Digitalministerin Julia Jäkel? "Das steht nicht zur Debatte"

Julia Jäkel hat den Verlag Gruner + Jahr transformiert. Nun hat sie sich ein noch größeres Projekt vorgenommen.

Philipp Westermeyer und Julia Jäkel kennen sich noch aus ihrer Zeit bei Gruner + Jahr.
Früher Kollegen, heute Freunde: Philipp Westermeyer und Julia Jäkel kennen sich noch aus ihrer Zeit bei Gruner + Jahr. Foto: OMR
Inhalt
  1. Weniger Kettensäge, mehr gemeinsamer Kraftakt
  2. Digitalministerin? "Das steht nicht zur Debatte"

Julia Jäkel hat als CEO die Transformation beim einstmals großen und stolzen Verlag Gruner + Jahr vorangetrieben. Nun hat sie sich ein deutlich größeres Change-Projekt vorgenommen. Gemeinsam mit prominenten Mitstreitern hat zusammen mit Expert*innen Reformen erarbeitet, die Deutschland wieder nach vorne bringen sollen. Im OMR Podcast erzählt sie von den Plänen – und wie sie umgesetzt werden könnten.

Es gibt da diese Geschichte über einen Gin: Drei Kumpels von der Schwäbischen Alb wollen einen eigenen Gin auf den Markt bringen. Sie nennen ihre Firma Staufer-Spirits und legen los. Monate später bekommen sie Post vom Landratsamt: Zwei "e" in der Anschrift des Unternehmens auf dem Etikett der Flasche waren 0,07 Millimeter zu klein. 0,07 Millimeter – das ist praktisch nichts. Die Behörde bestand dennoch auf einen Austausch der Etiketten auf allen Flaschen, auch den bereits ausgelieferten. Erst als die Medien auf den Fall aufmerksam wurden, lenkte man ein: Das junge Unternehmen muss künftige Chargen anpassen, die alten Etiketten dürfen noch aufgebraucht werden.

Der "Spiegel" hat kürzlich über diese Geschichte geschrieben. Und sie beschreibt so viel von dem, was auch Julia Jäkel beklagt – und gerne ändern würde: Deutschland sei zu bürokratisch, zu umständlich, handele zu wenig pragmatisch und neige teilweise sogar dazu, europäische Vorgaben sogar noch überzuerfüllen, siehe Datenschutz. Julia Jäkel war jahrelang CEO des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr. Der ehrwürdige Verlag mit Marken wie Stern, Geo oder Brigitte hatte die Digitalisierung verpasst, die Umsätze sanken. Julia Jäkel modernisierte Gruner + Jahr und setzte gleichzeitig einen Sparkurs durch, der die Gewinne trotz sinkender Umsätze einigermaßen stabil hielt. Julia Jäkel weiß, wie sich Transformation anfühlt, wie unangenehm viele Entscheidungen sind, die man in solchen Phasen treffen muss. 2021 hat sie den Verlag verlassen. Doch nun will sie andernorts eine Transformation vorantreiben.

Weniger Kettensäge, mehr gemeinsamer Kraftakt

Gemeinsam mit dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle sowie den früheren Bundesministern Thomas de Mazière (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) hat sie eine Initiative ins Leben gerufen, die Deutschland zukunftsfest machen will. "Initiative für einen handlungsfähigen Staat" nennt sich das Projekt passenderweise, für das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft übernommen hat. Die Vier haben Expert*innen zusammengetrommelt und gemeinsam mit ihnen überlegt, was passieren müsste, damit Deutschland wieder wettbewerbsfähiger wird. 30 Vorschläge sind auf diese Art entstanden – und sie betreffen nahezu alle Bereiche des Staates.

"Es ist eben nicht die Kettensäge", sagt Julia Jäkel mit Blick auf Argentiniens Präsident Javier Milei, der mit radikalen staatlichen Reformen die Armut im Land bekämpfen will. Die Kettensäge ist sein Symbol, um deutlich zu machen, wie man mit dem Staat umgehen sollte. Julia Jäkel will keine Kettensäge: "Wir haben ja demokratische Möglichkeiten in der Hand. Wenn wir sie mutig und entschieden einsetzen, kriegen wir das hin."

Digitalministerin? "Das steht nicht zur Debatte"

Julia Jäckel würde es gerne sehen, wenn es mehr Seitenwechsel zwischen Politik und Wirtschaft gibt. Die verschiedenen Perspektiven, ist sie überzeugt, würden mehr Verständnis für den jeweils anderen schafffen. Einen eigenen Wechsel in die Politik strebt sie jedoch nach eigener Aussage aktuell nicht an – obwohl Medien immer wieder spekulieren, CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz könne sie als Digitalministerin in ein künftiges Kabinett berufen. "Das steht nicht zur Debatte", sagt sie.

Wie die Vorschläge von Julia Jäkel und Co. konkret aussehen, welche Stolpersteine es auf dem Weg zur Umsetzung noch gibt – und wie sie heute eigentlich auf den Medienmarkt schaut: Darüber spricht Ex-Verlagsmanagerin und heutige Aufsichtsrätin ulia Jäkel im OMR Podcast.

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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