OMR Fifty: Und die führenden Online Marketing-Köpfe des Jahres 2017/18 sind…
OMR Team2.3.2018
Hier kommen die derzeit spannendsten Branchen-Macher – aus OMR-Sicht
Inhalt
- Platz 1: Dominik Richter, Hello Fresh-CEO und Mitgründer
- Platz 2: Mark Grether, CEO Sizmek
- Platz 3: Christoph Schäfer, Gründer Platform Lunar
- Platz 4: Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, e-some-Gründer
- Platz 5: Alex Hoffmann, Ex-USA-Chef von musical.ly
- Platz 6: Andreas Friesch, Vorstand Thermomix
- Platz 7: Leila Lowfire und Ines Anioli, Podcast Besser als Sex
- Platz 8: Matthias Schrader, Vorstandschef SinnerSchrader / Geschäftsführer Accenture Interactive
- Platz 9: Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb
- Platz 10: Sascha Peljhan und Jozo Lonac, Gründer Naketano
- Platz 11: Ralph Reichert, Gründer Electronic Sports League (ESL)
- Platz 12: Horst Lüning, Whisky.de
- Platz 13: Niklas Östberg, Mitgründer und CEO Delivery Hero
- Platz 14: Daniel Krauss, Mitgründer und CIO von Flixbus
- Platz 15: Tobias Lütke, CEO & Gründer von Shopify
- Platz 16: Daniel Benz, Geschäftsführer Asphaltgold
- Platz 17: Dominic Czaja und Joachim Bosse, Gründer Dojo
- Platz 18: Saliha Özcan, Youtuberin und Gründerin von Sally’s Welt
- Platz 19: Chris Nickel und Julian Jansen, Content Director bei About You
- Platz 20: Marianne Bullwinkel, Geschäftsführerin DACH von Snap
- Platz 21: Malte Peters, Leiter Digital Consumer Media, und Bernd Zabel, Leitung Digitale Medien Programm Zeitschriften, Funke Gruppe
- Platz 22: Benjamin Beivers, Benedikt Böhm, Martin Karlsch, Pan Katsukis und Christian Liesegang, Gründer von Remerge
- Platz 23: Mario Harms, Herausgeber von Rapupdate
- Platz 24: Micky Beisenherz, Maik Nöcker und Lucas Vogelsang, Fußball MML
- Platz 25: Annette Albrecht-Wetzel, Mitgründerin von Pippa&Jean
- Platz 26: Alexander Bachmann, Gründer Admitad
- Platz 27: Christian Boszczyk, Dusan Cvetkovic und Roberto Aufiero, Gründer BSTN
- Platz 28: Matze Hielscher, Gründer von Mit Vergnügen
- Platz 29: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert, Gründerinnen Edition F
- Platz 30: Laura Malina Seiler, Podcast-Influencerin
- Platz 31:Caroline Preuß, DIY-Bloggerin („Madmoisell“)
- Platz 32: Alexander Thurner, Head of Amazon Advertising Platform Europe
- Platz 33: Die Jury der „Höhle der Löwen“
- Platz 34: Verena Hubertz und Mengting Gao, Gründerinnen Kitchen Stories
- Platz 35: Ralph Wiechers, SVP Dialogmarketing & Presse, Deutsche Post
- Platz 36: Fränzi Kühne, Co-Gründerin und COO von Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr (TLGG)
- Platz 37: Andreas Fruth, Gerhard Trautmann und Adrian Renner, Global Savings Group-Gründer
- Platz 38: Andreas Kleiser, Gründer von Virtual Minds
- Platz 39: Thomas Alt, Gründer von Metaio und jetzt AR-Spezialist von Apple
- Platz 40: Alexander Graf, CEO & Gründer von Spryker Systems und Blogger unter Kassenzone.de
- Platz 41: Nina Faulhaber, Mitgründerin von Aday
- Platz 42: Zoe Boikou, Gründerin von Zoeva
- Platz 43: Antonia Sutter und Theresa Neubauer, Gründerinnen von Sistermag
- Platz 44: Philipp Käßbohrer, Bild- und Tonfabrik-Co-Geschäftsführer
- Platz 45: Marc Schmitz, CEO Ströer Content Group
- Platz 46: Janna Schmidt-Holtz, Gründerin Event Inc.
- Platz 47: Michael Schrezenmaier, COO von Spark Networks
- Platz 48: Jan König & Alexander Swetlow, Gründer von Jovo
- Platz 49: Macher der Facebook-Seite „Die Perlen des Influencer-Marketings“ (anonym)
- Platz 50: Tarin Wilda, genannt Ace Tee
Wer ist uns in den vergangenen 12 Monaten innerhalb der Online-Marketing-Branche besonders im Gedächtnis geblieben? Von wem erwarten wir in der Zukunft Großes? Als Antwort auf diese Fragen dient zum mittlerweile dritten Mal unser Ranking mit den führenden Marketern des Landes: The OMR Fifty.
Zum dritten Mal in Folge zeichnen wir mit der OMR Fifty (Ausgabe 2017 hier / 2016 hier) herausragende Online-Marketing-Persönlichkeiten aus. Ein kleiner Hinweis vorweg: Wir haben hier Branchen-Macher zusammengestellt, die uns im vergangenen Jahr besonders in Erinnerung geblieben sind. Wir haben vorher lange intern diskutiert und viel recherchiert – trotzdem ist die Liste rein subjektiv und komplett aus OMR-Sicht. Das Ganze soll Spaß machen und keinen allgemeingültigen Anspruch haben. Wir danken unserem Partner Horizont, die OMR Fifty in diesem Jahr präsentieren und auch in ihrer aktuellen Ausgabe, die seit gestern druckfrisch am Kiosk liegt, vorstellen (in einem OMR-Extraheft als Beileger!). Die Liste wird präsentiert von unserem Partner Ströer!
Platz 1: Dominik Richter, Hello Fresh-CEO und Mitgründer
Ob Hello Fresh langfristig erfolgreich sein wird, beschäftigt die Food- und Tech-Branche. Doch egal wie sich das Unternehmen in den nächsten Jahren entwickelt, muss man anerkennen: Wer es sechs Jahre nach der Gründung schafft, Rohkostlieferungen in Pappboxen als mit 1,7 Milliarden Euro bewertetes Geschäftsmodell an die Frankfurter Börse zu bringen, der ist ein Rockstar.
Richter ist seit ein paar Jahren äußerst verschwiegen, was seine Person anbetrifft. Hätte er der Rockstar-Rolle 2013 vermutlich noch zugestimmt, als er erklärte, vor Hello Fresh habe er unter anderem „an anderen Startups gebastelt, zwei Studiengänge absolviert und als Trader, Schauspieler, Investmentbanker, Fußballprofi, Startup-Investor, Kongressorganisator und als Direktvertriebler gearbeitet“, so tritt er seither kaum noch öffentlich auf.
„Wir haben jetzt eine Reihe neuer Mittel eingenommen und mit diesen Mitteln werden wir genauso weitermachen wie bisher“, sagte Richter zum Börsengang bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. Will heißen: Er steckt sie in die Kundenakquise. Da reizt Hello Fresh, in zehn Märkten aktiv und weiter zu 48 Prozent zu Rocket Internet gehörend, so ziemlich alle Marketing-Maßnahmen aus: massenhaft Gutscheine in Amazon-Boxen und Zeitungsbeilagen. Fernsehwerbung und Stände im Berliner Hauptbahnhof, Influencer Marketing und Kochstars wie Sarah Wiener und Jamie Oliver als Testimonials.
Klar, das kostet Geld. Aber hat man über die Marketingspendings von Zalando in den Anfangsjahren nicht auch den Kopf geschüttelt? Vergleicht man Hello Fresh mit dem größten Wettbewerber in den USA, Blue Apron, dann ist das Berliner Kochboxen-Startup auf dem US-Markt deutlich effizienter und erfolgreicher in der Kerndisziplin Performance Marketing.
Und wie hoch die Kosten für Kundengewinnung auch sein mögen: Mit seinen Angeboten auch für Unterzielgruppen wie Vegetarier und Thermomixbesitzer gewinnt es treue Nutzer mit potenziell hohem Kundenwert. Über 900 Millionen Euro Umsatz machte Hello Fresh mit 137 Millionen ausgelieferten Mahlzeiten 2017. Ende 2018 soll der Break-Even kommen. Spätestens dann wird es allerdings spannend zu beobachten, wie die Berliner ihre Kundenbindung verbessern, also die noch hohen Abo-Absprungraten senken wollen.
Platz 2: Mark Grether, CEO Sizmek
Auch Grethers bisherige Karriere kann sich sehen lassen: Nachdem er mit Xaxis von den USA aus den Tradingdesk der GroupM mit aufbaute, leitet er seit vergangenem Februar die Geschäfte von Sizmek (ehemals MediaMind). Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, die DSP Rocket Fuel für etwa 145 Millionen US-Dollar zu kaufen – 2013 war das Unternehmen noch zwei Milliarden Dollar wert. Mit Zukäufen wie diesen will Grether Sizmek, vormals vor allem als Adserver bekannt, zu einem Full-Stack-Technologie-Anbieter formen. „Das Ziel ist es, die ‚Largest Independent Platform‘ zu sein“, sagt Grether gegenüber OMR.
Der Wunsch von Agenturen und anderen Kunden, unabhängiger vom Duopol Google-Facebook zu werden, sei immer stärker spürbar. Dazu braucht es aus Grethers Sicht aber ein Unternehmen, das weltweit agiert. Hier sieht er Sizmeks Chance. „Wenn du sehr stark nur lokal agierst oder nur regional, kannst du die Investitionen, die du in die Technologie machen musst, um wettbewerbsfähig zu bleiben, nicht mehr reinholen.“ Die Krise vieler Adtech-Player sei gerade darin begründet, die Konsolidierung unvermeidbar.
Sizmek ist eigenen Angaben zufolge bislang in 70 Ländern aktiv. Aktuell habe Grether keinen Druck, Umsatz und Ergebnis zu machen – im Fokus stehe angeblich allein das Wachstum. Es ist also durchaus mit weiteren von Grether eingefädelten Deals zu rechnen: „Es geht uns und Vector nicht darum, Kosten rauszunehmen, sondern darum, wie wir im Markt wachsen können. Das heißt auch: Investitionen in Mitarbeiter und spannende Firmen.“
Platz 3: Christoph Schäfer, Gründer Platform Lunar
Eine „kurze“ Zusammenfassung: Nach seiner Tätigkeit bei McKinsey und dem Verkauf des von ihm mitgegründeten Ticketportals Getgo an Eventim 2002 erkannte Christoph Schäfer extrem früh das Potenzial von Banner-Ads auf Performance-Basis. Ab 2005 baute er mit Performance Media eine der am schnellsten wachsenden Online-Mediaagenturen des Landes auf, die dem Hörensagen nach neunstellige Budgets verwaltet. 2014 erfolgt der Exit an den Münchener Private-Equity-Investor Equistone. Aus drei weiteren Online-Werbedienstleistern entstand so der Full-Service-Anbieter Performance Interactive Alliance, Schäfer blieb an Bord.
Ein Jahr nach diesem spektakulären Deal dann schon die nächste Ankündigung, die aufhorchen ließ: Mit der Ausgründung Esome stieg Performance Media in den Markt für Facebook-Marketing-Tools ein. Mit 45 Mitarbeitern und einer Minderheitsbeteiligung der GroupM steuert und optimiert der Dienstleister Social-Advertising-Kampagnen für große Adspender. Das hat offenbar ganz gut geklappt, siehe Platz 16.
Ende 2015 stieg Schäfer dann bei Performance Media aus. Und jetzt, nach dieser doch nicht so kurzen Zusammenfassung, kommt auch endlich Platform Lunar ins Spiel. Gemeinsam mit seinem alten Geschäftspartner Nico Shenawai gründete Schäfer den Adtech-Company-Builder schon Ende 2016 – Esome sei das erste Projekt gewesen. Künftig wolle er pro Jahr ein bis zwei Adtech-Startups gründen. Zuzutrauen ist ihm das allemal. Das erste Projekt heißt „Dynamic Audience“ und soll sich an Publisher wenden. Was genau sich dahinter verbirgt? Wir werden es erfahren, wenn die Firma die von Schäfer gewohnte Flughöhe erreicht hat.
Platz 4: Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, e-some-Gründer
Anfang 2015 wurde Esome gegründet, nicht einmal drei Jahre später erfolgte schon der Exit. ProSiebenSat.1 hat Ende des Jahres 90 Prozent für einen kolportierten mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernommen und im Bereich Advertising Platform Solutions integriert. Seit dem Start Anfang 2015 beim Hamburger Startup mit an Bord: das Führungs-Trio um Falk Bielesch, Hansjörg Blase und Christoph Brust, die auch weiterhin die Stricke ziehen werden.
Als Ausgründung der Hamburger Mediaagentur Performance Media hatte das Unternehmen eine Technologie entwickelt, mit der das Buchen und Optimieren von Werbekampagnen auf Facebook vereinfacht wird. Von Beginn an war Group M, die größte Mediaagenturgruppe der Welt, als Minderheitsgesellschafter dabei – und hält die Anteile in Höhe von zehn Prozent offenbar auch nach dem P7S1-Deal weiter. Der Zugang zu Group M-Kunden, einigen der größten Adspender überhaupt, dürfte für Esome extrem wertvoll gewesen sein.
Das Resultat: Eigenen Angaben zufolge setzen „200 nationale und internationale, darunter rund die Hälfte der DAX-Unternehmen, auf die Expertise von Esome“. Man darf gespannt sein, was Bielesch, Blase und Brust im Adtech-Stack von P7S1 bewegen.
Platz 5: Alex Hoffmann, Ex-USA-Chef von musical.ly
Als „President North America“ führte Hofmann von Anfang an die Geschäfte von musical.ly im so wichtigen Kernmarkt der App und zeichnete für den zwischenzeitlich raketenhaften Aufstieg der App verantwortlich. Über 200 Millionen User soll musical.ly innerhalb von rund anderthalb Jahren gewonnen haben.
Der Deal mit Bytedance kommt möglicherweise genau zum richtigen Zeitpunkt: In den letzten Monaten ist die App in den App Store Rankings wieder ein wenig zurückgefallen. Alex Hofmann soll vor seinem Einstieg bei musical.ly einen Jeep gekauft haben, um damit seiner Frau und um die Welt zu fahren. Nun dürfte er nicht nur endlich über die Zeit, sondern umso mehr auch über die nötigen Mittel dafür verfügen.
Platz 6: Andreas Friesch, Vorstand Thermomix
Im Internet gibt es den Thermomix (zumindest neu) gar nicht zu kaufen. Das erklärungsbedürftige Produkt wird – ganz nach Vorwerk-Tradition – im Direktvertrieb über 15.000 „Repräsentantinnen“ an die Kunden gebracht.
Dadurch, dass diese mit ihrer Beratung den Kunden helfen, erfolgreich zu kochen, generiert Vorwerk viele Weiterempfehlungen. Und hat eine Community aufgebaut, die sich vor allem online austobt und kostenlos Content generiert: Mit rezeptwelt.de betreibt Thermomix seit 2009 ein eigenes Rezeptportal, auf dem Thermomix-Fans schon über 65.000 Rezepte gepostet haben. In Facebook-Gruppen tauschen sich Hunderttausende Nutzer über das Gerät und Rezepte aus. Beachtlicher Nebeneffekt dieser Marketing-Leistung: An deutschen Kiosken gibt es mittlerweile sieben gedruckte Thermomix-Rezeptmagazine – nur eins kommt von Vorwerk selbst. Der Thermomix wird quasi selbst zur Plattform.
Platz 7: Leila Lowfire und Ines Anioli, Podcast Besser als Sex
Die beiden arbeiten hart daran, auch außerhalb der Aufnahmekabine bekannt zu werden. Die Musikerbegeisterte Leila tauchte mit Rammstein-Frontmann Till Lindemann auf Society-Events auf. Ines ließ sich von Robbie Williams die nackten Brüste signieren. Beide zusammen kippten sich auf abseitigen Fernsehsendern Kuh-Urin über die Haare. Ende 2017 machten sie mit ihrem alten Publisher „Mit Vergnügen“ Schluss und starteten solo neu. Aber am besten ignoriert man allen Branchen-Gossip, hört ihnen einfach unter ihrem neuen Namen „Besser als Sex“ weiter zu und promotet damit auch das Medienformat Podcast.
Platz 8: Matthias Schrader, Vorstandschef SinnerSchrader / Geschäftsführer Accenture Interactive
Als Hobby schreibt Schrader auch noch Bücher – zuletzt über Transformationale Produkte. Das finden wir interessant. Wenn man die Amazon-Bewertungen und den Sales Rank so anschaut, scheinen wir damit nicht ganz alleine zu sein.
Spätestens seit Schraders Exit an Accenture geht bei den etablierten Kreativagenturen die Angst vor den großen Beratungshäusern um. Horizont hat Schrader zum „Agenturmann des Jahres“ gekürt. Als Schrader vor Kurzem seinen 50. Geburtstag feierte, war die gesamte Hamburger Werbeelite versammelt. Vielleicht hat ja der ein oder andere mal nachgefragt, wie es so ist – im neuen Leben, als angestellter Berater.
Spätestens seit Schraders Exit an Accenture geht bei den etablierten Kreativagenturen die Angst vor den großen Beratungshäusern um. Horizont hat Schrader zum „Agenturmann des Jahres“ gekürt. Als Schrader vor Kurzem seinen 50. Geburtstag feierte, war die gesamte Hamburger Werbeelite versammelt. Vielleicht hat ja der ein oder andere mal nachgefragt, wie es so ist – im neuen Leben, als angestellter Berater.
Platz 9: Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb
Während die Europäer sich noch fragen, ob das gegen die Dominanz der US-Plattformen noch irgendwas ausrichten kann, wird sie dafür von Silicon Valley-Intellektuellen gefeiert: Sie sei der „härteste Cop und die schärfste Kritikerin der Tech-Giganten“, so die linke Digital-Publizistin Kara Swisher. Apple-Chef Tim Cook soll während einer Steuerdiskussion wutentbrannt aus ihrem Brüsseler Arbeitszimmer gestürmt sein. Googles Proteste, bei Shopping-Suchanfragen sei Amazon schon lange marktbeherrschend und Google Shopping helfe dagegen kleineren e-commerce-Firmen zu Reichweite, bleiben ungehört.
Vestager will ungewöhnlicherweise für eine zweite Amtszeit kandidieren: „Man braucht Zeit, um zu lernen, die Dinge richtig zu machen und Strategien zu entwickeln. Mit einer zweiten Amtszeit könnten wir fantastische Dinge erreichen.“ Und wir holen uns dann schonmal Popcorn in Erwartung, was da regulatorisch noch von ihr kommen mag.
Platz 10: Sascha Peljhan und Jozo Lonac, Gründer Naketano
Sascha Peljhan
Zwei Essener Textilunternehmer machen große Marketing-Kunst. Indem sie provozieren: Sie verkaufen für ihre eigene Generation vegane Ökomode, Sweatshirts und Hoodies mit dicken weißen Kordeln in guter Qualität. Über Produktnamen wie „Glitzermuschi“ oder „Discopimmel“ streitet die Bundesrepublik. „Sexistische Scheiße“, findet EMMA und ruft zum Boykott auf. „Wenn du prüde, humorlos und alt bist, gibt es für dich perfekte Marken wie z.b. Gina Laura etc“, entgegnet eine Maria Be auf Facebook. „Und was ist an den Wörtern bitte frauenfeindlich?“
Naketanos Umsätze schießen derweil durch die Decke. Die Gründer bleiben stumm. Das einzige Statement dazu in den Website-FAQs: „Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit.“ Ihr nächster Marketing-Stunt: Anfang des Jahres kündigen sie an, ab Ende 2018 keine Naketano-Produkte mehr zu liefern. Wieder sind sie nicht erreichbar, sie informieren nur: „Firma und Marke werden nicht verkauft – Anfragen dieser Art bleiben unbeantwortet. Es ist Zeit für eine Veränderung.“ Und wieder rätselt die Branche, was das alles soll. Von plumper Geschäftsaufgabe über Schock-PR bis zum Wechsel der Vertriebskanäle reichen die Mutmaßungen. Und die Fans kaufen nochmal ein. Naketano hat Aufmerksamkeitsökonomik einfach verstanden.
Platz 11: Ralph Reichert, Gründer Electronic Sports League (ESL)
Platz 12: Horst Lüning, Whisky.de
Platz 13: Niklas Östberg, Mitgründer und CEO Delivery Hero
Platz 14: Daniel Krauss, Mitgründer und CIO von Flixbus
Platz 15: Tobias Lütke, CEO & Gründer von Shopify
Platz 16: Daniel Benz, Geschäftsführer Asphaltgold
Platz 17: Dominic Czaja und Joachim Bosse, Gründer Dojo
Wenn es eine Kreativagentur gibt, die im Moment „heißer“ ist als die meisten anderen, dann die der Berliner von Dojo. Dominic Czaja und Joachim Bosse stehen hinter der Easyjet-Kampagne „Inländer raus“ und haben auch mit vorherigen Arbeiten für Aufsehen gesorgt. Das Motto der beiden: „Jung und schlecht gelaunt“, schließlich sei das der damalige Gründervibe gewesen. Die Arbeit bei großen Agenturen hatte Czaja und Bosse nur genervt. Seit zehn Jahren erdenken die Jungs jetzt schon mit Dojo Kampagnen für Kunden wie Katjes, Babbel, Teufel und Opel – immer mit viel Wortwitz. Zeitgleich werkeln sie an ihrem Label „Muschi Kreuzberg“, an einer Filmproduktion und der Partyreihe „Die 50 schönsten Rapper“. Immer noch wichtigster Dojo-Kunde: Der Berliner Kultimbiss Mustafas Gemüse Kebap.
Platz 18: Saliha Özcan, Youtuberin und Gründerin von Sally’s Welt
Platz 19: Chris Nickel und Julian Jansen, Content Director bei About You
Platz 20: Marianne Bullwinkel, Geschäftsführerin DACH von Snap
Platz 21: Malte Peters, Leiter Digital Consumer Media, und Bernd Zabel, Leitung Digitale Medien Programm Zeitschriften, Funke Gruppe
Deutsche Verlagshäuser gelten ja nicht unbedingt als ein Hort der Innovation. Umso beachtlicher ist das Engagement und der Erfolg der Funke Gruppe im Bereich der Sprachanwendungen. Mit dem Skill Fernsehprogramm liegt das Verlagshaus (u.a. Hörzu und TV Digital) dauerhaft in den Top 10 der beliebtesten deutschsprachigen Alexa Skills. Ursprünglich wurde der Skill von einem unabhängigen Entwickler programmiert; die Daten dafür holte er sich über eine Test-Schnittstelle bei Funke Medien. Peters und Zabel erkannten das Potenzial; Funke übernahm das Produkt. Damals hatte der Skill 30.000 Nutzer. „Seitdem haben wir diese Zahl weit mehr als verdoppelt“, so Bernd Zabel. Die Monetarisierung sei erst einmal nachrangig, so Malte Paters. „Wir wollen erst einmal Reichweite aufbauen und lernen.“
Platz 22: Benjamin Beivers, Benedikt Böhm, Martin Karlsch, Pan Katsukis und Christian Liesegang, Gründer von Remerge
Die Adtech-Branche darbt: Wachstum verzeichnen hauptsächlich nur die die großen vier Plattformen („GAFA“), spezialisierte Anbieter haben kaum noch Luft zum Atmen. Umso erstaunlicher ist der Erfolg des Berliner Mobile-Adtech-Startups Remerge. Eine Million EBIT erwirtschaftet das Unternehmen angeblich im Monat, wie CEO Pan Katsukis gegenüber OMR bestätigte. Mit der Software können Werbetreibende Mobile Retargeting durchführen, und zwar ausschließlich in Apps. Sie können also jene Nutzer, die ihre App installiert haben, aber nicht aktiv nutzen, in anderen Apps wiederfinden, mit Werbung ansprechen und im besten Fall reaktivieren. Damit war Remerge 2016 schon eine von „3 Companies to watch“ bei OMR. Nun ist das Unternehmen offenbar auf einem guten Weg, nach Adjust der nächste Berliner Mobile-Adtech-Star zu werden.
Platz 23: Mario Harms, Herausgeber von Rapupdate
Die etablierten Hip Hop-Magazine heißen Backspin und Juice, online waren hiphop.de, 16bars.de sowie rap.de die Pioniere. Gegen einen vergleichsweise noch jungen Player kommen alle genannten allerdings nicht an – zumindest wenn es um Engagement und Facebook-Reichweite geht: RapUpdate. Seit Mitte 2012 ist der Publisher aktiv; heute hat die Seite 870.000 Fans. Gründer Mario Harms aus München zeigt keinerlei Interesse an Öffentlichkeit, dafür umso mehr an Social Signals und aggressiver Vermarktung: Mit Hilfe von Clickbait-Posts, Umfragen, Visual Statements und Video-Schnipseln baut Harms Reichweite auf. Auf der Homepage erwarten den Leser dann zig Adsense-Banner. Unabhängig von der Qualität des Contents hat er so in kurzer Zeit den größten digitalen Hip-Hop-Publisher Deutschlands gebaut – die „HipHop-Bild“.
Platz 24: Micky Beisenherz, Maik Nöcker und Lucas Vogelsang, Fußball MML
Platz 25: Annette Albrecht-Wetzel, Mitgründerin von Pippa&Jean
Platz 26: Alexander Bachmann, Gründer Admitad
Platz 27: Christian Boszczyk, Dusan Cvetkovic und Roberto Aufiero, Gründer BSTN
Chris Boszczyk
Duki und Fu sind die Gebrauchsnamen der Männer hinter BSTN, bürgerlich heißen sie Christian Boszczyk und Dusan Cvetkovic. BSTN ist eines von mehreren Labels, dass die Münchner gemeinsam mit Roberto Aufiero quasi als Vertical Brand hochgezogen haben. Losgegangen ist das ganze schon bevor irgendwer den Term Vertical Brand benutzt hat. Heute steuern sie eine Fashion- und Lifestyle-Firma mit über 20 Millionen Euro Umsatz. Bekannt geworden sind sie mit Parties und Influencern, ohne dass sie Menschen wir Armand von Helden, A$AP Rocky oder David Beckham jemals Geld hätten geben müssen. Style und Instagram reichen. Entsprechend machen sie jetzt Klamotten und Shops gewissermaßen als Agentur für andere Promis wie z.B. Haftbefehl oder David Alaba. Seit neuestem gibt es auch in Hamburg und Köln Shops von BSTN.
Platz 28: Matze Hielscher, Gründer von Mit Vergnügen
Platz 29: Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert, Gründerinnen Edition F
Foto: Jennifer Fey
Was große Zeitschriftenverlage schon seit vielen Jahren nicht mehr hinkriegen, gelang Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert 2014 im Alleingang: ein erfolgreiches Frauenmagazin zu gründen. Nur noch digital und ohne Diät- und Schminktipps. „Edition F ist das digitale Zuhause für Frauen, die mehr wollen – im Job und im Leben“, ist ihr Motto. Neben den Redakteurinnen schreiben auch viele Leserinnen selbst über Jobfragen, ihr Leben, Liebe und Politik. Mit Erfolg: 550.000 Unique User lesen die Artikel auf Edition F monatlich und 136.000 folgen auf Facebook. Als Einnahmequelle haben sie nach Jobanzeigen im vergangenen Jahr ein digitales Coaching-Programm gegründet: die „Female Future Force“. Das Abo-Modell läuft angeblich so erfolgreich, dass sie 2018 eine Konferenz dazu organisieren.
Platz 30: Laura Malina Seiler, Podcast-Influencerin
Platz 31:Caroline Preuß, DIY-Bloggerin („Madmoisell“)
Platz 32: Alexander Thurner, Head of Amazon Advertising Platform Europe
Platz 33: Die Jury der „Höhle der Löwen“
Auf der einen Seite ist „Die Höhle der Löwen“ eine sehr erfolgreiche Fernsehsendung. Auf der anderen Seite ist die Show der neue PR- und One-Time-Traffic-Kanal für Startups. Kaum ein Startup, das sich an Endkunden wendet und nicht überlegt, einen Auftritt in der Show einzustreuen. Häufig haben die Unternehmer gar kein Interesse am Geld der Löwen, sondern nur an der Reichweite der Show. Und auch die Juroren Dümmel und Thelen haben das Konzept der Sendung um noch eine Ebene erweitert. Für Dümmel funktioniert die Show wie Teleshopping. Direkt nach Ausstrahlung einer Show stehen die Produkte, an denen er sich beteiligt, genau koordiniert in fast jedem deutschen Kaufhaus. Thelen hat extra einen Fonds gestartet, aus dem er in Startups investiert und so seine Präsenz als Juror besser hebeln kann.
Platz 34: Verena Hubertz und Mengting Gao, Gründerinnen Kitchen Stories
Platz 35: Ralph Wiechers, SVP Dialogmarketing & Presse, Deutsche Post
Platz 36: Fränzi Kühne, Co-Gründerin und COO von Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr (TLGG)
Platz 37: Andreas Fruth, Gerhard Trautmann und Adrian Renner, Global Savings Group-Gründer
350 Mitarbeiter an neun Standorten betreiben die Gutscheinportale der Global Savings Group in über 20 Ländern. Und auch wenn das Unternehmen selber nicht die große Bekanntheit haben dürfte, haben die Gründer Andreas Fruth, Gerhard Trautmann und Adrian Renner damit einen riesigen Affiliate-Player gebaut. Als Startup aus dem Rocket-Kosmos – heute noch mit 25 Prozent beteiligt – konnte die Firma 2012 direkt international an drei Märkten an den Start gehen. Die Global Savings Group betreibt neben klassischen Gutscheinseiten auch Schnäppchenseiten, Infoportale zu Verkaufsevents wie den Black Friday und Lösungen für große Publisher wie Spiegel Online. 2018 will das Unternehmen Sales im Wert von einer Milliarde Euro bei Partnershops wie Zalando, Amazon, Otto und Tchibo generieren.
Platz 38: Andreas Kleiser, Gründer von Virtual Minds
Platz 39: Thomas Alt, Gründer von Metaio und jetzt AR-Spezialist von Apple
Platz 40: Alexander Graf, CEO & Gründer von Spryker Systems und Blogger unter Kassenzone.de
Platz 41: Nina Faulhaber, Mitgründerin von Aday
Platz 42: Zoe Boikou, Gründerin von Zoeva
Platz 43: Antonia Sutter und Theresa Neubauer, Gründerinnen von Sistermag
Platz 44: Philipp Käßbohrer, Bild- und Tonfabrik-Co-Geschäftsführer
Platz 45: Marc Schmitz, CEO Ströer Content Group
Platz 46: Janna Schmidt-Holtz, Gründerin Event Inc.
Platz 47: Michael Schrezenmaier, COO von Spark Networks
Platz 48: Jan König & Alexander Swetlow, Gründer von Jovo
Platz 49: Macher der Facebook-Seite „Die Perlen des Influencer-Marketings“ (anonym)
Vom Fashion-Instagrammer, der mit einem Föhn am helllichten Tag draußen vor einer Kirche steht, bis zur Influencerin, die im Bikini für eine Ausbildung im Finanzbereich wirbt: Solche absurden „Perlen des Influencer Marketings“ sammelt der Betreiber einer gleichnamigen Facebook-Seite, der anonym bleiben möchte. Angefangen hatte alles, als er bei einer Agentur arbeitete, im Auftrag eines Kunden Influencer recherchieren sollte und bei Instagram auf ein Video stieß, bei dem zwei Fitness-Influencer eine elektrische Zahnbürste ihres Kunden als „Sportgerät“ verwenden. Heute folgen den „Influencer-Perlen“ auf Facebook mehr als 50.000 Menschen. Wer einmal Beispiele dafür sucht, wie Influencer Marketing nicht geht – hier sind sie zu finden.
Platz 50: Tarin Wilda, genannt Ace Tee
Danke nochmal an unseren Partner Ströer für die Unterstützung!

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