Nicht als Werbung gekennzeichnete Promi-Promo: Sammelklage gegen den Bored Ape Yacht Club

Hollywood A-Lister sollen mit ihren Werbe-Posts Verbraucher*innen getäuscht haben

Eine Szene aus einem Werbevideo des Bored Ape Yacht Club
Eine Szene aus einem Werbevideo des Bored Ape Yacht Club (Quelle)
Inhalt
  1. Der Madonna-Manager als „Mastermind“?
  2. Ungekennzeichnete Werbung bei Post Malone und DJ Khaled?
  3. Moonpay lässt einen Blog-Text verschwinden
  4. Haben alle BAYC-NFT-Besitzer*innen Anspruch auf Entschädigung?
  5. Untersucht auch die SEC die Bored Apes?

Promis wie Justin Bieber, Jimmy Fallon, Snoop Dogg, Madonna und Paris Hilton sollen gegen Vergütung öffentlich für das NFT-Projekt Bored Ape Yacht Club geworben haben, ohne dass dies als Werbung gekennzeichnet gewesen sei. Damit hätten diese Privatanleger irregeführt und gegen US-Börsengesetze verstoßen. Das sind die Kernvorwürfe einer Klageschrift, die eine US-Kanzlei im Namen von zwei Privatpersonen bei einem kalifornischen Gericht eingereicht hat. Sie zeichnet damit ein ähnliches Bild wie eine OMR-Recherche aus dem vergangenen Jahr – hebt darüber hinaus aber auch eine Person als Hauptdrahtzieher hervor.

Zwar habe jeder der Angeklagten seinen/ihren Teil zu der systematischen, irreführenden Werbung für das NFT-Projekt Bored Ape Yacht Club (eine ausführliche Erklärung zu „Non Fungible Tokens“ findet Ihr hier) beigetragen, heißt es in der von der Kanzlei Scott+Scott auf ihrer Website veröffentlichten 95-seitigen Klageschrift. Doch niemand habe eine größere Rolle gespielt als Guy Oseary als „fünfter Affe“, neben den vier ursprünglichen Initiatoren des Projektes.

Der Madonna-Manager als „Mastermind“?

Guy Oseary ist ein einflußreicher Unternehmer in der US-Entertainment-Industrie. Er ist u.a. Manager von Madonna, U2 und den Red Hot Chili Peppers. In den vergangenen zwei Jahren hat Oseary auch viele NFT-Projekte unter Vertrag genommen. Dazu zählt seit Oktober 2021 auch Yuga Labs, das Unternehmen hinter dem Bored Apes Yacht Club (BAYC). Im März 2022 beteiligte sich Oseary mit seinem Investment-Vehikel Sound Ventures (das er gemeinsam mit Hollywood-Star Ashton Kutcher führt) im Rahmen einer Funding-Runde im Gesamt-Umfang von 450 Millionen US-Dollar auch finanziell minderheitlich an Yuga Labs. OMR hatte schon im Februar dieses Jahres über das weit verzweigte Promi-Netzwerk hinter dem BAYC und den Einfluß von Sound Ventures auf die NFT-Welt berichtet.

„Wir wussten nicht wirklich, warum er sich so sehr für uns interessierte – es war ein wenig verblüffend“, gibt Yuga-Labs-Mitgründer Wylie Aronow alias „Gordon Goner“ später einmal gegenüber dem US-Entertainment-Branchenblatt Variety zu Protokoll. „Aber er ist ein wesentlicher Bestandteil von allem geworden, was wir tun.“ Die Kläger vermuten: Ziel der Partnerschaft von Oseary und Yuga Labs sei es von Anfang an gewesen, das Promi-Netzwerk Osearys einzusetzen, um den BAYC zu bewerben. So sollte der Wert der NFT-Kollektion gesteigert werden. „Die Führungskräfte von Yuga schmiedeten gemeinsam mit Oseary einen Plan, um ihr riesiges Netzwerk von A-Listen-Musikern, Sportlern und prominenten Kunden und Partnern zu nutzen, um die Yuga-Finanzprodukte irreführend zu bewerben und zu verkaufen“, heißt es in der Klageschrift.

Ungekennzeichnete Werbung bei Post Malone und DJ Khaled?

Um den Eindruck entstehen zu lassen, dass die Begeisterung der Promis für den BAYC authentisch sei (und eben nicht auf einer bezahlten Werbeaktion fuße), hätten die BAYC-Macher einen Weg gesucht, um die Promis verdeckt zu vergüten. Diese hätten sie in dem Krypto-Zahlungsdienst Moonpay gefunden. An dem hat sich im November 2021 nicht nur Osearys Sound Ventures minderheitlich beteiligt, sondern (wie Moonpay erst im April 2022 verkündet) auch eine Vielzahl von Prominente. Darunter fast alle, die später auch BAYC-NFTs kauften und für das Projekt trommelten (und nun angeklagt werden sollen): Paris Hilton, Justin Bieber, The Weeknd, Diplo, Gwyneth Paltrow (über Kinship Ventures) und Post Malone. Nur wenige Wochen nach Abschluss dieser Funding-Runde verkündete Moonpay die Einrichtung eines „Concierge Services“, der Promis den Kauf von NFTs erleichtern solle. Doch nach Ansicht der Kläger habe dieser nur dazu gedient, BAYC-NFTs (als Vergütung) an Prominente zu vermitteln, damit diese im Gegenzug für den BAYC werben. US-Promi-Juwelier Ben Baller soll einmal in einem Twitter Space erklärt haben, dass auch er ein solches Angebot erhalten, es aber abgelehnt habe.

In mehreren Fällen lässt sich nachweisen, dass die Prominenten ihre NFTs direkt von Moonpay erhalten haben. In mindestens zwei Fällen haben die Kläger auf der Ethereum-Blockchain dokumentierte Zahlungen aufgestöbert, die darauf schließen lassen, dass die jeweiligen Promis mit der Kryptowährung Ether zusätzlich für ihre BAYC-Werbung entlohnt wurden. So soll US-Rapper Post Malone Ether im Wert von 1,4 Millionen US-Dollar dafür erhalten haben, dass er in dem Musikvideo zu seinem Song „One Right Now“ ein BAYC-NFT über Moonpay erwirbt. DJ Khaled soll für Werbung in seiner Instagram-Story Ether im Wert von 220.000 US-Dollar erhalten haben. In beiden Fällen war die Werbung nicht als solche gekennzeichnet.

Moonpay lässt einen Blog-Text verschwinden

Nach dem Erscheinen des Post-Malone-Songs schreibt ein Moonpay-Mitarbeiter im Firmenblog: „Uns ist klar, dass bei unserem Streben danach, im Mainstream anzukommen, ‚große Aufschläge‘ viel dazu beitragen können, außerhalb der Kryptoszene Sichtbarkeit zu generieren.“ Wie OMR festgestellt hat, löschte Moonpay diese Passage offenbar zunächst aus dem Text; mittlerweile ist der gesamte Artikel offline. Auf Archive.org ist jedoch noch eine archivierte Version abrufbar.

Bei Moonpay-Gründer und -CEO Ivan Soto-Wright gehört ebenso zu den Angeklagten wie Chris Lyons von Yuga-Labs-Investor Andreessen Horowitz, Tech-Investor Alexis Ohanian und seine Frau Serena Williams sowie zwei Adidas-Gesellschaften. Die deutsche Sportmarke hat im April 2022 ein eigenes NFT-Projekt vorgestellt und ist dafür eine Partnerschaft mit dem BAYC eingegangen. BAYC-Betreiber Yuga Labs hat die in der Klageschrift erhobenen Vorwürfe bereits  in US-Medien (beispielsweise „Billboard“ und „Hollywood Reporter“) zurückgewiesen: „Unserer Ansicht nach sind diese Behauptungen opportunistisch und parasitär“, heißt es. „Wir sind der festen Überzeugung, dass sie unbegründet sind, und freuen uns darauf, dies zu beweisen.“

Haben alle BAYC-NFT-Besitzer*innen Anspruch auf Entschädigung?

Kläger sind Adam Titcher, offenbar selbst Gründer eines NFT-Projekts, sowie Adonis Real, über den sich kaum Informationen im Netz finden lassen. Beide hätten sich von der Promi-Promo dazu verleiten lassen, BAYC-NFTs zu kaufen, die nun nur noch für einen Bruchteil ihres einstigen Wertes gehandelt werden, so die Klageschrift. Die Kläger streben einen „Class Action Lawsuit“ an, eine Sammelklage. Das würde bedeuten, dass im Erfolgsfall alle, die ein NFT vom Bored Ape Yacht Club (oder einem der verwandten Projekte) oder Coins der BAYC-Währung Apecoins besitzen oder besessen haben, Ansprüche auf Entschädigungszahlungen haben könnten. Auf einer Landingpage ruft die verantwortliche Kanzlei Scott+Scott mögliche Betroffene dazu auf, sich bis zum 7. Februar 2023 bei ihr zu melden. Die Klage muss jedoch überhaupt erst einmal zugelassen werden.

Scott+Scott hatte zuvor bereits Super-Influencerin Kim Kardashian und Profiboxer Floyd Mayweather wegen ihrer nicht gekennzeichneten Werbung für die Kryptowährung Ethereum Max verklagen wollen. Diese Klage soll jedoch vor wenigen Tagen vom zuständigen Richter abgewiesen worden sein, wie Coindesk berichtet. Angeblich hätte die Klageschrift nach Ansicht des Richters nicht genügend Beweise präsentiert. Gegenüber Coindesk deutete die Kanzlei jedoch an, eine überarbeitete Klageschrift einreichen zu wollen.

Untersucht auch die SEC die Bored Apes?

Die US-Bank- und -Börsenaufsicht SEC hatte Kim Kardashian wenige Wochen zuvor wegen desselben Falles die Zahlung eines Bußgeldes von 1,26 Millionen US-Dollar auferlegt. Laut einem Bericht des US-Wirtschaftsmediums Bloomberg aus dem Oktober soll die SEC auch Yuga Labs ins Visier genommen haben. Offiziell bestätigen wollte dies die Behörde nicht – aber auch nicht dementieren.

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Roland Eisenbrand
Autor*In
Roland Eisenbrand

Roland ist seit mehr als zehn Jahren als Journalist in der Digitalbranche aktiv. Seit 2014 verantwortet er als Head of Content (und zweiter Mitarbeiter) alle inhaltlichen Komponenten von OMR, darunter vor allem den OMR Blog und redaktionelle Arbeit rund um das OMR Festival.

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