philips OneBlade zwei der größten Partner der ersten Stunde nach wie vor auch in der fünften Saison dabei sein. Das Gleiche gilt für namhafte Marken wie Bwin, Coca-Cola, L'Oréal und Otto.
Auf dem Weg zur Profitabilität ist es für die Icon League gleichzeitig essenziell, künftige Saisons mit einer kostenreduzierten Struktur über die Bühne zu bringen. Heißt im Klartext: Damit die Gesamtrechnung aufgeht, muss die Icon League den Rotstift ansetzen, um die Kosten idealerweise in den Bereich von fünf bis acht Millionen Euro zu senken.

Vier Herausforderungen und die zweischneidige Rolle der Streamer

Anders als noch zu Jahresbeginn steht die Icon League plötzlich vorerst allein vor der Aufgabe und damit auch vor der Chance, hierzulande eine rentable, nachhaltige, disruptive Fußballliga aufzubauen. Allerdings muss sie dabei auch einigen Wahrheiten ins Auge sehen.
Erstens: Solange Einnahmen fast ausschließlich aus dem Sponsoring kommen, bleibt der Vermarktungsdruck hoch. 
Zweitens: Ob von Teams oder der Liga getragen, schien es in der bisherigen Marktlage kaum möglich zu sein, die hohen Kosten für Spieler, Arena-Events sowie für reichweitenstarke Streamer und Creator zu decken.
Drittens: Letztgenannte Streamer und Creator bieten zwar die unvergleichliche Chance, die Kleinfeldligen mit ihren Reichweiten zum Fliegen zu bringen. Allerdings sind sie zugleich gewissermaßen auch die Achillesferse der Formate. "Du sprichst dort teilweise mit Managements, die die besten Kumpels der Creators sind und nichts als Dollar-Zeichen in den Augen haben. Das macht ein Gespräch über einen Long-Run unglaublich schwer", wird Teilen der Creator-Szene von OMR-Gesprächspartnern im Rahmen der Recherche ziemlich hart vorgeworfen.
Die zugespitzte Marktlage mit drei Wettbewerbern gleichzeitig hat zwar sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Aber die strukturelle wie anspruchsvolle Aufgabe dahinter bleibt dennoch: Es geht darum, Streamer und Creator von einer langfristig ausgelegten Geschäftsidee zu überzeugen, um sie abseits von Gage-Anreizen an das Produkt zu binden.
Damit einhergeht eine vierte Herausforderung, die man sich nur sehr bedingt mit Geld kaufen kann: Die Rede ist vom langen Weg des Aufbaus von echtem Fandom rund um die Teams, der auch im klassischen Sport Jahre bis Jahrzehnte dauert. Vereinfacht gesagt: Fans eines Creators sind eben nicht automatisch Fans des jeweiligen Teams, für das dieser steht. Die Teams sind demnach gefordert, in ihre Marken sowie in Kommunikation und Storytelling zu investieren.
Nur wenige Teams machen das bisher. Die einen, weil sie keinen langfristigen Plan haben. Die anderen, weil sie nicht bereit oder in der Lage sind, die Ressourcen dafür aufzuwenden. Das Team von Eintracht Spandau, das seine Auftritte (erst in der Baller League und nun in der Icon League) geradezu zelebriert, gilt hier als Best Practice – ist aber weitestgehend alleine auf weiter Flur. Die Folge: Für viele Teams bleiben somit die Türen zu zusätzlichen Vermarktungseinnahmen über Sponsoring oder Merchandising verschlossen und so bleiben positive Business Cases wie etwa beim FC Onefootball und “The Pack” in der Icon League die Ausnahme. Gleichzeitig kann sich ein Liga-Format dadurch kaum von unten über eine breite Community tragen, sondern bleibt mitunter stark abhängig von den großen Creator-Zugpferden – an oberster Stelle im Falle der Icon League von Elias Nerlich.

Fazit: Die Konsolidierung als Chance – aber ohne Merger

Der Status quo der deutschen Kleinfeldligen muss nicht zwingend das Ende aller Tage für die Gattung sein. Nicht wenige Branchen-Experten sehen in der aktuellen Gemengelage auch die Chance, künftig mit angepassten und nachhaltigen Konzepten stärker als zuvor zurückzukommen.
"Die Schnittmenge aus Sport, Creator*innen und Entertainment ist ein sehr spannendes Feld, bei dem wir aus unserer Sicht erst am Anfang der Entwicklung stehen. Das gilt weit über Fußball und den deutschen Markt hinaus", teilt beispielsweise We Are Era auf OMR-Nachfrage mit. Der 20-Prozent-Shareholder der Kings League Germany ergänzt: "Wir sehen weiterhin großes Potenzial für innovative Formate an der Schnittstelle von Sport, Entertainment und Creator Economy." Gleichzeitig sei eine "zunehmende Konsolidierung in einem noch jungen Markt wie dem der Kleinfeldligen eine erwartbare Entwicklung".
Die Kings League referenziert beim Blick in die Zukunft auf ihr nach eigenen Angaben "solides globales Ökosystem mit etablierten Wettbewerben, Partnern und Communities in zahlreichen Märkten". Deutschland bleibe Teil einer langfristigen Vision. "Wir hatten unsere Herausforderungen. Aber nun konzentrieren wir uns darauf, unsere Erfahrungen zu nutzen, um ein stärkeres und nachhaltigeres Modell für die nächste Phase auf dem Markt zu entwickeln", heißt es gegenüber OMR.
In der Zwischenzeit hat wiederum die Icon League die Chance, ihre temporäre Monopolstellung auf eigene Faust auszubauen. Ein in der Vergangenheit zwischen den Parteien diskutierter Merger mit der Kings League dürfte nach OMR-Recherchen aktuell jedenfalls vom Tisch sein.
Baller LeagueKings LeagueIcon LeagueSportbusiness
Henning Eberhardt
Autor*In
Henning Eberhardt

Henning ist in der OMR-Redaktion für Sport- und Gaming-Inhalte zuständig. Davor pendelte er als Redakteur von 2010 bis 2019 für die Sportbusiness-Plattform SPOBIS zwischen Fußballstadion und Formel-1-Rennstrecke, ehe es ihn für fast vier Jahre zum Marketing-Medium absatzwirtschaft in die Handelsblatt-Gruppe verschlug.

Alle Artikel von Henning Eberhardt

Ähnliche Artikel

Kostenlose Online-Seminare

Lydia Flügel

SEO trifft KI: 6 Tipps für mehr Sichtbarkeit

14.10.2026 11:00 - 12:00
Fabienne Engel

5 Tipps für deinen Kreativ- und Ideenprozess

15.10.2026 11:00 - 12:00
Aktuelle Stories und die wichtigsten News für Marketeers direkt in dein Postfach!