Regisseur Uwe Boll: Blutrünstige Kinofilme und knallhartes Business

Uwe Boll, Regisseur und Produzent

Er gilt als König des Trash, kreativer Kaufmann und verprügelt auch mal Kritiker – Deutschlands schillerndster Regisseur im OMR Podcast

Die einen sehen im Regisseur und Produzenten Uwe Boll einen illegitimen Sohn des legendären Hollywood-Versagers Ed Wood. Die anderen einen smarten Filmemacher, der mit knappen Mitteln Produktionen stemmt, die anschließend weltweit im Kino laufen. Im OMR Podcast erzählt Boll, wie er vom Low-Budget-Regisseur zum „Künstler und Kaufmann“ wurde, welche Rolle Verfilmungen von Videogames dabei gespielt haben und bei welcher Gelegenheit er einmal einige seiner Kritiker K.o. geboxt hat.

Wie erfolgreich Uwe Bolls Filme ingesamt gewesen sind, das kann er gar nicht sagen. Immerhin seien sie in mehr als 100 Ländern zu sehen gewesen, über 100 Millionen Mal illegal bei Youtube gestreamt worden und hätten ihm so viel Geld eingebracht, dass Boll eigentlich nicht mehr arbeiten müsste. Trotzdem hat der Regisseur nach drei Jahren Pause nun wieder mit der Arbeit an einem Film begonnen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren wird Boll wieder auf Deutsch drehen.

Dystopie der Post-Merkel-BRD

Momentan schreibe er noch am Drehbuch seiner Dystopie „Deutschland im Winter“, erzählt Boll im OMR Podcast. Es geht um eine Bundesrepublik im Jahr 2025, wenn nach vier Jahren schwarz-grüner Regierung ein rechts-faschistischer Kanzler an die Macht kommt. Mit Sorge blicke er auf die politische Entwicklung in Deutschland, so Boll. Sein Film soll zeigen (und davor warnen), wohin die aktuelle Situation führen könnte.

„Deutschland im Winter“ wird nicht Bolls erster „politisch motivierter“ Film sein. In „Assault On Wallstreet“ von 2013 schickte er einen durch die Finanzkrise ruinierten Mann auf einen Rachefeldzug durch das Finanzzentrum. Zuvor hatte er 2009 mit dem Kriegsfilm „Dafur“ die erschütternden Menschenrechtsverletzungen in der Region im Westen des Sudans angeprangert. Für „Dafur“ gewann Boll einen Independent-Filmpreis und Anerkennung einiger Kritiker.

King of Trash und Lieblingsopfer der Kritik

Bekannt geworden ist Boll allerdings als Trash- und Splatter-Regisseur. Seine Filme wurden von der Kritik regelmäßig lustvoll verrissen. Auch dadurch konnte Boll sich mit den Jahren eine weltweite Fanbase aufbauen. Nach seinem Debüt „German Fried Movie“ im Jahr 1991 drehte er mehrere Filme, ehe er kurz nach der Jahrtausendwende zu einem Thema fand, das ihm kommerziellen Erfolg bringen sollte.

Boll hat etliche bekannte Videospiele verfilmt und dieses Genre quasi im Alleingang aufgebaut. Den Anfang machte 2003 „House of the Dead“, die Adaption eines Zombie-Shooters von Sega aus dem Jahr 1996. Es folgten die Verfilmungen von unter anderem „Alone in the Dark“ von Atari und „Far Cry“ von Ubisoft. Auch wenn diese Filme nicht unbedingt den Künstler in Boll angeprochen haben, erkannte der Kaufmann in ihm das Potenzial der Idee, Spiele auf die Leinwand zu bringen.

Nicht nur seien Filmrechte an Videospielen damals noch recht preiswert zu haben gewesen, so Boll. Da die Games in der Regel weltweit vertrieben wurden, waren sie entsprechend bekannt. „Das war eigentlich der Marketing-Effekt dabei: Dass man etwas verfilmt, was schon jeder kennt“, sagt Boll, „vor allem Jugendliche, die ins Kino gehen und DVDs kaufen.“

Hollywood-Stars und Mittelstandsdenken

Ein „Mega-Blockbuster“ sei zwar keiner seiner Filme geworden, so Boll. Aber zehn bis 20 Millionen Dollar hätten einige durch die Auswertung in Kino und DVDs weltweit eingespielt. Die meisten seiner Produktionen hätten „gute Gewinne“ gemacht. Zunächst habe er seine Marge dadurch sichergestellt, dass er als Regisseur, der zugleich sein eigener Produzent war, die Produktionskosten im Blick behielt. Durch den Verkauf der Filme an Firmen, die dann die Auswertung übernahmen, konnte er ohne Risiko kalkulieren – verzichtete so aber auf die Chance, mehr zu verdienen, sollte einer seiner Filme doch großen Erfolg haben. „Das war damals die bessere Variante, als zu gamblen“, sagt Boll.

Später ging er dann doch selbst ins Risiko. Boll verpflichtete dazu bekannte Hollywood-Schauspieler. In der Regel seien deren Gagen sechs-, in einigen Fällen wie bei Ben Kingsley oder Jason Statham, sogar siebenstellig gewesen. Sein Kalkül: Wenn er alle Rechte behielt, würden die Produktionen vermutlich nicht durch die Auswertung im Kino profitabel werden, dafür aber später durch diverse TV- und inzwischen auch Streaming-Deals.

„Wir haben Schauspieler nicht überbezahlt“

Trotzdem sei er seiner Kostendisziplin treu geblieben. „Wir haben Schauspieler nicht überbezahlt“, sagt Boll. Wenn die Wochengage zu hoch war, hätten sie die Stars halt schneller abgedreht. Außerdem habe er manche Gage drücken können, indem er seine Schauspieler erst kurz vor Drehstart suchte, zu einem Zeitpunkt also, an dem sie sonst keinen Job mehr bekommen hätten. Boll ist darum überzeugt: „Man kann mit zwischen einer und fünf Millionen einen absolut wettbewerbsfähigen, weltweit auswertbaren Film drehen.“ Allerdings habe auch er mitunter mit höheren Budgets gearbeitet. Im Fall von „Schwerter des Königs“ etwa gab er allein 10 Millionen Dollar für Computer-Effekte aus.

Als jemand, in dessen gesamter Karriere die kreative Arbeit an einem Film und dessen Finanzierung immer in seiner Hand lagen, kennt er natürlich die – unerfüllte – Hoffnung auf einen preiswerten Blockbuster: „Ich habe nicht das Glück gehabt, so einen Überraschungs-Smash-Hit zu drehen wie ‚Blair Witch Project‘. Ein Film, der für 100.000 gedreht wurde und 200 Millionen eingespielt hat“, sagt Boll. „Aber das ist die Phantasie, die im Filmbereich da ist, deswegen investieren Leute ja auch in Filme, weil sie sich sagen: Ich gehe ins Spielcasino, da kann ich auch mal einen Film mitfinanzieren.“

Zur Finanzierung seiner eigenen Produktionen hat Boll ein Modell entwickelt, bei dem er sich aus mehreren Töpfen bedient hat: Zum einen kam das Geld aus Medienfonds, in die risikobereite Anleger ihr Geld stecken konnten. Er verkaufte seine Filme außerdem bereits vor Drehbeginn. Und viele Produktionen entstanden in Kanada, wo die Förderung besonders üppig ausfiel.

Drehen, wo es am preiswertesten ist

2005 allerdings geriet diese Mischkalkulation aus dem Gleichgewicht. Denn seitdem ist es deutlich komplizierter geworden, in Filmfonds anfallende Verluste als Privatanleger steuerlich geltend zu machen. Filmern wie Boll wurde so der Zugang zu Kapital versperrt. „Wir haben die Budgets reduzieren müssen“, sagt Boll. Er habe noch stärker auf Vorverkäufe setzen müssen und ausschließlich dort gedreht, wo der Staat Filmproduktionen besonders fördert oder die Kosten sehr gering sind.

„In Rumänien kriegt man Statisten für zehn Euro am Tag, da ist man in Deutschland 150 los“, so Boll. Die Honorare für die Crew am Set betrügen in Bulgarien, Rumänien oder Südafrika weniger als ein Zehntel dessen, was in Deutschland oder den USA gezahlt wird, entsprechend lägen die Produktionskosten zwei Drittel niedriger. „Die Jungs haben es aber auch drauf“, sagt Boll. Er habe dann halt nur seine wichtigsten Leute und einen Kameramann mitgenommen, den Rest des Teams vor Ort gebucht.

„Goldene Himbeere“ für Boll

Auch wenn Boll hörbar stolz ist, mit einen Budget von drei Millionen Dollar einen Film gemacht zu haben, der nach 15 Millionen aussehe, sein Ruf als schlechter Regisseur scheint zementiert. Das ärgere ihn, so Boll. Viele Kritiker würden seine Filme vermutlich gar nicht richtig anschauen, sondern nur nach Bestätigung des Klischees suchen, das sie von dem Regisseur haben. Für „Postal“ – seinen eigentlich besten Film, wie Boll sagt – bekam er eine „Goldene Himbeere“, das Negativ-Pendant zum Oscar. Und vermutlich ist er der einzige Filmemacher, der durch eine öffentliche Petition zur Aufgabe seines Berufs aufgefordert worden ist.

Boll machte das Beste daraus: „Ich habe es als Marketing-Instrument genutzt, wo ich konnte, weil ich dadurch natürlich auch sehr populär geworden bin. Auch in den USA kennt mich jeder, weil ich outspoken bin und auch in Interviews Leuten mal gesagt habe, sie können sich selber ficken.“

Nachdem Boll für ein paar Jahre in Kanada gelebt und dort in Vancouver das Restaurant „Bauhaus“ eröffnet hat (es hat sehr gute Kritiken bekommen, doch wegen der Corona-Pandemie hat Boll es gerade aufgegeben), ist er seit dem Frühjahr 2020 zurück in Deutschland und widmet sich nun wieder seiner Karriere als Regisseur und Produzent. Er stehe gerade in Verhandlungen mit Amazon und Netflix, aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei an seinem kommenden Film interessiert, so Boll. „Das hat mich sehr überrascht.“

Wenn ihr die ganze Geschichte von Deutschlands umtriebigsten Filmemacher hören wollt und außerdem wissen möchtet, warum sein eigener Streamingdienst Bollflix gefloppt ist, wieso seine Kritiker sich von Boll haben K.o. schlagen lassen und was ihn – neben Käse, Wurst und Brot – dazu gebracht hat, mit seiner Familie zurück nach Deutschland zu ziehen, dann hört jetzt die neue Folge des OMR Podcasts.

Außerdem spricht Philipp in dieser Folge des OMR Podcasts mit Thorsten Scheib, Marketing-Direktor Deutschland bei Philip Morris International, über Transformation. Scheibs Arbeitgeber ist gerade dabei, vom klassischen Tabakkonzern zu einem Unternehmen zu werden, das durch risikoreduzierte Alternativ-Produkte die klassische Zigarette ablösen will. Natürlich hat der Konzern diesen Weg nicht ganz freiwillig eingeschlagen. Genau das macht die Story interessant für andere Branchen. Denn ob Klimawandel, Corona oder Digitalisierung – quasi jedes Unternehmen jeder Branche sieht sich gerade Kräften ausgesetzt, auf die es keinen Einfluss hat und die darum zu Veränderung zwingen.

Seine Botschaft: akzeptieren, dass Transformation zunächst wie eine Achterbahnfahrt im Dunkeln ist. Das bedeutet, einmal in Gang gesetzt, kann sie den Prozess nicht nicht stoppen – aber versuchen auszuleuchten, wohin die Reise geht und das auch den Mitarbeitern kommunizieren. Scheib teilt außerdem einige interessante Zahlen, wie stark der Umbauprozess in Folge der Einführung des Produkts Iqos den Konzern inzwischen prägt.

Außerdem erzählt Scheib über die Entstehung und die Hintergrunde des Ideenwettbewerbs Make Tomorrow New. Bei dem geht es um Ideen, die Zukunft besser zu machen – eine bewusst offene und breit gefasste Aufforderung. OMR gehört zu den Supportern des Wettbewerbs und Philipp Westermeyer sitzt gemeinsam mit Lea-Sophie Cramer, Fynn Kliemann und Tim Mälzer in der Jury. Scheib berichtet von der Entstehung des Wettbewerbs im Homeoffice, seine Einschätzung, welche Ideen bereits eingereicht worden sind. Oder noch eingereicht werden. Denn die Teilnahme ist noch bis zum 30. November möglich.

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Alle Themen des Podcasts mit Uwe Boll im Überblick:

  • Warum er sich selbst als „Allround-Filmemacher“ sieht? (ab 3:55)
  • Wie er in 30 Jahren vom Low-Budget-Produktionen zum Verfilmer von Videospielen wurde und welches Businessmodell dahinter steht (ab 6:02)
  • Wie viel seine Filme eingespielt haben und welcher sein profitabelster gewesen ist (ab 11:21)
  • Wie Boll die Gagen von Hollywood-Stars passend zu seinem Budget machte (ab 12:23)
  • Wie das Streaming das Filmemachen für jemanden wie Boll verändert hat, der von Kino- und DVD-Auswertung gelebt hat (ab 15:43)
  • Wie sich das Filmemachen für ihn finanziell ausgezahlt hat (ab 14:00)
  • Warum es sich lohnt, die Rechte an Filmen zu behalten (ab 17:09)
  • Wieso es keine Formel für erfolgreiche Filme geben kann und welche Rolle die Kinos dabei spielen (ab 21:45)
  • Warum das deutsche Steuersystem eine Mitschuld an fehlendem Kapital für Filme wie Boll hat (ab 24:40)
  • Weshalb er sich als Künstler und Kaufmann sieht und nur dieses Modell für ihn funktioniert (ab 28:52)
  • Wie er mit der zum Teil verhöhnenden Kritik an seinem Werk umgeht (ab 32:16)
  • Warum er mit seinem Plan, „World of Warcraft“ zu verfilmen, gescheitert ist ab (33:43)
  • Wieso er auf seine börsennotierte Boll AG als „extrem negative Erfahrung“ zurückblickt (ab 37:48)
  • Was hinter seinem neuen Filmprojekt „Deutschland im Winter“ steckt (ab 41:47)
  • Wieso er trotz Flop mit Bollflix an einen Streamingdienst nur mit seinen Filmen glaubt (ab 44:08)
  • Wie er 1000 Leute dazu gebracht hat, 50 Dollar zu zahlen, um ihn als Boxer zu sehen (ab 46:50)

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