Hidden Champion und Solarenergie-Unicorn: Enerparc-Gründer Stefan Müller im Podcast

Torben Lux31.5.2023

Der Solar-Unternehmer spricht über die boomende Branche, den Energiestandort Deutschland und positive Aussichten

Stefan Mueller Enerparc OMR Podcast 1160
Stefan Müller, Co-Gründer der Enerparc AG (r.) und Philipp Westermeyer im OMR Office.
Inhalt
  1. Flughäfen und alte Militärgelände statt Familienhausdächern
  2. Eigene Anlagen und immer mehr große Kunden
  3. Strom für eine Million Haushalte
  4. Die Themen des OMR Podcasts mit Stefan Müller im Überblick:

Wer nicht gerade in der Energie-Branche unterwegs ist, dürfte noch nie von der Enerparc AG gehört haben. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit sogar recht hoch, dass man am Rand von Autobahnen oder Bahnstrecken schon einmal ihr Kernprodukt gesehen hat: Solarkraftwerke. Der Hidden Champion aus Hamburg gilt als Marktführer und setzt mit Entwicklung, Bau und Betrieb solcher Anlagen sowie der Vermarktung des generierten Stroms Milliarden um. Stefan Müller ist einer der drei Gründer. Im OMR Podcast erklärt er, wie der Markt funktioniert – und weshalb er fest an eine Energieunabhängigkeit Deutschlands glaubt.

Als Patrick Graichen, der ehemalige Staatssekretär von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, vor einigen Tagen seinen Posten räumen musste, schaute man auch in der Hamburger Hafencity ganz genau hin. Seit Herbst vergangenen Jahres ist hier die Zentrale der Enerparc AG, mit Photovoltaik-Elementen auf dem Dach. Stefan Müller ist einer der drei Gründer des Solar-Spezialisten. Über Graichen sagt er im OMR Podcast: „Das war einer der renommiertesten Fachleute im Bereich erneuerbarer Energien. Den Fehler will ich gar nicht beurteilen. Aber für die gesamte Industrie ist das erst einmal blöd.“

Dass sich Müller eine solche Meinung bilden kann, liegt an seiner 25-jährigen Erfahrung innerhalb genau dieser Branche – und der Größe und Relevanz, die er und seine zwei Mitgründer Christoph Koeppen und Frank Müllejans mit der Enerparc AG erreicht haben. Seit der Gründung 2009, mitten in der Finanzkrise und kurz vor der großen Solarkrise, die den Standort Deutschland für die Industrie quasi nichtig gemacht hatte, haben sie ein Unternehmen mit einem klaren Fokus gebaut. „Wir haben uns auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von solaren Großkraftwerken spezialisiert“, sagt Stefan Müller im Gespräch mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer.

Flughäfen und alte Militärgelände statt Familienhausdächern

Das Geschäft der Solar-Industrie bestehe aus drei Segmenten: kleineren Lösungen für Privatkunden, wie sie unter anderem das Startup Enpal anbietet (Gründer Mario Kohle war ebenfalls schon im OMR Podcast zu Gast), mittelgroßen Anlagen zum Beispiel auf Dächern von Gewerbeflächen und großen Projekten auf Freiflächen. Enerparc setzt voll auf den dritten Bereich.

Dank dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) findet man solche größeren, projektierbaren Flächen immer häufiger an den Rändern von Autobahnen und Bahnstrecken. Außerdem sind es noch Konversionsflächen, also alte und brach liegende Areale beispielsweise von der Bundeswehr oder Industriekonzernen, die für Enerparc spannend sind. „Wir haben viele alte Militärflughäfen übernommen und gepachtet, teilweise auch gekauft“, erzählt Stefan Müller. Initial sei das immer sehr kostspielig, der Kampfmittelräumdienst müsse ein solches Gelände im ersten Schritt auf Sprengstoff-Rückstände und Kerosin prüfen. „Am Ende zahlt man da aber nicht 20, sondern eben nur zwei Euro pro Quadratmeter. Und in der Regel liegt bereits ein super Netzanschluss vor“, so Müller.

Eigene Anlagen und immer mehr große Kunden

500 bis 600 solcher „relevanter Anlagen“, wie Stefan Müller sie bezeichnet, habe Enerparc derzeit. Vor allem in der Anfangsphase habe man noch viel für Externe gebaut, das habe sich in den vergangenen Jahren geändert und man sei immer häufiger auch der Betreiber der Kraftwerke geblieben. Eigene Anlagen gebe es in ganz Europa, Australien und Indien. Das US-Geschäft habe man, als es zu groß wurde und zu viel Aufmerksamkeit von Müller und seinen Mitgründern verlangt hatte, an den Spielzeugkonzern Lego verkauft.

Aktuell nehme das Geschäft mit Externen und Unternehmen als Abnehmern wieder stark zu, der Bedarf werde immer größer. „Großkonzerne, die ihren CO2-Fußabdruck auf Null haben wollen, kaufen nicht mehr nur grünen Strom ein, sondern wollen, um authentisch zu sein, die Anlage auch besitzen“, sagt Stefan Müller. „Das machen wir zum Beispiel weltweit mit Ikea.“ Stromabnahmeverträge gebe es außerdem unter anderem mit der Deutschen Bahn, Futterhaus und Volkswagen.

Strom für eine Million Haushalte

Die Solarkraftwerke von Enerparc liefern im Jahr aktuell rund drei Gigawatt Strom. „Damit können wir rund eine Million Haushalte versorgen“, sagt Müller. Dieser Wert soll in den kommenden Jahren noch deutlich steigen – nicht nur bei Enerparc, sondern in der gesamten Photovoltaik-Branche. Dass Deutschland, aller öffentlich Diskussion rund um die Energiewende zum Trotz, auf einem sehr guten Weg ist, die Energieunabhängigkeit nur mit nachhaltigen Quellen zu erreichen, steht für Müller fest. „Jeder, der sich im Energiesystem auskennt, weiß, was bis 2030 passieren wird. Das wird mega spannend, ich bin für Deutschland absolut bullish.“

Dass eine wachsende Nachfrage in der gesamten Branche bei einem der führenden Unternehmen, das die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt (Entwicklung, Bau, Betrieb, Energiehandel), ein gutes Wachstum auslösen dürfte, ist keine Überraschung. Für 2021 stehen rund 1,15 Milliarden Euro Umsatz im Bundesanzeiger. Ein Unicorn ist die Enerparc AG, deren einzige Gesellschafter noch heute die drei Gründer sind, damit schon längst – vielleicht auch ein Decacorn. Übernahme-Angebote für das 500 Mitarbeitende starke Unternehmen bleiben bei dem Erfolg auch nicht aus. „Ja, das passiert öfter“, sagt Stefan Müller. Ausschließen würde er sowas zwar nicht, aber aktuell käme es nicht in Frage.

Im OMR Podcast spricht Stefan Müller außerdem über Deutschlands Ausstieg aus der Atomkraft, Projekte in Jordanien und Kasachstan, die Funktionsweise der Energiebörse und Europa als Standort für die Solar-Industrie.

Die Themen des OMR Podcasts mit Stefan Müller im Überblick:

  • (00:00:00) Intro
  • (00:00:50) Das Geschäftsmodell von Enerparc, der aktuelle Strom-Output und Stefan Müllers Werdegang
  • (00:09:30) Renditen in der Solar-Branche, Enerparc als Hidden Champion und Großkunden wie Ikea
  • (00:19:00) Der Wandel der Solar-Branche, Handel an der Strombörse und Enerparcs Kernmärkte
  • (00:29:30) Abhängigkeiten von Asien, Europa und Deutschland als Standort für die Solar-Branche
  • (00:36:30) Übernahmeangebote und der Wert von Enerparc, eine neue Goldgräberstimmung und Deutschland als grüne, Atomkraft-freie Industrienation
  • (00:48:00) Strom als Politikum und Enerparcs Wachstums-Plan bis 2030
  • (00:59:00) Schwimmende Solaranlagen, Marketing für einen Hidden Champion und der Klimawandel

Alle Infos zu ausgewählten Werbepartnern findet Ihr hier.

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Torben Lux
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Torben Lux

Torben ist seit Juni 2014 Redakteur bei OMR. Er schreibt Artikel und Newsletter, plant das Bühnenprogramm des OMR Festivals, arbeitet an der "State of the German Internet"-Keynote, betreut den OMR Podcast und vieles mehr.

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