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Legendäre Deals und ungeahnte Reichweite – die verblüffende Geschichte von MyDealz

Ohne Business Plan zu einem kuriosen Internet-Business

(Foto: stavos / Flickr / CC BY 2.0)

(Foto: stavos / Flickr / CC BY 2.0)

MyDealz sieht aus wie ein etwas aus der Mode gekommenes Schnäppchenportal für männliche Nerds. Doch die Aktivität der Community und eine angebliche Reichweite von 3,5 Millionen Unique Visitors im Monat machen deutlich, dass hier seit 2007 ein lustiges, manchmal auch gefährliches Schnäppchen-Monster herangewachsen ist. Wir haben uns die Kollegen mal näher angeschaut.

Als Blog des Tech-Nerd-Studenten Fabian Spielberger gestartet, ist MyDealz bis heute zu einem Portal für Social Shopping gewachsen, dessen aktive Community heiße Deals im Internet sucht, um diese mit dem Netzwerk zu teilen. Anschließend werden die Angebote, von denen am Tag durchschnittlich 500 auf das Portal fließen, von den Usern bewertet und kommentiert und steigen entsprechend der Resonanz im Ranking auf der Seite. Außerdem macht sich die Redaktion von MyDealz auch selbst auf die Suche nach Top Deals im Internet, um sie ihrer Community vorzustellen. „Schlecht bewertete Deals rutschen nach unten und fliegen schnell raus“, so Steffen Greschner, Head of Communications von MyDealz, gegenüber Online Marketing Rockstars.

Screenshot MyDealz-Startseite

Screenshot MyDealz-Startseite

Top Deals

„Bei einigen Angeboten erreicht MyDealz Conversion Rates von 20 bis 30 Prozent bei den jeweiligen Shops“, so Steffen Greschner weiter.

Steffen Greschner

Steffen Greschner

Besonders beliebt seien Elektronikartikel, Smartphones, Konsolen, TV-Geräte, aber auch Fashion. Während die durchschnittlichen Abverkäufe für die in den Deals beworbenen Artikeln im zwei- oder dreistelligen Bereich lägen, werden günstige, aber immer noch hochpreisige Waren wie Elektroartikel im deutlich vierstelligen Bereich verkauft. Umsatzvolumina von mehreren hunderttausend Euro sind für solche Angebote keine Seltenheit – für nur einen Deal oder Blogpost. Einen Playstation-Deal beispielsweise vermittelte das Portal innerhalb von sechs Stunden 2.500 Mal; ein Handy-Angebot wurde innerhalb von 90 Minuten 1.500 Mal wahrgenommen.

Big Data: Supermarkt-Prospekte

Doch nicht nur derlei Top-Angebote kommen in der Community gut an. Ein besonders engagierter User hat seinen Fokus auf Supermarkt-Prospekte gerichtet und präsentiert seinen MyDealz-Freunden wöchentlich alle Angebote auf einer extrem umfangreichen Liste. Der Nutzer ist beliebt in der Community und sammelt mit seinen Beiträgen innerhalb weniger Stunden sehr gute Bewertungen und hunderte Kommentare. Für Außenstehende mag so ein Beitrag trotzdem erst einmal befremdlich wirken.

Screenshot MyDealz-Supermarktangebote

Screenshot MyDealz-Supermarktangebote

Shell hat aus Versehen eBook-Reader für 10 Tafeln Schokolade verschenkt

Nicht ganz unbeteiligt dürfte die MyDealz-Community am Treupunkte-Supergau von Shell gewesen sein, der im Mai dieses Jahres durch die Presse ging. Im Zeitraum von einem Monat konnten Kunden 999 Treuepunkte sammeln, um anschließend mit einem Kindle Paperwhite belohnt zu werden. Pro getankten Liter erhielten die Kunden zwei Treuepunkte. Was dem Tankstellen-Riesen zum Verhängnis wurde, war eine andere, zeitgleich laufende Marketing-Aktion, bei der Kunden für jede gekaufte Ritter Sport-Schokolade 100 Treupunkte erhielten. Die Kunden bekamen also für die Investition von zwölf Euro in zehn Tafeln Schokolade einen eBook-Reader. Dieser aus Kundensicht absolute Top-Deal landetet schnell bei MyDealz, wo er tausendfach kommentiert wurde und der Marketing-Aktion einen für Shell vermutlich ungewollten Push gab. Obwohl MyDealz Shell auf die Problematik hinwies, unternahmen sie nichts, um der Krise entgegenzusteuern. Am 2. Mai 2014, dem einzigen Einlösetag, brachen die Server der Shell-Website zusammen, da sie für die Masse von Aufrufen nicht ausgelegt waren. Die Aktion endete mit Shit-Storm und PR-Desaster.

Unautorisierte Gutscheincodes bei Otto

Eine ähnliche durch die MyDealz-Community gepushte Misere gab es vor zwei Jahren für Otto. Nutzer hatten durch Ausprobieren einen fünfstelligen Code ermittelt, der als Gutscheincode auf der Seite des Versandhändlers funktionierte – und beliebig häufig verwendet werden konnte. Nachdem der Gutscheincode bei MyDealz veröffentlicht worden war, gingen innerhalb weniger Stunden 50.000 Bestellungen bei Otto ein. Der Wert der bestellten Ware belief sich auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag, wovon etwa zwei Drittel auf die unautorisierten Gutscheine zurückgingen. Auch hier versagten die Server kurzzeitig. Otto stornierte umgehend alle Bestellungen und sah sich ebenfalls einem sozialen Shitstorm ausgeliefert.

Super-Schnäppchen bei Dell sorgt für unerklärliche Zugriffe

Dell wollte 2009 scheinbar den Lagerbestand aufräumen und möglichst schnell alte Ware loswerden. Sie verscherbelten ein Netbook für knapp 150 Euro – ein Top Angebot, das sofort von MyDealz auf dem Blog empfohlen wurde. Die Community reagierte innerhalb von 15 Minuten mit 500 Kommentaren und stürmte den Online-Shop. Aufgrund der extrem hohen Zugriffe wurde zunächst ein DDOS-Angriff vermutet.

MyDealz – vermutlich sehr profitabel

Zu den genauen Umsatzzahlen von Six Minutes Media, dem Unternehmen hinter MyDealz, hat Steffen Greschner übrigens keine Aussage gemacht. Jedoch ist dem Bundesanzeiger zu entnehmen, dass das Unternehmen im Jahr 2012 ein Forderungsvolumen von 700.000 Euro aufwies. Wir schätzen den Umsatz von Six Minutes Media für 2012 dementsprechend zwischen fünf und sieben Millionen Euro. Bei damals 16 Mitarbeitern und angeblich keinerlei Investitionen in Werbemittel, dürften sich die Kosten der Firma in Grenzen halten und vom Umsatz entsprechend viel übrig bleiben. Das Schnäppchen-Portal ist daher vermutlich selbst kein Schnäppchen mehr – sicherlich schade aus Sicht großer Medienkonzerne, von denen sich einige zuletzt etwas simpler gestrickte und stark Google-abhängige Schnäppchen-Sites zugelegt haben.

Die Reichweite von MyDealz ist echt solide und die Community sehr aktiv. Es wird spannend zu sehen, wohin man so einen Dampfer in den nächsten Jahren steuern kann und wo demnächst Server abgeschossen werden, weil Web-Händler die Kraft bestimmter Communities unterschätzen.

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