Was ist NFT? Der große OMR-Explainer

So könnte ein OMR NFT aussehen. Quelle: OMR

Wir erklären die wichtigsten Begriffe, zeigen praktische Beispiele und erklären, wie auch Ihr einsteigen könnt

Neben „Metaverse“ ist der Begriff „NFT“ das digitale Buzzword des Jahres. Aber Moment mal. Metaverse, NFT, Blockchain – Ihr habt immer noch keinen Plan von diesem neuartigen Tech-Kram? Kein Problem, hier kommt der NFT-Crashkurs für alle, die noch rechtzeitig auf den Krypto-Zug aufspringen wollen.

Wer im letzten halben Jahr eine völlig beliebige Nachrichtenseite geöffnet hat, der hat die drei magischen Buchstaben sicher schon gelesen: NFT steht für Non-fungible Token und sorgte vor allem im Kontext von digitalen Kunstwerken für Schlagzeilen, die für Millionen Dollar verkauft wurden. Nachdem der große Hype entfacht war, zogen schnell erste Konzerne wie Nike, Sportligen wie die NBA oder der Fußballclub Bayern München nach. Doch was genau NFTs sind, wie Unternehmen mit ihnen bisher Marketing machen und ob auch Ihr im großen Trend-Game mitmachen solltet, das scheint vielen ein Rätsel. Mit diesem Explainer wollen wir Euch Abhilfe verschaffen. 

Klingt cool, aber geht mir zu schnell. Von vorne bitte: Was zur Hölle ist das Metaverse?

Ihr habt Recht, sorry. Wer NFTs verstehen will und welche Rolle sie spielen, muss zunächst einmal verstehen, was die große Vision des Metaverse ist. Mein Kollege Roland hat einen ausführlichen Artikel darüber geschrieben, hier bleiben wir bei der Kurzversion. Der Ursprung der Bezeichnung „Metaverse“ stammt aus dem 1992 erschienenen Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ vom US-Amerikaner Neal Stephenson.

Darin beschreibt Stephenson eine dystopische Zukunftsgesellschaft, in der Tech-Konzerne die Welt beherrschen. Das „Metaversum“ ist eine vollständig digitale, endlose Parallelwelt mit eigenem Öko-System, in das die Menschen flüchten, um der traurigen Realität zu entkommen. Im „Metaversum“ gibt es eine eigene Währung, Spielende können sich mit Freunden treffen und Waren konsumieren.

Die Idee dieser digitalen Parallelwelt hat viele große Silicon-Valley-Persönlichkeiten inspiriert. Der Google-Gründer Sergey Brin sagte, Snow Crash sei eines von zwei Büchern gewesen, die sein ganzes Leben beeinflusst hätten. Vor einigen Wochen hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ganz offen verkündet, aus Facebook eine „Metaverse-Company“ machen zu wollen; kurz darauf folgte der Launch von Facebooks „Horizon Workrooms“, also einer Software für virtuelle Meeting-Räume. Und US-Tech-Investor Matthew Ball sieht im Metaverse „das Tor zu den meisten digitalen Erlebnissen“ der Zukunft.

Je digitaler unsere Welt wird, je mehr Geschehen sich ins Internet verlagert, desto näher sind wir der Idee eines Metaversums also – was allerdings nicht heißen muss, dass wir bald in einem düsteren Zeitalter der Tech-Konzerne leben. Schließlich ist das echte Leben kein Sci-Fi-Roman. Bisher existiert das Metaverse nur in Form von gigantischen Free-to-Play-Spielwelten, wie beispielsweise Fortnite oder Roblox. Auch hier können User:innen mittlerweile gemeinsam auf Konzerte gehen, einen Kinofilm angucken oder sogar Ihre Hochzeit feiern. Allerdings sind sie nicht zu einem großen virtuellen Raum verbunden und bisher nur für wenige Leute interessant. Für uns ist vor allem wichtig, und damit kommen wir zurück zu unserem Thema, dass es die Orte sind, wo Kryptotechnologien wie NFTs zum Einsatz kommen.

Klingt mir immer noch zu theoretisch.

Dann probiert es selbst aus. Es gibt neben Fortnite und Roblox zahlreiche andere virtuelle Welten, die für jeden gratis zugänglich sind. Decentraland ist eine der bekanntesten und größten virtuellen Plattformen, in dem mittlerweile sogar das britische Kunsthaus Sothebys eine Gallerie eröffnet hat.

Crypto Voxels hingegen bietet einen guten Eindruck über die aktuellen werbetechnischen Möglichkeiten innerhalb des Metaverse. Crypto Voxels ist das größte Krypto-Werbenetzwerk der Welt, in dem digitalen Raum können Nutzende Grundstücke und Werbetafeln in Form von NFTs erwerben und selbst gestalten. Ihr müsst dort aber nichts kaufen. Ihr könnt einfach umher spazieren, Euch umgucken und ein erstes Gefühl für das Metaverse bekommen.

Alles klar, ich hab’s verstanden, virtuelle Welt und so. Aber was sind jetzt genau NFTs?

NFTs sind digitale, handelbare Güter innerhalb dieses Metaverse. NFTs können Kleidung für Euren Avatar sein, aber auch die virtuelle Sammelkarte eines Fußballspielers, das digitale Musikalbum Eurer Lieblingsband oder ein Screenshot des ersten jemals getätigten Tweets. NFTs können digitale Sneaker sein, oder ein altes Internet-Meme.

NFTs haben zwei wichtige Eigenschaften. Die Erste ist: Sie sind, wie der Name sagt, Non-fungible, also nicht austauschbar. Dadurch unterscheiden sie sich von Kryptowährungen. Wenn Ihr zehn Bitcoins besitzt, ist es egal, mit welchem Bitcoin Ihr bezahlt. Zwar kann der Wert der Währung Bitcoin an sich steigen oder fallen, aber die einzelnen Bitcoin haben immer denselben Wert. Der Wert von NFTs variiert. Wenn Ihr eine Kollektion von 100 gleich aussehenden Fußballsammelkarten kauft, kann es sein, dass sich der Wert der einzelnen Karten im Laufe der Zeit unterschiedlich entwickelt.

Die zweite wichtige Eigenschaft von NFTs: Jedes Einzelne hat einen eindeutig identifizierbaren Besitzer. Der Grund dafür ist die Kryptotechnologie, die sowohl hinter Kryptowährungen als auch NFTs steckt, die Blockchain. Hier in die Details zu gehen würde ausufern, vereinfacht gesagt: Blockchains sind von Millionen Menschen gleichzeitig betriebene Datenbanken. Weil Blockchain-Daten niemals gelöscht werden, lassen sich alle jemals auf ihr gespeicherten Informationen für immer nachvollziehen.

Das heißt: Wenn Ihr heute ein NFT (oder eine Kryptowährung) kauft und morgen verkauft, wird dieser Prozess auf einer Blockchain gespeichert und kann theoretisch von allen Menschen dieser Welt für immer nachvollzogen werden. Es gibt unterschiedliche Blockchain-Typen, die meisten NFTs bedienen sich der Ethereum-Blockchain, denn die ist im Gegensatz zur Bitcoin-Blockchain nicht ausschließlich auf Kryptowährungen beschränkt. Aus diesem Grund werden NFTs auch meistens in der Ethereum-Währung Ether gehandelt.

Die Preisspanne bisheriger NFTs reicht von wenigen Dollar bis hin zu mehreren Millionen Dollar. Das bisher am teuersten gehandelte NFT ist die Grafik „The First 5000 Days“ von dem amerikanischen Künstler Beeple. Es wurde im März vom Auktionshaus Christie’s verkauft. Der Käufer ist ein langjähriger Krypto-Investor und zahlte dafür rund 42.000 Ether, was zum damaligen Zeitpunkt ungefähr 69 Millionen Dollar entsprach.

Das ist verdammt viel Geld. Trotzdem wahrscheinlich nur ein kurzzeitiger Trend, also warten wir doch einfach, bis er vorbei ist.

Die Zahlen sagen etwas anderes. Allein im ersten Halbjahr 2021 haben Risikokapitalgeber weltweit rund 17 Milliarden Dollar in krypto-basierte Assets investiert, dreimal so viel wie im gesamten Vorjahr. Der Gesamtwert der globalen Krypto-Industrie beläuft sich aktuell auf rund 1,9 Trillionen Dollar, also ungefähr 1.600 Milliarden Euro. Immer noch nicht so viel wie Apples 2.000 Milliarden Euro Marktkapitalisierung, aber trotzdem zu viel, um übermorgen wieder zu verschwinden.

NFTs werden in Kryoti-Währungen behandelt. Dadurch haben also manche Leute viel Geld verdient. Diese exorbitanten Summen machen aber auch deutlich: Digitale Währungen – mit ihren Kursschwankungen um bis zu 20.000 Prozent binnen eines Jahres – ziehen aggressive Spekulant:innen an, die mit hohen Investments in NFTs auf schnelle Gewinne setzen. Viele Finanzexpert:innen warnen deshalb regelmäßig vor einer platzenden Krypto-Blase. Ungeachtet dessen steigt die Akzeptanz von Institutionen und Unternehmen gegenüber Krypto-Zahlungen und damit auch NFTs immer mehr. In der Schweiz lassen bereits 85.000 Händler:innen Zahlungen in Bitcoin und Ether zu. Für den deutschen Markt gibt es allerdings noch keine vergleichbaren Statistiken.

Na gut, sagen wir mal der Trend verschwindet nicht. Dann kann ich damit also auch schnell reich werden?

Realistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit nicht hoch. Es gibt nur wenige NFTs bisher, die für über eine Million Dollar verkauft wurden. Und die wertvollsten unter ihnen sind thematisch eng mit der Geschichte und Kultur des Internets verknüpft. Das 69-Millionen-Dollar-Kunstwerk „The First 5000 Days“ von Beeple ist eine Collage aus digitalen Grafiken, von denen er 5.000 Tage am Stück (also über 13 Jahre) je eines produzierte.

Andere wertvolle NFTs sind zum Beispiel die zwei Cryptopunks. Sie wurden von einem kanadischen Entwicklerteam als eines der ersten NFTs auf der Ethereum-Blockchain erschaffen und verkauften sich für umgerechnet 7,9 Millionen Dollar. Der erste Tweet von Twitter-Chef Jack Dorsey brachte es auf 2,9 Millionen Dollar. Falls Ihr also nicht zufällig eine Meme-Legende seid oder verwandt mit dem WWW-Erfinder Tim Berners-Lee, könnte das mit dem schnellen Reichtum schwierig werden.

Ich bin leider keine Meme-Legende. Aber es gibt doch unzählige Konzerne, die auf den NFT-Zug aufgesprungen sind. Was ist denn mit denen?

Unter den Early Adopters von NFT finden sich vor allem Großkonzerne, die ein Teil ihres Werbebudgets in Krypto-Kunst investiert haben. Unter Krypto-Kunst versteht man meist visuelle Animationen oder Grafiken, die auf Online-Plattformen wie Opensea oder Rarible zur Auktion dargeboten werden.

Allerdings fällt es schwer, bei den bisherigen Kampagnen von systematischem Erfolg zu sprechen. Die Schuhmarke Buffalo zum Beispiel hat gemeinsam mit der Digital Fashion Agentur The Fabricant virtuelle Schuhe kreiert. Unter dem die Kampagne begleitenden Hashtag #burningfor finden sich auf Instagram gerade einmal rund 30 Beiträge mit Bezug zu dem Schuh. Coca Cola verloste digitale Kühlschränke und schmiss gleich eine virtuelle Launch-Party auf der Oberseite einer Coladose. Der Kühlschrank steht zwar für umgerechnet über drei Millionen Dollar zum Verkauf, das einzige Gebot beläuft sich aber auf weniger als einen Cent. Und der Kofferhersteller Rimowa stellte ein virtuelles Kabinenlicht fürs Flugzeug und einen Lautsprecher als NFT her. Für das Kabinenleicht gibt es gerade einmal zwei Gebote.

Besser als für die Konzerne läuft es aktuell für Sportvereine. Auf Marktplätzen wie Sorare (hier im OMR Porträt) oder NBA Top Shot sammeln und tauschen Fans unterschiedliche NFTs, von digitalen Panini-Stickern ihrer Lieblingsfußballer bis hin zu Videoaufnahmen besonderer Basketball-Momente. Verstärkt wurde der digitale Sammeleffekt vor allem, seit auch internationale Top-Teams wie der FC Bayern München, FC Liverpool oder Basketballstars wie Lebron James erkannt haben, wie lukrativ Lizenzdeals mit solchen Plattformen sein dürften. Basketball-Momente wie diese, festgehalten in animierten Würfeln, erzielen regelmäßige Verkaufspreise im fünfstelligen Bereich.

Verstehe. Ich besitze aber zufälligerweise kein Millionen-Werbebudget oder einen Sportverein. Jetzt mal Butter bei die Fische: Soll ich mitmachen oder nicht?

Um ehrlich zu sein: Es gibt keine eindeutige Antwort darauf. Auch gibt es noch kein goldenes How-to-NFT-Playbook, immerhin wurde die Technologie erst zu Beginn dieses Jahres einem breiteren Publikum bekannt.

Wer den Schritt wagt, sollte nicht gleich ein Grundstück inklusive Billboard auf Cryptovoxels oder in Decentraland kaufen. Auch, weil die Gas-Preise, eine Art Servicegebühr, die man für jede Transaktion leisten muss, schnell mehrere Hundert Euro kosten können. Klickt Euch lieber durch die unterschiedlichen Marktplätze, spaziert durch die offenen Welten der Blockchain-Games oder sucht Euch Künstler, die Erfahrung darin haben, Krypto-Kunst zu minten (zu dt.: herzustellen) und startet mit Ihnen eine Kooperation.

Es kann sein, dass Ihr als Early-Adopter Teil einer großen digitalen Wende seid, die gerade Ihren Anfang nimmt. Es kann sein, dass die große Vision des Metaverse scheitert und die NFT-Technologie bald wieder von der Bildfläche verschwindet. Darin besteht das Risiko von NFT, aber auch die Chance.

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