„Enge Freunde“ gegen Bezahlung: Wie Influencer Instagram als Paid-Content-Kanal nutzen

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"Gib mir Geld, dann setz ich Dich auf die Liste"

Eigentlich soll ein Platz auf der „Enge Freunde“-Liste auf Instagram eben genau jenen vorbehalten sein: den engsten Vertrauten der Nutzer. Doch einige findige Instagrammer haben das Feature als Chance zur Monetarisierung entdeckt: Wer der Liste hinzugefügt werden möchte, muss dafür bezahlen – und erhält im Idealfall im Gegenzug exklusiven Content. OMR zeigt internationale und deutsche Beispiele sowie verschiedene Content-Strategien.

„Für 3,33 US-Dollar füge ich Euch auf meinem Instagram-Account der ‚Enge Freunde‘-Liste hinzu“, schreibt Gabi Abrão, auf Instagram unter dem Namen „Sighswoon“ aktiv, auf ihrer Patreon-Seite. Als Mitglied dieser Liste erhalten die zahlenden Instagram-Follower dann Zugriff auf Instagram Stories mit persönlichen Updates, neuen und alten von Abrão verfassten Gedichten und Prosastücken sowie Ratgeber-Sitzungen. „Ich poste die ‚Frag mich irgendwas‘-Boxen nur noch in meiner ‚Enge Freunde‘-Liste. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Eure Frage beantwortet wird.“

 

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Mindestens 1.400 US-Dollar monatlicher Umsatz über Patreon

92.400 Nutzer folgen Abrão auf Instagram; die 25-jährige US-Amerikanerin hat sich vor allem mit dem Posten von Memes über Wellness (im Sinne von „persönlichem Wohlbefinden“) und geistiger Gesundheit ein Publikum aufgebaut. Mittlerweile postet sie aber auch immer häufiger Fotos von sich, zu denen sie mit langen Captions aus ihrem Leben berichtet. Laut ihrer Patreon-Seite bezahlen bereits 432 Unterstützer dafür, um zusätzliche Inhalte von Abrão abrufen zu können. Mindestens 1.400 US-Dollar Brutto-Umsatz generiert die Instagrammerin also auf diesem Wege. Wer mehr als die Mindestsumme zahlt, erhält dem Patreon-Modell entsprechend Zugang zu weiteren Inhalten, wie etwa einem schriftlichen persönlichen Wochenrückblick.

 

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Been really sensitive to negativity lately or any form of policing of who I am and what I like. From bitches simply being like “you’re such a Virgo haha” to “woah why do u like Kim kardashian??” to “didn’t know u liked this meme” to commenting on how I dance or how my body looks lol. It’s so annoying. Like bitch you don’t know a damnnnn thing. And on a bigger scale – don’t you want to feel free on this limiting earth?? Tf has gotten into you. SO. Three reminders: 1. You don’t know everything about anyone especially online. You don’t possess anyone’s identity. Let people surprise you. Let your friends put on a song you don’t expect or an outfit you’ve never seen them in and support them. Don’t say “Woah, weird choice haha” you fucking asshole what the FUCK. Let people play with their look and and taste and sexuality and gender and the way they represent themselves. Every time you do so, you free them, you free yourself, you contribute to freeing everyone. Fuck a “WhY yOU Do ThAt” ass bitch!!! Unless someone fucking sucks and is hurting or oppressing others bitch I don’t wanna hear your limited programmed mind speak. You’re blacklisted from the movement. I’ll be over here with everyone who wishes to be jointly free and fluid and supported during our short stay on this flawed earth. 2. THERE ARE CERTAIN THINGS YOU SHOULDNT HATE ON. NEVER talk shit on how someone dances. Dancing frees the soul and moves the body it’s fucking sick, it’s not a sexy popularity contest or power move. Let everyone dance. Wtf is wrong with you. Don’t talk shit about someone’s speaking voice or the sound of their laugh. Don’t hate on bodies, features someone is born with that they use to navigate this planet. You corporation-minded loser wtf. Gross. 3. Some shit is just probability. The more eyes are on my page, the greater probability some will be hateful eyes. The bigger your social life, the more drama will touch you. The more shit you do, the more feelings you’re gonna feel. Sometimes it’s just numbers. I LOVE YOU GO BE YOURSELF AND TRY NEW THINGS EVEN IF YOU END UP NOT LIKING IT AND CHANGE BACK, OR YOU DO LIKE IT AND CHANGE AGAIN AND AGAIN

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Nachdem die US-Zeitschrift „The Atlantic“ über Abrão und andere Instagrammer, die Instagrams „Enge Freunde“-Liste als Paid-Content-Kanal nutzen, berichtete, zieht Abrão in einem Instagram-Post ein positives Resümee: Sie habe auf ihrem Sighswoon-Account von Anfang an sehr offen und verletzlich über ihr Leben berichtet. Mit dem Follower-Wachstum hätte dann auch die Zahl aufdringlicher Nachrichten und „irritierter Passanten“ zugenommen. „Mit dem ‚Enge Freunde‘-Feature werde ich nun von Menschen gelesen, die mich wirklich lesen wollen. Das ist wunderbar.“

Reaktion auf das Phänomen der „Finsta“-Accounts?

Die Monetarisierung von „privateren Inhalten“ kannte man bisher eigentlich eher aus der Online-Porno-Branche. „Erotik“-Youtuberin Katja Krasavice beispielsweise experimentierte bereits 2017 mit einem Snapchat-Account, über den sie ankündigte, nicht jugendfreie Inhalte zu teilen, und bei dem sie Nutzer nur gegen Bezahlung als Kontakt hinzufügte. Über Plattformen wie „Only Fans“ oder „Just Fans“ versuchen aktuell häufig eigenständig agierende „Porno-Influencer“, ihre treueste Fans in Abonnenten umzuwandeln.

Die „Enge Freunde“-Liste auf Instagram hat Plattform-Betreiber Facebook im November 2018 wohl ursprünglich eingeführt, damit Instagram-Nutzer nicht immer nur den „schönen Schein“ wahren müssen, sondern möglicherweise auch ohne sozialen Druck weniger positive oder schöne Erlebnisse mit Freunden teilen können. Der Schritt war möglicherweise auch eine Antwort auf das Phänomen der so genannten „Finsta-Accounts“: Viele junge Instagram-Nutzer betreiben wohl neben ihrem Haupt-Account einen weiteren privaten, bei denen sie nur ihre engsten Freunde als Abonnenten akzeptieren.

100 US-Dollar für ein Skype-Gespräch pro Monat

Findige Influencer haben das Feature jedoch als Monetarisierungs-Chance entdeckt. Gabi Abrão alias Sighswoon ist nicht die einzige Instagrammerin, die ihre „Enge Freunde“-Liste als Paid-Content-Kanal nutzt. Die Follower von Caroline Calloway beispielsweise können sich ebenfalls über die Patreon-Seite der jungen US-Amerikanerin zum Preis von zwei US-Dollar im Monat auf Calloways Liste einkaufen. „Jeden Tag bekommt ihr ein bisschen zusätzliche Geschichten, Witze, Dramen, Nacktbilder, Pflanzen, usw.“, so die Instagrammerin. Wer 100 US-Dollar im Monat zahlt, dem verspricht Calloway einmal im Monat ein einstündiges Gespräch via Skype. 345 „Patrons“ hat Calloway laut Patreon bereits angesammelt; wie viele davon den Mindestbetrag und wie viele mehr zahlen, ist von außen nicht ersichtlich.

 

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BREAKING NEWS: I just created a Patreon!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! There are just two tiers of support that I’m offering. $2 and $100. Close Friends—For $2 a month I’ll add you to my Close Friends list on ig and I’ll create exclusive content for you everyday. And Closest Friends. For $100. There are only 20 of these spots because there are only so many hours in a month. I’ll add you to my Close Friends list on ig AND Skype with you for one hour every month. You can ask me whatever you want! Or we can just chill! Or sit in silence! Whatever you want! It’ll be fun. Considering offering a third tier where I offer people one-on-one writing coaching, but still figuring out how that would work 🤔 If you don’t want this, you don’t have to support me. But I’d really appreciate it if you did. I love making weird, heartfelt stories for you. When I get to 100 patrons I’ll make an orchid tutorial on my Close Friends stories. When I get to 200 patrons I’ll give a giveaway of FIVE tittay paintings between my patrons 🙂 AHHHHHHH I CAN’T BELIEVE I FINALLY HAVE A PATREON. LFG LINK IN BIO😱😱😭😭🥰🥰🧚‍♂️🧚‍♂️✨

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Die heute 27-Jährige hat sich von 2015 an mit vermeintlich autobiographischen Posts (so genannten „Adventuregrams“) auf Instagram einen Namen gemacht, mit denen sie dem Anschein nach einen Einblick in ihr ereignisreiches Leben als Studentin an der Cambridge University gab. 2015 erhielt sie einen Autorenvertrag, der zwei Jahre später wieder aufgehoben wurde, nachdem sich Calloway offenbar außer Stande sah, das Buch, so wie es geplant war, fertigzustellen. Die Vorauszahlung hatte die junge US-Amerikanerin zu diesem Zeitpunkt schon ausgegeben.

Die Felicia Krull der Influencer-Welt?

Im Frühjahr 2019 veranstaltete Calloway eine umstrittene Kreativitäts-Workshop-Tour (Teilnahmegebühr: 165 US-Dollar) durch mehrere US-Städte, die nach zwei  Stationen abgesagt wurde. Im September sorgte nun eine äußerst lesenswerte vom New York Magazine veröffentliche Schilderung einer ehemaligen engen Freundin und bis dahin unbekannten Ghostwriterin Calloways über ihre gemeinsame Zeit für großes Aufsehen in der US-Influencer- und -Digitalmedien-Szene (hier eine neutrale Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse von Buzzfeed).

 

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Jesus fucking Christ. I don’t agree with this headline AT ALL. Natalie’s NOT my best friend and her article DIDN’T make me an internet ~~~~pariah~~~~ GOOD GOD! If anything I think we can all admit that her essay has really served us both since it’s driven people to my page, where they have discovered my own writing for themselves PLUS NOW THE WORLD HAS A NEW MASTERWORK OF ART—NATALIE’S BEAUTIFUL ARTICLE. It’s served us both so equally that the New York Post thought we were colluding for fame! LOL! I said nothing but nice things about Nat during my 90 minute interview and have never felt more searingly—maybe even painfully?—culturally relevant, but guess what! Publications don’t really care about characterizing your quotes correctly when they write headlines! I deeply enjoyed the spritely, sharp-eyed, silver-haired woman who interviewed me—Barb—and I’d be kind of heartbroken if she wrote this headline, but I know that writers often don’t. Their editors do. Unfortunately I’ll probably never get to see if Barb did my story right in the body of her piece because her whole thing is behind a paywall on The Times website (UK not American NY Times) and I care enough about this interview to set the record straight with a post, but not enough to pay £5 to read it.

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Aktuell folgen Calloway 799.000 Menschen auf Instagram. The Atlantic zitiert eine zahlende Abonnentin der „Enge Freunde“-Liste Calloways, die Voyeurismus zum Abschluss des Abonnements bewogen habe: Wo doch Calloway schon bisher äußerst private Dinge öffentlich geteilt habe, „wie sollte ich etwas nicht sehen wollen, das sie als intim genug einstuft, um es hinter eine Paywall zu packen?!“. Eine weitere Abonnentin berichtet gegenüber dem US-Medium jedoch, dass Calloway bislang nicht viel über die Liste geteilt habe und das Meiste davon später auch in den regulären Instagram Stories aufgetaucht sei.

„Es ist eine Herausforderung, Content-Ideen zu entwickeln“

Auch die Reise-, Mode- und Beauty-Influencerin Ashley Torres (222.000 Follower auf Instagram) verkauft über Patreon für mindestens sechs US-Dollar im Monat Plätze auf ihrer „Enge Freunde“-Liste. Bisher haben 29 Nutzer das Angebot wahrgenommen. Ihr Leben sei sowieso schon ein offenes Buch, so Torres gegenüber The Atlantic. Deswegen sei es eine Herausforderung, Ideen für bezahlten Content für die „Engen Freunde“ zu entwickeln. Mittlerweile berichte sie täglich über ihrem morgendlichen Kaffee in einem „ungeskripteten und ungeschnittenen Plausch“ davon, was in ihrem Leben gerade vor sich geht.

Andere Instagram-Account-Betreiber nutzen die „Enge Freunde“-Liste weniger, um ihr Privatleben zu vermarkten, sondern um eher Inhalte-getriebenen Content zu verkaufen, der mit ihnen persönlich wenig bis gar nichts zu tun hat. Die in London lebende Finnin Jenny Gyllander beispielsweise betreibt seit 2018 den Account „thingtesting“, auf dem sie Tests von Produkten angesagter Direct-to-Consumer-Startups veröffentlicht (wir hatten an dieser Stelle bereits über sie berichtet). 35.000 Abonnenten folgen Gyllanders Account mittlerweile.

 

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✨Personal update✨⁣ ⁣ I’ve decided to jump and take Thingtesting from a side-project to my full-time gig. I might be crazy but I figured it’s at least worth giving it a try. 😎⁣ –⁣ During the past months I’ve spoken to hundreds of followers, interviewed founders and investors, and learned so so much (swipe right for some insights from my follower survey 📈⁣). I’ve hosted meetups and dinners, received messages from 15-year-olds asking what „VC“ stands for, seen girlfriends putting together Thingtesting Christmas gifts to their boyfriends, and spoken with people who have found their new jobs through Thingtesting. I’ve learned that some companies have seen 2x normal sales in the days following a Thingtesting review, I’ve met people that I never thought I’d meet. I’ve learned which renowned VCs use compression socks, and I learned that one can faint when Kirsten Green follows your account. Most importantly, be it VCs, students, designers, or founders –  I’ve learned that Thingtesting readers are united by brands that do things differently, and a curiosity for the stories behind them. You want things to be new, and you want things to be honest. And now I want more time to make that happen. 💥⁣ –⁣ The “VC by day Thingtester by night” tagline has changed – I’m a Thingtester by day and night now. Reviews will continue to stay unbiased, and I will never charge brands to be reviewed on Thingtesting. Instead, you can support me on the journey and become a supporter/backer/member of Thingtesting Close Friends. As a Close Friend you will get access to behind-the-scenes content, events, exclusive deals and receive my endless gratitude. 💕There’s a limited amount of Close Friends spots open so be fast if that sounds like something for you. ⁣ ⁣ Let’s go #thingtesting 😎⁣ ⁣ X Jenny

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300 Mitglieder zahlen 100 US-Dollar für eine Mitgliedschaft

Den Fans ihres Accounts bietet Gyllander (ohne Patreon dafür zu nutzen) für 100 US-Dollar den Erwerb einer lebenslangen Mitgliedschaft an, die die Aufnahme in ihre „Enge Freunde“-Liste beinhaltet. Die Abonnenten der Liste erwartet Rabatt-Codes, Unboxing-Videos und damit auch eine Vorschau dazu, welche Produkte als nächstes getestet werden, sowie anderer „Hinter den Kulissen“-Content und Zugang zu Mitglieder-Events. 300 „thingtesting“-Fans sind bereits Mitglied; aktuell gibt es eine Warteliste.

„Für Thingtesting war das eine perfekte Möglichkeit ein Mitgliedschaftsprogramm zu starten, und die Community treibt alles an, was wir tun“, schreibt Gyllander in einem Tweet als Reaktion auf den Atlantic-Artikel. Vor wenigen Tagen hat die 29-Jährige, die zuvor als VC-Managerin gearbeitet hat, mit thingtesting von mehreren Business Angels erstmals selbst Geld eingesammelt: ein Pre-Seed-Investment von 300.000 US-Dollar, wie Techcrunch schreibt.

„Ich zeige Dir über Instagram Storys günstige, alte Häuser“

Wer über Google die Patreon-Seite nach weiteren Beispielen durchsucht, stößt beispielsweise auf den Zeichner Dalton Stark, dem auf Instagram 37.200 Nutzer folgen, und dem auf Patreon 128 Nutzer insgesamt 940 US-Dollar monatlich u.a. dafür zahlen, dass sie Mitglieder seiner „Enge Freunde“-Liste werden und dort exklusive Zeichnungen sehen dürfen. Auf dem Account „Cheap Old Houses“ (aktuell 561.000 Follower) stellt die Immobilienmaklerin Elizabeth Finkelstein weltweit zum Verkauf stehende, günstige (aber meist stark renovierungsbedürftige) alte Häuser vor. Im Januar dieses Jahres richtete sie einen Patreon-Account ein. 645 Unterstützer zahlen dort zwischen zwei und 30 US-Dollar monatlich u.a. dafür, über die „Enge Freunde“-Liste mindestens ein zusätzliches Haus pro Tag gezeigt zu bekommen.

 

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BIG NEWS!!! You can now become one of my “Close Friends!” And see super special houses that no one else gets to see! Ooooo! 😘 Allow me to explain. As you know, I’ve now been curating this feed for 2 years. It started as a labor of love, and it’s been frankly overwhelming how many people have joined the cause. Given the sheer amount of time I spend doing this, I’ve finally decided to ask for your support so I can continue. I’ve launched a site on Patreon that will allow you to become a Cheap Old Houses patron for just $2/month! And that leads me to the fun part: As thanks, I’ll add you to my “Close Friends” list on Instagram and you’ll receive an extra house every weekday that only patrons get to see. That’s over 20 extra houses every month! Eek! To become a patron, click the link in my profile or visit patreon.com/cheapoldhouses 💛 Thank you in advance to everyone who has helped grow the cause and save these wonderful diamonds in the rough. – Elizabeth

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In der deutschsprachigen Region ist die Nutzung der „Enge Freunde“-Liste als Paid-Content-Kanal offenbar noch relativ wenig verbreitet. Der Eltern-Blog „Langsam Achtsam Echt“, betrieben von der in Berlin lebenden Anna Brachetti, ist mit aktuell knapp 65.000 Instagram Abonnenten offenbar der reichweitenstärkste Account, der dieses Mittel nutzt. Über die oft mit Patreon verglichene deutsche Plattform Steady (hier im OMR-Porträt), die es Publishern ermöglicht, Mitgliedschaften zu verkaufen, bietet die Mutter dreier Kinder zahlungswilligen Followern drei verschiedene Mitgliedschaften zu 2,50 Euro, fünf Euro oder zehn Euro an.

 

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[Eigenwerbung] Wenn ich abends mit meiner ersten Tochter im Tragetuch auf und ab spazierte, fragte ich mich manchmal, wie viele andere Eltern wohl in diesem Moment ebenfalls mit ihren unruhigen, bauchschmerzgeplagten Babys auf und ab liefen. Auch später, wenn sie zum Einschlafen gestillt werden wollte, wenn sie nicht essen wollte, wenn sie sich vor Wut auf den Boden warf, weil ich ihr nicht erlaubt hatte, den Finger in die Steckdose zu stecken, fragte ich mich immer wieder, wie viele andere Eltern es wohl gäbe, denen es ganz genauso ging. . Mir half damals vor allem das Internet. Ich fand die wunderbaren Blogs von @geborgen_wachsen und @gewuenschtestes.wunschkind und lernte dort nicht nur, dass der Umgang mit unserem Baby, der sich für uns richtig anfühlte, einen Namen hatte, sondern auch, dass es viele andere Eltern gab, die genauso versuchten, mit ihren Kindern neue Wege zu gehen. . In der Zwischenzeit ist viel passiert. Ich habe mein Studium (Neurowissenschaften und kognitive Psychologie) fertig gestellt, mich zur Trageberaterin und Babykursleiterin ausbilden lassen und, weil das meine Art ist, wenn mich etwas interessiert, mehr als 200 Bücher über bedürfnisorientierte Elternschaft gelesen. Und auf dem Weg in den Journalismus stolperte ich dann über Instagram, wo jetzt auf einmal 50.000 Menschen täglich meine Worte lesen. . Heute bin ich an einem Punkt, an dem ich selbst Teil des Online-Elternclans sein kann für andere Eltern. Und ich liebe das! Es ist ein großes Privileg, das Schreiben zu meiner Arbeit gemacht zu haben. . Aber es fehlte mir, tiefergehend über die Themen zu schreiben, die mich und euch bewegen. Deswegen habe ich vor Kurzem einen Blog auf Steady eröffnet, um mein Wissen und meine Erfahrung in Form längerer, fundierter und gut recherchierter Artikel weiter zu geben. Die Themen und Fragen kommen dabei aus der Community, sodass ich euch hoffentlich etwas eigne Recherchearbeit ersparen kann – Zeit ist ja ein rares Gut. . In meiner Story erkläre ich heute die drei Mitgliedschaftspakete für die Artikel auf Steady. Wer mag, schaut gern mal auf https://steadyhq.com/de/langsamachtsamecht vorbei ❤️. . Welche meiner Themen inspirieren euch am meisten?

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Ein deutscher Eltern-Blog mit 493 Unterstützern

Ab einer Zahlung von fünf Euro im Monat packt Brachetti die Abonnenten auch bei Instagram auf ihre „Enge Freunde“-Liste. Dort teile sie weitere Inhalte, schreibt die Bloggerin auf ihrer Steady-Seite. „Ihr könnt Bücher und Themen vorschlagen und darüber abstimmen, welches Thema am Dienstag oder Freitag vorgestellt werden soll.“ 493 Unterstützer verzeichnet Brachetti bislang; mindestens 1.232,50 Euro im Monat setzt sie damit also monatlich über Steady um. Abgezogen davon werden noch zehn Prozent Provision sowie eine eventuelle Gebühr für die Zahlungsabwicklung.

Weitere deutschsprachige Beispiele: der Podcast „Gedankensalat“ (841 Follower auf Instagram, sechs Mitglieder auf Steady) und der Wiener Koch Valentin Helml (18.100 Follower auf Instagram, drei Patrons auf Patreon). Möglicherweise können Instagrammer über die „Enge Freunde“-Funktion in Zukunft eine Community komplett managen. Wie der US-Tech-Blog The Verge im August 2018 berichtete, arbeitete Facebook an einer gesonderten Messaging-App namens „Threads“, die das Teilen von Nachrichten und Inhalten zwischen „Engen Freunden“ auf Instagram noch leichter machen soll. Die Nutzer sollen u.a. eine Status-Meldung und ihren Aufenthaltsort teilen können. Zwar plant Facebook auch diese App eigentlich für „Real Life Friends“. Doch es wäre ja nicht das erste Mal, dass findige Influencer Funktionen in ihrem Sinne zweckentfremden.

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