Instagram Champions 2018: Diese Brands sind im vergangenen Jahr am stärksten gewachsen

(Foto-Quellen: Instagram Accounts des FC Bayern, Mercedes-Benz, Borussia Dortmund, Kreutzers, Onefootball & Travador / Montage: OMR)

Welche etablierten Marken, aber auch Hidden Champions ihre Reichweite am deutlichsten ausbauen konnten

Keine andere Plattform dürfte innerhalb des vergangenen Jahres im Marketing derart an Relevanz gewonnen haben wie Instagram. Mit dem Wachstum der Plattform im Rücken bauen clevere Online-Marketing-Macher auf Instagram komplett neue Unternehmen und Geschäftsmodelle auf; große Firmen erschließen sich neue Zielgruppen. OMR zeigt heute anhand einer exklusiven Auswertung, welche Unternehmen sich dabei am geschicktesten anstellen – und im vergangenen Jahr die meisten Follower generieren konnten.

Für das Ranking hat InfluencerDB alle Instagram-Accounts mit mehr als 15.000 Followern analysiert, die die Software als deutschsprachig erkannt hat, und solche, die laut Geo-Tags aus Deutschland kommen. „Zusätzlich haben wir die Kanäle reingenommen, deren Audience zum Großteil aus deutschen Followern besteht. Somit sollten wir eine hohe Abdeckung aller relevanten deutschen Kanäle haben“, so Unternehmenssprecherin Mona Hellenkemper. Accounts, die offensichtlich Follower gekauft haben, seien aus dem Ranking gestrichen worden. Bereits veröffentlicht haben wir das Ranking der wachstumsstärksten Influencer-Accounts, nun folgt jenes der Unternehmens-Accounts.

Die wachstumsstärksten deutschen Marken-Accounts auf Instagram nach absolutem Abonnenten-Wachstum im Jahr 2018

(Quelle: InfluencerDB, Erhebungszeitraum: 01.01.18 bis 17.12.18)

Mit deutlichem Abstand belegt Mercedes-Benz in Sachen absolutes Follower-Wachstum den ersten Platz. Erst vor wenigen Wochen feierte das Unternehmen das Erreichen von einer Milliarde Likes (über alle Posts und Accounts hinweg). Dass das Social-Media-Team des Unternehmens offensichtlich exzellente Arbeit leistet, drückt sich auch darin aus, dass Mercedes-Benz nicht nur mit einem Account, sondern gleich mit drei in unserer Liste der Top 25 Unternehmen auftaucht. Rechnet man die im vergangenen Jahr hinzugewonnen Follower des Haupt-Accounts, des deutschen Accounts sowie des Accounts der Sport- und Tuning-Marke AMG zusammen, stehen unter dem Strich stolze 7,8 Millionen neue Abonnenten.

Etablierte Viral-Publisher gewinnen auch auf Instagram

Ebenfalls mehrfach im Ranking vertreten ist das Thema Fußball: Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund konnten sich die beiden erfolgreichsten Bundesliga-Clubs auf vorderen Rängen platzieren; hinzu kommen der englischsprachige Instagram-Account der Bundesliga (Platz 5), die deutsche Fußball-Nationalmannschaft (Platz 8) sowie der Fußball-Publisher Onefootball (Platz 21). Wenig erstaunlich, dass Fußball-Fans hoffen, auf Instagram einen Blick hinter die Kulissen ihre Vereine erhaschen und Neuigkeiten erfahren zu können.

Die Top 10 des Rankings zeigt auch: Viral-Publisher wie Made My Day (Platz 6) und Faktastisch (Platz 10), die in den vergangenen Jahren schon bei Facebook und Youtube relevante Reichweiten aufgebaut haben, erreichen nun auch auf Instagram ein großes Publikum. Ganz offensichtlich gelingt es den jungen Publishern besser als etablierten Medien, auf neueren Plattformen die entsprechenden Wachstumshebel zu identifizieren.

Mit fremden Content zu Millionen von Followern

Sowohl Made My Day als auch Faktastisch posten auf Instagram vornehmlich „Visual Statements“, also mit Text versehene Bilder. Die Kerninhalte stammen dabei vermutlich noch nicht einmal von den Machern selbst: Made My Day postet lustige Sprüche, die zu einem großen Teil von Twitter-Nutzern stammen (in der Anfangszeit des Publishers listete beispielsweise die Website Favstar ein Ranking der meist-gelikten Tweets auf). Faktastisch (hier im ausführlichen OMR-Porträt) setzt demgegenüber auf „überraschende Fakten“, die zu einem nicht unerheblichen Teil dem „Subreddit“ (Unterforum) „Today I Learned (TIL)” auf Reddit.com entnommen sein dürften – das Logo des Publishers ist mit dem des Forums nahezu identisch.

Mit Dein Update (Platz 9) und Promiflash (Platz 11) sind zwei weitere junge Publisher relativ weit vorne im Ranking vertreten. Dein Update war wie Made My Day und Faktastisch zuerst auf Facebook aktiv und setzt nach einem Strategiewechsel nun ganz auf das Zusammenspiel von Instagram Stories und einer eigene App („Mit Instagram Stories und Influencer Marketing auf Platz 1 des App Stores”). Viele der Dein-Update-Artikel bestehen alleine aus der Zusammenfassung eines Posts oder einer Story von Hip-Hop- oder Fußball-Stars. Auch Promiflash aggregiert und repostet zu einem großen Teil Bilder, die Promis, Influencer und andere Netzsternchen selbst auf ihren Accounts gepostet haben – ergänzt um boulevardeske Kommentare. So ist Promiflash quasi Social-Media-Version von Klatschpostillen wie inTouch oder Closer – und verzeichnet ein Vielfaches von deren Reichweite. Mit einer ähnlichen Strategie ist Promiflash schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich auf Youtube aktiv.

Ein Blick auf die Unternehmens-Accounts, die im vergangenen Jahr das größte relative Wachstum generieren konnten, offenbart noch deutlich mehr Überraschungen:

Die wachstumsstärksten deutschen Marken-Accounts auf Instagram im Jahr 2018 nach prozentualem Abonnenten-Wachstum

(Quelle: InfluencerDB, Erhebungszeitraum: 01.01.18 bis 17.12.18)

Mit einem Zugewinn von 679 Prozent liegt Onefootball auch auf Platz 1 des Rankings nach relativem Wachstum. Schon in der Vergangenheit hat sich OMR mehrfach mit dem „Kicker der Mobile-Generation“ auseinander gesetzt („Wie Onefootball zur weltweit größten Medienmarke im Fußball werden will”, „Der Onefootball-Gründer im OMR Podcast über 10 Millionen aktive Nutzer, 21 Investoren und berühmte Ahnen”).

Hidden Champions in der Nische

Das Wachstum der Instagram-Reichweite ist durchaus beachtlich, verfügt das Unternehmen doch über keine eigenen relevanten Bewegtbild-Inhalte aus Fußballspielen. Mit aktuell 319.000 Followern liegt Onefootball aber hinter der Reichweite von anderen, internationalen Fussball-Accounts mit einer ähnlichen inhaltlichen Ausrichtung noch weit zurück. Der Account 433 beispielsweise, hinter dem der niederländische Ex-Fußballer Demy de Zeeuw steht („Vom Nationalspieler zum Millionen-Business bei Instagram”), verzeichnet aktuell 19,1 Millionen Abonnenten. Und der britische Account „Sporf” hat zwölf Millionen Follower angesammelt – wenn auch Zweifel daran bestehen mögen, dass alle davon echt sind.

Interessant ist das Ranking nach relativem Wachstum vor allen Dingen wegen diverser Nischen-Hidden-Champions, die darauf vertreten sind. Gleich auf Platz zwei beispielsweise liegt Kreutzers, ein Online-Shop für hochwertiges Fleisch. In den Instagram-Inhalten des Unternehmens aus Regensburg stehen die Produkte im Vordergrund und sind (zumindest für Fleischesser) geschmackvoll inszeniert. Meist ist im jeweiligen Post das Produkt direkt vertaggt und so mit der Unterseite im Online-Shop verknüpft, um einem Impulsiv-Kauf durch die Follower möglichst wenig Hürden in den Weg zu legen.

Wie Gutschein-Affiliates immer wieder neue Reichweitenhebel finden

Auf Platz drei liegt Travador, ein Buchungs-Portal für Kurzreisen und -urlaube, das 2013 von den Citydeal-Mitgründern und späteren Groupon-Geschäftsführern Sebastian Schmidt und Thorsten Schröppe gegründet wurde, und an dem u.a. Pro-Sieben-Sat1 beteiligt ist. Auf dem Instagram-Account repostet Travador hauptsächlich Bilder aus Reise-Destinationen, die von Travel-Bloggern stammen (und vermutlich bei deren Accounts schon viele Interaktionen ansammeln konnten). Auch wenn der Vergleich wegen der nicht ganz identischen Produktausrichtung nicht ganz sauber ist: Mit aktuell 120.000 Followern ist Travador schon an den „Urlaubspiraten” (106.000 Follower) vorbeigezogen, liegt aber noch hinter „Urlaubsguru” (234.000 Follower).

Erstaunlich auch das Projekt Dealbunny auf Platz vier. Der Publisher informiert seine Leser über aktuelle Schnäppchen – so weit, so (mehr oder minder) unspektakulär. Eigentlich würde man meinen, dass die Hochzeit der Schnäppchen- und Gutschein-Portale vorüber ist. Dass es einem Publisher auch noch im Jahr 2018 gelingt, so erfolgreich neue Traffic-Kanäle zu erschließen, ist nur ein Beleg für die Cleverness, die Affiliates an den Tag legen können. Dealbunny setzt dabei offenbar ähnlich wie Dein Update auf das Zusammenspiel von Instagram und einer eigenen App. Nach Schätzungen des Berliner App-Analytics-Anbieters Priori Data ist die iOS-Version der App (Android ist erst seit Kurzem verfügbar) bereits 436.500 Mal heruntergeladen worden. Offenbar sind die beiden Gründer auch Experten in Sachen App-Marketing und agieren unter dem Namen Opongo in diesem Bereich auch als Dienstleister.

Die Entwicklung der Download-Zahlen der iOS-App von Dealbunny nach Schätzungen von Priori Data

Vorheriger Artikel: Mit Restposten zum Hidden Champion – warum Outlet46 nichts mehr für Marketing zahlen will
previous article
 
Jetzt diese Artikel lesen