Christian Angermayer: "In zehn Jahren gibt es keine Jobs mehr."
Florian Rinke18.2.2026
Der schillernde Investor und Trump-Kenner über die Politik der USA, Veränderungen durch KI und den Start der Doping-Spiele "Enhanced Games".
Philipp Westermeyer und Christian Angermayer (von links) trafen sich in Hamburg zum großen Podcast-Update. Foto: OMR
Christian Angermayer plant "Doping-Wettkämpfe", will Dinosaurier zum Leben erwecken und arbeitet daran, hunderte Jahre alt zu werden: Der Deutsche zählt zu den schillerndsten Investoren der Welt, verwaltet mit seiner Apeiron Investment Group ein Milliarden-Vermögen und ist in den Top-Zirkeln der Welt bestens vernetzt. Im OMR Podcast erzählt er von Treffen mit Donald Trump und erklärt, warum er den Kurs der US-Regierung in vielen Punkten richtig findet. Und zum Schluss verrät der Mann, der von Testosteron als Biohacking-Routine bis hin zu Magic-Mushroom-Trips kaum etwas auslässt, welches Alltagsprodukt aus seiner Sicht verboten werden sollte.
Wenn man Christian Angermayer zuhört, dann folgt alles irgendwie einer gewissen Logik. Dann ist US-Präsident Donald Trump nicht einfach der Rassist, für den ihn viele seiner Kritiker*innen halten, sondern im Grunde ein Visonär. Sein harter Kampf gegen illegale Migration ist in dieser Erzählung eine Art vorbeugende Maßnahme, weil durch Künstliche Intelligenz und Robotik sowieso der Bedarf an Arbeitskräften drastisch sinken wird. Und seine aggressive Zollpolitik gegenüber Europa ist, folgt man Angermayer, eher eine unterstützende Maßnahme für einen guten Freund, weil dieser sich ohne Druck mit Veränderungen schwer tut.
Der Investor ist für seine meinungsstarken bis kontroversen Ansichten bekannt. Schon in den ersten beiden OMR Podcast-Aufnahmen 2020 bzw. 2022 sprach er über seine Investments im Bereich Magic Mushrooms und seine Thesen zum Systemwettkampf zwischen dem Westen und China. Nun hat er sich erneut mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer zum großen Update getroffen. Im OMR Podcast spricht er unter anderem...
... über die aus seiner Sicht wahren Gründe für den harten Migrationskurs von US-Präsident Donald Trump: "Eine von Trumps Kernthesen ist, dass Migration schlecht ist. Und by the way, er hat recht: Wer AI und Robotics verstanden hat, will keine Immigration. Nicht mal skilled labor. Es wird in zehn Jahren keine Jobs mehr geben. Überhaupt keine. Vielleicht arbeiten wir alle noch einen Tag und haben irgendwie einen Softjob, aber ich würde es zugespitzt so formulieren: Wer etwas anderes erzählt, ist entweder politisch korrekt oder kennt sich in AI und Robotics nicht aus."
... über die Interessenpolitik der USA: "Ich glaube, wenn die Republikaner die nächsten Wahlen verlören, würden die Demokraten liebend gerne viele Leitlinien ihrer Politik übernehmen. Da ist zum Beispiel Grönland. Ich glaube am Ende wird Grönland sozusagen assoziiert sein mit den USA. Und ich glaube, dass auch die Demokraten die Frage bejahen würden, ob man es braucht. Da muss man sich nur gewisse verteidigungspolitische Realitäten angucken. Ich glaube, dass die Demokraten ganz froh sind, dass Trump gerade sozusagen die Drecksarbeit macht – aber wenn Grönland einmal zu den USA gehören würde, würden auch die Demokraten es nicht zurückgeben aus ganz egoistischen Interessen. Da gilt das alte Bismarck-Zitat: Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen."
... über seine PR-Strategie für die "Enhanced Games" im Mai in Las Vegas: "Am Anfang wollten wir natürlich die Bad Boys sein und haben natürlich sozusagen den Schockmoment gesucht: the doping Olympics. Und dann hat das IOC eine Pressemitteilung dazu gemacht – und das war natürlich weiterer Rückenwind für uns. Das war schon verrückt, weil sie ganz offensichtlich nicht verstanden haben, wie Medien funktionieren. Die Aufmerksamkeit wuchs danach mit jeder Reaktion des IOC. Und als das Weiße Haus unter Joe Biden dann noch ein Statement gemacht hat, dass die Enhanced Games moralisch verwerflich seien, saßen wir da und haben eine Flasche Champagner aufgemacht."
... über seine Reichweitenstrategie bei den Doping-Spielen: "Ich habe mich im ersten Jahr dazu entschieden, die Medienrechte nicht zu verkaufen. Ich glaube die meisten jungen Sportarten machen den Fehler, die Rechte zu schnell zu verkaufen. Sogar eine Plattform wie Netflix hat ja nur ein paar hundert Millionen Abonnent*innen. Ich will aber wirklich im ersten Jahr ein weltweites Phänomenon kreieren. Das heißt, im ersten Jahr sind wir auf allen Plattformen wie Youtube, Roku und so weiter."
... über Fortschritte im Bereich Longevity: "Ich glaube nicht, dass wir jetzt einfach aufwachen und sagen: Oh, jetzt werden wir 200 Jahre alt. Aber was ich glaube ist, dass wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren durch den Fortschritt im Bereich Biotech eine immer längere Lebenserwartung haben werden. Ich gebe dir ein Beispiel: Ich bin jetzt 47 Jahre alt, sagen wir mal der Einfachzeit halber 50 Jahre, damit wir nicht so viel rechnen müssen. Und heute liegt die Lebenserwartung bei rund 85 Jahren. Das heißt, ich habe noch gute 35 bis 40 Jahre vor mir. 40 Jahre sind eine unglaublich lange Zeit gemessen an den Veränderungen, die im Bereich AI und Robotics passieren. Deswegen lass uns mal sagen, dass wir in den nächsten zehn Jahren die Lebenserwartung nur um weitere zehn Jahre steigern können auf 95 Jahre. Das ist eigentlich super easy. Dann hätte ich noch 50 Jahre vor mir. Und ich glaube, dass wir in den 50 Jahren so viel Fortschnitt machen werden, dass die Lebenserwartung vielleicht auf 150 Jahre steigt und dann um weitere 50 Jahre und so weiter. Ich glaube, wir sind schon mitten in dieser Singularität – man darf nur keinen Unfall haben. Deswegen fahre ich kein Ski und mache keine anderen dummen Sachen."
Was aus einem gemeinsamen Business-Plan von Christian Angermayer und Immobilien-Unternehmer René Benko wurde – und welches Produkt er verbieten würde, hörst du hier:
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