Predictions 2024: Was Tech-Vordenker*innen für dieses Jahr vorhersagen

Wir fassen für Euch die Vorhersagen von Scott Galloway & Co. zusammen

Was wird sich in den kommenden zwölf Monaten in der Tech- und Marketingwelt tun? Die Beantwortung dieser Frage rund um den Jahreswechsel hat sich zu einer Art Sport entwickelt. OMR fasst die "Predictions" von US-Vordenker*innen wie Marketingprofessor Scott Galloway, Tech-Journalistin Kara Swisher, Investor Fred Wilson und Wired-Mitgründer John Battelle zusammen.

So wie für 2023 nahezu alle Branchenexperten (wenig überraschend) einen Hype um künstliche Intelligenz vorhergesagt hatten, so einig sind sich für 2024 viele von ihnen darin, dass der Rummel um KI in 2024 seinen Zenit erreicht bzw. er sogar schon vorher überschritten worden ist. So spricht u.a. der "König der Predictions" Scott Galloway von "Peak AI" und führt als Argument dafür u.a. ins Feld, dass die Suchanfragen zu AI laut Google Trends langsamen zurückgehen (hier seine Predictions als Podcast-Folge bei Spotify). Galloway erwartet, dass GLP1 (also das auf Semaglutiden basierende Wundermittel von u.a. Novo Nordisk, das u.a. beim Abnehmen helfen soll) 2024 eine größere gesellschaftliche Auswirkung haben werden als Open AIs jüngstes Sprachmodell GPT4.

AI wird von Klagen und Regulierung ausgebremst

Auch Wired-Mitgründer und Unternehmer John Battelle prognostiziert für 2024: "Die KI Party macht eine Pause". Unternehmen würden feststellen, dass ihre ersten Experimente in diesem Bereich weniger wirkungsvoll gewesen seien als ursprünglich gedacht, Verbraucher*innen die Kosten für ein monatliches Premium-Abo von Generative-AI-Services überdenken und Rechteinhaber wie Künstler*innen und Zeitungen würden gegen KI-Firmen vor Gericht ziehen.

Ein Jahr voller Rechtsstreits und Regulierung prophezeit auch Fred Wilson von Union Square Ventures für die KI-Sphäre – eine wenig wagemutige These angesichts der jüngsten Klage der New York Times gegen Open AI sowie des AI Acts, an dem die EU gerade arbeitet. Interessanter ist da schon die Aussage, dass nun, wo mit "Large Language Models" und anderen Modellen die Basis-Technologie für KI etabliert sei, die "Ära der Anwendungen" anbreche.

Die großen Player profitieren

US-Tech-Journalist Casey Newton glaubt, dass deswegen hauptsächlich die etablierten Tech-Player vom KI-Boom profitieren werden. Die Qualität der Modelle unterscheide sich mittlerweile nur marginal. Deswegen werde es am Ende auf das Produkt und den Vertrieb ankommen. "Wer kann das beste Nutzererlebnis schaffen? Wer kann es vor die meisten Leute bringen?" Hier sieht Newton Google mit dem jüngsten vorgestellten Project Gemini, aber auch Microsoft (das für seine Windows-Rechner gerade eine eigene Taste für den KI-Assistenten Copilot angekündigt hat) als am besten positioniert.

Auch Scott Galloway rechnet mit Blick auf KI damit, dass das "Imperium zurückschlagen wird". Seine "Aktie der Wahl", von der er eine besonders gute Performance erwartet, ist deswegen für das Jahr 2024 die der Google-Holding Alphabet. Kara Swisher, Tech-Journalistin und mit Galloway Co-Hostess des Pivot Podcasts, prognostiziert zwar, dass Google den aktuellen Kartellrechtsprozess in den USA verlieren wird. Aber falls der Konzern in mehrere Teile aufgebrochen werden wird, werden die einzelnen Teile mehr wert sein und der Kurs der Google-Aktie steigen, prophezeit Scott Galloway.

Boom der Reise-Aktien

Apropos Börse: Der Marketingprofessor glaubt, dass die Kurse von Reise-Anbietern wie Booking.com und Expedia im kommenden Jahr explodieren werden. Der Grund dafür: Die jüngere Generation finde sich zunehmend damit ab, dass sie sich kein eigenes Heim mehr leisten kann – und unternimmt deswegen wenigstens ausgiebige Reisen.

Das am stärksten unterbewertete Tech-Unternehmen ist nach Ansicht Galloways die Tiktok-Mutter Bytedance, die "das ultimative Propaganda-Werkzeug für die Kommunistische Partei Chinas" erschaffen habe. Das chinesische Unternehmen generiere fast so viel Umsatz wie Meta (116 bzw- 136 Milliarden US-Dollar) sei aber nur ein Viertel so viel wert. Galloway glaubt, dass es vor allem geopolitische Gründe sind, die das Unternehmen ausbremsen. Für 2024 rechnet der 59-Jährige damit, dass Bytedance mit Tiktok Spotify (mit dem eigenen Musik-Streaming-Dienst) und Netflix (mit dem Ausbau von langformatigen Inhalten) angreifen wird.

Kann das web3 ein Comeback feiern?

Was ist mit den Trendthemen aus den vorherigen Jahren? Zumindest eines davon, das "web3" wird im kommenden Jahr eine Art Comeback feiern, glaubt VC Fred Wilson. Zuerst werden Gesetzgeber*innen und Regulierungsbehörden rechtliche Klarheit für den Bereich schaffen, so der Investor. Diese Entwicklung mache es möglich, dass dezentralisierte, auf der Blockchain basierende Anwendungen in den Mainstream vordringen. Das Web3 benötige dringend einen ChatGPT-Moment, so Wilson.

Und wie sieht es im Mergers-and-Acquisitions-Bereich aus? Das Marktforschungs- und Analyse-Unternehmen CB Insights hat eine Liste von zehn potenziellen Firmenübernahmen vorgelegt, die 2024 Wirklichkeit werden könnten. So hält CB Insights beispielsweise eine Akquisition von Stripe durch Shopify für möglich. Der E-Commerce-Konzern ist bereits seit 2021 an dem Zahlungsdienstleister beteiligt; in den letzten zwei Jahren ist die Bewertung von Stripe fast um die Hälfte geschrumpft. Für Shopify könnte eine Komplettübernahme aus strategischer Sicht Sinn ergeben, um E-Commerce-Infrastruktur und Zahlungsabwicklung aus einer Hand anbieten zu können.

Erste Konsolidierung im KI-Bereich?

Eine weitere Prognose von CB Insights: Der Open-AI-Mitbewerber Anthropic, der bereits mehrere Milliarden US-Dollar Funding u.a. von Google und Amazon eingesammelt hat, könnte Stability AI aufkaufen, also das Unternehmen, das u.a. versucht, den Text-zu-Bild-Generator Stable Diffusion zu kommerzialisieren. Im November hatte Bloomberg bereits von Gerüchten berichtet, nachdem Stability AI zum Verkauf steht.

Hier eine Liste mit Links zu allen Vorhersagen, die wir uns durchgelesen haben:

Persönliche Predictions:

Predictions von Unternehmen:

Artikel mit Stimmensammlungen:

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Roland Eisenbrand
Autor*In
Roland Eisenbrand

Roland ist seit mehr als zehn Jahren als Journalist in der Digitalbranche aktiv. Seit 2014 verantwortet er als Head of Content (und zweiter Mitarbeiter) alle inhaltlichen Komponenten von OMR, darunter vor allem den OMR Blog und redaktionelle Arbeit rund um das OMR Festival.

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