"Fahrfinder": So baut dieser 21-Jährige aus Viral-Erfolgen eine Gebrauchtwagen-Beratung

Martin Gardt7.6.2024

Louis Schnappauf erreicht auf Instagram und Tiktok mit Videos über Gebrauchtwagenangebote Millionen-Reichweiten. Jetzt baut er daraus ein Geschäftsmodell

Fahrfinder Louis Schnappauf
Fahrfinder-Gründer Louis Schnappauf

"Wenn man sein Geld zum Fenster rausschmeissen will..." – so überschreibt Louis Schnappauf auf seinem Instagram- und Tiktok-Kanal ein Video über einen gebrauchten VW Touareg auf Mobile.de. Darin fragt er ungläubig, wer 120.000 Euro für ein solches Auto ausgeben würde. Und gibt direkt Tipps, welche Angebote da draußen günstiger und besser sind. Mit solchen Videos erreicht der selbsternannte "Fahrfinder" zum Teil Millionen Views – und baut aus der Reichweite jetzt ein außergewöhnliches Geschäftsmodell.

"Ich habe schon als Teenager viel Zeit auf Gebrauchtwagen-Plattformen verbracht und Angebote angeschaut. Ich wollte wissen, was ich mir leisten kann, wenn ich 18 werde", sagt Louis Schnappauf im Gespräch mit OMR. "Irgendwann war ich täglich auf den Plattformen, habe die Preisentwicklung bestimmter Autos beobachtet, Angebote verglichen, die Bewegung des Marktes angeschaut. Das wurde ein richtiges Hobby."

Aus dem Hobby wird ein Viral-Erfolg

Vor etwa einem Jahr startet der 21-Jährige dann seinen Tiktok-Account Fahrfinder, um seine Leidenschaft zu teilen. Er zeigt Gebrauchtwagenangebote – mal ganz typische, mal absurde – und bewertet diese. Er zeigt die besten Gebrauchten für 10.000, 15.000, 20.000 Euro und erreicht damit schnell 20.000 Views pro Video. "Ich habe parallel auch bei Instagram angefangen, der Fokus lag aber lange bei Tiktok. Jetzt bin ich seit zwei, drei Monaten intensiver bei Instagram. Da funktioniert Community Building besser, ich kann mehr Nähe zu den Zuschauern aufbauen, über Direktnachrichten entsteht mehr Austausch."

Mittlerweile folgen Fahrfinder auf Instagram über 77.000 Menschen, auf Tiktok etwas über 19.000. Die noch geringen Follower-Zahlen beeinflussen aber nicht das Viral-Potenzial von Schnappaufs Postings. Viele seiner Reels erreichen 200.000, 500.000, 700.000 Views. Wenige knacken – wie das Touareg-Video – auch über eine Million.

Lerneffekt im Mittelpunkt

Offenbar funktionieren in Sachen Gebrauchtwagen-Content vor allem die absurden Videos besonders gut. So zeigt Louis Schnappauf auf seinen Accounts zum Beispiel einen Golf mit Flügeltüren (1,6 Millionen Views auf Instagram), der gerade verkauft wird. Oder einen Supersportwagen von Opel im Angebot (562.000 Views). Es geht aber auch anders: Ein Video über besonders langlebige Gebrauchtwagen kommt auf 776.000 Views. Und genau darum gehe es Schnappauf am Ende: "Erfolgreiche Videos bemesse ich gar nicht anhand von Views. Klar funktioniert ein Video über einen Golf mit Flügeltüren gut und wird millionenfach angesehen", sagt er. "Ich will aber auch, dass die Leute bei mir was lernen – zum Beispiel wie das beim Wertverlust von Neuwagen läuft."

Egal ob absurd oder lehrreich, die Videos auf den Fahrfinder-Accounts sind immer gleich aufgebaut. Schnappauf filmt ein angebotenes Fahrzeug auf Mobile.de ab und kommentiert dann, was daran besonders ist (Preis, das Auto selbst, etc.). Meist zeigt er dann alternative Angebote, die er besser findet. Immer häufiger geht er aber auch auf eine Beraterschiene, erklärt etwa, welche Motorenbaureihe er um jeden Preis vermeiden würde. Seine Frequenz hält er bewusst hoch, um ständig die Chance auf den nächsten Viral-Hit zu haben, gleichzeitig lassen sich die Videos ohne großen Schnittaufwand erstellen (am längsten dauere die Recherche). "Ich versuche pro Tag drei Videos hochzuladen – das können auch mal Stories sein, wo ich Leute in meinen Alltag mitnehme, Geschichten von Kunden oder News, zu denen ich meine Meinung abgebe", so Louis Schnappauf. So wachsen die Fahrfinder-Kanäle auf Instagram und Tiktok kontinuierlich: Er landet mit seinen Reels und Tiktoks in den Feeds von Autofans, die ihm noch nicht folgen, die werden auf ihn aufmerksam und bleiben dann langfristig dran. So konnte Schnappauf etwa seine Instagram-Follower in den vergangenen 30 Tagen um fast 30.000 steigern. Er steht also offenbar erst am Anfang seiner Wachstumsstory.

Fahrfinder Follower-Entwicklung

So entwickeln sich die Followerzahlen von Fahrfinder auf Instagram (Quelle: Infludata)

Gebrauchtwagen-Suche als Geschäftsmodell

Was neben vielen Views und dem großen Output bemerkenswert ist: Vor allem auf Instagram ist die Fahrfinder-Community voll dabei. Viele der Videos haben innerhalb kürzester Zeit über 1.000 Kommentare. Beiträge wie "das billigste fahrbereite Auto" kommt auf über 17.000 nach wenigen Tagen. Das Thema Auto und Gebrauchtwagen ist natürlich prädestiniert für heiße Diskussionen – Louis Schnappauf trifft mit seiner Themenwahl rund um die besten und schlechtesten Angebote im Netz aber wohl einen besonderen Nerv. Kein Wunder also, dass der 21-Jährige aus dem Diskussionsstoff jetzt ein Geschäftsmodell baut. Über seine Fahrfinder-Webseite bietet er drei verschiedene Dienstleistungen rund um Gebrauchtwagen an.

Die erste Variante ist eine einfache Gebrauchtwagensuche. Kund*innen geben Wunschwagen, Wunschpreis und weitere Faktoren über die Webseite an und Schnappauf sucht die besten Angebote auf verschiedenen Plattformen heraus. Dabei achte er auch auf die beste Motorengeneration und warne vor weiteren Risiken. Der Service kostet knapp 45 Euro und läuft nach der ersten Anfrage über die Webseite komplett über Whatsapp. Die zweite Variante ist eine ausführliche Beratung. Hier kommen Kund*innen meist nur mit einer Budgetvorstellung auf Schnappauf zu. Nach einem ersten Telefonat, um über sinnvolle Marken, Modelle und Ausstattungen zu sprechen, liefert er die besten drei bis fünf Angebote. Für die ausführliche Beratung berechnet der Fahrfinder knapp 85 Euro. Kund*innen können außerdem eine Verkaufshilfe bei Schnappauf buchen. Er habe in seinem Leben Tausende Anzeigen gesehen und wisse deshalb genau, wie eine möglichst attraktive Anzeige aussehen sollte – und wie der Preis gestaltet sein sollte. Auch die Verkaufshilfe kostet 45 Euro.

"Ich bediene hauptsächlich zwei Zielgruppen. Zum einen sind das Leute, die viel Wissen zum Thema Gebrauchtwagen haben, denen aber die Zeit fehlt, aufwendig Angebote zu vergleichen. Und zum anderen sind es Leute, die kein Wissen haben und sich mit dem Thema auch nicht groß beschäftigen wollen", sagt Louis Schnappauf. "Für meine Fahrfinder-Dienste habe ich schon weit über 1.000 Anfragen bekommen. Wirkliche Kunden hatte ich jetzt um die 500." Damit dürfte sein Umsatz bisher bei wenigen Tausend Euro liegen und auch die Webseite wirkt noch sehr zusammengeschustert. Bisher laufe das Fahrfinder-Projekt schließlich auch nur nebenbei – Schnappauf arbeitet derzeit noch bei einem Startup im Vertrieb. In den nächsten Woche werde er hauptberuflich seine ganze Energie Fahrfinder widmen.

Zweites Standbein: Social-Media-Agentur für Händler

Als hauptberuflicher Fahrfinder wolle Louis Schnappauf aber noch einen Schritt weiter gehen und sich ein zweites Standbein aufbauen. "Ich habe jetzt einen Partner an Bord, mit dem baue ich gerade an der Vision: Wir wollen neben Fahrfinder zusätzlich Gebrauchtwagenhändlern helfen, sich Social-Media-Reichweite aufzubauen. Dann können sie selbst ihren Bestand bewerben und besser verkaufen", erzählt er. Der Partner baue seit Jahren Social-Media-Kanäle auf und er selbst wisse ja jetzt, wie sich rund um das Thema Gebrauchtwagen Reichweiten erzielen lassen. Er wolle lieber Kanalaufbau als Leistung anbieten, statt Angebote bestimmter Händler im Zuge eines Werbedeals auf seinem Kanal zu zeigen.

Mittel- und langfristig soll aber auch die Marke Fahrfinder selbst weiterentwickelt werden. Eine Möglichkeit seien eigene Produkte rund um Gebrauchtwagen. Große Auto-Influencer wie Gercollector (wir hatten hier ausführlich berichtet) oder Carmaniac sind zum Beispiel mit Reinigungsprodukten sehr erfolgreich. In welche Richtung seine Produkte am Ende gehen sollen, wollte Louis Schnappauf aber noch nicht verraten.

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MG
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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