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Manwin-Gründer Fabian Thylmann: Der Zuckerberg der gespreizten Schenkel

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Im OMR Podcast spricht der Mann, der Youporn groß gemacht hat, über sein einstiges Porno-Imperium, Jugendschutz im Web und sein Cannabis-Investment

In der Adult-Entertainment-Szene ist Fabian Thylmann eine Legende. Mit Youporn und Pornhub hat er die Gesetze der Branche neu definiert. Als User kennt man ihn am ehesten als Ex-Porno-Unternehmer, dem wegen Steuerhinterziehung der Prozess gemacht worden ist. Tatsächlich war der Aachener einer der ersten und bis heute wenigen Deutschen, die einen global erfolgreichen Digitalkonzern aufbauen konnten. Im OMR Podcast mit Philipp Westermeyer erzählt er die ganze Story hinter seinem Porno-Imperium Manwin und verrät unter anderem, welche Rolle dabei ein von den Porn-Biz-Renditen angefixter Hedge Fonds gespielt hat.

Wenn die Rede auf Fabian Thylmanns einstiges Porno-Imperium Manwin kommt, dann steht schnell eine Zahl im Raum: 362 Millionen Dollar. Diese Summe hat der damals 32-jährige Deutsche aus dem Umfeld der Wall Street als Kredit bekommen. Mit dem Geld ging der Unternehmer anschließend auf globale Shoppingtour und formte aus High-Traffic-Tube-Seiten, Amateurporno-Plattformen und Portalen für Nischen-Fetische ein Unternehmen mit 1.200 Mitarbeitern, auf dessen Sites addiert 55 Millionen Unique Visitors unterwegs waren – am Tag.

Shopping-Tour mit Mafia-Geld?

Über die Herkunft des Geldes ist immer wieder spekuliert worden. Thylmann hat eine vergleichsweise unspektakuläre Erklärung: „Durch die Branche gab es relativ krasse Non-Disclousure-Agreements, weil Standard-Investoren da nicht gerne drüber reden. Dadurch kommen natürlich die ganzen Gerüchte, dass es Mafia-Geld war oder irgendwas“, sagt Thylmann im OMR Podcast, den solche Spekulationen amüsieren würden.

Die Namen der Investoren lässt er sich auch von Philipp nicht entlocken, stellt aber immerhin einmal etwas ausführlicher dar, wie der Deal zustande gekommen ist. Zunächst habe er sich selbst von einer internationalen Wirtschaftskanzlei beraten lassen, wo es bei über mehrere Länder verteilten Unternehmen zu Problemen in steuerlicher Hinsicht kommen könnte. Die Berater seien es dann gewesen, die sagten, dass er aufgrund seiner Zahlen einen Kredit bekommen müsste.

Dann hätten diese sich auf die Suche nach einer Bank oder einem vergleichbaren Geldgeber gemacht. Nach drei Jahren hätte dann ein Hedge Fonds angebissen. Für den sei der Kredit extrem interessant gewesen, so Thylmann, „weil die Rendite der Hammer war, solange diese KPIs eingehalten wurden. Deswegen haben die es gemacht.“

Traum aller Hedge-Fonds-Manager

Ursprünglich habe er nur etwas mehr als 100 Millionen Dollar gesucht, so Thylmann. Doch die Banker dachten größer. „Die kamen dann zu uns an: Hey, spinn mal ein bisschen rum. Wie hoch kannst du das denn schieben? Ich will einfach mal sehen, auf was für Ideen du noch kommst, was du noch kaufen würdest und wie viel Geld du gerne ausgeben würdest. Und dann kam halt dieser abartig hohe Betrag zusammen“, erinnert sich Thylmann.

Vor diesem Deal bestand seine Firma aus europäischen Amateur- und Nischen-Sites. Nachdem er im April 2011 die 362 Millionen Dollar als eine Art Kreditlinie bekommen hatte, ging Thylmann dann auf eine weltweite Shoppingtour, um das von ihm im Vorjahr gekaufte kanadische Unternehmen Mansef, das er in Manwin umbenannt hatte, wachsen zu lassen. Allein 2011 wurden unter anderem die Video-Sharing-Seite Youporn sowie die Web- und TV-Produkte der Marke Playboy übernommen. Es folgten die Übernahmen weiterer Sites sowie Content-Kataloge.

Die Sache mit der Einkommenssteuererklärung

Der Öffentilchkeit blieb der kometenhafte Aufstieg von Thylmann und seiner Firma Manwin weitgehend verborgen. Bis eine umfangreiche Recherche der Tageszeitung „Die Welt“ das komplexe Firmengeflecht des Porno-Giganten nachzuzeichnen versuchte und dabei steuerlich fragwürdige Konstruktionen vermutete.

Es folgten Ermittlungen gegen Thylmann, eine kurze Untersuchungshaft und 2016 eine Bewährungsstrafe wegen Hinterziehung von Einkommens- und Gewerbesteuer. Bereits im Oktober 2013 verkaufte der Manwin-Gründer seine Anteile im Zuge eines Management-Buyouts. Die Firma besteht heute unter dem Namen Mindgeek fort.

Erste Kontakte ins Biz

Thylmanns Karriere in der Porno-Industrie begann früh. Mit 17 codete er Statistik-Tools für Websites. Um diese sinnvoll nutzen zu können, brauchte er jedoch Zugriff auf Websites mit Themen, die für hohen Traffic sorgen. Anfang der 90er hieß das vor allem: Sex. „Als 17-jähriger ist man sowieso Porn-affin, deswegen rutscht man da relativ einfach rein, wenn man die richtigen Leute trifft“, sagt Thylmann.

Die werden zu seinen ersten Kunden. Nach und nach lernt er die Branche kennen – und sieht wie ineffizient dort im Digitalen an vielen Stellen gearbeitet wird. „Ich kann das nicht ab, wenn ich wem zugucke und denke, der macht was falsch. Das finde ich ganz schlimm“, sagt Thylmann.

Also kauft er irgendwann seine erste Amateurporno-Plattform und optimiert diese. „Ich bin nicht der Typ, der sich hinsetzt und von null an was Neues aufbaut und so eine Plattform hochzieht. Da hab ich keine Ruhe zu“, sagt Thylmann. Abgesehen von ein paar selbst gegründeten Nischen-Sites, um das Portfolio zu vervollständigen, wächst Manwin darum allein durch M&A-Deals zum weltgrößten Anbieter von Adult-Entertainment-Content im Internet.

Entscheidend für den Erfolg von Manwin war die Verknüpfung von Affiliate-Modellen und Paid-Sites, deren Funktionsweise Thylmann im OMR Podcast ausführlich darlegt. Und auf die er nicht ohne Stolz zurückblickt: „Wir haben ja mehr oder weniger jede Art und Weise an Online-Werbung erfunden – Pop-Unders, Pop-Overs, Blind-Links, die plötzlich nicht mehr auf kostenlosen Content gehen, sondern auf eine Paysite und so weiter und so fort. Jeden Blödsinn, das kommt alles von uns“, sagt Thylmann.

Um ausreichend viele User der Gratis-Sites in zahlende Abonnenten der kostenpflichtigen Angebote zu konvertieren habe man mit Trial-Modellen und limitiertem Content experimentiert. „Da haben wir ganz viel getestet und ganz viel entwickelt“, sagt Thylmann, der vor seiner Manwin-Zeit neben Website-Statistik vor allem am Thema Affiliate-Tracking gearbeitet hatte. Viele der bei Manwin erprobten Mischmodelle aus Free- und Paid-Content begegneten ihm gerade wieder, so Thylmann. Etwa als Paywall auf Seiten von seriösen News-Anbietern.

Der Aufstieg der Porno-Amateure

Auch wenn Thylmann die Branche operativ hinter sich gelassen hat, das Thema kickt ihn immer noch. Spannend findet er etwa die Auswirkungen der zunehmenden Bedeutung sogenannter Amateure im Porno-Business, „weil du auf den sozialen Netzwerken eine Schar an Marketingleuten hast, die für dich die Vermarktung machen, weil es ihnen Geld bringt. Du hast 2.000, 3.000 Amateure, die konstant Social-Media-mäßig am arbeiten sind, um Leute auf diese Amateur-Plattformen zu kriegen“, so Thylmann.

Wenn ihr wissen wollt, was Porno-Amateure verdienen können, woran eine von Thylmann angestrebte Fusion mit Netflix gescheitert ist und warum eines seiner heutigen Tätigkeitsfelder – Cannabis – seiner früheren Branche ähnlich ist, dann ladet oder streamt – ganz legal und jugendfrei – die neue Folge des OMR Podcasts.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Diesmal weisen wir besonders gern auf die neue Folge des Podcast „Digitale Vorreiter“ unseres Partners Vodafone hin. Denn Podcast-Host Christoph Burseg, seinen Gast Uwe Horstmann – Partner bei VC-Fonds Project A – und Philipp Westermeyer verbindet, dass sie einmal im Jahr zusammen in den Urlaub fahren. Darum weiß Philipp auch, dass Ihr Euch auf ein spannendes Gespräch freuen könnt, in dem es unter anderem um die Frage geht, wie Firmen die Geschwindigkeit bei der eigenen Digitalisierung verbessern können.

Wer sich gerade mit dem Thema Firmengründung befasst, im Bereich Wissen und/oder Technologie unterwegs ist und zudem Hamburg als Standort für sein Unternehmen auserkoren hat, der sollte mal anschauen, was die Startup Unit von Hamburg Invest alles so anbietet. Hier finden künftige Entrepreneure kostenlose Beratung zu Themen wie Finanzierung, Events und Networking in der Hansestadt. Außerdem einen Blick wert: Der virtuelle Pitch-Wettbewerb zum nationalen Digitaltag am 12. Juni. Einfach ein 90-sekündiges Video hochladen und die Crowd ab dem 5. Juni abstimmen lassen. Zu gewinnen gibt es unter anderem drei Tickets für OMR 2021.

Das Tool Asana ist inzwischen eine Art Haushaltsname für Teamarbeit geworden. Das Work-Management-Werkzeug scheint gerade in der aktuellen Situation, wo viele Teams von getrennten Arbeitsorten aus tätig sind, seine Stärken auszuspielen. Um diese Vermutung mit Zahlen zu unterfüttern hat Asana die Studie „Anatomie der Arbeit“ durchgeführt. Ein Ergebnis: In Deutschland werde mit die wenigsten Pausen gemacht – was nach Produktivität klingt, aber eigentlich eher ein Problem ist, denn wer ohne Unterbrechung arbeitet, verliert irgendwann den Fokus. Wenn Ihr mehr über die „Anatomie der Arbeit“ erfahren wollt, meldet Euch hier für die digitale Masterclass von Asana am 17.6. an.

Das Ruhrgebiet ist nicht die erste Adresse, die einem in den Sinn kommt, wenn es um Digital-Jobs geht. Darum lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Denn hier, in Mühlheim an der Ruhr sitzt mit Aldi Süd einer der global erfolgreichsten Lebensmitteleinzelhandels-Konzerne. Und der will seine digitalen Aktivitäten gerade weiterentwickeln und sucht darum Talente aus dem Digital- und Tech-Bereich, die Lust haben, die IT-Infrastruktur des Unternehmens auf die nächste Stufe zu heben. Wer von Euch also fit im Umgang mit Tools wie SAP oder Salesforce ist, sollte unbedingt einmal auschecken, welche Stellen Aldi Süd gerade zu besetzen hat.

Zum Schluss noch der Hinweis auf ein Seminar unserer Freunde von der Hamburg Media School zu einem Thema, das einen immer ereilen kann – und dann besser nicht unvorbereitet. Es geht um Shitstorms und Krisenkommunikation. Wer sich auf den Fall vorbereiten möchte, der hoffentlich nicht eintreten wird, der sollte sich am besten sofort Tickets für das Seminar am 2. und 3. Juli sichern.

Alle Themen des Podcasts mit Fabian Thylmann im Überblick:

  • Wie Fabian Thylmann in die Welt der Pornografie reingerutscht ist (ab 5:55)
  • Wie er seine Free- und Pay-Seiten im Zusammenspiel auf maximalen Umsatz hin optimiert hat (ab 12:00)
  • Warum Amateur-Content immer relevanter wird und welche Preise die Creator aufrufen können (ab 14:21)
  • Wie Thylmann die Angst vor Gratis-Content genutzt hat, um den Aufbau seiner Firma zu beschleunigen (ab 22:55)
  • Was er zum Vorwurf sagt, den Jugendschutz nicht sehr ernst genommen zu haben und er die Abendnachrichten mitunter problematischer als Porno findet (ab 23:52)
  • Welche Kontakte er zu Playern aus dem klassischen Porn-Biz hatte – und ob es auch mal Stress mit denen gab, deren Geschäft er zerstörte (ab 29:01)
  • Wie man Traffic einer Site aufbaut, die nicht bewerben werden darf und welchen Anteil Suchmaschinen daran haben (ab 32:07)
  • Warum er seine Firma „Manwin“ genannt hat und was ein Domain-Broker damit zu tun hatte (ab 39:16)
  • Warum er selbst den Prozess und seine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung nachvollziehen kann (ab 40:46)
  • Welche Verschleierungstaktik Thylmann sich ausgedacht hatte, um Manwin an die Börse zu bringen (ab 44:55)
  • Warum er die aktuell rasant wachsende Site Onlyfans vor bereits fünf Jahren auf dem Schirm hatte (ab 50:00)
  • Wieso er für die Absicherung eines Deals auf sehr gewagte Weise seine ganze Firma riskiert hat (ab 59:31)
  • Weshalb der Adult-Entertainment-Markt viel kleiner ist als oft angenommen und TV-Sender lange deutlich mehr am Content verdient haben als die Porno-Branche (ab 1:03:02)
  • Warum Thylmann sich gegen den Vorwurf wehrt, er habe Porno kostenlos gemacht (ab 1:09.58)
  • Wie er sich seit seinem Ausstieg bei Manwin die Zeit als Clubbetreiber und Investor unter anderem in ein Cannabis-Startup vertreibt (ab 1:11:31)
  • Was er zum Vorwurf sagt, Manwin sei vor allem durch Copyright-Verletzungen groß geworden (ab 1:16:03)

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