Von Clubhouse bis WallStreetBets: It’s the social media economy, stupid!

"New York Times"-Journalistin Taylor Lorenz im OMR Podcast

OMR Podcast-Doppelfolge: "New York Times"-Journalistin Taylor Lorenz über Up-and-coming-Plattformen in den USA, und Scalable-Gründer Eric Podzuweit erklärt den WallStreetBets-Wahnsinn

Als Ihr Euch neulich bei Clubhouse angemeldet habt, war Taylor Lorenz längst weitergezogen. Die US-Journalistin schreibt über die Social Media Economy, erst für „The Atlantic“, inzwischen für die „New York Times“. 2019 stand sie auf der großen Bühne beim OMR Festival. Wer Lorenz damals live erlebt hat, weiß: Diese Frau kennt sich wirklich bestens in der Szene aus. Sie gehörte zu den Ersten, die auf Clubhouse aktiv waren und auch über die Plattform geschrieben haben. Immer wieder findet Lorenz Leute, die Apps, Online-Tools und soziale Medien auf kreative Weise nutzen – und von denen hierzulande bislang die wenigsten überhaupt gehört haben. Wenn Ihr also wissen wollt, welche App das Big Thing nach dem Next Big Thing wird, dann ist diese Folge des OMR Podcasts ein Muss.

Wir haben bei OMR vor einigen Monaten selbst darüber geschrieben, wie die Corona-Pandemie OnlyFans einen Boom bescherte. Im OMR Podcast spricht Lorenz über die bedrückende Seite der Creator Economy. Millionen Amerikaner hätten in der Krise ihre Jobs und damit ihre Krankenversicherung verloren. Wer dann krank wird, muss die Kosten selbst tragen. Auch das hätte dazu geführt, dass Leute bei OnlyFans gelandet sind, so Lorenz. Oder bei der Crowdfunding-Plattform GoFundMe. Dort gebe es sogar einen – schon vor Covid-19 eingerichteten – Bereich für Menschen, die andere bitten, ihre Krankenhauskosten zu finanzieren – und inzwischen auch die Beerdigung an Corona verstorbener Angehöriger.

Parler wird keine Mainstream-App

An dieser aus europäischer Perspektive mindestens fragwürdigen Entwicklung wird wohl auch die neue demokratische Regierung nichts so schnell ändern. Allerdings vermutet Lorenz, dass die sozialen Medien künftig einer stärkeren Regulierung unterworfen werden. „Die Leute beginnen zu verstehen, welchen verheerenden Einfluss diese Plattformen hinsichtlich Missinformation haben können“, sagt Lorenz. Das habe das Klima gewandelt, so dass selbst in den eher auf Liberalismus bedachten USA, Rufe nach mehr Kontrolle laut würden.

Parler, die Twitter-artige App, die sich als Plattform radikaler Redefreiheit versteht und in den vergangen Wochen als Sammelbecken ultrarechter Einheizer erst viel diskutiert, dann von den Infrastruktur-Anbietern kaltgestellt und nun vor einem Comeback steht, sieht Lorenz nicht als Gefahr. Denn sie glaubt nicht, dass Parler den Sprung in den Mainstream schaffen wird. Dafür sei die App einfach zu schlecht, so Lorenz.

Das Twitch der Ultrarechten

Dafür weist sie auf einen Dienst hin, den in Deutschland die wenigsten kennen dürften. Dlive, eine Video-Streamingplattform, die sich zu Twitch verhält wie Parler zu Twitter: eine unmoderierte Alternative für ultrarechte Creator. Einige Dlive-User, erzählt Lorenz, hätten durch Livestreams während des Sturms auf das Kapitol mit virtuellen Geschenken fünfstellige Dollar-Beträge verdient.

Weniger politisch, dafür mit großer Aussagekraft über unsere Gegenwart ist das Phänomen, von dem Lorenz anschließend berichtet. Auf der Immobilienplattform Zillow hat sie ein interessantes User-Verhalten beobachtet. Anders als bei Immobilienscout werden Häuser bei Zillow nicht nur dann eingestellt, wenn sie zum Verkauf stehen, sondern permanent gelistet. „Zillow-Surfing“ sei ein beliebter Zeitvertreib geworden.

Phänomen Social-Media-Fatigue

Interessant ist der Grund, den Lorenz dahinter ausmacht. „Alle sind müde von Social-Media-Feeds“ sagt die Journalistin. Auf Zillow könne man Häuser besichtigen, hineinzoomen, man bekommt detaillierte Informationen über die Häuser und die Umgebung. Aber es gebe hier keinerlei Dringlichkeit. „Du musst das nicht dauernd checken, du bekommst keine Direktnachrichten, es ist einfach ein entspannter Ort, an den man sich begibt, um zu träumen“, sagt Lorenz. Es geben mittlerweile eine ganze Reihe Twitter-Accounts, die Häuser auf Zillow für die Follower kuratieren würden.

Während die Drop-In-Audio-App Clubhouse in Deutschland gerade noch die Hype-Welle reitet, ist man in den USA schon weiter. Die App launchte dort nach dem selben Invite-only-Prinzip bereits im April 2020. Lorenz war seit Woche drei bei Clubhouse aktiv. „Am Anfang habe ich viel Zeit mit der App verbracht“, sagt die Journalistin. „Aber im vergangen Sommer, als es richtig losging, wurde ich – wie viele Frauen – dort häufig belästigt“, sagt Lorenz. Sie sei zwar immer noch häufig auf Clubhouse, allein schon aus Recherchezwecken, würde seitdem aber nur noch zuhören.

Trotz Hype noch immer ein Nischenphänomen

Wirklich groß sei Clubhouse in den USA bislang nicht geworden, berichtet Lorenz. Die Plattform werde nach wie vor vor allem von Leuten aus dem Tech-Ökosystem genutzt und sei zudem unter Angehörigen der Musikindustrie recht populär. Hier und da könne man in den Räumen auch B-Promis treffen. Unter den für das exponentielle Wachstum einer neuen Plattform wichtigen jungen Nutzern sei Clubhouse dagegen weniger beliebt.

Wenn Ihr wissen wollt, warum Lorenz trotzdem glaubt, dass Clubhouse noch groß werden kann, welche Chancen Twitter Spaces und neue Social-Audio-Apps gegen Clubhouse haben und welche bereits fast zehn Jahre alte Plattform der eigentliche Star der Social-Media-Ecomony ist, dann hört Euch unbedingt die aktuelle Folge des OMR Podcasts mit Taylor Lorenz an.

GameStop-Palooza for Dummies

Außerdem war Erik Podzuweit zu Gast in dieser Doppelfolge des OMR Podcasts. Für alle, die einmal ganz von vorne, in aller Tiefe und verständlich erklärt bekommen wollen, was hinter dem Wahnsinn um WallStreetBets und die GameStop-Aktie steckt, gibt der Gründer und CEO des Fintechs Scalable eine ausführliche Chronologie, wie aus der fixen Idee eines Forum-Betreibers eine Crowdinitiative wurde, die gerade die Hedgefonds-Szene erschüttert.

Wer verstehen will, welche komplexe Finanzmarkt-Mechanik die Zocker bei sogenannten Meme-Stocks ausnutzen, was für Leute hier ihr Erspartes gegen Hedgefonds wetten und welche Rolle Elon Musk bei der ganzen Sache spielt, die oder der sollte sich auf jeden Fall den zweiten Teil dieser OMR Podcast-Doppelfolge anhören.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Falls Euer Handytarif ein Update gebrauchen kann: Vodafone hat ein neues Angebot für Geschäftskunden, das Ihr Euch mal anschauen solltet: Der Tarif „Smart Business Digital“ umfasst 10 Gigabyte Datenvolumen für nur 17,99 Euro im Monate. Dazu gibt es praktische Features wie „My office number“, wodurch beim Anrufer nicht die Mobilnummer, sondern eine Festnetznummer angezeigt wird. Alle Infos und Abschluss nur online – und zwar hier.

Wieder als Partner des OMR Podcasts mit dabei ist diese Woche Sevdesk. Das junge Unternehmen aus dem Schwarzwald konnte mit seiner Buchhaltungssoftware bereits über 80.000 Kunden überzeugen. Das Angebot richtet sich vor allem an Selbstständige, Freiberufler und Startups und bietet all das, was Ihr für Eure laufende Buchhaltung so braucht: automatische Beleg-Erfassung, Angebots- und Rechnungserstellung, automatische Umsatzsteuervoranmeldung, verschiedenste Schnittstellen und vieles mehr. Das Ganze ist natürlich von überall per App möglich. Unter sevdesk.de/omr und mit dem Code „OMR100“ könnt Ihr Sevdesk für sechs Monate komplett kostenlos testen!

Dann möchten wir Euch auf einen spannenden Wettbewerb hinweisen. Es geht um den Future Hamburg Award, der ganz besonders junge Firmen auszeichnen soll, die in den Bereichen Mobilität, Logistik und Wasserstoff aktiv sind. Eingeladen zur Teilnahme sind aber nicht nur Unternehmen aus der Hansestadt, der Wettbewerb steht allen offen. Wenn Eure Company in das Raster passt, dann schaut Euch das auf jeden Fall an. Mitmachen lohnt sich: Neben wertvollen Kontakten zu relevanten Playern aus der Branche wie Shell und Airbus gibt es einen sehr attraktiven Hauptgewinn: einen vierwöchigen Aufenthalt im Silicon Valley mit jeder Menge Intros zu VCs und Unternehmen. Alle Infos und Teilnahme unter future.hamburg/award.

Alle Themen des Podcasts mit Taylor Lorenz im Überblick:

  • Wie die Crowdfunding-Plattform GoFundMe für viele Amerikaner die Krankenversicherung ersetzt (ab 4:11)
  • Welche Rolle Lorenz unterschiedlichen Plattformen bei der politischen Radikalisierung in den USA zuschreibt (ab 8:51)
  • Welche Änderung den sozialen Medien durch die neue Regierung bevorstehen könnte (ab 10:27)
  • Wie rechte Influencer auf der Livestreaming-Plattform Dlive Tausende Dollar verdienen (ab 12:02)
  • Warum US-User auf Tiktok mittlerweile Häuser anbieten und wie die Zillow zu einer Art Pinterest für Immobilien wurde (ab 14:11)
  • Welches Problem Lorenz, die zu den ersten Nutzenden zählt, mit der Plattform Clubhouse hat (ab 18:43)
  • Weshalb Twitch der Grund sein könnte, dass neue soziale Netzwerke Schwierigkeiten haben, aus der Nische herauszuwachsen (ab 32:00)
  • Wie sich das Chaos um GamesStop und WallStreetBets aus Sicht von Scalable-Gründer Eric Podzuweit darstellt (ab 33:41)
  • Warum die derzeit kritisierten Short-Seller eine wichtige Funktion für die Börse haben (ab 43:38)
  • Warum das Aussetzen der Möglichkeit Aktien von GameStop und einiger weiteres Werte durch Robin Hood so problematisch ist und was hinter den Kulissen passiert dazu geführt haben mag (ab 1:02:00)
  • Wie Podzuweits eigene App von der aktuellen Situation profitiert hat, wodurch Scalable sich von Robin Hood unterscheidet und warum die GameStop-Aktie dort nicht gesperrt wurde (1:09:33)
  • Welche Konsequenzen die Geschehnisse der vergangen Tage für die „Aktienkultur“ haben könnten (ab 1:18:16)
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