Kanzler-Macher? WM-Spin-Doctor? So wurde Raphael Brinkert zum deutschen Werbe-Star

Im OMR Podcast spricht der Agenturchef von BrinkertLück über seine Erfolge und Pläne

OMR-Gründer Philipp Westermeyer und Agentur-Chef Raphael Brinkert im Hamburger OMR Büro. Foto: OMR
OMR-Gründer Philipp Westermeyer und Agentur-Chef Raphael Brinkert im Hamburger OMR Büro. Foto: OMR
Inhalt
  1. Raphael Brinkert über seinen Aufstieg als Werber
  2. „Was Merkel stark gemacht hat, kann auch Scholz zum Kanzler machen“
  3. Nancy Faeser, die One-Love-Binde und Grimms Märchen
  4. Die Themen des OMR Podcasts mit Raphael Brinkert im Überblick:

Raphael Brinkert hat die Werbekampagne von Olaf Scholz im Bundestagswahlkampf entwickelt. Er hat die Aktion „We kick Corona“ erfunden, mit der die Nationalspieler Leon Goretzka und Joshua Kimmich Millionen für soziale Zwecke gesammelt haben. Und zuletzt tauchte sogar das Gerücht auf, er habe sich die „Mund-zu-Geste“ der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Katar ausgedacht – was Brinkert bestreitet. Doch allein der Verdacht zeigt schon, dass der Gründer der Agentur BrinkertLück inzwischen ganz oben in den Machtzentren der Republik angekommen ist. Klar war das nicht, denn zwischenzeitlich geriet seine Agentur unverschuldet in massive Bedrängnis.

Eine Geschichte über Raphael Brinkert ist eine Geschichte über die großen Debatten, die Deutschland bewegen: Bundestagswahl, Fußball-WM, Corona-Bekämpfung. Es ist eine Geschichte, die einen jungen Mann aus Haltern am See am Rande des Ruhrgebiets in die Spitzengruppe der deutschen Werber geführt hat, obwohl seine Lehrerin ihm das offenbar nicht zugetraut hat. Und vielleicht ist es auch eine Geschichte über einen Mann, der in einigen Situationen etwas weiter geblickt hat als andere. Zum Beispiel bei der Sache mit der Facebook-Seite: 2011 hat Raphael Brinkert eine Fanseite über die Bundesliga angelegt – die ein paar Jahre später mehr Follower hat als die offizielle Seite der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Die habe ich später an Ströer abgegeben“, erzählt Raphael Brinkert im OMR Podcast.

Fußball ist das eine große Thema im Leben des Werbe-Unternehmers. Das andere ist inzwischen Politik. Raphael Brinkert ist ebenso der Kopf hinter der Kampagne von Olaf Scholz im Bundestagswahlkampf wie der Kampagne „We kick Corona“ der Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka und Joshua Kimmich. Mehr als fünf Millionen Euro haben die Stars des FC Bayern München damit gesammelt, um soziale Einrichtungen während der Pandemie zu unterstützen. „Die beiden haben gesagt, sie wollen etwas machen. Und dann haben sie mich angerufen und gesagt: Raphael, hast du einen Gedanken?“, erzählt der Agenturchef im OMR Podcast: „Ich habe gesagt: Gebt mir mal 24 Stunden, ich denke mal drüber nach.“

Raphael Brinkert über seinen Aufstieg als Werber

Raphael Brinkert beginnt seine Karriere im Jahr 2000 bei der Agentur Scholz & Friends, für die er unter anderem den Standort in NRW aufbaut. Nach zehn Jahren wechselt er dann zum Konkurrenten Jung von Matt. Gemeinsam mit der früheren HSV-Managerin Katja Kraus und dem früheren Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder baut er dort den Sport-Marketing-Bereich auf. Das Team gewinnt Kunden wie den Deutschen Fußball Bund oder den Deutschen Olympischen Sportbund. Doch dann machen sich Brinkert und Metzelder mit einer eigenen Agentur selbstständig – anfangs mit Unterstützung von Jung von Matt, später ohne.

Ein Bericht der „Bild“ ändert alles. Denn Christoph Metzelder sieht sich plötzlich mit Vorwürfen konfrontiert, kinderpornografische Bilder verschickt zu haben. Ein Gericht wird ihn später verurteilen. Brinkert ist damals bei einem Termin des DFB und betritt einen Aufzug. Als er aussteigt, hat er zahlreiche Nachrichten auf dem Handy. „Ich war schockiert“, sagt er. Er trennt sich von seinem Geschäftspartner, betreibt die Agentur zunächst alleine, bevor er Dennis Lück an Bord holt. „Das war der Durchbruch“, sagt er rückblickend.

„Was Merkel stark gemacht hat, kann auch Scholz zum Kanzler machen“

Der nächste Glücksfall heißt Lars Klingbeil. Der damalige SPD-Generalsekretär hat die vermeintlich undankbare Aufgabe, die Wahl für einen Kanzlerkandidaten zu organisieren, der nicht mal in der eigenen Partei richtig beliebt ist. Er lädt verschiedene Agenturen zum Pitch ein – darunter auch BrinkertLück, die am Ende den Zuschlag bekommen. Die Agentur hat damals nicht viele Kunden, der Fall Metzelder liegt noch nicht weit zurück. Es ist ein Risiko. Doch Lars Klingbeil sieht in der Wahl eine Chance.

Bei Jung von Matt hat Raphael Brinkert schon den Wahlkampf der damals amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel begleitet. Nun soll er ihren Vize zum Nachfolger machen. „Das war ein Stück weit die gesamte Strategie: Was Merkel stark gemacht hat, kann auch Scholz zum Kanzler machen“, sagt Raphael Brinkert. Und so setzt die Agentur auf einen Persönlichkeitswahlkampf in einem Land, in dem die Wähler den Kanzler nicht direkt wählen können. Am Ende lautete eine der Zeilen „Er kann Kanzlerin.“ Der Rest ist Geschichte. 

Nancy Faeser, die One-Love-Binde und Grimms Märchen

Inzwischen arbeitet Brinkert mit vielen SPD-Politikern zusammen – was teilweise auch für Kritik sorgt. Nachdem BrinkertLück den Zuschlag für eine Corona-Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums bekommt, stellt die „Bild“ angesichts seines SPD-Parteibuchs Minister Karl Lauterbach unter „Klüngel-Verdacht“. Der Vorwurf, der im Raum steht: Hat der Werber aufgrund der Nähe zur Partei einen lukrativen Auftrag zugeschanzt bekommen? Und als bekannt wird, dass Brinkert zu Besuch bei der Fußball-WM in Katar ist, wittern manche den nächsten Aufregen. Hat Raphael Brinkert etwa auch die „One-Love-Binden“-Aktion von SPD-Innenministerin Nancy Faeser orchestriert? Vielleicht sogar auch die „Mund zu“-Geste der Nationalmannschaft? Mit der protestierten die Spieler dagegen, dass der Weltverband Fifa ihnen das Tragen eben jener Binde verboten hat. Und immerhin berät er ja den Nationalspieler Leon Goretzka, der in Katar dabei ist und schon zuvor mit einer Herz-Geste in einem Spiel gegen Ungarn ein Zeichen gegen Homophobie gesetzt hatte. War das vielleicht auch Brinkerts Idee?

Im OMR Podcast verweist dieser all diese Theorien ins Reich der Legenden. Sehr viel Grimms Märchen sei das, sagt Brinkert. Doch allein die Themen, mit denen er inzwischen in Verbindung gebracht wird, zeigen, dass der Mann aus Haltern am See inzwischen ganz oben angekommen ist. Dass er irgendwann noch einmal die Seiten wechselt und selbst in die Politik geht oder im Sport eine aktive Rolle übernimmt, schließt Raphael Brinkert nicht aus. Entsprechende Angebote gab es auch in der Vergangenheit, verrät er im OMR Podcast. Dort erklärt er auch, warum er zwar Schalke-Fan ist, aber den Job als Vorstandsvorsitzender vor einiger Zeit nicht wollte – und welchen großen Fehler er im Vorfeld der Bundestagswahl in den Verhandlungen mit der SPD gemacht hat.

Die Themen des OMR Podcasts mit Raphael Brinkert im Überblick:

  • Erste Erfolge mit Facebook-Fanseiten und die Gründung der eigenen Agentur (00:02:35)
  • Der Skandal um Christoph Metzelder und der Neustart mit BrinkertLück (00:09:00)
  • „Er kann Kanzlerin“ – der Bundestagswahlkampf für Olaf Scholz (00:13:50)
  • Hans Sarpei wird zur Social-Media-Ikone und die Arbeit mit Leon Goretzka (00:19:00)
  • Mund-zu-Geste und One-Love-Binde: Raphael Brinkert über die WM in Katar (00:23:40)
  • So entstand die Idee zu „We kick Corona“ (00:31:00)
  • Warum Messi und Ronaldo trotz Steuerhinterziehung so beliebt sind (00:38:15)
  • „Unser Scheich sind 160.000“ – wie Schalke schuldenfrei werden könnte (00:45:00)
  • Warum Social Business the next big thing ist (00:57:00)
  • Das Hobby-Projekt TuS haltern und die Karriereplanung von Raphael Brinkert (01:11:30)

Alle Infos zu ausgewählten Werbepartnern findet Ihr hier.

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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