Dieser Reiseblog macht mit Kreditkarten-Tipps bis zu 300 Dollar Affiliate-Provision pro Deal

The Points Guy

Brian "The Points Guy" Kelly

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Brian Kelly hat aus seinem Hobby-Blog "The Points Guy" einen Content-Marketing-Champion gebaut

Brian Kelly ist „The Points Guy“ und mit seinem gleichnamigen Blog in den letzten Jahren zum größten Travel-Influencer der USA aufgestiegen. Wie? Er und sein Team schreiben über Kreditkarten-Deals, die Meilen für die großen Fluglinien bringen – und sammeln kräftig Affiliate-Provisionen ein. Wie er aus dem trockenen Thema ein Millionen-Business gemacht hat und eine riesige Zielgruppe erreicht, lest Ihr hier.

Brian Kelly startet The Points Guy 2010, während er als Angestellter der US-Bank Morgan Stanley durch die Welt fliegt. Zu dieser Zeit nutzt er bereits Bonuspunkte und Meilen, die Banken Kreditkarten-Nutzern schenken, um für wenige hundert US-Dollar Business oder First Class zu fliegen. Seitdem gibt Kelly auf seinem Blog Tipps für die besten Bonusprogramme von Banken und Fluglinien oder günstige Flugdeals in die ganze Welt.

„Für mich sind Meilen und Punkte wie ein Kreuzworträtsel. Ich mag es, mich hinzusetzen und gechallenged zu werden. Sagen wir, ich habe 200.000 Punkte und will nach Paris, aber die Airline sagt nein. Dann will ich es trotzdem möglich machen“, sagt Kelly zu Forbes.“ Aus dem Nebenprojekt ist heute ein Content-Marketing-Unternehmen mit 20 Redakteuren geworden, das jeden Monat über 4,8 Millionen Besucher anzieht.

Kreditkarten bilden lukratives Affiliate-Geschäft

Zu Beginn können Nutzer The Points Guy Infos zu ihren bereits gesammelten Meilen und Bonuspunkten zusammen mit ihrem Reiseziel schicken. Für 50 US-Dollar Gebühr half er dann dabei, den Wunsch zu erfüllen. Schon früh merkt Kelly aber, dass er mit seinem Blog vor allem kostenlos Werbung für Kreditkarten und die dahinter stehenden Banken macht.

The Points Guy Startseite

Die Startseite von The Points Guy mit auffälliger Einbindung der Partner-Kreditkarten

Die Banken, so Kelly, hätten wiederum bemerkt, dass er die Vorteile ihrer Produkte besser kommuniziere als sie selbst. Also startet er, Affiliate-Deals in seine Artikel einzubauen. Holt sich ein Nutzer nach einem Klick auf einen der Werbelinks auf The Points Guy eine neue Kreditkarte, kassiert Kelly kräftige Provisionen. Pro Abschluss zahle eine Bank zwischen 30 und 300 US-Dollar. „Wir erstellen Content, der das Leben von Menschen verbessert – kostenlos. Dafür holen sie sich eine Kreditkarte über unsere Seite“, sagt Kelly zu Quartz.

Auch in Deutschland ein Modell

Die Karten der Partner werden auf der Webseite offensiv beworben. Jede Banner-Ad zeigt großflächig den möglichen Meilenpunkte-Bonus des jeweiligen Anbieters an. „Wir bekommen keinen Cent, wenn die Karte nicht ausgestellt wird“, sagt Kelly zu Tearsheet. 99 Prozent der Umsätze von The Points Guy komme laut Kelly von den großen Bank-Partnern.

Auch in Deutschland haben viele Reiseblogger erkannt, wie lukrativ das Affiliate-Geschäft mit Kreditkarten ist. Viele empfehlen „die besten Kreditkarten“ für das jeweilige Zielland und kassieren bei Kontoeröffnung ihre Provision.

Millenials Kreditkarten verkaufen

Das Content Team schreibt heute nicht mehr nur über Punkte-Aktionen, sondern zehn bis 20 Artikel pro Tag über aktuelle News aus dem Flugzeug-Business, Hotel-Reviews und günstige Flüge. Trotzdem stehen Kelly und sein Team immer wieder in Verdacht, nur die für sie lukrativsten Kreditkarten-Deals anzupreisen. Schließlich gehört sein Unternehmen seit 2012 zum Finanzvergleich Bankrate. Laut Brian Kelly habe er aber weiterhin die komplette inhaltliche Kontrolle über The Points Guy.

Seine Zielgruppe bestehe vor allem aus 25- bis 34-Jährigen, die gut verdienen aber nicht unbedingt reich sind. Und genau das ist die Zielgruppe, die Banken am schwersten erreichen. „Kreditkarten gewinnen bei der Zusammenarbeit mit uns, weil sie Millenials ansprechen können, eine Gruppe, zu der sie sonst keinen Zugang finden. Magazine oder TV-Spots bringen einen Millenial nicht dazu, sich eine Kreditkarte zu besorgen“, so Kelly.

Aufwändige Social-Strategie

Seine Zielgruppe erreicht er mit großer Social-Reichweite. Auf Facebook kommt The Points Guy auf 1,7 Millionen Fans. Bei Instagram sind es über 170.000 Abonnenten und auf Youtube mehr als 33.000. Vor allem der Youtube-Kanal zeigt, dass er viel in die Inhalte investiert und aufwändige Videos produziert.

Allerdings eröffnet ein Blick in das Web-Analyse-Tool Similar Web, dass nur etwa elf Prozent des Traffics aus Social-Kanälen kommt – über 60 Prozent bringt Search. Derzeit scheint sich der SEO-Aufwand also noch stärker auszuzahlen. Was Similar Web auch zeigt: Über 85 Prozent des Traffics kommt aus den USA, Deutschland ist aber Traffic-Bringer Nummer vier und wächst Monat für Monat um zehn Prozent – wenn auch auf kleiner Flamme.

In Zukunft wolle Brian Kelly nach Großbritannien, Kanada und Australien expandieren. Spannend sei außerdem die Erweiterung der Affiliate-Themen. „Konto- und Kredit-Vermittlung stehen nicht direkt auf dem Plan, aber es würde zum Beispiel Sinn machen, Reiseversicherungen anzubieten, oder auch jegliche Versicherung“, sagt Kelly.

„Vielleicht kommen wir mit einem coolen Travel-Tool um die Ecke, das es erlaubt, Bonuspunkte zu tracken und zu nutzen. Das könnte dann auch Tipps geben, wie der Nutzer am schnellsten zum Flughafen kommt und welches Transportmittel das günstigste ist.“ Auch dafür wird Kelly dann sicher wieder eine Provision einstreichen. „Uns geht es finanziell in einer Welt, in der Medien extreme Probleme haben, richtig gut. Wir haben einfach einen Lauf“, sagt Kelly.

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Diskussion auf OMR
  • Torsten

    „Auch in Deutschland ein Modell“

    Nope. Das ist ein ganz anderer Markt mit einer völlig anderen Mentalität. Kreditkarten sind in den USA Zahlungsmittel Nr.1, äquivalent zu EC Karten bei uns. Nur so: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172611/umfrage/verteilung-der-bargeldlosen-zahlungsverfahren-nach-transaktionzahl/ – oder: Was bei uns in einem Jahr an Transaktionen anfällt, trotz Wachstum, fällt bei den Amis in 18 Tagen an. Selbst wenn man die Demographie (x4) berücksichtigt, ist das Volumen weit unter diesem Level.

    Das Wachstum beruht btw. nur zu geringem Umfang auf Kundeninteresse, sondern einfach auf der Verschiebung der Technologie. Oder: Wer hat denn heute noch Reiseschecks/Schecks?

    „“Viele empfehlen „die besten Kreditkarten“ für das jeweilige Zielland““

    Genau das ist das Problem: Die Deutschen nutzen die Kreditkarte… im Zielland / für den Urlaub. Meist um „auf der sicheren Seite“ zu sein, wenn die EC Karte doch nicht genommen wird / werden könnte. Oder für Zahlungen im Ausland. Es ist also kein „daily business“, sondern Ausnahmen.

    Mal ganz abgesehen davon: Kreditkarte ist auch so ein Wort, was den sicherheitsgeilen Deutschen in den Ohren klingelt. Marketingfail deluxe! Ich kenne keinen, der bei „Kredit (aufnehmen)“ nicht erst einmal zusammenzuckt, während es im anglo-amerikanischen Raum schon fast zum guten Ton gehört (bei einer Kreditkartengesellschaft) verschuldet zu sein. Siehe auch, für die abstrahierenden Sprachbegabten unter uns, die verschiedenen Bedeutungen von „credit“ im englischen: https://dict.leo.org/englisch-deutsch/credit

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