Volkswagen-CEO Herbert Diess: „Das Auto wird das komplexeste Digitalprodukt der Welt“

Nach dem Dieselskandal muss der Manager VW fĂŒr die Zukunft der ElektromobilitĂ€t aufstellen. Wie ihm das gelingen soll, das erklĂ€rt er im OMR Podcast

Philipp Westermeyer und Volkswagen-CEO Herbert Diess bei der Aufnahme fĂŒr den OMR Podcast in Wolfsburg
Philipp Westermeyer und Volkswagen-CEO Herbert Diess bei der Aufnahme fĂŒr den OMR Podcast in Wolfsburg
Inhalt
  1. Warum Google ins Auto drÀngt
  2. Tesla als Beleg fĂŒr Potenzial der alten Hersteller
  3. Linkedin als Sprachrohr und Feedback-Loop fĂŒr den CEO
  4. Keine Alternative zum Elektroauto
  5. Entschiedenes Eintreten fĂŒr einen Systemwechsel
  6. Unsere Podcast-Partner im Überblick:
  7. Alle Themen des OMR Podcasts mit Herbert Diess im Überblick:
Die deutschen Autobauer und die Digitalisierung, das ist eine komplizierte Beziehung. ZunĂ€chst einmal hatten alle großen Hersteller das Thema grĂŒndlich verschlafen. Dann begann die große Aufholjagd, eine Zeit vollmundiger AnkĂŒndigungen. Inzwischen aber stutzen einige ihre Ambitionen, vom SpĂ€tstarter zum Technologie-Treiber zu werden, bereits wieder zurĂŒck. Wie denkt der Chef eines der fĂŒhrenden Autohersteller der Welt ĂŒber die digitale Transformation seiner Branche? Im OMR Podcast erklĂ€rt Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, warum er die traditionellen Autobauer in keiner schlechten Position gegenĂŒber den IT-Konzernen sieht und wieso er die 400-Milliarden-Bewertung von Tesla fĂŒr gerechtfertigt hĂ€lt.
ZunĂ€chst einmal rĂ€umt Diess mit einem Klischee auf, das er fĂŒr ein MissverstĂ€ndnis hĂ€lt: Die deutschen Hersteller hĂ€tten mit dem Thema Digitalisierung Neuland betreten – fĂŒr Diess ist das eine zu beschrĂ€nkte Wahrnehmung seiner Branche. Denn: „Das Auto war schon die letzten 15, 20 Jahre extrem durch Software geprĂ€gt“, so der Volkswagen-Chef im OMR Podcast. Die Fahreigenschaften zum Beispiel seien lĂ€ngt maßgeblich von der Software dahinter beeinflusst. „Das Auto hat zehnmal mehr Code als ein Smartphone“, sagt Diess. 

Warum Google ins Auto drÀngt

Allerdings weiß er auch: „Die nĂ€chsten zehn Jahre werden es nochmal revolutionieren. Das Auto wird vermutlich das komplexeste digitale Produkt, das die Welt hat.“ Zum einen, weil neuartige Technologien die FunktionalitĂ€t von Fahrzeugen erweitern: „Jede Marke wird einen eigenen Sprachassistenten haben, der wird auch die Markenpersönlichkeit zum Ausdruck bringen“, sagt Diess. 
Aber auch durch die Einbindung des Autos in digitale Ökosysteme: „Alle Tech-Unternehmen sehen das Auto als eine große BetĂ€tigungsplattform“, sagt Diess. Einfach, weil die Leute sehr viel Zeit im Auto verbringen wĂŒrden und in der autonomen MobilitĂ€t noch ein gigantisches Wachstumspotenzial fĂŒr die IT-Konzerne stecke: „Das Auto kann die Internetzeit noch einmal verdoppeln“, sagt Diess. „Von daher ist das Auto ein Objekt, auf das alle gucken.“

Tesla als Beleg fĂŒr Potenzial der alten Hersteller

Gerade das Beispiel Tesla zeigt fĂŒr Diess, welche Chance nicht zuletzt fĂŒr seine Branche in der VerknĂŒpfung von Auto und IT steckt. „Tesla ist ein gutes Beispiel – irgendwie auch ein Autounternehmen, aber ganz sicher auch ein Digitalunternehmen – und Tesla zeigt, dass das Thema neue MobilitĂ€t an den KapitalmĂ€rkten fĂŒr MobilitĂ€tsunternehmen schon wieder zu sehr hohen Bewertungen fĂŒhren kann.“ Darum hĂ€lt Diess den aktuellen Börsenwert des US-Mitbewerbers von 400 Milliarden US-Dollar – annĂ€hernd das Sechsfache von Volkswagen – fĂŒr gerechtfertigt.  
Elon Musk testet den VW id3
Abschnitt aus einem Video einer gemeinsamen Testfahrt mit Elon Musk im VW iD3, das Diess bei Linkedin veröffentlicht hat
Bewertungen spiegelten immer Erwartungen an die Zukunft wider, so Diess. „Wenn die MĂ€rkte unterstellen, dass Tesla weit vorne wĂ€re beim Thema autonomes Fahren, und bei ElektromobilitĂ€t VolumenfĂŒhrer bleiben und sehr schnell wachsen könnte, dann kann man sich so eine Bewertung schon vorstellen.“
Allerdings sei Teslas Erfolg mit E-Autos nicht der Impuls gewesen fĂŒr die Strategie, die Diess Volkswagen verordnet hat, nachdem er im April 2018 den CEO-Posten ĂŒbernommen hatte. Schon vorher hĂ€tten alle großen Hersteller experimentiert, wie man Lithium-Ionen-Akkus fĂŒr den Fahrzeugantrieb nutzen könnte. Vor Tesla hĂ€tten vor allem chinesische Startups den Beweis geliefert, dass es geht. Tesla habe den Prozess allerdings beschleunigt. Letztlich sei jedoch der Klimawandel der entscheidende Impulsgeber: „ElektromobilitĂ€t ist der einzige Weg, den CO2-Footprint der MobilitĂ€t perspektivisch auf Null bekommen“, sagt Diess. „Damit ist das die Antriebsform der Zukunft.“ 

Linkedin als Sprachrohr und Feedback-Loop fĂŒr den CEO

Tesla-GrĂŒnder Elon Musk hat auch auf einem anderen Feld eine gewisse Vorreiterfunktion. Er gehört zu einer wachsenden Zahl von Managern, die soziale Medien öffentlich fĂŒr die Kommunikation nutzen und sich dort auch Diskussionen stellen. In Deutschland gehört Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche zu den Pionieren. Und seit knapp einem halben Jahr ist nun auch Diess auf Linkedin deutlich aktiver geworden. In wenigen Monaten hat er es in die Top-Ten der „LinkedInfluencer“ geschafft.
Auf Linkedin hat Herbert Diess inzwischen annÀhernd 130.000 Follower.
Auf Linkedin hat Herbert Diess inzwischen annĂ€hernd 130.000 Follower. Er mischt dort Unternehmensnews, wirtschaftspolitische Positionen, Autotests und Interviews mit CEO-GrĂ¶ĂŸen wie Satya Nadella
AnnĂ€hernd 130.000 Follower konnte Diess mittlerweile bei Linkedin einsammeln. Ein Drittel bis die HĂ€lfte davon seien Mitarbeiter des Konzerns, so der CEO. An dem neuen Kanal schĂ€tze er besonders, dass sich News aber auch Standpunkte schneller als bisher innerhalb des eigenen Unternehmens verbreiten lassen. „Die Leute wissen, wo der Chef steht“, sagt Diess. 
Zudem biete Linkedin ihm „eine neue Möglichkeit der Selbstreflexion“, so Diess. Denn ĂŒber die Reaktionen auf seine Posts – fĂŒr jemanden, der einem nicht eben fĂŒr flache Hierarchien bekannten Konzern vorsteht, eine nicht zu unterschĂ€tzende QualitĂ€t sozialer Netzwerke – erreicht ihn ungefiltertes Feedback. Diess selbst nennt es einen „Blumenstrauß an Kommentaren“. Und dieser Feedback-Blumenstrauß zu seinen Positionen zeige ihm dann „wie man das auch noch sehen kann“.

Keine Alternative zum Elektroauto

Eine Position, mit der Diess in jĂŒngerer Vergangenheit fĂŒr Aufsehen sorgte, war seine klare Festlegung auf den Elektroantrieb als einzige verfolgenswerte Nachfolge-Technologie des Verbrennungsmotors. Damit positionierte er Volkswagen klar gegen die anderen deutschen Autobauer und den eigenen Lobbyverband, der parallel fĂŒr die Brennstoffzelle wirbt.  
„Ich glaube, man muss deutlich sein“, sagt Diess dazu. „Wenn man rational auf das Thema Antriebsstrang guckt, und sagt, wir mĂŒssen erste Schritte Richtung CO2-NeutralitĂ€t im nĂ€chsten Jahrzehnt schaffen, dann gibt es nur die ElektromobilitĂ€t die wirklich funktioniert.“ Alle Alternativen wie Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe seien deutlich aufwendiger und sehr viel teurer. 

Entschiedenes Eintreten fĂŒr einen Systemwechsel

Mit seinem fĂŒr einen deutschen Manager ungewohnt deutlichen Eintreten fĂŒr die ElektromobilitĂ€t als alternativlose Technologie hofft Diess, den in seinen Augen unumgĂ€nglichen Systemwechsel zu beschleunigen, statt in der Debatte ĂŒber die beste Alternative zu verharren. „Wenn man das offen lĂ€sst“, so Diess, „dann wird gar nichts passieren.“
Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, welche Folgen der Dieselskandal fĂŒr das Image von VW hatte, wie Diess die Entwicklung des chinesischen Markts einschĂ€tzt und warum er nicht an einen Erfolg von Uber glaubt, dann hört unbedingt in die neue Folge des OMR Podcasts rein. 

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach auf Appinio hingewiesen, deren Real-Time-Market-Research-Tool wir sehr schĂ€tzen (und an dem OMR eine kleine Beteiligung hĂ€lt). Die Hamburger revolutionieren gerade die Marktforschung. Denn dank Appinio erhalten Entscheider nahezu in Echtzeit Feedback. Man kann also im Meeting eine konkrete Fragestellung ĂŒber Appinio an Tausende Leute schicken, die diese per Push auf ihre App bekommen – und Minuten spĂ€ter ist die reprĂ€sentative Antwort da. Den Service nutzen bereits ĂŒber 700 Kunden, darunter Red Bull, Beiersdorf, About You, Lidl und VW. Alle Infos und einen Rabatt fĂŒr Eure erste Umfrage gibt es unter: appinio.com/omr.
Am 12. November um 14 Uhr startet die zweite Runde „Vodafone Business Talk“. Unter der Leitfrage „Challenge Digitalisierung – wie bleibt Deutschland weiter auf Kurs?“ diskutieren Alex Saul, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Vodafone Business in Deutschland, und Hannes Ametsreiter, Deutschland-CEO von Vodafone, mit ihrem Gast Christoph Keese ĂŒber den Status Quo und die To-Dos, um die Bundesrepublik als Digitalstandort auf Weltniveau zu bringen. Keese ist renommierter Digitalexperte und blickt auf eine lange Erfahrung in der deutschen Medienwelt sowie Stationen im Silicon Valley zurĂŒck. Reinhören lohnt sich definitiv, denn hier treffen echte Digitalisierungs-Insider aufeinander, was jede Menge spannende Erkenntnisse und DenkanstĂ¶ĂŸe verspricht.
Wenn Ihr noch ein Sparbuch habt, dann wisst Ihr, dass es dort schon lange keine Zinsen mehr gibt. Und wenn Ihr Euch bislang trotzdem noch nicht nach einer Alternative umgeschaut habt oder mehr zum Thema SparplĂ€ne und ETFs erfahren möchtet, dann legen wir Euch an dieser Stelle unseren Partner Visualvest ans Herz. Die Tochter der Union Investment hat eine digitale Sparplanlösung entwickelt, mit der sich Geld fĂŒr die Weltreise, den Nachwuchs oder das Eigenheim anlegen und ansparen lĂ€sst. Kling Interessant? Dann schaut Euch das mal an unter Visualvest.de/omr. Als Goodie spendieren die Kollegen allen, die sich unverbindlich registrieren, einen Gutschein ĂŒber 50 Euro, der bei verschiedenen Online-Shops eingelöst werden kann.
Wenn es um das Thema B2B-Marketing geht, dann hat Salesforce in den vergangenen 20 Jahren eine große Erfolgsgeschichte geschrieben. Eine wichtige Rolle haben dabei Events gespielt. Naheliegende Frage: Was bedeutet Corona fĂŒr das Marketing von Salesforce. Die Antwort gibt Claudia Linsenmeier, Interims-CMO Germany & Austria bei Salesforce im Marketing Transformation Podcast des Kollegen Erik Siekmann. Extrem spannende Insights aus einem Konzern mit extrem erfolgreichem B2B-Marketing, zu hören, ĂŒberall, wo es Podcasts gibt.
Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Am 12. Dezember startet der neue Kurs der OMR Academy mit unsrem Partner Headstart Studios. Beim „Digital Marketing Analytics“ lernst du in zehn Wochen bei zwei bis drei Stunden Lernaufwand in der Woche, wie Du Marketing messbar machst, welche KPIs relevant sind und welche Tools Dir das Leben einfacher machen, um die Frage zu beantworten, ob Deine MarketingaktivitĂ€ten auf das gesteckte Ziel einzahlen oder, ob Du nur Geld verbrennst. Am Ende gibt es ein Zertifikat und dazu lernst du bei dem Kurs eine Menge interessante Experten kennen. NatĂŒrlich ist alles digital und die Teilnahme aus dem Homeoffice möglich. Alle Infos und Anmeldung unter omr-academy.de.

Alle Themen des OMR Podcasts mit Herbert Diess im Überblick:

  • Was fĂŒr Erfolg im Autobereich wichtiger ist: Produkt oder Marketing
  • Welche Rolle Flagship-Stores in A-Lagen spielen
  • Wer seine wichtigen Ratgeber bei Digitalisierungsthemen sind
  • Wieso er Autobauer in einer guten Position gegenĂŒber IT-Konzernen sieht
  • Warum autonomes Fahren fĂŒr Google ein so wichtiges Thema ist
  • Wieso Diess bezweifelt, IT-Konzerne könnten Autohersteller ĂŒbernehmen wollen
  • Weshalb er die aktuellen Firmenbewertungen der GAFA-Konzerne fĂŒr gerechtfertigt hĂ€lt
  • Welche Faktoren jenseits von Tesla zum Hype um ElektromobilitĂ€t gefĂŒhrt haben
  • Warum VW seine E-Modelle unter einer eigenen Submarke gelauncht hat
  • Welchen Anteil Elon Musk als Person am Tesla-Erfolg hat und Diess VerhĂ€ltnis zum US-Unternehmer
  • Was hinter der Entscheidung steht, Diess‘ Linkedin-Account als Kommunikationskanal aufzubauen
  • Wo bestimmt wird, was gepostet wird
  • Welche Formate es gibt und welche Inhalte Diess auf Linkedin teilt
  • Wie Diess auf Auto-Abos und MobilitĂ€tsplattformen blickt
  • Wann er mit großer Verbreitung des autonomen Fahrens rechnet
  • Wieso er bei Volkswagens Zukunft ausschließlich auf ElektromobilitĂ€t setzt
  • Welche Bedeutung neue MobilitĂ€tslösungen wie Flugtaxis fĂŒr den Konzern haben
  • Wie Diess auf den chinesischen Markt schaut und wieso das Land zum technologischen Leitmarkt werden könnte
  • Wie er mit der Sorge umgeht, China könnte seinen MobilitĂ€tssektor analog zur IT abschotten
  • Wie die iD-Elektromodelle der Marke Volkswagen in den USA zum Durchbruch verhelfen sollen
  • Welche Auswirkungen die Diesel-AffĂ€re fĂŒr das Vertrauen in den Konzern hatte
  • Warum Fußball ein wichtiger Sponsoring-Kanal fĂŒr die Volkswagen-Marken ist

AutoHerbert DiessMobilityVolkswagen
Christian Cohrs
Autor*In
Christian Cohrs

Editor & Content Strategist bei OMR und Host des FUTURE MOVES-Podcasts. Zuvor war er Redaktionsleiter des Wirtschaftsmagazins Business Punk in Berlin, Co-Autor des Sachbuchs "Generation Selfie".

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