Sind österreichische Hundehalsbänder mit GPS-Tracking bald über eine Milliarde Euro wert?

Tractive GPS Tracking OMR Podcast Philipp Westermeyer Michael Hurnaus

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Über 200.000 Abonnenten hat das Unternehmen Tractive mittlerweile, verrät Gründer Michael Hurnaus im OMR Podcast

Die Idee klingt im ersten Moment recht simpel: Wenn Hund oder Katze mal wieder stiften gegangen sind, einfach in eine App schauen – und den Standort der Haustiere dank mit SIM-Karten versehenen Halsbändern sofort herausfinden. Die Firma Tractive aus Österreich hat genau daraus ein Business gemacht. Gründer Michael Hurnaus verrät im OMR Podcast, wie das Unternehmen über ein Abo-Modell Geld verdient, weshalb die Produkte nur in Ausnahmefällen im stationären Handel zu finden sind und was er während seiner fünf Jahre bei Amazon über Jeff Bezos gelernt hat.

„Wir haben das Ganze vor sieben Jahren gestartet und da gab es tatsächlich nichts am Markt. Die Technologie war da einfach noch nicht so weit und Geräte zu groß“, sagt Michael Hurnaus im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Gemeinsam mit Michael Lettner und Michael Tschernuth hat Hurnaus in Österreich Tractive gegründet. Das Unternehmen bietet im Kern vor allem zwei Produkte an: einen GPS-Tracker für Hunde und eine Version für Katzen, die an den Halsbändern der Haustiere befestigt werden.

Im Tracker befindet sich eine SIM-Karte, die den Standort der Tiere nahezu in Echtzeit an die App von Herrchen oder Frauchen überträgt. Hier liege auch eine der größten Herausforderungen: Die Technik inklusive Antennen müsse so verbaut werden, dass der Tracker klein und leicht bleibt. „Die meisten scheitern einfach daran, das Produkt so klein zu bauen, dass es für Haustiere geeignet ist“, so Hurnaus. „Die Miniaturisierung ist die größte Challenge und das größte Problem.“

So funktioniert das Geschäftsmodell mit Trackern

Für Kunden fallen bei den Produkten zwei verschiedene Arten von Kosten an. Einmalige für die Hardware und eine monatliche Abo-Gebühr. „Durch die SIM-Karte entsteht natürlich ein Datenverbrauch, Roaming usw.“, erklärt Michael Hurnaus. „Den Datenverbrauch zahlen wir. Der Kunde schließt nur einen Vertrag mit uns ab und mit keinem Telko-Anbieter.“ Über 200.000 aktive Abos habe Tractive mittlerweile und generiere so einen „guten, zweistelligen Millionenumsatz“ im Jahr. Hurnaus sagt: „Wir könnten sehr profitabel sein, wenn wir das möchten. Wir versuchen aber immer noch, ins Wachstum zu investieren, ohne externes Kapital reinzuholen.“

Investoren hat das Unternehmen trotzdem. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner beispielsweise (hier im OMR Podcast), der Michael Hurnaus erst so richtig vom Gründen überzeugt hatte, als er selber mit seiner Jogging-App noch ganz am Anfang war. Und seit Anfang des Jahres sind auch die Trivago-Gründer investiert. „Das war vor allem eine strategische Entscheidung“, erklärt Hurnaus. „Die haben sehr viel Erfahrung mit TV-Werbung, über 2.000 Spots in vielen verschiedenen Ländern gedreht. Das Knowhow wollten wir haben. Und es hat schon sehr geholfen – das sind super Jungs.“

Wie und wo erreicht man die Haustierzielgruppe?

In über 150 Ländern habe Tractive mittlerweile Kunden, 90 Prozent der Verkäufe gehen aber nach Europa. „Wir verkaufen hauptsächlich über den eigenen Online-Shop, aber auch Amazon, Zooplus und andere Fachhändler spielen eine Rolle“, so Hurnaus. Insgesamt sei der Einzelhandel nicht so relevant – weil das Produkt, inklusive anfallender monatlicher Kosten, zu erklärungsbedürftig sei. „Wenn neun von zehn Haustierbesitzern nicht einmal die Produktkategorie kennen, zeigt uns das aber gleichzeitig auch, dass sehr viel Marktpotenzial da ist.“ Er schließe daher auch nicht aus, dass aus Tractive mal ein Unicorn, also ein Unternehmen mit Milliarden-Bewertung werden könnte.

Erfahrungen bei Unternehmen mit Milliarden-Bewertungen konnte Michael Hurnaus vor der Gründung von Tractiv auch schon sammeln – und zwar direkt bei den wertvollsten Firmen der Welt. Nach einem Job als Programmierer bei Microsoft war er fünf Jahre lang bei Amazon angestellt, unter anderem als Projektleiter beim Kindle Fire. „Da habe ich zum Beispiel auch hin und wieder mit Jeff Bezos zusammenarbeiten dürfen“, so Hurnaus. „Das war schon spannend zu sehen. Es hat schon einen Grund, weshalb die Leute da gewisse Positionen haben. Die sind wirklich smart.“

Wie er sich damals entweder mit One- oder Sixpagern auf Meetings vorbereitet hat, welche Marketingkanäle ganz am Anfang von Tractive für Wachstum gesorgt haben und ob es bereits Übernahmeangebote gegeben hat, erfahrt Ihr in der aktuellen Folge vom OMR Podcast.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Auch diese Woche gleich zu Beginn ein kurzer Hinweis auf unseren Partner Vodafone und ganz speziell auf den Tarif Vodafone Red Business Prime. 15 Gigabyte Datenvolumen, 360-Grad-Europaflat für kostenlose Telefonie ins und aus dem europäischen Ausland und vieles mehr erwarten Euch da. Ganz anderes Thema, wir sind aber große Fans: Kürzlich hat Vodafone zum Start einer Kooperation mit der DFL das Stadion vom VFL Wolfsburg mit 5G ausgestattet. Per App und Augmented Reality bekommen Fans jetzt in Echtzeit Statistiken, Grafiken und Analysen auf das Smartphone. Eher etwas für Fußball-Nerds, zeigt aber trotzdem gut, was mit 5G alles möglich ist.

Newsletter2Go ist Euer Partner für E-Mail-Marketing. Mit 65 Mitarbeitern bringt es das Unternehmen auf aktuell 185.000 Kunden. Das Produkt für E-Mail-Marketing und Newsletter-Kampagnen dürften viele von Euch bereits kennen, jetzt haben die Kollegen sich aber zusätzlich etwas neues ausgedacht. Mit der Newsletter2Go Academy könnt Ihr alles rund um den Kanal lernen, z.B. Verteiler-Aufbau, Optimierung von Öffnungs- und Klickraten und vieles mehr. Wenn Ihr Euch in dem Bereich also gerade weiterbilden wollt, seid Ihr hier richtig.

Im OMR Office gibt es so einige Sneakerheads, die sich über unseren nächsten Podcast-Partner besonders freuen dürften: Allbirds. 2016 wählte das Time Magazin das Produkt zum bequemsten Schuh der Welt. Das ist ja mal eine Ansage…Aber auch sonst hat es die Marke ziemlich gut verstanden, sich zeitgemäß zu positionieren. So beschränkt sich das Angebot auf nur wenige Modelle (typisch für Vertical Brands) und Allbirds stellt die Treter seit 2019 komplett klimaneutral her. Am besten schaut Ihr mal bei allbirds.de rein oder direkt im erst kürzlich eröffneten Store in Berlin (der 13. weltweit) vorbei.

Am 28. Oktober 2019 springen wir gemeinsam mit Euch über rechtliche Fallstricke im Digital-Business. Im SIDE Hotel Hamburg begrüßen wir Euch dann nämlich zum Legal Update. Gemeinsam mit den Kollegen der Kanzlei CMS beleuchten wir die relevantesten Themen auf dem Gebiet – von der DSGVO über Arbeitsrecht bis hin zu Bewertungen im E-Commerce. Wenn Ihr also mit rechtlichen Fragen in Eurem Unternehmen in Berührung kommt, solltet Ihr den Termin nicht verpassen. Genauere Infos und die Tickets bekommt Ihr hier.

Alle Themen des Podcasts mit Michael Hurnaus von Tractive im Überblick:

  • Wie Philipp dank Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner auf Tractive aufmerksam wurde, schnell von der Story überzeugt war – und weshalb er dem Unternehmen großes internationales Wachstum zutraut (ab 01:55)
  • Tractive-Gründer Michael Hurnaus: vom Heimtierkongress in Hamburg ins Podcast-Studio im OMR Office (ab 03:25)
  • Wie hat sich der Markt für GPS-Tracker für Hunde und Katzen seit dem Start von Tractive entwickelt? (ab 04:25)
  • Wie funktioniert eigentlich das Geschäftsmodell mit den Halsbändern? Und wie viel Umsatz macht das Unternehmen aus Österreich aktuell? (ab 05:30)
  • Noch stammen 90 Prozent der Bestellungen aus Europa, jetzt will Tractive aber in die Märkte USA und Kanada eindringen (ab 06:30)
  • Deshalb verkauft Tractive nicht in den großen Einzelhandelsketten (ab 07:00)
  • Das sind die Herausforderungen im Marketing für GPS-Halsbänder (ab 08:40)
  • 200.000 zahlende Abonnenten hat Tractive mittlerweile. Aber wie misst man in dem Bereich die Aktivität der Nutzer? (ab 09:30)
  • Von vielen Anbietern sind nur wenige erfolgreich – vor allem wegen einiger auch heute noch technischer Schwierigkeiten (ab 12:30)
  • Florian Gschwandtner, Business Angel Hansi Hansmann und die Trivago-Gründer haben in Tractive investiert (ab 14:50)
  • Das Unternehmen experimentiert viel mit TV Werbung. Welche Marketing-Kanäle sind am wichtigsten, welche funktionieren nicht so gut? (ab 16:00)
  • So funktionieren zusätzliche Gratis-Apps im Haustierbereich als Marketing-Instrument für Tractive (ab 16:45)
  • Deshalb hat Social Media noch keinen so großen Stellenwert, Referral-Marketing dafür umso mehr (ab 17:40)
  • Wie hoch sind die Margen auf die Hardware von Tractive? Und wann ist ein Kunde profitabel? (ab 19:10)
  • Michael Hurnaus bezeichnet sein Unternehmen als Weltmarktführer – und spricht trotzdem offen über Mitbewerber (ab 21:40)
  • Weshalb ist Tractive nur im Haustier-Bereich unterwegs? Was ist mit anderen Nischen für GPS-Tracker wie Reisegepäck oder Autos? (ab 24:10)
  • Was hat Michael Hurnaus vor Tractive gemacht und wie kam er auf die Idee, GPS-Tracker für Haustiere zu verkaufen? (ab 28:20)
  • Hurnaus über seine Zeit bei Amazon und Meetings mit Jeff Bezos (ab 29:20)
  • Wie während seiner Zeit in den USA Florian Gschwandtner zu Besuch war als Runtastic gerade mal acht Mitarbeiter hatte – und so die Idee zu Tractive entstanden ist (ab 33:15)
  • Was ist ein „Razor-Razorblade-Business-Model“? (ab 36:20)
  • Gab es schon Übernahmeangebote? (ab 37:25)
  • Was haben die Lebensmittelkonzerne Mars und Nestlé mit der Haustierbranche zu tun? (ab 39:00)
  • Michael Hurnaus erklärt, in welchen Bereichen der Haustierbranche besonders viel Geld ausgegeben wird (ab 41:50)
  • Hurnaus über das enorme Umsatzwachstum von Zooplus und das Geschäftsmodell des Online-Händlers (ab 43:20)
  • „Fressnapf hat online sehr verschlafen.“ (ab 46:10)
  • 150 Millionen Treffer bei Google zum Keyword „GPS Tracker“ – Wie sticht man da aus der Masse heraus? (ab 48:00)
  • Glaubt Michael Hurnaus daran, aus Tractive ein Unicorn zu machen? (ab 50:30)

Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung!

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