Wie eine 69-jährige Domainerin über eBay fünf Millionen Dollar mit den Brooklyn Nets verdienen wollte

Mit diesen Tricks versuchten Jane Hill und ihr Sohn die Seite nets.com an das US-Basketballteam zu verkaufen

Foto: Facebook-Seite von Cyber Mesa Telecom

Foto: Facebook-Seite von Cyber Mesa Telecom

Wie kann man, wenn man für eine potenziell wertvolle Domain schon den passenden Käufer im Auge hat, diesen davon überzeugen, dass ein Kauf für ihn wirklich sinnvoll ist? Jane Hill aus Santa Fe in New Mexiko hatte dabei ihre ganz eigene Strategie. Seit 1996 gehört der 69-Jährigen nets.com. Bereits seit zwei Jahren versuchte sie, die Domain an das gleichnamige amerikanische Profi-Basketballteam Brooklyn Nets (bis 2012 New Jersey Nets) zu veräußern – und forderte fünf Millionen Dollar. Mit kruden Methoden, unter anderem Weiterleitungen auf die Websites gegnerischer Teams, wollte die Unternehmerin den Inhaber der Nets von dem Deal zu überzeugen.

Jane Hill aus Santa Fe, New Mexiko, 69 Jahre alt, ist vielleicht nicht die typische Domainerin, wie man sie sich im ersten Moment vorstellt. Und doch ist sie, eher durch Zufall, in dieser Branche aktiv geworden. Gegen Ende der 80er-Jahre kaufte Hill einen kleinen Computerladen, den sie „Roadrunner Computer Solutions“ nannte – inklusive der Domain roadrunner.com, die 1999 für einen siebenstelligen Betrag an den US-Konzern Time Warner ging. Und 1996 übernahm sie für rund 20.000 Dollar 500 Abonnenten von dem kleinen Internet-Anbieter Cyber Mesa Telecom – dieses Mal inklusive der Domain nets.com.

Kleine Provokationen als Domain-Verkaufsstrategie

Was mit der ersten Domain so gut geklappt hatte, wollte Jane Hill nun auch mit der zweiten, nets.com, versuchen. Als das Team der Nets 2012 von New Jersey nach Brooklyn umzog und sich der Name entsprechend änderte, witterte sie die große Chance und ließ über ihren Anwalt ein Angebot unterbreiten. Zu ihrer Überraschung allerdings gab es seitens der Nets, die schon über die Domain BrooklynNets.com verfügten, keinerlei Interesse. Etwas eingeschüchtert überlegte sich Jane Hill mit ihrem Sohn John nun eine Strategie, die Nets doch noch irgendwie zum Kauf zu bewegen.

Das war zeitweise war auf nets.com zu sehen: Marc Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, mit ausgetreckter Zunge.

Das war zeitweise auf nets.com zu sehen: Marc Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, mit ausgetreckter Zunge.


Um das zu erreichen, versuchten die beiden durch teils provokante Redirects Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Nets damit ein wenig unter Druck zu setzen. Erst leitete die Seite zum Webauftritt der Konkurrenten New York Knicks weiter, später dann zur Homepage der NBA-Legende Jason Kidd, nachdem dieser sich im Streit als Trainer von den Nets verabschiedet hatte. Kurz darauf war dann lediglich ein Foto von Mark Cuban, dem Besitzer der Dallas Mavericks, mit ausgestreckter Zunge zu sehen. Dazu die Botschaft: „Looking for the New Jersey Nets? Looking for the Brooklyn Nets? They’re not here…but they should be!“. Den Höhepunkt bildete schließlich die direkte Weiterleitung zu einer eBay-Auktion, in der Mama und Sohn Hill die besagte Domain angeboten haben.

Kein Verkauf von nets.com, dafür wertvolle PR

All die zumindest für Betrachter unterhaltsame Mühe war am Ende dann aber doch umsonst. Die Brooklyn Nets machten schnell deutlich, dass kein Interesse an der Domain nets.com bestehe. Schließlich sei man mit der bereits bei den Fans bekannten Domain BrooklynNets.com völlig zufrieden. Also leitet die Seite heute wieder, wie zu Beginn, auf die Homepage des kleinen Internetanbieters Cyber Mesa Telecom von Jane Hill weiter. Für den hat die ganze Aktion am Ende dann wenigstens ein wenig PR gebracht – immerhin berichteten zahlreiche Newsseiten und Blogs monatelang über die Geschichte; unter anderem der Business Insider und die New York Times.

Das nötige Kleingeld für den Kauf der Domain hätten die Nets übrigens allemal gehabt. Der Besitzer Michail Dmitrijewitsch Prochorow gilt als einer der reichsten Russen mit einem geschätzten Vermögen von 18,5 Milliarden US-Dollar, ein weiterer Mitbesitzer ist der durchaus vermögende US-Rapper Jay-Z.

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