Arda Saatçi und Red Bull – die Kennzahlen hinter dem viralen Ultra-Run-Phänomen
Henning Eberhardt15.5.2026
Wie Red Bull, Arda Saatçi und diverse Marken von dem Hype profitiert haben
Arda Saatçi und Red Bull haben mit einem viralen Ultra-Run-Spektakel das Internet gecrasht (Foto: Cameron Moon Red Bull Content Pool)
Inhalt
- Was ist passiert?
- Was macht Arda Saatçi anders?
- Wie viel Reach haben Arda Saatçi und Red Bull generiert?
- Wie hoch waren die Stream-Zahlen?
- Was waren die wichtigsten Reichweiten-Hebel?
- Welche Marken haben vom Hype um Arda Saatçi profitiert?
- Was ist mit den berühmten Trittbrettfahrern?
- Wieviel Geld hat Red Bull das Projekt gekostet?
Es ist erst Mitte Mai und womöglich schon jetzt kann man Red Bull zur Marketing-Masterclass des Jahres 2026 beglückwünschen. Wir haben die wichtigsten Kennzahlen rund um das Ultra-Run-Phänomen Arda Saatçi analysiert und zeigen, wie der 28-jährige Berliner sowie diverse Marken von der Welle der Begeisterung profitieren.
Der Reihe nach.
Was ist passiert?
Der Berliner Extremsportler Arda Saatçi ist vom 5. bis 10. Mai in etwas mehr als 123 Stunden 604,6 Kilometer von Badwater Basin im Death Valley bis zum Santa Monica Pier nahe Los Angeles gelaufen. Das sind über 14 Marathons, unterbrochen von nur einigen wenigen Powernaps als Schlafpausen, medial inszeniert mithilfe des österreichischen Brausekonzerns und versehen mit dem Label "Red Bull Cyborg Season – Ultra 600".
Ursprünglich hatte sich Saatçi vorgenommen, das Ziel in unter 96 Stunden zu erreichen. Als sich unterwegs jedoch herauskristallisiert, dass der 28-Jährige länger brauchen würde, wird die Story spontan umgeschrieben. Aus dem selbsternannten Cyborg wird ein verletzlicher Held, durch dessen Unnachgiebigkeit und Authentizität sich die gesamte Internet-Community hinter ihm vereint.
Was macht Arda Saatçi anders?
Extremsportler wie Saatçi sind wahrlich kein neues Phänomen, er selbst ist schon von Berlin nach New York sowie 3.000 Kilometer quer durch Japan gelaufen. Die Art der medialen Inszenierung spielt dieses Mal jedoch in einer völlig neuen Liga. Denn Saatçis Ultra-Lauf wurde nicht nur live begleitet von Millionen Menschen auf Youtube, Twitch, Red Bull TV und Joyn, sondern hat auch auf Social-Media-Kanälen von Instagram bis Tiktok für eine neue Dimension der Viralität gesorgt. Ein Satz dominiert in diesen Tagen die Schlagzeilen: "Arda Saatçi hat das Internet gecrasht."
Wie viel Reach haben Arda Saatçi und Red Bull generiert?
Auf den eigenen Kanälen hat Saatçis Team während des Laufs hochfrequent gepostet und allein damit neunstellige Werte erreicht. Bei Tiktok waren es auf Saatçis Account mit Bezug zu seinem Rekordlauf sage und schreibe 140 Videos mit in Summe 124 Millionen Views. Hinzu kommen 33 Reels mit 183 Millionen Aufrufen und 10,4 Millionen Herzen. Saatçis Follower*innen-Zahlen sind dadurch bei Tiktok von 792.000 am Tag vor dem Start (4. Mai) auf inzwischen 1,4 Millionen angestiegen. Bei Instagram sprang die Zahl im selben Zeitraum von 1,3 auf 2,7 Millionen Follower*innen.
Über die Accounts von Red Bull Germany ging sogar noch einen Tick mehr: Collab Posts mit Arda Saatçi herausgerechnet stehen bei Instagram unterm (vorläufigen) Strich 46 Reels zur Aktion mit in Summe 93 Millionen Views und 5,1 Millionen Herzen sowie 52 Videos mit 218 Millionen Aufrufen bei Tiktok.
Das sind in Summe bei Instagram und Tiktok über die Accounts von Arda Saatçi und Red Bull Germany schon über 600 Millionen Video-Aufrufe.
Wie hoch waren die Stream-Zahlen?
Auf Rekordniveau. In der Spitze waren beim Zieleinlauf circa 646.000 gleichzeitige Zuschauer*innen allein auf Saatçis Twitch-Account dabei, im Schnitt waren es dort über alle Tage hinweg etwas mehr als 57.000. Den bisherigen Rekord hatte Streamer MontanaBlack inne, der es laut "Twitch Tracker" auf 371.000 gleichzeitige Zuschauer*innen gebracht hatte.
Doch das ist noch längst nicht alles. Nach Anlysen von "Streams Charts" haben Arda Saatçi und Red Bull mit den diversen Live-Streams und Co-Streamings via Tiktok, Twitch und Youtube zu Peak-Zeiten in Summe rund 2,9 Millionen gleichzeitige Zuschauer*innen erreicht, wovon knapp 1,2 Millionen auf Saatçis Youtube-Kanal zurückgehen. Die Zahl der Watched Hours beträgt über alle Kanäle über 26 Millionen.
Die Anzahl von Saatçis Twitch-Follower*innen hat sich seit dem 4. Mai, der Tag vor dem Start des Laufs, von rund 280.000 auf bis heute über eine Million beinahe vervierfacht. Bei Youtube ist die Zahl von 962.000 (4. Mai) auf aktuell 1,6 Millionen Subscriber*innen gestiegen. Dort hatte Saatçi im Vorfeld des Laufs zudem eine sechsteilige Long-Form-Serie über die sportliche Vorbereitung für den Ultra-Run veröffentlicht. Diese hat in Summe über 5,7 Millionen Views erzielt, also fast eine Million pro Episode – ein festes Fundament für die danach folgenden Live-Streams und Kurzvideo-Feuerwerke während des Laufs.
Was waren die wichtigsten Reichweiten-Hebel?
Neben den Owned Channels von Red Bull und Arda Saatçi, inklusive diversen Collab Posts, ist auch jede Menge Prominenz in das Cyborg-Reichweiten-Game eingestiegen. So bekam das Projekt in Form von Kommentaren vornehmlich bei Instagram Support aus der Musikbranche (u.a. Achraf, Haftbefehl und Kontra K), aus dem Profifußball (u.a. André Schürrle, Nick Woltemade und das DFB-Team) sowie aus der Creator-Szene (u.a. Knossi, Papaplatte und Pamela Reif). Mit Elias Nerlich hat eine weitere Branchengröße phasenweise auf Youtube sogar co-gestreamt.
Im Prinzip auf allen Kanälen hat sich das Mensch-Maschine-Projekt im wahrsten Sinne Schritt für Schritt hochgeschaukelt und letztlich verselbstständigt. Es dauerte nicht lange, da kursierten auf Reddit diverse Memes. Auf Tiktok haben irgendwann unzählige Privat-Accounts damit angefangen, Content-Schnipsel aus dem Live-Stream zweitzuverwerten und damit User Generated Content par Excellence zu erstellen. Genauso schalteten sich mit fortlaufender Dauer immer mehr prominente und reichweitenstarke Gäste in den Live-Stream dazu, darunter Fußballprofis wie David Alaba und Nico Schlotterbeck sowie Künstler wie Kollegah und Luciano.
Welche Marken haben vom Hype um Arda Saatçi profitiert?
Abseits von Red Bull, die Energydrinkmarke ist wenig überraschend über Saatçis Cap sowie über Strecken-Branding ständiger Begleiter, tummeln sich nur ganz wenige ausgewählte offizielle Partner in dem Setup. Allen voran hat sich die Running-Marke Brooks in den Vordergrund gespielt, in deren Modellen Saatçi unterwegs war. Brooks hat mit seinem deutschen Account fleißig in den Social-Kanälen kommentiert und bei Instagram jeweils einen Collab Post mit Red Bull Germany sowie mit Arda Saatçi abgesetzt. Die Ausbeute allein dafür: 6,1 Millionen Views und fast 400.000 Herzen. Zudem hat die Marke per Gewinnspiel 100 Paar des exklusiven Saatçi-Modells "Glycerin Max 2" verlost und darüber Daten von potenziellen Neukund*innen generiert.
Wer über Saatçis Tiktok-Bio stolpert, kann dort darüber hinaus dessen Rabattcode für Fitnessprodukte von ESN nicht verfehlen – eine weitere sehr native Einbindung. "Nach 350 Kilometer erstmal über Fußball sprechen" war obendrein auch noch drin, als Saatçi zeitweise begleitet von Influencer-Größe Marlon (5,1 Millionen Follower*innen bei Instagram) über "El Clásico" zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid spricht. Das Ganze verpackt als Collab Post von Red Bull Germany mit dem Sport-Streamer DAZN, der das spanische Spitzenspiel vergangenen Sonntag hierzulande übertrug und über diesen Weg bewarb.
Natürlich kam auch Saatçis eigene Sport-Fashion-Marke DayOne nicht zu kurz, in der der Berliner weite Teile der Strecke unterwegs war und die während des Laufs über eine zeitlich begrenzte Rabattaktion "Cyborg Season Sale" Umsatz zu generieren versuchte. Wie viel Geld das in die Kassen von DayOne gespült hat, ist unklar. Ganz sicher aber dürfte DayOne noch nie so viel Sichtbarkeit generiert haben, wie in den fünf Tagen von Saatçis Dauerlauf.
Was ist mit den berühmten Trittbrettfahrern?
Auch dieses Mal gab es sie wieder: Marken, die gar nichts mit der eigentlichen Aktion zu tun haben und trotzdem auf der Welle der Begeisterung mitsurfen wollen. Unter den Social Postings fühlten sich Stunde um Stunde und Tag für Tag immer mehr Brands zu Kommentaren berufen – Audi, Blackroll, BMW Motorrad, Kapten & Son, L'Osteria, Media Markt Saturn, Samt by Schwartau, Telekom Group Careers – die Liste ist lang, und versuchen kann man es ja mal. Um es positiv zu drehen: Je nach Fit haben Arda Saatçi und sein Team jetzt sicher ein paar New-Business-Gespräche vor der Brust.
Den Vogel abgeschossen hat allerdings Decathlon. Denn über weite Strecken läuft Saatçi in einem 19,99-Euro-Laufshirt des Sportartikelhändlers. Von den Zuschauer*innen wird er explizit dafür gefeiert, die Botschaft dahinter ist simpel: Man braucht nicht die teuerste Spezialausrüstung, um ein derart ambitioniertes sportliches Ziel in die Tat umzusetzen – Saatçi, der nahbare Held, und Decathlon, die davon profitierende Marke. Es dauert nicht lange, bis das Unternehmen zu diesem viralen "Elfmeter antritt" und über eigene Postings gekonnt zum eigenen Kommunikations-Coup einnetzt.
Wieviel Geld hat Red Bull das Projekt gekostet?
Das bleibt wie immer ein gut gehütetes Geheimnis rund um die Konzernzentrale in Fuschl am See. Klar ist: Die gesamte Inszenierung, Content-Erstellung und auch Logistik – Saatçi bekam auf der Strecke zwischenzeitlich Polizei-Eskorte – wird einen stolzen Preis gehabt haben. Und selbst wenn dieser im relevanten Millionen-Bereich gelegen hat, dürfte es das Investment allein schon angesichts der oben beschriebenen Kennzahlen Wert gewesen sein. Zumal sich Red Bull mit der Aktion mal wieder auf unnachahnliche Art und Weise in die internationale Presse katapultiert und darüber massive PR-Werte generiert hat, die neben vielen weiteren Kennzahlen noch on top zu rechnen sind.
Und Arda Saatçi? Der vom Naturell her ziemlich zurückhaltende Hauptdarsteller und Sympathieträger der Internet-Gemeinde hat parallel zur körperlichen Höchstleistung, um die es ihm im Kern immer ging und geht, obendrein nun auch seinen ganz persönlichen Marketing-Ultra-Run absolviert.
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