CEOs hassen sie, Angestellte lieben sie: Deshalb spaltet die App Blind das Silicon Valley

Torben Lux1.8.2023

Alleine von Meta sollen 70.000 Mitarbeitende und damit über 90 Prozent der gesamten Belegschaft bei der App angemeldet sein

Blind OMR 550

Die Führungsetagen der Tech-Branche verachten sie, die breite Masse scheint süchtig: Die App Blind hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Reddit für die Arbeitswelt entwickelt. In den Foren werden Unternehmens-Interna diskutiert, Entlassungen geleakt, Vertragsdetails wie Gehälter geteilt, gelästert und getratscht – meistens anonym, natürlich. Wie aus einem kleinen Projekt aus Südkorea eine App werden konnte, die das Silicon Valley spaltet, lest Ihr hier.

Eigentlich war sich Alex Shin ziemlich sicher, dass er den Deal gerade vermasselt hatte. Anfang 2021 spricht er mit Investoren des VC-Vehikels von Cisco Systems. Sein Ziel: Cisco davon zu überzeugen, in Blind zu investieren – eine App, die schon zu diesem Zeitpunkt Millionen User hat, sowohl von Mitarbeitenden, also auch Arbeitgebern genutzt wird und offenbar der Ort überhaupt ist, um anonym über Abfindungen zu diskutieren. Oder über gruselige Dating-Erfahrungen in San Francisco zu tratschen. Und über alles dazwischen. Shin ist damals Berater für Blind und stellt den Investoren gerade ein neues Produkt der App vor. Es geht um ein Tool zur Stimmungsanalyse innerhalb von Unternehmen, mit ungefilterten, echten Meinungen rund um den Arbeitsplatz. 

Shin ist irgendwie stolz auf das Tool, das auf Basis der Bewertungen von Mitarbeitenden ein Rating auf einer Skala von eins bis fünf für Unternehmen erstellt. Dann fragen die Investoren im Video-Call nach der Bewertung für Cisco – und Shin zögert. Cisco Systems kommt zu dem Zeitpunkt auf Grund einiger Beschwerden nur auf ein Rating von 2,5. „Als wir ihnen die Bewertung gezeigt haben, wurde es im Zoom-Call sehr still“, so Shin. „Und dann haben die Investoren gesagt: ‚Naja, das trifft es auf den Punkt. Wir sind dabei.‘“ Heute kommt Cisco Systems auf eine Bewertung von 3,7; kommentieren wollte das Unternehmen die Geschichte gegenüber The Information dennoch nicht. 

Blind: Wie Linkedin, nur anders

Während Linkedin immer mehr zum Ort für große Egos und Selbstbeweihräucherung wird, ist Blind eher ein Ventil. Mitarbeitende beschweren sich über da über Pläne zur Rückkehr in Büros, diskutieren über die größten „Alpha-CEOs“ der Tech-Branche und geben mit ihren Gehältern an. Es geht aber auch um falsches Verhalten seitens und schlechte Behandlungen durch Führungspersonal; oder um Kolleg*innen, die nicht die gewünschte Leistung bringen. 

Anfang des Jahres gab es auf Blind eine Umfrage, die sich an alle Apple-Mitarbeitenden richtete: „Sollen wir Siri einfach entlassen?“. Mehr als drei Viertel, insgesamt fast 300 Personen, haben bis Mitte März mit „Ja“ geantwortet, so das Ergebnis der Umfrage, das The Information vorliegt. Was klar sein muss: Nahezu alle sehr kritischen bis bösen Kommentare auf Blind werden anonym geteilt. Das gilt allerdings auch für Inhalte vieler anderer Social-Media-Apps, die teilweise längst nicht mehr aktiv sind. Blind allerdings hat bisher zumindest geschafft, trotzdem relevant zu bleiben. Und das in einer Phase, in der Layoffs ein ständiger Begleiter der Tech-Branche sind. 

Was Blind in diesem Umfeld besonders macht und unterscheidet: Die User sind kein Querschnitt der Gesellschaft. Bevor man bei Blind selber etwas posten darf, checkt die App den Arbeitgeber. Nur wer eine Firmen-Adresse von entsprechenden Tech-Firmen angibt, kann aktiv werden. Entweder in öffentlichen Foren, wo neben dem User-Namen immer auch das Unternehmen angezeigt wird, oder in privaten Foren, in denen nur Personen posten können, die bei demselben Unternehmen angestellt sind. Genau hier tauchen meist auch die spannendsten Neuigkeiten und Gerüchte auf, zum Beispiel über anstehende Entlassungen oder Gehaltsstrukturen. 

Was CEOs über Blind denken

Und genau das macht Blind zu einer App, die die Führungsetagen der Tech-Branche immer wieder auf die Palme bringt. Ein sonst sehr offener CEO eines börsennotierten Tech-Konzerns, der speziell über diese App nur anonym sprechen möchte, weil er die Reaktionen seiner eigenen Mitarbeitenden auf Blind fürchtet, bezeichnet die Plattform als „toxische Jauchegrube von Beschwerdeführern“. 

„Die App ist allgemein sehr unbeliebt“, so der CEO, der die Ironie, anonyme Kritik auf einer Plattform selber anonym zu kritisieren, nicht gelten lassen will. „Ich kann nichts Positives an dieser App finden. Und ich kenne keine Gründer oder CEOs, die etwas Gutes über Blind zu sagen haben.“ 

Einen ganz eigenen Ansatz im Umgang mit Blind hat Glenn Kelman, CEO des Online-Immobilienmaklers Redfind, für sich gefunden: Er meidet die Plattform komplett. „Ich bin zu alt, unsicher und selbstgefällig, um Blind zu besuchen“, sagt er. „Seit es das Internet gibt, gibt es auch anonyme Foren. Sie sind Orte des reinen Elends.“ Apps wie Blind seien laut dennoch ein Stück weit paradox. „Dank der Anonymität können wir uns, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, verleumden. Aber Anonymität ist auch die einzige Möglichkeit, Mächtigen die Wahrheit zu sagen“, sagt er.

Blind als Analyse-Tool?

Auch wenn einige CEOs von einer allgemeinen Ablehnung Blinds erzählen, trifft man nicht überall auf diesen Hass auf die App. Einige Techies zum Beispiel sehen in Blind eine der besten Möglichkeiten, den Zeitgeist der Branche zu verstehen – zum Beispiel dann, wenn es um das aktuelle Gehaltsgefüge geht, ein immer wieder intensiv diskutiertes Thema in den Foren von Blind.  

Amanda Richardson ist CEO von CoderPad, einer Plattform, mit der Arbeitgeber die technischen Fähigkeiten von Programmierern bewerten können. Sie erinnert sich an einen Post eines Programmierers auf Blind vor rund zwei Jahren, der deutlich machte, dass Gehaltsstrukturen aus den Fugen geraten. Der Programmierer, der zu dem Zeitpunkt am Anfang seiner Karriere stand, erzählte von einem Angebot, was er von Coinbase erhalten hätte – über 900.000 US-Dollar, pro Jahr. „Dann wurde darüber diskutiert, ob das ein gutes Angebot wäre“, sagt Richardson. „Ich lebe in San Francisco, aber 900.000 US-Dollar im Jahr? Wirklich?“. Den Inhalt auf Blind beschreibt sie so: „Ich würde sagen, die Beiträge sind zu 60 Prozent Junk Food und 40 Prozent Verständnis für Psychologie in der Tech-Branche.“

Große Relevanz trotz verhältnismäßig kleiner Zahlen?

Nach eigenen Angaben kommt Blind derzeit weltweit auf etwa zwölf Millionen MAUs (Monthly Active User). Im Vergleich zu den ganz großen Plattformen wie Instagram, Snap & Co. ist das natürlich erst einmal wenig. Die Relevanz von Blind basiert allerdings auch weniger auf reiner Größe, es geht mehr um die Durchdringung innerhalb der Tech-Branche. So waren im Juli fast 135.000 User mit aktuellen Microsoft-Adressen angemeldet, was etwa 60 Prozent der weltweiten Belegschaft des Unternehmens entspricht. Von Google seien es 80.000 (43 Prozent), von Meta 70.000 (über 90 Prozent), von Apple 33.000 (20 Prozent). 

Ein paar Tech-Unternehmen hätten es in der Vergangenheit immer mal wieder versucht, ihrer Belegschaft den Zugang zur App zu erschweren. So richtig funktioniert hätten solche Maßnahmen aber nie sehr lange“, sagte Kyum Kim, Co-Gründer von Blind, in einem Interview. „Wenn sie unsere E-Mails blockieren, können wir unsere E-Mails ändern. Wenn sie uns im Wlan sperren, nutzt man einfach mobile Date“, so Kim, heute Chief Business Officer von Blind. „Für uns ist es ja sogar Werbung, weil die Leute natürlich anfangen zu sagen: ‚Hey, sie haben Blind blockiert! Was ist das überhaupt? Das wusste ich gar nicht.‘ Und so bekommen wir dann tatsächlich mehr User.“

Kim verteidigt den anonymen Ansatz der App. Er rät CEOs und Personalabteilungen von Unternehmen, die sich an ihn wenden, das Feedback der Mitarbeitenden auf Blind ernst zu nehmen. „Was auf Blind gesagt wird, wird wahrscheinlich auch an anderen Orten gesagt, zum Beispiel bei einem Bier, in sozialen Medien oder bei internen Umfragen“, sagte er.

Wie aus einem Hype jetzt ein Business entstehen soll

Blind versucht aktuell, die Aufmerksamkeit in den großen Tech-Unternehmen in ein funktionierendes Unternehmen zu verwandeln. Dafür hat die noch nicht profitable App in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe neuer Produkte gelauncht, die Umsätze generieren sollen. „Talent by Blind“ zum Beispiel, eine Art interne Personal-Vermittlungsagentur, die Techies mit offenen Stellen bei großen Companys zusammenbringen soll und bereits von unter anderem Backrock und Kleiner Perkins genutzt wird. Und mit „Insights by Blind“ will die App Führungskräften und Personalverantwortlichen helfen, den Ruf der eigenen Firma unter Techies besser zu verstehen. Die Lösungen nutzen bereits Unternehmen wie Salesforce, Roblox und Gopuff.

Das nötige Kapital für diese Entwicklung dürfte Blind haben. 62 Millionen US-Dollar konnte das Unternehmen bisher einsammeln, das Geld kommt unter anderem von Cisco, DCM Ventures und Softbank Ventures Asia. Inzwischen kommt Blind weltweit auf 200 Mitarbeitende.  

Wurzeln in Südkorea

Anders als die großen Tech-Firmen, über die heute auf Blind gesprochen wird, ist die App selber nicht mit Hilfe eines Inkubators in San Francisco oder in einem Studentenwohnheim an der Stanford University entstanden. 2013 gründet eine Gruppe Techies Blind in Südkorea. 

Sunguk Moon, Blinds CEO, hatte die Idee für die Plattform, als er in den späten 2000er Jahren bei der koreanischen Suchmaschine Naver arbeitete. Naver selber hatte zu dem Zeitpunkt ein internes, anonymes Forum. Moon war fasziniert von der Art der Diskussionen im internen Message Board. Die Anonymität schien die Mitarbeitenden zu ermutigen und sie sogar von einem Teil des sozialen Drucks in Koreas hierarchischen Konglomeraten, den so genannten Chaebols, zu befreien. Naver nahm das Forum allerdings bald wieder offline. 

„Sie wollten nicht, dass solche Diskussionen stattfinden“, erinnert sich Kim. Was er daraus gelernt hat: Solche anonymen Kanäle funktionieren nur, wenn sie unabhängig und nicht mit dem Unternehmen verbunden wären. Es musste eine dritte Partei geben, die die Diskussionen quasi überwacht. Und genau diese Rolle sollte dann Blind übernehmen. Die App entwickelte sich in Korea schnell zu einem Ort, an dem Mitarbeitende von Unternehmen über alles Mögliche diskutieren konnten – von holprigen Dates bis hin zu angeblicher Diskriminierung bei Hyundai, Samsung und anderen Arbeitgebern.

2014 gab es für Blind enorme Aufmerksamkeit und Gratis-Werbung, nachdem Mitarbeitende der Korean Air Lines Beiträge über ein eher kurioses Ereignis geschrieben hatte, was später als „Nuss-Affäre“ durch die Medien gehen sollte. Cho Hyun-ah, damalige Vizepräsidentin der Airline und Tochter des Chefs, sei ausgerastet, als ihr Macadamia-Nüsse in einer Papiertüte statt auf einem Teller serviert wurden. Das Flugzeug sollte zum Gate zurückzukehren, die Posts gingen viral. Cho Hyun-ah musste schließlich ein Jahr ins Gefängnis, über den Vorfall wurde weltweit berichtet. 

Blinds Internationalisierung

Der Erfolg in Südkorea überzeugte die Gründer, dass es Blind auch auf der internationalen Bühne schaffen könnte. Anfang 2015 machte sich das Blind-Team mit rund einer Million US-Dollar Startkapital in der Tasche auf den Weg nach Kalifornien. Im März starteten sie eine US-Version der App. Der Zeitpunkt war allerdings eher ungünstig, um mit einem solchen Produkt im Silicon Valley zu starten. Apps, in denen anonym diskutiert wurde, hatten gerade einen schlechten Ruf. So sah sich Secret, eine dieser Apps, nach einem kurzen Hype unter Techies 2014 schnell mit harten Vorwürfen konfrontiert, von Belästigung bis Rassismus. Kurz nach Ankunft des Blind-Teams in Kalifornien wurde Secret eingestellt. 

Auch die Marketing-Strategien, mit denen Blind in Südkorea so erfolgreich war, wollten in Kalifornien anfangs nicht funktionieren. Im Heimatland der App hatten sich die Mitbegründer auf Mundpropaganda und ein starkes Netzwerk aus Freunden und ehemaligen Kolleg*innen verlassen, um neue User zu generieren.

Das Team um Co-Gründer Kyum Kim tat sich schwer, mit Arbeitnehmenden im Silicon Valley in Kontakt zu kommen. Es sei vor allem schwierig gewesen, Orte zu finden, an denen sie direkt eine große Anzahl von Mitarbeitenden desselben Unternehmens treffen und ansprechen konnten. Mit attraktiven Angeboten hatten die Tech-Konzerne kaum Gründe geliefert, während der Arbeit einen Campus zu verlassen. 

Seattle statt San Francisco

2015 setzte das Blind-Team dann auf eine andere Strategie. Statt es weiterhin im Silicon Valley zu versuchen, zog man nach Seattle, unter anderem dank Amazon ein weitere Tech-Hotspot. Der große Unterschied damals: Amazon hat deutlich weniger Vergünstigungen angeboten, als die Tech-Firmen in Kalifornien. 

Von einer Mietwohnung in der Nähe des Amazon-Campus aus verbrachte das Team drei Monate damit, mit Amazon-Mitarbeitenden feiern zu gehen, sie auf Drinks einzuladen und natürlich die Idee hinter Blind schmackhaft zu machen, so Shin. Diese Maßnahmen alleine waren in der Folge ebenfalls nur mittelmäßige erfolgreich. Viele bei Amazon hätten bereits gewusst, was Blind ist, die App aber einfach genutzt, so Shin, der bis 2019 Vollzeit für Blind unterwegs war, das Unternehmen seitdem aber wie beim Fundraising-Prozess 2021 immer mal wieder in beratender Funktion unterstützt. 

Rückenwind gab es für das Blind-Team erst ein paar Monate nach der Ankunft in Seattle. Die New York Times veröffentlichte in einem Artikel Missstände in der Unternehmenskultur von Amazon. Die Geschichte war gespickt mit Details; so würde bei Amazon viel an Schreibtischen geweint. Nach der Veröffentlichung der Geschichte gab es bei Blind zahlreiche Neuanmeldungen von Amazon-Mitarbeitenden. „Unsere App ist daraufhin explodiert“, sagt Shin.

Ungefähr zu gleichen Zeit probierte sich Blind in Redmond, Washington, an einem Guerilla-Marketing-Stunt bei Microsoft aus. Co-Gründer Kyum Kim lief nachts über den und hängte knallrote Plakate auf, die Blind als neue Möglichkeit anpriesen, anonym mit Mitarbeitern zu sprechen. Der Plan ging auf. Erst meldeten sich dutzende, dann hunderte Microsoft-Mitarbeitende als neue User an. 

Silicon Valley: Versuch Nummer 2

Nachdem es mit Microsoft in Seattle geklappte hatte, kehrte das Blind-Team Ende 2015 für einen neuen Versuch in die San Francisco Bay Area zurück. Es wurden neue, unternehmensspezifische private Foren eingerichtet und Mitarbeitende eingeladen. Und eine turbulente Phase im Silicon Valley sorge dafür, dass es dieses Mal auch hier funktionierte. So nutzten Anfang 2016 Yahoo-Mitarbeitende die App, um Gerüchte über die von CEO Marissa Mayer angekündigten Pläne zur Entlassung von 15 Prozent der Belegschaft zu verbreiten. 2017 waren es Google-Mitarbeitende, nachdem das sogenannte „Google Memo“ viral gegangen war. Im selben Jahr veröffentlichte eine ehemalige Uber-Ingenieurin einen Blogbeitrag über sexuelle Belästigung im Unternehmen. „Als das passierte, verbrachten die Uber-Mitarbeitenden jeden Tag Stunden auf Blind“, erinnert sich Co-Gründer Kim.

All diese Ereignisse sorgten dafür, dass Blind zunehmend an Fahrt aufnahm – und dass Unternehmen versuchten, den Zugriff auf die App irgendwie einzuschränken. So blockierte Uber nach dem Blog-Beitrag 2017 den Zugriff auf die App über das eigene Netzwerk, Tesla und weitere Unternehmen haben eingehende Kontobestätigungs-E-Mails von Blind blockiert, um Mitarbeitende davon abzuhalten, sich überhaupt erst für ein Konto anzumelden, so Co-Gründer Kim. Und es gab Tech-CEOs mit noch unorthodoxeren Methoden gegriffen, um die Diskussionen über ihre Unternehmen auf Blind einzudämmen.

Einer davon war Vishal Garg, CEO von Better.com. Garg hatte Ende 2021 zweifelhafte Berühmtheit erlangt, als er in einem kurzen Zoom-Meeting 900 Mitarbeitende des Startups entlassen hatte. Auf die auf Blind stattfindenden Diskussionen im Anschluss reagierte dann ein User namens „Uneducated“ extrem kritisch und bezeichnete die verärgerten Mitarbeitenden unter anderem als undankbar; sie hätten außerdem das Unternehmen bestohlen, weil sie zu wenig gearbeitet hätten. Später gab Vishal Garg im Fortune Magazin zu, dass er selber der User namens „Uneducated“ war. 

Bleibt Blind der Ort für Leaks und Gerüchte?

Im April dieses Jahres gab es große Aufmerksamkeit für einen Beitrag eines Amazon-Mitarbeitenden über einen Kollegen, der als Reaktion auf das Ende des Homeoffices gekündigt hatte. Mehr als 1.600 Kommentare und 117.000 Aufrufe erzielte der Post, Mitarbeitende von Microsoft über Meta bis hin zu Qualcomm stritten sich in den Antworten über die ökologischen und kulturellen Vorteile vom Homeoffice.  

Anfang Juni meldete sich bei Blind dann eine „außergewöhnliche“ Anzahl von Mitarbeitenden von Sumo Logic an, einem Datenanalyse-Startup. Es folgten Berichte über eine laufende Entlassungsrunde und eine miese Moral im Unternehmen. Einige Tage später berichtete The Information dann tatsächlich über umfangreiche Entlassungen.

Neben diesen klassischen Unternehmens-Insights bis zu Enthüllungen findet bis heute allerdings auch eine Menge beleidigender Content auf Blind statt. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage wurden die User aufgefordert, abzustimmen, ob der CEO eines großen Technologie-Konzerns ein „Cuck“ sei – ein Ausdruck aus dem rechtspolitischen Milieu, der „schwache“, liberale Männer abwertend beschreibt. Das erinnert an eine Art von Diskurs, die immer wieder auf anderen anonymen Plattformen wie Reddit stattfindet. Und tatsächlich dient Reddit für Blind zumindest in einigen Punkten als Vorbild. 

Co-Gründer Kim sagt, dass traditionelle Bewertungssysteme im Internet – egal ob für Produkte auf Amazon oder für Arbeitsplätze auf Seiten wie Glassdoor – einst ihren Platz hatten. Solche und ähnliche Plattformen hätten allerdings Schwachstellen: Bewertungen könnten von Arbeitgebern, Händlern oder sogar Konkurrenten manipuliert werden. Vor allem dann, wenn die entsprechende Plattforme nicht hart einschränken, wer überhaupt Bewertungen abgeben darf. Wenn Kim selber heute nach den authentischsten Nutzerbewertungen für Produkte sucht, gehe er zu Reddit. Und Blind erfülle die gleiche Rolle für Arbeitsplätze.“Es ist die… reinste Form von Inhalten, die von echten Usern von Produkten stammen“, so Kim. „Ich glaube, dass für Arbeit das Gleiche gilt“.

Dieser Artikel stammt im Original von Paris Martineau und erschien zuerst bei The Information. Er wurde von uns im Rahmen einer Kooperation übersetzt.

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Torben Lux
Autor*In
Torben Lux

Torben ist seit Juni 2014 Redakteur bei OMR. Er schreibt Artikel und Newsletter, plant das Bühnenprogramm des OMR Festivals, arbeitet an der "State of the German Internet"-Keynote, betreut den OMR Podcast und vieles mehr.

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