Parfum-Influencer Jeremy Fragrance: „Ich bin der Ronaldo der Düfte“

Florian Rinke16.3.2022

Wie aus dem Oldenburger Ex-Boygroup-Sänger der weltweit bekannteste Duft-Influencer wurde

Philipp Westermeyer und Jeremy Fragrance im OMR-Studio in Hamburg. Foto: OMR
Philipp Westermeyer und Jeremy Fragrance im OMR-Studio in Hamburg. Foto: OMR

Der Oldenburger Daniel Schütz ist unter dem Namen Jeremy Fragrance zum berühmtesten Duft-Influencer der Welt geworden. In sozialen Netzwerken folgen dem 33-Jährigen Millionen Menschen. Sogar Top-Marken arbeiten mit ihm zusammen. Im OMR Podcast erzählt Jeremy Fragrance, wie seine Karriere begann – und warum Leute seinen Duft kaufen, ohne ihn vorher zu riechen.

Der König der Düfte kommt aus Oldenburg – und steht dazu: „Ich bin nicht in einem Lavendel-Feld geboren“, sagt Jeremy Fragrance. Seinen Weg an die Spitze habe er sich vielmehr hart erarbeitet: „Ich habe alle Düfte gerochen“, erzählt der Parfum-Influencer im Gespräch mit Philipp Westermeyer im OMR Podcast: „Ich habe gelernt, dass Kardamom aus Guatemala kommt und Vanille aus Madagascar. Ich habe den ganzen trockenen Kram gelernt und jetzt flowt das einfach so.“

Jeremy Fragrance heißt eigentlich Daniel Schütz. Der 33-Jährige hat inzwischen in sozialen Netzwerken eine Millionen-Reichweite. Allein bei Youtube folgen seinem Kanal 1,7 Millionen Menschen. Seine Videos wurden mehr als 200 Millionen Mal gesehen. Es gibt sogar andere Youtuber, die Videos drehen, in denen sie Videos von Jeremy Fragrance kommentieren. Daniel Schütz ist als Jeremy Fragrance zu einem Star des Social-Media-Zeitalters geworden. Heute zieht er selbstbewusst den Vergleich mit dem Fußballstar Cristiano Ronaldo, dem in sozialen Netzwerken Millionen Menschen folgen: „Ich bin so ein bisschen der Ronaldo der Düfte.” Andere Accounts in diesem Bereich seien zehnmal kleiner als er.

Jeremy Fragrance war früher Mitglied in einer Boyband

Schon zu Schulzeiten hat er im Theater gespielt. Später wurde er dann für die Boyband „Part Six“ gecastet (über den Beginn seiner Karriere haben wir hier bereits 2021 berichtet). Parallel zum Singen und Tanzen studierte Schütz, der damals unter dem Künstlernamen Jeremy Williams auftrat. Den Vornamen hat Daniel Schütz beibehalten, als er in sein neues Leben als Duft-Influencer startete. Er habe immer in irgendwas der Beste sein wollen, erzählt Fragrance im OMR Podcast. Und irgendwann habe er sich gefragt, ob es jemanden gibt, an den sofort alle denken, wenn es um Düfte geht: „Das bin ich ja jetzt irgendwie.“

Das Interesse an Parfum weckte bei Jeremy Fragrance eine Reise in die USA. Damals betrat er eine Filiale des Modeherstellers Abercrombie & Fitch – und war überrascht: „Alles dunkel, laute Musik, geile Typen und Mädels und geiler Geruch“, erinnert er sich an diesen Besuch in dem damals extrem angesagten Laden. „Mir ist dann aufgefallen: Hmm, du weißt, wie du dich anziehen sollst. Du weißt, wie du die Haare stylen sollst. Aber du weißt nicht, wie du riechen sollst“, sagt Jeremy Fragrance. Und so fing er an, zu lernen – und Videos zu drehen, in denen er seine Erfahrungen mit anderen teilte.

Drei Youtube-Videos produziert Jeremy Fragrance pro Tag

Seine Videos, die Fragrance auf Englisch dreht, haben Titel wie „Ten fragrances for the rest of my life“ oder „Top 5 panty dropper fragrances“. In einem anderen fährt er in weißem Anzug mit einem weit aufgeknöpften Hemd auf einem Fahrrad in eine Parfümerie, um nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Drei Youtube-Videos produziert er nach eigenen Angaben pro Tag. Dazu kommen drei Videos und drei Bilder für andere soziale Netzwerke wie Instagram oder Tiktok. Was nach 48 Stunden nicht ausreichend geklickt wurde, wird wieder gelöscht. „Ich habe mal einen Discount rausgehauen auf Tiktok, der hat mir ein ganzes Haus im Prinzip ermöglicht“, sagt Jeremy Fragrance, der nach eigenen Angaben Immobilien in Miami besitzt.

Möglich machte das auch sein eigener Duft, den er über den eigenen Online-Shop vertreibt. „Meine Düfte sind von den besten Parfumeuren der Welt gemacht“, sagt Jeremy Fragrance. Seine Düfte kosten teilweise mehr als 300 Euro. Trotzdem werden sie von seinen Fans bestellt – teilweise ohne, dass diese sie vorher gerochen hätten. Doch aus Sicht von Jeremy Fragrance sind weder der hohe Preis noch die fehlende Möglichkeit des vorherigen Testens ein Problem. Im Gegenteil: „Es ist ja nicht die Kunst, einen Duft für 7,10 Euro zu produzieren, das kann ja jeder“, sagt Jeremy Fragrance: „Die Leute kaufen bei mir ja auch die Brand.“

„Der Typ hat mehr Einschaltquote als Fluch der Karibik“

Kooperationen mit dem stationären Handel hat er daher bislang auch immer abgelehnt. Seinen Duft gibt es bislang nicht bei Parfümerien wie Douglas. Anfragen habe es immer wieder gegeben, sagt er. Doch seine Zielgruppe, modebewusste junge Männer, bespielt er lieber selbst. Anders sieht das jedoch bei den Inhalten aus, Fragrance hat zwar seinen eigenen Duft, kooperiert aber auch mit Parfümherstellern. Teilweise bekäme er 25.000 Euro für ein Tiktok-Video, sagt Jeremy Fragrance: „Weil die Firmen sagen: Ok, der Typ hat mehr Einschaltquote als Fluch der Karibik“.

Welche Marge Jeremy Fragrance bei seinem eigenen Parfum hat, was ihm bei seiner Arbeit wichtiger als Umsatz ist, und welchen Einblick in seine Arbeit ein Anruf aus Abu Dhabi während der Aufnahme ermöglichte, hört ihr im OMR Podcast.

Die Themen des OMR Podcasts mit Jeremy Fragrance im Überblick:

  • Wie Daniel Schütz zu Jeremy Fragrance wurde (00:04:00)
  • Millionen-Umsatz mit dem eigenen Duft (00:08:40)
  • Warum Jeremy Fragrance aufs Fasten schwört (00:12:50)
  • Ein Parfum für 300 Euro (00:17:30)
  • So plant Jeremy Fragrance Social-Media-Content (00:24:00)
  • Wie der Name Jeremy Fragrance entstand (00:31:30)
  • Männlich, jung, modeaffin (00:36:20)
  • Welche Partnerschaften interessant wären (00:41:20)
  • Jeremy Fragrance im Metaverse? (00:44:35)
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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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